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Die Stimme · 1929-11-21 · Heft 101 (21.11.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 101 (21.11.1929)
Date
1929-11-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 Schwere Ausschreitungen antisemitischer Studenten in Krakau Krakau (J. T. A.). Am 13. November nachmittags fanden an der medizinischen Fakultät der Krakauer Universität schwere Ausschreitungen nationaldemokratischer Studenten gegen jüdische Medizinstudierende statt. Etwa 150 polnische Studenten fielen über eine Gruppe von neun jüdischen Studenten her. Fast alle Mißhandelten erlitten erhebliche Verletzungen. Zwei der Mißhandelten wurden mit bedenklichen Verletzungen und in bewußtlosem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Anlaß zu dem Ueberfall gab das Gerücht, daß am Abend vorher jüdische Studierende im Stadtpark einige Nichtjuden mißhandelt hätten. Einige Stunden nach dem Ueberfall an de medizinischen Fakultät veranstalteten iie nationaldemokratischen Studentei; eine Massenversammlung, an der sich in der großen Mehrzahl Nichtjuden beteiligten. Die Redner hetzten gegen die Juden und forderten den Numerus clausus. Polizei löste die Versammlung auf, woraufhin mehrere Trupps der Versammlungsteilnehmer gegen das von Juden bewohnte Stadtviertel zog; sie wurden mit Hilfe berittener Polizei zerstreut. Die Hetze gegen die jüdische Studentenschaft in Krakau dauerte auch in den folgenden Tagen an; die nationaldemokratischen Studenten verbreiteten Proklamationen, in denen erklärt wird, die Ueberfälle auf jüdische Studenten am Mittwoch seien nur ein Racheakt für vorangegangene jüdische Provokationen gewesen. Die jüdischen akademischen Organisationen haben ihrerseits eine Protestkundgebung gegen die barbarischen Ueberfälle auf Kommilitonen veröffentlicht und sich an den Unterrichtsminister um Schutz gewandt. In der Mitteilung an den Minister heißt es, die Krakauer Geschehnisse hätten keine lokale Ursache, sie stünden im Zusammenhang mit den Universitätsunruhen in Budapest, Wien, Berlin und Bukarest. Am 14. November hielten die polnischen Studenten eine Sitzung ab, in der beschlossen wurde, die jüdischen Mediziner vom Anatomischen Institut mit Gewalt fernzuhalten. Am 15. November wurde dieser Beschluß auch durchgeführt. Die jüdischen Studenten wurden mit Gewalt aus dem Seziersaal entfernt. Mittags wurden jüdische Studenten im Universitätsgebäude mißhandelt, ein jüdischer Student wurde in schwerverletztem Zustande in das Krankenhaus gebracht. Die Erregung in Krakau hält an. Die Häuser, in denen jüdische Institutionen untergebracht sind sowie die Gebäude der. jüdischen Zeitungen werden polizeilich bewacht. Vom deutschen Zionismus Berlin, (J. T. A.). Die Tagung des für den 10. November nach Berlin einberufenen Landesvorstandes der Zionistischen Vereinigung für Deutschland war außerordentlich stark besucht. Die meisten Ortsgruppen hatten Vertreter entsandt, denen der Landesvorstand da>9 Recht gab, an der Aussprache teilzunehmen. Es stellte sich heraus, daß aus Erwägungen der praktischen Arbeit fast die gesamte Linke, die große Mehrheit der Allgemeinen Zionisten und die Vertreter fast aller Ortsgruppen Bedenken gegen die Einberufung eines Delegiertentages hatten. In der Vormittagssitzung hielten die Vertreter der oppositionellen Gruppen programmatische Reden. Im Verlauf der Nachmittagssitzung erwiderten auf diese