Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 102 (28.11.1929)
- Date
- 1929-11-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 102 DTE STIMME Seite 3 LLOYD. RIESTIMO DIREKTE LINIE M, TRIEST-JAFFA-HAIFA mit den vorzüglichen Salon schiffen «Adria» und «Camaro». F.ihftdauer 51A Tage. Fahrpreise: I. KI. Lst. 22.—y II. Kl. Lst. 15.—, III. KI. Lst. 5.— inkl. Bett und Verpflegung. Für Chaluilm und Tourlslnngnsallschaftcn bntondnrn BrmSftlgungnn. Fiir Einzelreisc-nde kostet die Fahrt: nach PalScllna und xiarilck in der III. Klasse inkl. Kabine und Verpflegung bloß üsterr. Schilling 348.—. Auskünfte Lloyd Triestlno, Wien I, Kärntnerrlng 6 Absicht, die Scheußlichkeiten in Hebron zu verkleinern. Luke war auch nicht in der Lage, den Umstand aufzuklären, warum im Regierungskommunique über Haifa berichtet wird, daß 25 Gewehre bei Juden beschlagnahmt wurden, wo vor der Untersuchungskommissdon festgestellt wurde, daß nur zwei Gewehre gefunden wurden. Der „Heilige Krieg“ der arabischen Presse. — Luke ist kein Prophet Sir Boyd verlas Auszüge aus der arabischten Presse Palästinas aus der Zeit nach Jom Kippur vorigen Jahres, die Aufreizungen gegen die jüdische Gemeinschaft, sowie Aufrufe für einen „Heiligen Krieg“ enthalten; er verlas auch Auszüge aus Artikeln der hebräischen Tageszeitungen „Dawar“ und „Haaretz“, in denen die Regierung auf die drohende Katastrophe aufmerksam gemacht wurde. Luke hielt dem entgegen, daß sich die Situation gerade in der Zeit vor dem letzten Aufruhr gebessert hatte. Da er kein Prophet sei, habe er nicht früher Militär anfordern können. Sir Boyd erinnerte an die Aussage von Captain Playfair, daß die Katastrophe hätte vermieden werden können, wenn man einen Tag früher Militär angefordert hätte. Sir Boyd dputete an, daß eine der Ursachen des Klagemauerkonfliktes der Wunsch des Großmufti' war, einen Streit vom Zaune zu brechen, um alle Moslemiten für sich zu gewinnen. Sir Boyd fragte: Wurden irgendwelche Schritte ergriffen, um den Arabern klar zu machen, daß die Regierung einen Aufruhr nicht zulassen werde? Luke: Man wußte nicht, daß sich ein A.u fr uhr er eignenwird. Sir Boyd: Glaubten Sie an eine Möglichkeit des Aufruhrs? Luke: In Palästina besteht immer eine solche Möglichkeit. Sir Boyd wies darauf hin, daß den Behörden weitreichende Vollmachten und Möglichkeiten gegeben sind, gegen Agitatoren ednzuschreiten; nichts davon wurde ausgenutzt. Luke erklärte, er könne sich nicht erinnern, daß "hm die Mitglieder des Waad Leumi mdtgeteilt haben, daß mit Dolchen und Keulen bewaffnete Araber in Jerusalem Eintreffen. Er habe dieser Deputation nie das Versprechen geben können, die einmarschierenden Dorfbewohner zu entwaffnen, da der stellvertretende Ghefsekretär Herr Mills der Meinung war, daß dies eine gefährliche Sache sei. Er habe den Großmufti ersucht, am Donnerstag eine beruhigende Ansprache und am Freitag eine beruhigende Predigt zu halten. Ein gleiches Ersuchen. richtete er an die Rabbiner. Die Ironie des SeMcksals wollte es, daß dieser Tag der Tag der Hebron-Massakers geworden ist. Die Entwaffnung britischer Juden Sir Boyd brachte vor: Der Beschluß, die jüdischen Polizei-Freiwilligen zu entwaffnen, wurde am 27. August gefaßt, als Herr Luke bereits eine klare Vorstellung davon haben mußte, wer die Angreifer und wer die Angegriffenen waren.’ Unter den bewaffneten Juden waren mehrere britische Staatsbürger. Alle diese wurden entwaffnet, weil der Mufti erklärt hatte, daß, sollte dies nicht geschehen, sich weitere Unruhen ereignen würden. Luke erwiderte: Ich mußte Rücksicht nehmen auf die S*cherheit und den Schutz des Lebens, nicht auf Gefühle. Ich faßte darum diesen schweren Entschluß, einen der schmerzlichsten und schwersten Entschlüsse, die ich je zu fassen hatte. Der arabische Anwalt erklärt, daß die „Misräch“- Bildor in jüdischen Häusern den unmittelbaren Anlaß zu den Unruhen gaben Dce Anwalt der arabischen Exekutive brachte zur Sprache, daß die Juden an die Ostwände ihrer Wohnungen Ornamente, den sogenannten „Misrach“, anbringen, mit Szenen aue der biblischen Geschichte, häufig mit Aneichten des Salomonischen Tempels, des Rahel-Grabes und anderer heiliger Stätten; der „Misrach“ weist den Juden in der ganzen Welt die Richtung des einstigen Tempels und gemahnt sie an die Verheißung, daß der Tempel wieder aufgebaut werden wird. Dieses Symbol, sagte Stoker, ist eine der unmittelbaren Ursachen des Ausbruchs der Unruhen in Palästina. Es folgte* eine allgemeine Aussprache über die Berechtigung des moslemitischen Anspruchs a/uf die Klagemauer als moslemi tische heilige Stätte, der sich darauf gründet, daß Mohammed gemäß der Legende auf seiner Fahrt zum Himmel sein Pferd an einen Stein der Klagemauer gebunden hat. Luke berichtete dann, wie die Erregung der Juden angesichts der baulichen Veränderungen an der Klagemauer gestiegen ist. Auf eine Frage, ob andere Juden aus dieser Erregung politisches Kapital schlagen wollten, erwiderte Luke: Das will ich nicht behaupten. Der arabische Kampf gegen Norman Bentwich Der arabische Anwalt Stoker brachte zur Sprache, daß der gegenwärtige Oberstaatsanwalt Norman Bentwich im Jahre 1919, als er noch Offizier bei dem ägyptischen Expeditions- Korps gewesen war, ein Buch „Palestine of the Jews, Past, Present and Future“ veröffentlicht hatte, in welchem der folgende Satz vorkommt: Der Hgram, obgleich religiöses Eigentum der Moslemiten, muß dem Zutritt von Anhängern aller Glaubensbekenntnisse frei bleiben. Luke wies darauf hin, daß ja dieses Buch noch vor .TS1 Kassapreis nur S i20‘^- mit 1 doppelseitigen Schlagerplatte und eingebautem Piattenbehälter für 8 Stück Platten, 2 Jahre Garantie. 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Rutlienberg erzählte, Oberrabbiner Ko.ok habe ihm über die neuerlichen Bauarbeitern der Moslemiten an der Klagemalier berichtet und habe gesagt, die Juden werden dadurch in eine Lage gebracht, die der Würde ermangelt. Am 8. August, berichtete Ruthenberg weiter, besuchte ich Herrn Luke und sagte ihm, daß die Erregung unter den Juden unbeschreiblich sei Luke meinte, ich übertreibe und erzählte.mir, daß jüdische junge Leute in Ha:fa sich mit der Absicht tragen, zum Tischa .b’Aw nach Jerusalem zu kommen und ersuchte mich, meinen Einfluß geltend zu machen, daß dieser Besuch unterbleibt. Diese Aussage Ruthenbergs steht im Widerspruch zu der Aussage Lukes, der erklärt hatte, Ruthenberg habe ihm über die Absicht der Haifaer jungen Leute, nach Jerusalem zu kommen, berichtet. Er riet Luke, nur britische Polizei zur Aufreohfcerhialtung der Ordnung an der Mauer zu verwenden. Am folgenden Tage eei er, Ruthenberg, nach London abgereist, wo er mit Sir John Chancellor zusammentraf und ihm gegenüber darüber Klage führte, daß Luke seihe Warnung nicht beachtete und sowohl eine jüdische Demonstration als auch eine arabische Gegendemonstration erlaubt hat, . DER MODE SCHUH elegant, gut und billig! DETAILVERKAUF nurinder FABRIK VII. R8TH . IM STOCK« Am 11. Oktober, erzählte Ruthenberg weiter, hat mich Herr Sacher von der Zionistischen