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Die Stimme · 1929-11-28 · Heft 102 (28.11.1929) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 102 (28.11.1929)
Date
1929-11-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 102 DIE STIMME Seife 5 Die jüdische Legion Von Dawid Schechet Unter, den vielen Anfeindungen und Vorwürfen, die man sö gerne von allen Seiten der revisionistischen Bewegung' macht, spielen ihre angeblichen militaristischen Tendenzen die führende Rolle. Es wäre vielleicht nicht der Mühe wert, sich mit derartigen Verleumdungen, in denen böser Wille mit Sinnlosigkeit wetteifern, ernst zu beschäftigen. Zur Aufklärung der jüdischen Oeffentlichkeit, vor allem aber der jüdischen Jugend, erscheint es notwendig, über folgendes zu informieren: - ... Der Revisionismus erstrebt die Schaffung eines jüdisch-nationalen Staatswesens in Palästina. Für den Revisionismus ist Palästina kein Selbstzweck; Erez Israel ohne jüdischem Staatsorganismus bleibt sonst ein historisches Heiligtum. «Geistiges Zentrum», «Binationale Kantone», oder Wie sonst die politischen Devisen lauten, bleiben bloß leere Begriffe, die einer ernsten Bedeutung entbehren. Nur der Judenstaat ist die gebührende Antwort auf die Judennot und nur eine jüdische Majorität in Palästina kann es zu einem jüdischen Lande machen. Aus dieser Erkenntnis heraus leitet der Revisionismus sein politisches Programm ab. Um eine jüdische Majorität in absehbarer Zeit zu erreichen, muß das Land kolonisatorisch regiert werden, und das bedeutet die Verpflichtung der Kolonisationsleiter (in diesem Falle der Mandatarmacht) den jüdischen Einwanderern weitestgehende Begünstigungen in Form von Verteilung der Staatsländereien, Förderung des Handels, Einführung der Schutzzölle für die Industrie usw. zu gewähren. Damit aber dieses Aufbauwerk gesichert ist, muß auch für einen genügenden Schutz vorgesorgt werden. Diesen Schutz bietet eben die Legion. Da in Palästina die Araber zurzeit die Mehrheit haben, muß man immer auf Ueberraschiungen vorbereitet sein. Die Geschichte der Kolonisation kennt keinen einzigen Fall, wo die Besiedlung eines Landes mit Einwilligung der Einheimischen vor sich ging. Der Revisionismus will daher in der ohnehin schwierigen Araberfrage keine Vogelstraußpolitiik führen. Er erklärt .offen, daß die Juden 'nach Palästina gehen, um dort nicht ein arabisches, sondern ein jüdisch-nationales Staatsgemeinwesen aufzubauen. Und er weiß, daß eine ehrliche Verständigung mit den Arabern nur dann meg- •lich.visf, sobald wir. die Majorität lifi Lande e. reicht haben werden. Alles andere ist ein gefährlicher Selbstbetrug und eine Demoralisation der eigenen nationalen Reihen. mebtjtttifdie Slutoufäfeu feie fßrofetjor Dr. mc 1. .ftia, 'Frofeffor Dr. med. SajaruS unb btele an&crc ucjtütigen, baf} SRabium dtne aufcetor&mtl.idi) günftige Sßirifung hei 2töernberfalftmg auä* üöt, inbent eä belebenb unb anregenb auf ben Organik mu3 unb bor altem auf alle SCBIagetungen toirft. fftabtum tu feiuftberteitter $otm befindet fidj tu ben fftabtofflerin*Tabletten, tueldjc btc 531utaitfula» timt fötbetn. IftabtumgeljaU a m 11 i dj ge* prüft. ©eneralbcpot unb STuäfunft: Slpatlf) ef c 58 a b e r, Sßtett, 1. SSeg., SöoIIaeile 13. — fpefte gratis unb franfö. Da wir unter den gegebenen Umständen auf das Schlimmste gefaßt sein müssen, benötigen wir eine militärische Formation, die das Aufbauwerk schützt. Die Pflicht und die Ehre der jüdischen Jugend verlangt, daß sich ihre Angehörigen aktiv an dem Schutze Palästinas. beteiligen sollen. Die palästinensische Jugend hat in den Augusttagen den Beweis erbracht, daß sie befähigt ist, heldenmütig jüdisches Eigentum und Leben zu