Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 101 (21.11.1929)
- Date
- 1929-11-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE STIMME Nf. 101 Zlonlsflsdies lebe* in Wien Unser nationaler Bodenfonds Eine Begrüßung anläßlich der Sondertagung Auf dein letzten' Kongreß nahm der Keren Kajemeth eine ganz besondere Stellung ein. Im Gegensatz zu den früheren Jahren und Kongressen, auf denen er nur eine Nebenrolle spielte, wurde er diesmal zu einer zentralen Frage. Während auf den früheren Tagungen der Keren Kajemeth von unseren obersten Führern fast gar nicht erwähnt wurde, erachtet es Prof. Weizmann für eine Notwendigkeit, in die Debatte über den Keren Kajemeth einzugrejfen, um Worte von außerordentlicher Bedeutung zu sprechen.. Diese Rede unseres Führers war kurz, sie beleuchtete aber das nationale Bodenproblcm in geradezu klassischer Weise. Er prägte die fast mathematische Formel: Wo auf Privatboden 2 Familien a n g e s i c d c 11 werden, werden auf Keren Kajemeth- Boden 2 0 Familien a n g e* setz t. In dieser Formulierung offenbart sich die volle Tragweite des nationalen Bodenbesitzes in Erez Israel. Es zeigt sich, daß nur der KKL in der Lage ist, die Dichte der nationalen Siedlung zu garantieren. Dichte heißt aber auch: Ermöglichung der Durchführung unserer nationalen Ziele im Lande. Denn ohne dichte jüdische Siedlung und speziell im Pflanzungs- Gebiete gibt es keine Möglichkeit, jüdische Massen ' ins Land zu bringen und in Palästina das jüdische Zentrum zu errichten. Gestehen wir es uns offen: Wir haben in den letzten Jahren unseren Bodenfonds vernachlässigt. Wir haben die ernste Warnung ernster Menschen in den Wind geschlagen und wir haben dafür teuer bezahlt. Wo früher einmal Schillinge ausreichten, reichen heute Pfunde nicht aus. Und unsere Feinde haben herausbekommen, was für uns tödlich werden kann: Die Verhinderung des Bodenerwerbes bedeutet für uns und unsere Volkssache den Ruin. Sie propagieren deshalb die Idee der Schaffung eines arabischen Keren Kajcmet'frt Diese Tatsache spricht Bände. Es ist daher Zeit, daß wir Juden, wir Zionisten, der neuen Sachlage Rechnung tragen. Vorerst müssen wir natürlich den Sachverhalt kennen, damit wir entsprechend handeln können. Der österreichische Keren Kajemeth hat zu diesem Zweck eine spezielle Tagung aller für unsere Bewegung maßgebenden Faktoren einberufen, um ihnen Gelegenheit zu .geben, aus autoritativem Munde über die Lage des Bodenproblems informiert zu werden. Es ist dringend zu wünschen, daß das zionistische Gewissen geschärft werde, damit der Keren Kajemeth in Oesterreich Gelegenheit habe, mit Unterstützung aller Zionisten, alle Chancen für den Keren Kajemeth auszunützen. . Wir .wünschen dieser bedeutungsvollen Tagung vollen Erfoig::— Im Interesse unserer Bewegung, im Interesse unseres Volkes. An alle Zionisten! Wir stehen im Hechaluz vor einer großen, schweren Aufgabe. Wir müssen eine große Zahl von neuen Chawerim in der Hachscharah einordnen. Die Zahl unserer Chawerim hat sich in den letzten Monaten verdoppelt. Diese sofort in Berufe unterzubringen, die für Palästina in. Betracht kommen, ist unsere Aufgabe. Mit dieser Vorbereitung für Palästina kann nicht einen Tag gewartet werden. Denn es steht vor uns die Forderung auf eine stetige A 1 i j a h. Wir wenden uns daher an die breite zionistische Oeffentlictokeit mit der Bitte, uns zu helfen. W i r brauchen eine große Zahl von Lehrstellen, i n s b etso n.d e r e