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Die Stimme · 1929-11-28 · Heft 102 (28.11.1929) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 102 (28.11.1929)
Date
1929-11-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile $ DIE STIMME Nr. 102 Am 19. Dezember 1929 veranstaltet der «Verein der Freunde des arbeitenden Palästina In Wien» einen HS Ml Ml UM MM MIM Ml MV M m Abend irtdisdaer Kunst T. Teil: Musik. ■Ciinsdl<erfiscStM Eefitfumg: J. MaatfscSeeswoltff Zur Aufführung gelangen Uraufführungen jüdischer Kammemiusikwerke und Klavierkompositionen, Cellovorträge, Gesangsvorträge. Es wirken mit: J. Sfcutschewski, J. Brandmann, B. Gimpel, der Wiener Jüdische Gesangverein U. 0, . Ü. Teil: Tanzdarbietungen. l€4ftn»tfl«rlselB« EeeMunsf: Qcrirud K£o*«a«as Uraufführung eines biblischen Zyklus «Frauengestalten», ausgeführt von Gertrud Kraus und ihrer Tanzgruppe. Der gesamte Reinertrag wird dein Paiästinn-Arh^terfonds in Tel-Aviv überwiesen und dient vor alleen dem Wiederaufbau der anläßlich der letzten Vorfälle in Paläst na zerstörten Arbeiterwirtschaften.; Kartenvorverkauf: Konzc-rthauskasse, Sekretariat des Vereines, Il.„ Tandetmarktgasse 10, Tür 9 (7 bis 8 Uhr abends), Kartenbureau «Aida», 11., Taborstraße 1, Buchhandlung Rath, II., Tabörstraße 10, «Hechaiuz», I., Kärntnerstraße 28. eine große Zahl der stefs zur Plünderung bereiten Beduinen. Warum verlangten unsere Zionisten von der zionistischen Bewegung eine geistige Grundlage und eine produktive Leistung und verzichteten darauf bei der arabischen Bewegung? Hätten die anderen Völker gegenüber Gruppen von Unruhestiftern, wie etwa der Schwarzen Hundert oder kommunistischen Gruppen, dieselbe Schwachheit gezeigt, die man uns anratet, so wären diese Staaten zugrunde gegangen. Die arabische Frage bestehe, wir müßten alles tun, um sie zu lösen, aber wir dürften nicht das Schicksal der Aaraber den Händen dieser Clique überliefern. Zum zwölften Jahrestag der Balfour-Erklärung «The New Palcstine» (New York) vorn 1. Novetticer veröffentlicht zu dem obigen Thema einen Artikel von Dr. Abrarn Co r alnik unter dem .Titel «Nach zwölf Jahren». Der Verfasser schreibt u. a.: Wir wissen, daß Geschichte nicht durch einzelne politische Akte und nicht mit Wort- und Paragrapfrenklauberei gemacht wird. Hinter großen Bewegungen stehen andere und wirkungsvollere Kräfte. Wenn irgendwer, so hat der Jude diese Lehre erteilt bekommen — und dies lange bevor die Pikten lernten, ihre nackten Leiber mit blauer Farbe zu dekorieren. Wir haben gelernt, daß der Ewige «nicht im Sturm und nicht im Erdbeben und nicht im Feuer, sondern nur im leisen Säuseln» ist, in der ruhigen Stille des wahrhaften schöpferischen Lebens. Wir wissen, daß, wenn politische Stürme und Erschütterungen vorüber sein werden, die Idee weiterleben wird, die Idee, die dem Zionismus zugrunde liegt. Würde der Zionismus wirklich vom guten Willen und der Gnade dieses oder jenes britischen Staatsmanns oder von der Zusammensetzung des Unterhauses abhängen, so könnte er keine Dauer haben. Hinge das Schicksal der Juden von den Launen und Ambitionen irgendeines Groß- oder Klein-Muftis ab, so wäre es schon längst entschieden. Das würde das Ende bedeuten. Aber die Geschichte geht nicht solche Wege, wenigstens nicht die einzigartige Geschichte der Juden, für die der «Wunsch nach dem Unmöglichen» die Haupttriebfeder ihres Lebens ist. Wir wollen das «Unmögliche» in die Wirklichkeit Umsetzern i. .Wir wollen nicht noch einmal mit der Vertretung unseres Standpunktes von vorn beginnen. Wir plädieren nicht. Heute, nach zwölf Jahren, betrachten wir diesen Teil der Angelegenheit als erledigt England aber kann das Verfahren