schützen» Der Zionismus proklamierte die Subjektivisierung des jüdischen Lebens in allen seinen Formen. Daraus folgt auch die Notwendigkeit und das Recht, die Verteidigung der jüdischen Positionen den Juden selbst zu überlassen. Die Legion ist die erste Voraussetzung für eine produktive Arbeit im Lande. Die Legionsidee hat aber gußer diesen rein praktischen Aufgaben nooh einen moralischen und erzieherischen Sinn.. Die jüdische Jugend der Galuth wird durch diese Idee erzogen, im Falle es sich notwendig zeigen sollte, auch physisch die Rechte der Nation zu verteidigen. Der Traum Nondaus vom Muskeljudentum ist dann keine Utopie mehr. Der Tel-Chaj-Gedanke, das geistige Kind dieser Idee, bietet der jüdischen Jugend diese Gelegenheit. Die wehrsportliche Ertüchtigung ist somit ein Gebot des Tages. Der Legionismus verfolgt keine offensiven Ziele. Er will niemanden unterjochen.. Ebenso wie das Selbstverteidigungsrecht jedem freien Bürger in jedem freien Lande nicht abgesprochen werden kann, verlangt es der Schneüzugstatlon Steinach am Brenner, j Wunderschönes Skigelände mit günstigen Schneeverhättnlssen von Mitte Dezember! bis Ende März. Skikurse, Rodelbahn, Eis* i laufplatz. Behaglicher Aufenthalt Im HOTEL UjrtQ PENSION * m U. d. M„ In sonniger Lage, neu er» baut, modern und gedlegon eingerichtet, 60 Betten, fließendes Kalt- und Warm* wesser, Zentralheizung und Bäder. Erst* klasslge Wiener KUcho. Pensionspreis ab MK. 7.20. Auf Verlangen Prospekte. Legionismus auch für die Juden in Palästina und in der ganzen Welt. Der Legionsgedanke füllt aber nicht, wie es manche glauben, das ganze Programm des Revisionismus aus». Er ist, wie Jabotinski sagte, nur 1 Prozent des revisionistischen Programmes. Aber dieses 1 Prozent ist die Voraussetzung für alles übrige. Denn ohne entsprechenden Schutz schwebt unser ganzes Werk immer in der Gefahr, eines schönen .Tages ins Mittel me er hineingeworfen zu werden. Zum Schluß noch einige Worte über den moralischen Wert der Legion. Für das Judentum gibt es heute kein Zurück mehr — Palästina muß unter allen Umständen jüdisch werden. Dies offen zu bekennen, ist der ehelichste Weg. Die Legion ist die mildeste Form der Verteidigung, sie hat präventiven Charakter. Sie wird auch auf die Logik der Araber einwirken müssen. Denn es ist klar, daß sie sich überlegen werden, anzugreifen, wenn sie es wissen, daß bewaffnete Abteilungen mit der gebührenden Antwort nicht zögern werden. Hebron und Safed, wie auch die unnützen beiderseitigen Opfer, wären in diesem Falle unmöglich gewesen. Dies allein ist bedeutend moralischer als das gegenseitige spontane und planlose Abschlachten. Das müßten alle ehrlich denkenden Juden verstehen, vorerst aber die jüdische Jugend. Auf böswillige Angriffe werden wir nicht antworten, denn sie stammen aus innerer Ideenlosigkeit und Mangel an ethischem Verständnis. Ueber 2 Millionen Dollar für den Palästina-Hilfsfonds aus Amerika. (JPZ) N e w Y o r k. Die am 27. August in Amerika eröffne te Kampagne für den Hilfsfonds zugunsten der Unruheopfer in Palästina wurde dieser Tage geschlossen. David A. Brown, der die Aktion leitete, gibt nun offiziell bekannt, daß für diesen 'Fonds etwas über zwei Millionen Dollar eingegangen sind, wobei er hervorhebt, daß.von.christlichen Amerika- nern Spenden in großer Zahl eingegangen sind, welche auf diese Weise ihre Sympathie für das jüdische Aufbauwerk bekunden wollten. Pariser Briefe Bei Leo Motzlein Von unserem Sonderberichterstatter Dr. Jacob Rosenthal. Leo Motzkin wirkt wie ein merkwürdiger Magnet auf die Jugend. In der Tat, läßt man diese unsere Großen Revue passieien, so findet man mit Ausnahme unseres einzigen, unvergeßlichen Oberrabbiners