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Die Stimme · 1929-11-28 · Heft 102 (28.11.1929) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 102 (28.11.1929)
Date
1929-11-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 102 Jugendverein «Erez Israel», Wien, 2. Bezirk, Zirkusgasse 33 GROXTER KONZERTHAUSSAAL TTT «mSr* JStm JL # SONNTAG, 15. DEZEMGER 1929 Hebräisches Konzert Künstlerische Leitung: PROF. ARTUR WOLF Mit: Rena Pfeiffer-Lax (Volksoper). Erika Wagner (Deutsches Volkstheater), Kammersänger Josef Manowarda (Staatsoper), Oberkantor Gerson Margulies, Carl La fite (Klavieril OrgelbeglJ, Gemischter Chor KARTEN SIND ERHÄLTLICH Zion. Bureaus, X. Kämtnersbraße 28, Telephon R 27-4-85/86 fugendverein Erez Israel, 11, Zirkusgasse 33. Telephon R 49-8-98 Bücherstube M. Rath, II.» Taborstraße 20a, 7elephon R 43-1-58 BEGINN HALB 8 UHR ABENDS Das Reinerträgnis fließt dem Chajes- Realgymnasium u. d. Chajes-Walde zu zedtungen „Haaretz“ und „Dawar“ herbeizuschaffen, in denen der „Doar Hayom“ als verantwortlich für die jüdischen Kundgebungen an der Klagemauer am Tischa b’Aw angegriffen wird. Sir Boyd unterbreitete auch den Bericht der Zionistischen Exekutive an den 16. Ziondstenkongreß in Zürich, sowie die von der Zionistischen Exekutive der permanenten Mandatskommission des Völkerbundes in den Jahren 1924 Ws 1929 übermittelten Memoranda. (J. T. A.) Ein Jude zum Tode verurteilt Jerusalem, 20. November. (J. T. A.) Das Gericht in Jaffa verurteilte den spaniolischen Juden Joseph Orphale, der beschuldigt war, während des Aniberaufstandes bei der Abwehr arabischer Angriffe auf Juden zwei Araber erschossen zu haben, zum Tode. Als erschwerend wurde vom Gericht angenommen, daß die Tötung der Araber erfolgt war, als bereits britische Truppen zur Niederwerfung des Aufstandes in Jaffa eingetroffen waren. Die Verurteilung Joseph Orphales, dessen Schuld man nicht für erwiesen hält, hat in der palästinensischen Judenheit eine sehr gedrückte Stimmung hervorgerufen. Es ist dies der erste Fall, daß ein Jude in Palästina zum Tode verurteilt wird. Die Mandatskommission des Völkerbundes und die Klagemauer Genf, 23. November. (J. T. A.) Die Mandatskommission des Völkerbundes befaßte sich in ihrer Sitzung am 2. November mit der Frage der Heiligen Stätten in Palästina in Verbindung mit einem von der britischen Regierung gestellten Ersuchen, daß die Mandatskommission'einige Mitglieder aus ihrer Mitte ernennt, die zusammen mit der englischen Regierung einen Plan der Lösung der Frage der westlichen Tempelmauer (Klagemauer) in Jerusalem ausarbeiten sollen. Im Artikel 14 des Mandats ist vorgesehen, daß die Mandatsmacht zur Behandlung aller Fragen und Klagen, die die heiligen Stätten betreffen, eine paritätische Kommission einzusetzen habe, die vom Völkerbundsrat genehmigt werden müsse. Ein von der englischen Regierung im Jahre 1922 gemachter Versuch, diese Kommission zu bilden, scheiterte an dem Widerspruch namentlich mehrerer katholischer Staaten bezüglich deren Zusammensetzung. Die englische Regierung führt in dem jetzt der Mandatskommission überreichten Memorandum aus, in den letzten Jahren kamen zahlreiche und schwere Konflikte im Zusammenhang mit der Klagemauer vor, die es als notwendig erscheinen lassen, vorläufig eine besondere Kommission gemäß Artikel 14 des Mandatsvertrages nur für den Schutz der Klagemauer und für die Rechtsansprüche an derselben einzusetzen. Es wird darauf hingewiesen, daß der zwischen Juden und Arabern entstandene Klagemauerkonflikt mittelbar auch der Anlaß zu den blutigen Unruhen vom August geworden ist. In der Mandatskommission waren die Meinungen, ob eine solche spezielle Kommission zu bilden ist, geteilt. Es entstand die Frage, ob nicht im Sinne des Mandats zunächst der Völkerbundsrat sich ’ mit der Frage zu befassen habe, und ferner, ob Artikel 14 des Mandats so ausgelegt werden könne, daß für die verschiedenen heiligen Stätten verschiedene Kommissionen eingesetzt werden könnten. Einige Mitglieder der Mandatskommission erörterten die Frage, ob nicht mit der Einsetzung der allgemeinen oder einzelner Kommissionen gewartet Wv_».wwüle, bis der Bericht