ebenfalls nicht wieder eröffnen; denn wir jjfreten nicht mit neuen Forderungen vor; es gelüstet uns •keineswegs nach Zurechtweisung und Ablehnungen.;Der berühmte britische «Steuerzahler» will keine weiteren Lasten auf sich nehmen. Vielleicht hat er Recht; vielleicht ist ein halber Penny jährlich mehr oder weniger wichtiger als irgendeine großzügige, historische Geste, wie etwa die Unterstützung der jüdischen Erneuerung seitens Englands. Vielleicht! Gut, meinetwegen! Wir werden unsere Last nicht den gebrechlichen Schultern des britischen Steuerzahlers auxbürden. Wir bitten nur, daß dieser Steuerzahler so edelmütig sein-möge, sich nicht zu unserem — und letzten Endes auch seinem eigenen — Nachteil einzumischen. Wir müssen die ganze Verantwortung allein übernehmen und sind bereit, es zu tun. Was wir von England fordern, ist lediglich eine gerechte Behandlung, eine «gute Chance». Wir werden den Arabern Angesicht in Angesicht gegenübertreten. Nicht in Feindseligkeit, nicht einmal in der mittelalterlich-romantischen, komödienhaften Weise von Abenteurern. Die Araber mögen vielleicht die Feinheiten europäischer Diplomatie nicht begreifen, aber sie begreifen, was Schicksal ist. Angesicht gegen Angesicht, Schicksal gegen Schicksal wollen wir mit den Arabern verhandeln; und dann — bismiillah! (iim Namen Gottes) — wird in Palästina Frieden sein. Wir hofften, England würde uns helfen, «die nationale Heimstätte zu errichten», wie das Mandat vorschreibt. Vielleicht wird es uns helfen. Aber selbst wenn das nicht geschehen wird, wenn es nicht dazu imstande sein wird — wenn selbst die Balfour-Deklairation nur ein «frommer Wunsch» bleiben sollte — dann fordern wir von der Macht, die diese Erklärung abgegeben hat, nur das eine: Lasse nicht dieses feierliche, einzigartige Dokument zu einem «Fetzen Papier» werden. Die Juden besitzen die große Begabung, die Dinge aus ihrer Vergänglichkeit zu Symbolen der Ewigkeit emporzuheben. Jüdische Einbildungskraft wird die Balfour-Oeklaration zur Höhe schöpferischen Geschehens emporbeben und einen Mythus um Englands Geste weben -— auf daß England nicht vergessen, auf daß es sich' nicht zur lickziehen möge. Sokolow io Bukarest ukarest, 22. November. (J. T. A.) Nahum Sokolow, der Präsident der Zionistischen Welt- Exekutive, ist in Begleitung seiner Tochter, Fräulein Dr. Sokolow, in Bukarest eingetroffen, und wurde am Bahnhof von Deputationen der großen jüdischen Körperschaften enthusiastisch empfangen. Tausende ‘Juden der rumänischen Hauptstadt hatten sich eingefupjfefl, tim Sokolow zu begrüßen. Prof. Dr. Krauss — Kommandeur des griechischen Phönixordens Vergangene Woche war der berühmte Archäologe und Historiker Professor Dr. Samuel Krauss Gegenstand besonderer Ehrung. Die griechische Regierung hat dem hervorragenden Gelehrten auf Grund seiner besonderen Verdienste um die geschichtliche Erforschung der byzantinischen Zeit den Titel eines Kommandeurs des Phönixordens verliehen. Krauss’ Werke sind nicht nur den jüdischen, sondern überhaupt allen historisch-wissenschaftlichen Kreisen bekannt. Schon, seine Doktordissertation «Zur griechischen und lateinischen Lexicographie aus jüdischen Quellen» (in der «Byzantinischen Zeitschrift» vo!. ii. veröffentlicht) kennzeichnet die Eigenart des Philologen überall, wo Lücken oder Undeutlichkeiten vorhanden, dieselbe klarzulegen und zu erklären. So wurde auch Krauss’ Mitarbeit in den «Monumenta Hebraica Talmudica» von fruchtbarer Bedeutung, seine «Archäologie» bahnbrechend. In gleicher Weise wirkt Krauss auf dem Gebiete der Geschichtsforschung überaus bereichernd. Fast keine Zeitschrift, Jubilar- oder Gedenkschrift, wo er in seiner rastlosen Forschertätigkeit