Doktor Chajes, kaum einige wenige, die einen ebenso starken, inneren Zusammenhang und so viel Liebe mit und zu der Jugend haben, wie Leo Motzkin. Dies kann doch einzig und allein nur in der Pv-iouiiiiclikeit dieses Mannes liegen, eben in seiner unglaublichen, ewigneuen Jugendlichkeit, Frische und Begeisterungsfäh'gkeifc. Weizmann, der feine Diplomat, wirkt durch seine kühle,, ruhige und vornehme Zurückhaltung; Sokr'.w durch seine — ach, so herrlich wohltuende —-.altneujüdische Weisheit; unser unvergeßlicher Chajes durch die nur ihm ' eigen gewesene Selbstverständlichkeit, Schlichtheit fand. Güte seines Wesens und durch die ihm innewohnende Aesthetik: J^botinsky durch sein außerordentliches oratorisches Talent und hinreißendes Temperament und Leo Motzkin — durch die Kraft .des Gefühls und der Ueberzeugung. Ihm kommen absolut keine besonderen äußeren Mittel zu Hilfe, sondern das Ganze liegt in der Kraft seiner inneren, überaus wachen und starken zionistischen Ueberzityigung. Dieselben Worte, Von einem anderen gesprochen, werden als so oft und off gehörte Phrasen abgetan, aus seinem Munde wirken sie aber immer wie eine Offenbarung. Hier liegt das Schwergewicht. Motzkin, er ist1 einer der letzten, die den Zionismus — hoch über al'en Parteien .und Gruppen'stehend, erhaben, könnte ich fast sagen, über alle Politik im; Zionismus — als Offenbarung erlebten und noch immer erleben. (Wiewohl ich nicht erst besonders hervorheben muß, was für ein guter Politiker Motzkin eigentlich ist.) Die Idee der jüdischen Renaissance ist ihm heute genau so eine Quelle stärkster Begeisterung, wie sie ihm in den ersten Anfängen der Bewegung war. Die Idee ist ihm das Höchste; ob sich nun Zionisten mit NLhtzionisten verb'rden, ob nrn die erweiterte Arbeitsfläche für Palästina Jewish Agency beißt, er glaubt an die immanente Macht, an die nicht ZU zerschlagende Kraft des Herzischen Zionismus mit aoldict Inbrunst, mit solcher Unerschütterlichkeit, daß er nicht befürchten muß, solche oder ähnliche Verbindungen könnten eine Verwässerung bder Verflachung der MeCztlr Folge haben, sondern ganz im Gegenteil, i sein tiefer Glaube an die eigenen Kräfte des Zionismus! macht es ihm leicht, die Durchdringung und Durch- I blutung der anderen durch eben diese Kräfte zu erwar- : ten. Leo Motzkin ist der jugendlichste Veteran der i zionistischen Bewegung; erist der treueste Bewahrer der Tradition Herzischen Zionismus. jt In den Tagen des Entsetzens, als aus Palästina eine Schreckensnachricht die andere jagte und sich wie ein Alpdruck auf unsere noch vor kurzem so zükunftsfroh gestimmte Seele legte,, war es Trost, einen solchen Menschen in der Nähe zu wissen. Ich bin in Paris — was ist naheliegender, als Motzkin aufzusuchen? Er war gerade aus London von der eben beendeten gemeinsamen Konferenz des in aller Eile zusammenbeTufenen Administrativ- und Zionistischen Aktionskomitees zu rückgekehrt und es hieß, daß er am selben Abend eine traurige Mission noch zu erfüllen habe. Er sollte nämlich den von Zürich nach Paris gebrachten sterblichen Ueberresten Louis Marshalis bei der Ueberfübrung nach Amerika bis Cherbourg, zusammen mit den Hinterbliebenen, das letzte Geleite geben. Ich erfuhr dies jedoch, erst, später und sö ging ich im Vollbewußtsein meiner Mission als erster Reporter, ihn, den Feldherrn der Zionistenkomgresse, zu — interwieven. Dieser, müde und abgespannt, seit zweieinhalb Monaten ununterbrochen in aufregender und aufreibender Arbeit, — wer am Ij^ngresse teilnahm, der ermißt, welche Kraft und grenzenlose Energie er dort aufwenden mußte —, keine Minute Ruhe sich gönnend, sondern meinte, ich müsse mich noch 1 bis 2 Tage gedulden, Wenn aber Herr