die'Herren Kurt Blumcnfeld- und Dr. Robert Weltsch. Die Auseinandersetzung brachte eine Klärung der Meinungen, und der Verlauf der Sitzung hinrterließ den deutlichen Eindruck, daß eine von den gegenwärtigen Vorsitzenden geführte Koalition die große Mehrheit der deutschen Zionisten hinter sich hätte. Neue antizionistische Offensive in Deutschland Ein Komitee deutscher Juden aus dem Kreise (eutsch-jüdischer Persönlichkeiten, die vor kurzem die «Erklärung deutscher Juden» in der Tagospresse veröffentlichten, hat für Montag, den 11. November, abends, zu einer geschlossenen Kundgebung «Gegen die zionistische Agitation und den nationaljüdischen Palästinaaufbau» nach dem ehemaligen Preußischen Herrenhaus geladen. Der ersrte Redner, Ing. Bruno Woyda, erklärte, solange die Jewish Agency für die Schaffung einer nationalen jüdischen Heimstätte eintreten wird, werden wir deutschen Juden die Jewish Agency bekämpfen. Woyda schloß mit der Erklärung, daß der Aktionsausschuß nicht müde werden wird, seine Anschauungen zu vertreten und den Zionismus zu bekämpfen. Der rumänische Orden des Dr. Markus £ Premlnger *?' ln der Bukarester und CzernowLi/.« lien ^Presse wird gegen die Verleihung eines rumänischen Ordens an den Wiener Rechtsanwalt Dr. Markus Premirtger Sturm gelaufen. Der «Glasul Bucovinei» vom X <L M. bezeichnet es al« einen unerhörten Skandal, i daß die rumänische Regierung den Advokaten Dr. Marder angeblich ein Mitarbeiter des «Hen¬ DIE STIMME kers» General Fischer in der Bukowina war, der aus der Tschechoslowakei ausgewiesen ist. ausgerechnet in Rumänien mit dem Orden «Stern Rumäniens» im Range eines Kommandeurs ausgezeichnet hat. Auch der Bukarestcr «Curentu!» erhebt gegen die Regierung schwere Vorwürfe wegen dieser Auszeichnung, die lediglich auf Grund der Empfehlung des Herrn Constantin Isopescul-Grecul, der früher bevollmächtigter Minister in Wien war und jetzt nationalzaranistischer Deputierter ist, erfolgt sein soll. Irgendwelche Verdienste Dr. Premingers um Rumänien werden nicht angeführt und sind auch nicht bekannt geworden. Ein Pro-Palästina-Komitee in Rumänien Bukarest, (J. T. A.). In Bukarest fand die provisorische Konstituierung eines rumänischen Pro-Palästina-Komiteos statt. Dem Initiativ-Komitee gehören an der Dekan der Advokatenkammer und frühere Minister Florescu, der frühere Minister Universitätsprofessor Trancu-Lasi, Univ.-Prof. Dr. Parhon, Adv. Birnberg, Rabb. Dr. Halevy u. a. m. Die endgültige Konstituierung wird in Anwesenheit des Präsidenten der Zionistischen Weltexekutive Nahum Sokolow stattfinden. Eine parlamentarische Pro-Palästina** Gruppe gebildet London, (J. T. A.). In einer im Unterhause stattgefundenen Versammlung wurde die Bildung einer parlamentarischen Pro-Palästina-Gruppe beschlossen. Die Gruppe setzt sich aus Mitgliedern aller Parteien zusammen, Präsident ist Colonel Josiah Wedgwood (Arbeiterpartei); der Exekutive gehören an von den Konservativen der frühere Kolonienminister L. S. Amery, der frühere Unterstaatssekretär für die Kolonien Ormsby- Gore und Sir Martin Convay; von den Liberalen Sir Robert Hamilton, Major H. L. Nathan und James de Rothschild; von der Arbeiterpartei außer dem Vorsitzen- Nr. 101 scheidencn Za'ni jüdischer Parlamentarier,' sondern vielmehr in der Buntheit in wirtschaftlicher und kultureller Beziehung. Während die Wirtschaftsverhältnisse der Juden in den historischen Ländern im Ganzen