neues, Material sichtet und beleuchtet: So hater auch in-zahlreichen Aufsätzen das bis dahin/ vollständig vernachlässigte Gebiet der Geschichte der Juden im Byzantinischen Reiche erforscht. Erst jüngst erschien ein hebräischer Aufsatz Krauss’ in Jerusalem, der; dje Lage der Juden zur Zeit Kaiser Heräklius’, insbesondere ihren Aufstand behandelt.. - Als Präsident des Wiener Vereines für jüdische Geschichte und Literatur ist er bestrebt, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung zum Nutzen und Heil des Judentums der Oeffentlichkeit in populärer Weise zugänglich zu machen. Als Professor an der israelitischtheologischen Lehranstalt sov/ie Pädagogium wirkt Krauss in vorbildlicher Weise. Auch das Wiener Beth Hamidrasch kennt den berühmten Professor vom Vortragspulte her. Kein Wunder, daß die Jerusalemer Universität den Historiker -als Vortragenden in Betracht gezogen hat. Seine zahlreichen Schüler und Hörer und mit ihnen die.jüdische Oeffentlichkeit Wiens gratulieren ihm zu seiner Ehrung. Möge uns seine Tätigkeit noch recht lange Jahre zugute kommen! Josef Babad. Jüdischer Verein «Nord-Ost», Wien, II., Taborstraße 21a, veranstaltet Mittwoch, den 4. Dezember 1929, 8 Uhr abends, in der Jüdischen Bühne, Wien, II., Taborstraße 12 (Hotel. Stefanie) eine Aufführung der Komödie «Der Rebbe heißt listig san!» Die Karten sind im Vorverkauf bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern unseres Vereines, im .Vereinslokale und Cafö National (an der Kassa) erhältlich.. Soeben ist die erste Nummer der vom Verbände der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden in Wien, VI., MariahUferstraße 113, herausgegebenen Monatsschrift «Die Wirtschaft» erschienen. Das Verbandsorgan dient der Behandlung wirtschaftlicher Probleme und befaßt sich besonders mit den Fragen, welche die in Handel, Gewerbe und Industrie tätigen Juden interessieren. — Der Bezugspreis dieser Zeitschrift, welche den Verband.smitgliedern kostenlos zugestellt wird, beträgt pro Jahr S 6.—. Redaktion und Administration: Wien, VI., Mariahilferstraße 113. Jüdischer Sport Jabresvollversammlung der Hakoah-Leichtathleten. Vergangenen Mittwoch hielt die Leichtathletiksektion des Sportklubs Hakoah im Klubheim ihre diesjährige Vollversammlung ab. Herr Dr, Unterberg begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder, insbesondere das Mitglied der Klubleitung Herrn Robert Glücksmann, und erstattete den Tätigkeitsbericht. Die Sektion feierte im heurigen Jahre die größten Erfolge seit ihrem Bestand. Sie gewann sechs österreichische Meisterschaften, vier zweite und einen dritten Platz, bei den Wiener Meisterschaften zwei erste, zwei zweite und einen dritten Platz, bei den Juniorenmeisterschaften einen Sieg, einen zweiten und vier dritte Plätze. Auch im Ausland konnten, die Starts in Beuthen Berlin Kattowitz und Mähr.- Ostrau erfolgreich abgeschlossen werden. Ins österreichische Nationalteam wurden Bledy, Deutscher, Frankl und Klein berufen und vertraten die österreichischen Farben erfolgreich in Wien gegen die Tschechoslowakei, in Bern gegen die Schweiz und in Innsbruck gegen die Provinz. Insgesamt wurden 49 erste, 47 zweite und 50 dritte Plätze errungen. Anschließend berichtete Kurt Münz über seine Tätigkeit im Aufbau der Knabenriege, um die er sich verdient gemacht hat Sämtliche Berichte wurden mit Beifall zur Kenntnis genommen. Sodann sprach Herr Glücksmann namens der Klubleitung den Dank an die Sektion für die erfolgreiche Tätigkeit aus. Es folgt nun die Ehrung der zehn Besten der Sektion. Es erhielten silberne Ehrenzeichen: Bledy, Deutscher Klein, Tichler II, Spielmann, Metzl, Tichler III, Weiner, Steiner und Beck. Namens