der englischen Untersuchungskommission für Palästina vorliegt. Wie es heißt, ist eine Antwort der Mandatskommission an die englische Regierung noch nicht erfolgt. «Dawar» erscheint wieder Jerusalem, 21. November. (J. T. A.) Die hebräische Tageszeitung «Dawar», Oigan der Arbeiterschaft, die wegen Veröffentlichung der «schwarzen Liste» der Regierung verboten wurde, darf von heute ab wieder erscheinen. Palästinabrief Von unserem Jerusalemer Berichterstatter J. G-r. Jerusalem, 19. November. In Palästina ist es «vollkommen ruhig». Als der Unterstaafssekretär der Kolonien im englischen Parlament am 29. Oktober über die Situation im Lande befragt wurde, gab er zur Antwort: «Ai! quiet in Palestina» (in Palästina ist alles ruhig). Das ist aber eine Schilderung der Lage, die gelinde gesagt, auf unrichtigen Informationen beruhen muß. In den Monaten September und Oktober nach den Unruhen sind leider eine ganz beträchtliche Zahl von Ueberfällen räuberischer und mörderischer Natur zu konstatieren, bei denen größtenteils die Täter entweder unbekannt oder entkommen sind. Und in der letzten Woche ist es wieder keineswegs ruhig gewesen. Am 10. November kam es zu einem Feuergefecht zwischen den Wächtern von Ayeleth Haschachar in Obergaliläa und Räubern, welche die Schafherde der Kolonie überfallen halten. Von den Räubern ist keine Spür vorhanden. Am 12. November wurde in einer Entfernung von 10 Minuten von der Bahnstation Chederah ein Kolonist aus Kerkür und eine Frau von gut bewaffneten Räubern überfallen. Dem Kolonisten gelang es in schwer verwundetem Zu- Tascbcnholcnder . für 1930, schön ausgefühlt, Zweifarbendruck, mitgv.wünschtemFirmenaufdruck S 18.—. Druckerei L e w i n, Wien, XX., Rauscherstraße 10 Telephon Nr. A-47-0-65 stand zu entkommen, die Frau wurde ermordet und beraubt. Polizei, Militär und eine Gruppe junger Juden aus Sichron Jakob nahmen sofort die Verfolgung der Mörder auf, leider erfolglos. — Am selben Tage wurde Dr. Ticho, der allgemein bekannte und beliebte Augenspezialist in Jerusalem um halb 10 Uhr vormittags mitten in der Straße vor seiner Klinik von einem unbekannten Mörder attakiert und durch einen Messerstich ernstlich verwundet. Der Angriff auf diese jüdische Persönlichkeit, die durch Behandlung und glückliche Operationen auch , vielen Hunderten von Arabern , das Augenlicht gerettet hat, rief einen Sturm der Entrüstung im ganzen Lande hervor. Den Sympathiekundgebungen haben sich auch viele wohlgesinnte Araber angeschlossen. Es ist vielleicht interessant zu bemerken, daß es im Monat Oktober bis zur Ankunft der Untersuchungskömmission ziemlich ruhig geworden war. Ersi nach Beginn der Sitzungen, während die Ursachen des Ausbruches der. Unruhen von Ende August geprüft wurden, — begann eine Reihe von Ueberfällen, die fast die Anzeichen eines organisierten Guerillakrieges gegen die Juden im Lande tragen. Sollen diese organisierten Ueberfälle von Räuber- und Mörderbanden etwa die Kommission darin bestärken, daß die arabische Sache gerecht ist? Oder soll der ganzen Welt gezeigt werden, daß in Palästina kein Recht mehr herrscht, sondern nur blutige Gewalt? — Die arabische Exekutive ist als Vertreterin der arabischen Sache anerkannt worden. Warum soll sie nicht für den Terror im ganzen Lande auch verantwortlich gemacht werden?-- Und in den letzten Tagen sind die Banden noch frecher geworden, je mehr sie sehen, daß sie für ihre Untaten bisher straflos ausgehen. Am 13. kam es zu einem Feuergefecht bei Saffed zwischen Arabern und britl- •schem Militär; ein Soldat wurde verwundet. Am 14. wurde in einer Orangerie bei der deutschen Kolonie Wälhelma neben Petach Tikwa ein arabischer Polizist vor Räubern ermordet. Am selben Tage wurden zwei arabische Polizisten im Dorfe Beth Iksa bei Jerusalem von Räubern überfallen, ihrer Waffen beraubt, und einer von ihnen schwer verwundet.