konsolidiert erscheinen, werde ein schwerer Wirtschaftskampf um die Erhebung der im Osten des Staates lebenden jüdischen Bürger zu führen sein. Anderseits müsse es Aufgabe der beiden Abgeordneten sein, im Westen wie im Osten den Bestand der jüdischeen und hebräischen Schulen sicherzustellen und für die Errichtung des Rabbinerseminars sich einzusetzen, dessen Gründung durch die vorläufig reservierte Haltung der Regierung in Frage gestellt ist. Lebenswichtig für die tschechische Judenschaft ist allerdings auch eine tiefgreifende Neuregelung der StatsbürgerschaftsgesetzC, unter denen 100.000 Juden leiden, und der Wahlgesetzgebung. Auf dem Gebiete der Staatsbürgerschaften verspräche auch die allgemeine Strömung in politischen Kreisen eine baldige Remedur. Die jüdischen Abgeordneten haben nicht die Absicht, in eine unproduktive Opposition gegen die Regierungsmehrheit einzutreten; sie 'seien sich dessen bewußt, daß man mit ihnen rechne und daß die jüdische Oeffentlichkeit eine radikale Lösung aller brennenden Fragen erwarte. Beschlüsse des Waad Leumi Jerusalem, 15. November (J. T. A.) Der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat Palästinas) beriet in einer nicht öffentlichen Sitzung über die gegenwärtige Lage und faßte wichtige Entschlüsse, die sich auf die unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen, die arabische Forderung nach einem Parlament, die Verwendung des Nothilfsfonds beziehen. In einer besonderen Entschließung werden eine erhöhte Einwanderung und eine verstärkte Kolonisationsarbeit gefordert. zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder, insbesondere Waisenkinder mit dem Sitz in Wien,- I!., Große Sperlgasse Nr. 41, Cafe Buchsbaum, bekleidet heuer zu Chanuka 100 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren. Gesuche werden bis zum 2. Dezember 1. J. angenommen. den Wedgwood noch Dr. George Spero, der als Sekretär fungiert. Hauptziel der Gruppe ist die Unterstützung der Politik des Palästina-Mandates und die Mitwirkung an der Kolonisation Palästinas. ' >' Daniel Hopkin, Mitglied der Fraktion der Arbeiterpartei, der während der Unruhen in Palästina geweilt hat, hielt ein Referat über das Verhältnis' der ^Palästina- Administration zu den Juden. Die Wahlen in die israelitische Kultusgemeinde Prag Bei den am 10. d; M. stattgefundenen Wahlen in die Repräsentanz der jüdischen Kultusgemeinde in Frag wurden abgegeben für die Partei: Nr. 1, jüdische fortschrittliche Vereinigung (Spitzenkandidat Eduard Waldstein), 537 Stimmen; Nr. 2, Wahlgruppe demokratischer Juden in Prag (Spitzenkandidat Dr.- Josef Popper), 2367 Stimmen; Nr. 3, jüdische Mittelstands- Vereinigung in Prag (Spitzenkandidat Dr. Emil Kafka), 1050 Stimmen; Nr. 4, Svaz Cechu-Z-idu v Ceskosiövenke repuplice (Spitzenkandidat Dr. August Stein), 3240 Stimmen; Nr. 5, jüdische sozialdemokratische Partei Poale Zion (Spitzenkandidat Jakob Reiß), 3Qß Stimmen; Nr. 6, Vereinigung für werktätiges Judentum (Spitzenkandidat Hugo Slonitz), 158 Stimmen; Nr. 7, jüdischnationale Partei (Spitzenkandidat Dr. Ludwig Singer), 2102 Stimmen. Insgesamt wurden 9760 gültige Stimmen abgegeben, die Wahlzahl betrug 391. Die Kandidatenliste Nr. 1 erhielt 1 Mandat; Nr. 2 6 Mandate; Nr. 3 3 Mandate; Nr. 4 8 Mandate; Nr. 5 1 Mandat; Nr. 6 kein Mandat; Nr. 7 5 Mandate. Als gewählt erscheinen, mit Vorbehalt der Verifizierung der Wahlen durch die Repräsentanz, folgende