der Athleten dankte Spielmann für die Ehrung und überreichte namens der Athleten dem Trainer Bierbrauer als Zeichen der Anerkennung seiner Tätigkeit eine silberne Stoppuhr. Bei den folgenden Neuwahlen wurden nachstehende Herren in die Sektionsleitumg gewählt: Bledy, Dr. Benedikt, Deutscher sen., Ernst, Klepner, Löwy, Marmorek, Münz, Kohn, Dr. Unterberg, A. Unterberg, Spielmamn, Weiner sowie Ehren Sektionsleiter Dr. Friedman«. Mit einem Appell, das Wintertraining eifrig zu besuchen, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Touristik und Skiklub «Hakoah», Wien, I., Wieslngerstraße 11. Tourenprogramm für Sonntag, den 1. Dezember 1929: Fußtouren: Freie Wanderung, Zusammenkunft 8 Uhr 30 Min. Straßenbahnende 38, Grinzing. Kurse: «Erste Hilfe», Dr. Much, jeden Donnerstag ab 20 Uhr. Näheres Freitag von 20 bis 22 Uhr!! —Jugendgruppe: Laab am Wald. Näheres Donnerstag von 19 bis 21 Uhr. Klubheim, Wien, I., Wiesingerr straße 11 (Telephon R 25-0-10). Herrn Dr. Hugo Benedikt wurde vom Sportklub Hakoah das Amt eines Vizepräsidenten übertragen. Beim Sportklub Hakoah haben einige prominente Mitglieder die Aufgabe übernommen, einen »Jüdischen Automobil- und Motorfahrer-Klub» als neue Sektion des Sportklubs Hakoah ins Leben zu rufen. Interessenten mögen Name und Anschrift dem Sekretariat des Sportklubs Hakoah, Wien, I., Wiesingerstraße 11 (Telephon R 25-0-10), be, kanntgeben. Große Erfolge der jüdischen Boxer. Bei den vom Amateur-Boxverbamd ausgeschriebenen Neulingskonkummzen konnte die neugeignündete Boxselction des I. W. J. T. V. Makkabi 9 überraschend gute Erfolge erzielen. Von den vier Startenden konnten sie zwei Meistertitel und einen zweiten Platz für sich buchen. Im Fliegengewicht wurde Nadel, der gleich im ersten Kampf gegen den nachmaligen Meister an treten mußte, mit dar knappsten Buinktedifferemz, einem Punkte, geschlagen. Nach Ansicht anwesender Fachleute wäre wegen Unentschieden eine Zusatzmmde zu geben. Im Leichtgewicht überraschte Schiff mann durch sein hohes Können, so daß er glatt in die Entscheidung kam und den Meistertitel errang. Im Weltergewicht trat Neger wegen einer erlittenen Verletzung in der letzten Runde nicht an, und konnte nur den zweiten Pl’atz erringen. Im Halbschwergewicht warf Mayer in den Entscheidung seinen Gegner schon in der ersten Runde zweimal zu Boden und zwang ihn schon in der zweiten Runde zuim Aufgeben. Die zionistische Studentenschaft beim Unterrichtsminister prag. (J. T. A.) Der Unterriohtsminister Dr. Stefanek empfing eine Abordnung der jüdischnationalen Studentenschaft unter Führung des Abgeordneten Dr. Ludwig Singer.. Der Minister nahm die Mitteilung der Deputation und das korrekte Verhalten der jüdischen Studentenschaft zur Kenntnis. Den Numerus clausus hält er für nicht geeignet zur Beseitigung der gegenwärtigen Schwierigkeiten an den Hochschulen. Im Hinblick auf die Inländer erübrige sich überhaupt' jede Diskussion über den Numerus clausus. Der Minister erklärte, daß Ausschreitungen wie in den letzten Tagen unter keinen Umständen geduldet werden würden. Zum Schlüsse betonte der Minister, daß bei Behandlung des vorliegenden Problems antisemitische Tendenzen ausgeschaltet bleiben. I ■,1111 ■ 11 i\i111 in mm l Ul ili'i i ti'i i. i un’iu.i 11 iiiiiiiiiliLÜlullli^killlAiL«illiiiiilIljLllllÜlUlillLli^-l Die Zionistische Sektion Prater kondoliert ihrem Obmann, Gg. Dr. N. M. Frey, und seiner Gattin anläßlich des Hinscheidens ihres Vaters, respektive Schwiegervaters, Herrn Ensel Reich. — Mögen sie in der Arbeit für unsere Sache Trost finden. WfiriiiiMiMHiMiiiiiMitiftiiiriiwr-TiirfTr^,^“t^r^örr,tu^rnfciMiiiiiHiimi,i

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