Motzkin der Ansicht war, daß ich ihn nicht mehr belästigen werde, so hatte er nicht an die Zähigkeit — seiner Rasse gedacht. Denn jetzt saß ich ihm in seinem Bureau gegenüber, während er aus seiner fast sprichwörtlich gewordenen Zigarre kleine Rauchschwaden hervorstieß, in der Erwartung meines besonderen Anliegens. Doch nun ergab sich etwas Merkwürdiges: ich wpßte auf einmal nicht mehr recht, was ich, präzise ausgedrückt, ihm eigentlich fragen wollte. Es mochte mir einerseits wahrscheinlich nur darum zu tun gewesen sein, ihn zu sprechen, ganz einfach zu sprechen, etwa so, wie man manchmal den begreiflichen Wunsch hat, einen schon seit langem im Stillen verehrten, großen Menschen zu sehen oder mit ihm beisammen zu sein. An den eigentlichen Anlaß meines Besuches, der vor allem mit den traurigen Ereigniesem in Palästina Zusammenhang, dachte ich scheinbar augenblicklich nicht. Da ich a/ber andererseits ln einer so ernsten Zejt mit diesem, beinahe romantischen Anliegen weht kommen konnte, war . mit klar, und ich wählte also das Einfachste: ein Interview. Herr Motzkin schien meine mehr oder weniger gut verborgene Verlegenheit übrigens auch bemerkt zu haben; um diese zu bemänteln, zückte ich meinen Bleistift und öffnete meinen Notizblock, denn er fügte auf diese Geste, im Anschluß an die Frage nach meinen besonderen Wünschen, mit seinen kleinen Kinderaugen blinzelnd, sofort hinzu: «Ich sehe, Sie wollen gleich notieren; .aber ich werde Ihnen etwas verraten: «Was geheim ist und für Sie von Interesse wäre, kann, darf und werde ich Ihnen nicht sagen und das andere» — auf den auf seinem Tische liegenden Zeitungsstoß deutend — «das ist doch bereits in allen Zeitungen». So entwaffnete er mich, gab mir aber gleichzeitig frischen Mut. Es sollte also kein Interview werden, ich notierte auch nichts, aber daß mir dies nicht gegebene Interview Anlaß zu vorstehender Skizze gab, darob wird'mir wohl Herr Motzikln nicht böse sein. Denn in eben diesem nicht erteilten -Interview, in dem folgenden, «bloß einfachen» Gespräche, gab mir Herr Motzkin bedeutend mehr — freilich mehr durch die Art, als durch die Tatsachen, als ich je durch Fragen, wie z. B.: «Wiie' stellen Sie sich zu . . .», oder: «Wie beurteilen Sie die Lage?» usw., mit mir hätte nehmen können. Nichtsdestoweniger war Herr Motzkin so liebenswürdig, mir auch über einige aktuelle Fragen im Laufe des Gespräches Aufschluß zu geben. Als wir dann auch auf Wien zu sprechen kamen, sah ich ein Aufleuchten in seinen Augen; und als ich unsere tristen Verhältnisse im allgemeinen und im besonderen erwähnte und andeutete, man müsse dieses Wien aus seiner Lethargie wieder einmal aufrütteln, meinte er, zuerst ein bischen traurig und resigniert: «Ja, eine gewisse Inaktivität lastet dort». Doch noch im selben Augenblick erinnerte er sich seiner Jugend und mit einer nicht wiederzugebenden Ueberzeugungskraft sagte er: «Sie waren noch gar nicht auf der Welt und ich war noch ein ganz junger Mensch, als von Wien, gerade von diesem Wien einmal die Faokel der Renaissance des jüdischen Volkes in die Welt geschleudert wurde.» Ich mußte einen Augenblick an dieses Wien, an den Hader, der dort herrscht, an die Zersplitterung der zionistischen Kräfte denken und fragte mich fast laut: Haben wir wirklich schon an jene stolze Tatsache vergessen? Zum Schlüsse teilte mir noch Herr Motzkin mit,; daß er den Plan habe, auf seiner ihn in diesem Winter; nach Rumänien führenden Propagandareise auch Wien einen Besuch abzustatten, um hier vor einem, größeren Publikum zu sprechen. Bis dahin jscjügfct fef' warme Grüße an das zionistische Paris, im Herbst 1929, v _

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