in der Metallbranche. Trotz unserer intensiven Arbeit haben wir eine große Zahl von Chawerim nicht entsprechend unterbringen können. Wir wenden uns insbesondere an jene Gesinnungsgenossen, denen cs persönlich möglich ist, uns in dieser Sache behilflich zu sein. Gleichzeitig ersuchen wir. alle zionistischen Gesinnungsgenossen in der Provinz,,uns mitzuteilen, ob cs ihnen möglich wäre, Verbindungen mit Gutsbesitzern ihrer Umgebung anzuknßpfen, die eventuell bereit wären, im kommenden Frühjahr, Chaluzim.aufzunehmen. Wir suchen 50 bis 60 Arbeitsplätze. Wicht zuletzt teilen wir mit, daß mit der Früh- Jahrsalijah eine große Zahl von Chaluzim von hier ins Land geht. Für diese suchen wir Verdienstmöglichkeiten, damit sie.sich die Alijakosten selber erarbeiten, i Wir.erwarten, daß die zionistische Oeffentlichkeit Wrc .Pflicht tun wird. < * «Hechaluz» üsterr. Landesverband, Wien, I., Kärntnerstraße Tel. R 27-4-85/86. Vom Präsidium der Keren Hajessod- Kommission wird mitgeteilt: Bei der in Anwesenheit des Direktors des Keren Hajessod in Jerusalem, Dr. Hantke, stattgefundenen Sitzung legte der Leiter des Keren Hajessod in Oesterreich, Dr. N. M. Gelber, seine Stelle nieder. Die Kommission nahm dies mit Bedauern zur Kenntnis und dankte einmütig dem verdienstvollen Gesinnungsgenossen ' für seine hervorragenden langjährigen Leistungen. * Mit Dr. Gelber scheidet aus den Diensten der österreächfoehen Organisation eine Persönlichkeit, deren wissenschaftliche Bedeutung als Historiker allseits.anerkannt wird und die für den österreichischen Zionismus .Unvergängliche Dienste geleistet hat. Als Generalsekretär der Organisation sowie als Leiter des Keren Hajessod hat Dr. Gelber zur Erweiterung der zionistischen Arbeitsgebiete in hervorragender Weise beigetragen. Dr. Gelber war auch derjenige aus dem österreichischen Zionismus hervorgegangene Gesinnungsgenosse, der als Leiter des Wiener Kongresses sowie als Präsidialsckretär des Kongresses in Zürich auch für die Gesamtbewegung bedeutungsvolle Leistungen vollbrachte. Anläßlich des Rücktrittes Dr. Gelbers fand in den Räumen der Zionistischen Büros eine Abschiedsfeier statt, die von der Beamtenschaft der zentralen Büros veranstaltet wurde. Nach Ansprachen der Herren Dr. Löwenherz, Dr. Tartakower, Dr. Zweig, Dr. Finkeistein, Bato und der Vertreter der Beamtenschaft Fräulein Hayek, Wittlin und Zahl wurde beschlossen, in Anerkennung seiner Verdienste Dr. Gelber in das Goldene Buch des J. N. F. einzutragen. Mit der provisorischen Leitung des Keren Hajessod in Oesterreich wurde Professor Arthur Freud betraut. Organisatorische Notwendigkeiten und Möglichkeiten. An einem konftitutionellen Grundübel krankt die Zioniftifche Organifation in Wien: an mangelnder feiler ZufammenfafTung der vcrfchicdcncn Gruppen. Das Landeskomitee ift wohl die zentrale Leitung der Organifation als Ganzes. Es konnte jedoch nie in feinem Aufgabenkreis eine unmittelbare Kontrolle über die Tätigkeit der einzelnen Gruppen mitcinbczichen. Die Praxis hat gelehrt, daß die Zellen in Wien zunächft einer unmittelbaren Uebcrdachung bedürfen, um gänzlich dem Landcskomitcc zu unterftchen. < Die Aufgaben des L. K. find mehr zentraler Natur, indes die organifatorifche Lage der Gruppen im argen liegt, weil ihnen diesbezüglich eine einheitliche Linie fehlt. Jede Bezirksfektion arbeitet für fich, ohne von den Nöten der anderen zu-wißen. Die Sondergruppen find halbfouveräne, tributpflichtige des Landeskomitces