Exekutive ersucht, meinen Einfluß bei den Rabbinern dahin geltend zu machen, daß das Schofarblasen nach Beendigung des Jom Kippur-Gottesdienstes an der Klagemauer unterbleibe. Ich sprach dann darüber mit dem Oberkommissar Sir John Chancellor, der mir riet, mit Herrn Luke zu sprechen. Ich warnte Luke und sagte ihm, keine Regierung habe das Recht, sich in das Ritual des jüdischen Gottesdienstes einzumdseben. loh sowohl, wie Sacher, habe« festgestellt, daß die Reg;erung Drohungen gewichen sei. Der Regierungsanwalt Silley, der Ruthen-* berg in Kreuzverhör nahm, wollte von ihm herausbekommen, daß Oberrabbiner Kook eine Abänderung des Status quo wünschte. Ruthenberg, erwiderte: Kook betrachtet die Klagemauer als die heilige Stätte des jüdischen Volkes. Seine einzige Hoffnung ist, mit Hilfe der Regierung eine der Würde entsprechende Lösung des Klagemauer-Problems zu erreichen. Er stimme mit Oberrabbiner Kook darin überein, daß das Pflaster vor der Mauer nicht zu einem Durchgang gemacht werden dürfe, daß nicht mitten in; das jüdische Gebet hinein der Ruf des Muezzin erschallt, daß nicht arabische Eseltreiber, mit ihren Eseln während des Gottesdienstes an der. Mauer vorbeiziehen und die jüdischen Andacht-: tigen stören. Das Verbot des Schofarblasens ist demütigend für die frommen Juden und beleidigend auch für die die Gesetze nicht beobachtenden Juden. Rabbi Kook hat schließlich dem Verbot Geltung verschafft und so auf einen; wesentlichen Teil des Gottesdienstes verzichtet, um Menschenleben zu schonen. Der Regierungsanwalt Preedy, wies darauf hin, daß man versucht, aus der angeblichen; Schwäche der Regierung in der Frage des Schofarblasens im Oktober Schlüsse zu ziehen, daß die Regierung auch im August Schwächte gezeigt hat. Wenn Sie mich danach fragen, erwiderte Ruthenberg, so werde ich sicher antworten, daß die Regierung im August Schwäche gezeigt hat. Sir Walter Shaw erhob Einwendung, dagegen, daß man einen Zeugen dazu bringen will, Schlußfolgerungen zu ziehen, die doch allein Sache der Kommission sind. Ruthenberg erklärte auch, daß Major Follejr, der Polizeiinspektor des Norddistrikts, geirrt habe, als er am 6. November gegenüber der) Kommission erklärte, daß in Haifa ein Auto der,: Palestine Electric Corporation (Ruthenberg ist bekanntlich Präsident der Corporation) angehalten worden sei, weil aus demselben Schüsse auf Menschen abgegeben wurden. Der Regierungsanwalt Preedy bestätigte, daß Major Folley geirrt hat; das angehaltene Auto gehörte einer anderen Gesellschaft . Nochmalige Einvernehmung Lukes Nach Ruthenberg wurde noch einmal Luke vernommen. Auf die Frage des Anwalts der, Araber, Stoker, ob er den Großmufti gebeten oder ihm befohlen habe, den Unfug des L&rmens des marokkanischen Orchesters im Garten in der Nähe der Klagemauer während der jüdischen Gebetstunden abzustellen. Luke erwiderte, er sei entrüstet gewesen, daß der Lärm fortdauerte, trotzdem ihm der Mufti das Versprechen gab, das Orchester zum Schweigen zu bringen. Er habe den Mufti gedrängt, dm Sinne seines Versprechens zu handeln, wenn er auch' im Hinblick darauf, daß es sich um einen hohen: Würdenträger handelt, eine taktvolle Form ge-: wählt hat. Stoker legte ein Exemplar des „Loar, Hayom“ vom 18. August vor, das einen farbigen; Bericht über die jüdische Kundgebung an de*j Klagemauer am Tischa b’Aw und die Rede Professor Klausners gegen „Angriffe auf unser« Mauer“ enthält. Sir Walter Shaw ersuchte den Anwalt der Zionistischen Exekutive, Sir Boyd Merrimon* jEx$m£l$££ dgu loßbritetoJl&gra