-Das sind nicht mehr Terrorakte gegen Juden, das sind direkte Angriffe gegen jegliche Ordnung im Lande. Vielleicht wird die Regierung nunmehr endlich erkennen, daß hier, leider mit Frieden und Milde nichts mehr anzufangen ist, und daß in dieser überaus ernsten Situation nur durch eine starke. Hand die Ruhe wieder hergeslellt werden kann. ...» Aus der a r a bisch en Press e. Der größte Teil der arabischen Presse setzte in der letzten Woche die Angriffe gegen die Juden in jeder möglichen Weise fort. Die Ermordung des arabischen Polizisten in Wilhelma und eines arabischen Arbeiters in Petach Tikwa wird von der arabischen Zeitung Mo-kattam zu schamloser Anschuldigung und Hetze gegen die Juden benutzt. Als Urheber des Anfalls auf den Augenarzt Ticho werden in Leitartikeln die Juden angeschuldigt. -In der englischen Wochenausgabe bringt die arabische Zeitung Faiastin die Uebersetzung eines Artikels von Dr. Hugo Bergmann, Leiter der Nationalbi'bliothek, unter dem Titel «Towards an understanding» (zu einer Verständigung). Der Artikel wär in der hebräischen Wochenschrift Hapoel Hazair erschienen. Wenn Dr. Bergmann in einer Zeit des glühenden Hasses ganz besonders vonseitcri eines großen Teiles der arabischen Intelligenz sich zur Rc . eines Friedensapostels berufen fühlt, so ist das in erster Linie seine persönliche Sache. Wenn er *aber, wie der Faiastin wörtlich zitiert, die Aufnahme arabischer Beamten in die jüdischen Banken, die Gründung arabischer Kooperativen mit jüdischem Kapital etc. als wünschenswert hinstellt, so ist das in diesem Zeitpunkt nicht nur geschmacklos, sondern muß auch die Erbitterung des Jischuws erwecken/ der mit 'schworen Sorgen der Zukunft entgegensieht. Es wird Herrn Dr. Bergmann gewiß zur Ehre gereichen, mit seinem Artikel die letzte Seite des Faiastin zu füllen, dessen Leitartikel auf . der ersten Seite den Titel «Nieder mit der Balfour-Deklaration» trägt, und dessen Spalten von schändlichen Verleumdungen und bösem Hohn erfüllt sind. * Eröffnung der Hebräische n Universität. Zu höchst bedauerlichen Zwischenfällen kam es bei der feierlichen Eröffnung der Universität für das Wintersemester 1929/30 am 18. November. Der Kanzler der Universität Dr. Magnes schilderte nach kurzem Gedächtnis für den gefallenen Studenten Segall die Erfolge und die Tätigkeit der Studenten und des Lehrkörpers. Nach einer Schilderung . der Tätigkeit der Universität benützte Doktor Magnes leider die Gelegenheit zu einer «politischen Aussprache». Unter den Studenten herrschte große und begründete Aufregung darüber, daß Dr. Magnes auch bei dieser feierlichen Eröffnung nicht vor der Verbreitung seiner bekannten Ideen der Liquidation zurückscheute. In diesem Momente der höchsten Aufregung 'wurde- Dr. Magnes durch einen erbitterten Zuruf des Herrn Ussiscbkin unterbrochen: «Hier ist. keine Kanzel für Politik. Hier ist die Kanzel der Wissenschaft. Wir wollen in diesem Saal keine persönlichen Ideen hören». — Die Studenten brachten Herrn Ussischkin darauf stürmische Ovationen. Nach mehrfachen Unterbrechungen, durch Pfuirufe konnte Dr. Magnes seine «Politische Rede» zu Ende führen. —" Professor Fränkel hielt einen Vortrag über Mathematik und Philosophie.— Die Rede Dr. Magnes, dessen Gesinnung seit langem bekannt war, mußte auch durch ihre pessimistische Note auf alle Hörer einen niederschmetternden Eindruck machen, und das in einer. Zeit, wo die Stimmung ohnehin in höchstem Maße gedrückt ist, und wo bei einer solchen Gelegenheit der Rektor der Hebräischen Universität seine rein persönlichen Ansichten hätte zurückhalten und den Hörern etwas Mut und Hoffnung für die Zukunft hätte einflößen müssen» # Hebron und Saffed. Die Frage des Wiederaufbaues von Hebron und Saffed steht auf der Tagesordnung. Aber in der Situation des Jischujy dieser beiden Städte besteht heute ein grundlegender Unterschied. Die Bewohner von Hebron wohnen‘'.heute ln Jerusalem, und zum allergrößten Teil denken sie gar nicht an Rückkehr in das verlassene Judenyjertel von Hebron. — Die Juden von Safetd sind noch heute in den zerstörten Gassen zu finden, die sie nur für kurz* Zeit bei Ausbruch der Unruhen .verlassen haben. Dlt Frage der konstruktiven Hilfe für den Jlschuw von Saffed Ist eine durchaus aktuelle, und es ist kiar, daß hier sofort tatkräftig eingegriffen weiden muß. — Für die Rückkehr nach Hebron hat' scheinbar dlt Stunde noch nicht geschlagen»

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