und der anderen zentralen Stellen, ohne fich um das Wohl und Wehe der Zioniflifchen OrganitHHHIIIAWlIltllllflllllllllHIIHlllHmHmiWlWHWHWWmwiwiHllUinJHiWWIIWflfllHiniTIlIHHI Aus Anlaß meines bevorstehenden 70. Geburtstages sind mir von Vereinen, Korporationen und Einzelpersonen eine so große Anzahl Glückwünsche, zugekommen, daß ich außer Stande bin, jedem einzelnen zu danken; so bitte ich, auf diesem Wege meinen innigsten, tief empfundenen Dank entgegemnehimen zu wollen. Wien, 18. November 1929. Max Markus. .. fation Wiens zu kümmern. Ift nun jede Gruppe auf fich angewiefen, fo find deren Expanfionsmöglichkciten befchränkt, da ihr Initiative und tätige Mithilfe anderer verfagt bleibt. Mangelt es einer an Kräften, fo ift fie zur Paßivität verurteilt. Diefes Schidsfal teilen jetzt fdiließlich alle. Dem Mangel ift aber abzuhclfen, wenn ein Umbau auf mehr zentraler Bafis vorgenommen wird. Unbefchadet des felbftändigen Weitcrbeftandcs der Gruppen, foll allen eine Oberleitung gegeben werden, welche jedoch nicht, wie das Landeskomitec, als oberfte Behörde mittelbar aus dem Dclegicrtcntag hervorzugehen hat. Die Sektionen und Sondergruppen follcn direkt aus ihren Ausfchüßen diefe Hauptleitung delegieren, welche, dcrgeftalt in ftändigem Konnex mit denfelben, deren Tätigkeit kontinuierlich beeinflußt und dirigiert. Von felber entftünde da ein Gebilde, wie cs bis jetzt noch vermißt war, und zwar die Wiener Zioniftifche Organifation als Ganzes, als eine Organifation, welche für fich als Ganzes forgen muß, nicht wie bis jetzt in Splittern, jeder für fich. Die einzelnen Gruppen würden dann voneinander lernen, fich gegenfeitig zu fördern. Erfrculicherwcifc ift ein Anfatz zu der hier fkizzierten Reform bereits bemerkbar. Vor kurzem ift ein folchcr Hauptausfehuß der Wiener Zioniftifdicn Organifation im Einvernehmen mit dem Landeskomitee proviforifdi konftituiert worden, der vielleicht eine Wendung herbeiführen wird. S. Picker. Keren Kajemeth Die Arbeit des Keren Kajemeth. Höchster. Büchsenertrag seit Februar 1928. Bei der Leerung September-Oktober 1929 wurden bisher rund 9000 Schilling erzielt. Seit Februar 1928 ist das der höchste Ertrag einer Leerung. Es wird die Aufgabe der Mitarbeiter des Keren Kajemeth sein, einen Betrag zu erreichen, der schon vor einigen Jahren bei einer Leerung erzielt wurde, und zwar 15.000 Schilling. Sevilla Pastor die weltberühmte Künstlerin, gastiert täglich im Rahmen des Gastspieles des Jüdischen Bukarester Theaters in der Jüdischen Bühne. 11., Taborstraße 12. Die Büclisenaufstellungsaktion des K^ren Kajemeth, Im Zuge dieser Aktion hat der Pfadfinderbund «Zirenu» bisher 70 Büchsen im 4. und 5. Bezirk aufgestellt, der Bund jüd. Jugendwanderer 22, Brith Trumpeldor 14, Makkabi Hazair 26. Bisher insgesamt verrechnet 140 neue Büchsen. Eintragung Dr. N. M. Gelbers in das Goldene Buch des Keren Kajemeth. Freunde und Verehrer des Dr. N. M. Gelber haben beschlossen, ihn in das Goldene Buch des Keren Kajemeth einzutragen. Die erste Sammlung in der Höhe von 184 Schilling ist bereits an den Keren Kajemeth abgeführt worden. Kercn-Kajcmetli-Sondcrtagung Am Mittwoch, den 27. November 1029, um 7 Uhr abends, findet im Fcstsaal des Hotel Post, I., Fleischmarkt, die bereits angekündigto Tagung des Keren Kajemeth statt. Sie ist mit Rücksicht auf die außerordentliche Situation unseres Siedlungswerkes und speziell auf die erhöhte Bedeutung des Bodenproblems für unser Aufbauwerk einberufen worden. Tagesordnung: 1. Eröffnung durch den Vizepräsidenten Dr. David Rotliblum. 2. Referat des Präsidenten des KKL, Herrn Adolf Böhm, über: „Die Bedeutung des Keren Kajemeth im Hinblick auf die letzten Ereignisse in Erez Israel“. 8. Referat des Leiters des KKL Dr. Chaim Tartakower: „Die Zionisten Oesterreichs und der Keren Kajemeth“. 4. Resolutionen. Beteiligung. 1. Die zionistischen Mandatare; 2. die Führer der Sektionen, Sondcrgruppc» und Föderationen; 3. die KKL-Kommissäre; 4. die Selbstkontingentlcr des Keren Kajft* metli. Generalversammlung der Union der Zionisten-Revisionisten in Oesterreich. Am 31. Oktober 1929 fand unter dem Vorfitz von Doktot M u di und Herrn W o c a f c k (Amftctten) die ordentliche Gcneralvcrfammlung der Union Zioniften-Rcvifioniften Oefterreichs ftatt. Im Referate „Unferc Stellung zur politifchen Situation im Zionismus“ äußerte Dr. Norbert Hoffmann die Grundgedanken der revifioniftifdien Einftcllung zur Mandatarmacht und Zioniflifchen Exekutive. Ing. D. S di e ch e t fprach über die Bedeutung des Tcl-Chay-Gcdankens und der wchrfportlichen Bewegung unter der jüdifchen Jugend. Dr. Bukf p a n n klärte die Stellung der Revifioniften zur Zioniftifcheo Landesorganifation auf. Er äußerte den prinzipiellen Willen der Revifioniften, in allen zioniflifchen Inftitutionen zu arbeiten und die Mitverantwortung zu tragen. Nach einer lebhaften Debatte, an der unter anderen die Herren Tenenblatt, Fränkel, Geller, Dr. Max und Lutzky teilgenommen haben,, wurden die neuen Satzungen der Organifation einftimmig angenommen. In einer Reihe von Refolutionen präzifierte die Generalverfammlung die Stellung zu allen aktuellen Fragen de* Zionismus und ftcllte dabei die Forderung der Einberufung des außerordentlichen Kongreßes zur Regelung der innerzioniftifchen Differenzen auf. In die Leitung der Organifation wurden ge: wählt: Präfident Dr. David Bukfpann; Jugendreferent Dipl. Kaufmann Geller; Mitglieder Dr. Max, Wocafck, Dr. Hirfdihorn und ein Vertreter des Brith-Trumpeldor in Wien. Spenden für die Opfer in Erez Israel VI. Ausweis: Hilfe durch Aufbau. Ortsgruppe Kloftferncuburg: d. H. Walter Fifchcl: Leo Weiß S 50.—, Walter Fifchel S 30.—, Oskar Fifchcl S 40.—, Oskar Hoffmann und Schwager je S zy.—, Brück Hermann, Brück jun., Traub Emil, Nathan Fallik, Alexander Schwarz, Theodor Aberbach je S 10.—, Samuel Schwarz, Samuel Erber, Ludwig Kraus, Han» Traub, Norbert Erber, Jofef Spitzer, Leopold Schulhof, Jakob Scheuer, Simon Patrontafch, Hindo Teilbogen je S y.—, Emanucl Schrcnzcl, Heinrich Lowy je S 3.—, zufammen S 286.—. Dr. N. Geier für nicht angenommenes Honorar von Dr. Roll S 6.—. X. Ausweis für die Opfer in Erez Ifrael. Sammlungen d. Z. M. V. Jcdidäa d. Franz Neubauer S 3.50, d. Aron Beller S 20.—, d. Stern Erwin S 29.—, d. Karl Brandmann S 35.—-, d. Otto Sechcr S 34.—, d. Robert Kohn S 19.—, d. Dr. Walter Schneid S 2.—, d. Robert Planer S 5.—, d. Kurt Deutfeh S 16.—, d. Fritz Reumann S 12.—, d. Ilfe Wcichert S j.-—, d. Emanucl Glück S 5.—, d. Jan S 12.50, d. Fritz Ziegler S 9.—, d. Karl Ncumann S 13.—, d. Hugo Modlingcr S 22.—, d. Oskar Teller S 18.—, d. Jcttic Murray S 8.—, zufammen S 268.—, dazu Sammlung d. Verein Erez Ifrael: Berg, Ludman S 3.—, Rudolf Roth S 10.— (S 13.—), Summe S 281. Bisher S 18.715.—. Hilfe durch Aufbau. Sammlung Dr. Pinkas Mayer, Alland: Aerzte der Heilanstalt Alland: Med.-Rat Dr. Kraus, Dr. Mayer, Sk. Rubenfeld, Dr. Schleimer je S 10, zusammen S 50.