Kandidaten: Von der Kandidatenliste Nr. I: Herr Eduard Waldstein; von der Kandidatenliste Nr. 2: die Herren Dr. Josef Popper, Max Efben, Dr. Max Lasch, Dr. Bohumll Stein, Hugo Perutz, Dr. Heinrich Fl-eischmann; von der Kandidatenliste Nr. 3: die Herren Dr. Emil Kafka, Richard Brancieis, Dr. Salomon Lieben; von der Kandidatenliste Nr. 4: die Herren Dr. August Stein, Dr. Maximilian Reiner, Rudolf Baum, Dr. Artur Aschermann, Diego Fuchs, Alfred Fischer, Dr. Simon Freiberger, Dr. Erwin Rindler; von der Kandidatenliste Nr. 5: Herr Jakob Reiß; von der Kandidatenliste Nr. 7: die Herren Doktor Ludwig Singer, Dr.1 Richard Wertheimer, Viktor Kohn, Artur Kauders, Max Löwy. Die Abgeordneten Dr. Singer und Dr. Reisz über ihre Aufgaben im tschechoslovakischen Parlament In Gesprächen mit dem Korrespondenten d?r .«Jüdischen Pressezentrale Zürich», erklärten die beiden jüdischen Abgeordneten des cechoslovaklschen Parlamentes, Dr. Ludwig Singer und Dr.Julius Reisz: Die Schwierigkeit der den beiden Abgeordneten gestellten Aufgabe der Vertretung von 350.000 Juden, liege nicht in der be- Harry Sacher bei Sir John Chancellor Jerusalem, 15. November (J. T. *A.). Die fortdauernden aus dem Hinterhalt gerichteten Angriffe von Arabern auf Juden in Jerusalem und in verschiedenen Teilen des Landes haben unter der Judenheit ganz Palästinas Erregung hervorgerufen. Harry Sacher begab sich zum Oberkommissar Sir John Chancellor und übermittelte ihm die Forderung der Zionistischen Exekutive, daß durchgreifende Maßnahmen getroffen werden, um allen solchen Angriffen ein Ende zu machen. Die 76. Friedhofsschändung Berlin, 14. November (J. T. A.). Auf dem jahrhundertealten jüdischen Friedhof in Floß bei Weyden in Bayern wurden zwei Grabsteine umgestürzt und zwei Kindergräber verwüstet. Die Friedhofmauer wurde beschädigt und der Ausgang in der gemeinsten Weise beschir ,'tzt. Es ist dies die 70. Friedhofschändung, die »eit Ende 1923 in Deutschland fecIgcoUIlt worden ist. Der wichtigste Bestandteil Ihrer Kleidung ist der elegante Schuh. Die neuen Herbstmodelle von auserlesenem Geschmack, gediegener Eleganz und Paßform, bringt Schuh- DORN, Wien, II., Taborstraße 8a, zu den bekannt niedrigen Preisen. Besonders günstige Angebote in Eidechse-, Krokodil- und Schlangen-Schuhen. Vorboten der Adernverkalkung bei älteren Leuten, die sich matt und abgespannt fühlen, über Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Herzbeklemmung, Ohrensausen, gichtische und rheumatische Schmerzen klagen, lindert frei verkäufliches, radiumhaltiges Radiosklerin, das das Blut auffrischt, bessere Durchblutung des ganzen Körpers bewirkt, körperliche und geistige Arbeitsfähigkeit bis ins hohe Alter erhält. Radiumgehalt amtlich geprüft. Depot u. Auskunft: Apotheke Bayer, Wien, I., Wollzeile 13. D?s Heilverfahren gegen Stottern. Ara 24. Oktober veranftaltete der Heilpädagoge für Stotterer Dr. Siraon Löw, W i e n, V., Mitterfteig 4, wohnhaft, eine PrefTekonfcrenz, auf welcher er zehn Perfonsn, die durch feine Heilmethode vom Stottern geheilt wurden, vor Sachvcrftändiecn vorführte. Dicfe Zahl Hellt nur einen Bruchteil aller durch den Veranflalter geheilten Stotterer dar. Unter den vorgeführten Fällen, welche ausnahmslos fließend auf der PrclTckonfcrcnz gefprochen haben, befanden Heb audi drei Perfoncn, welche einigen Prcficvertretern als befonders fchwerc Stotterer früher perfönlich bekannt waren. Der Vcranftaltcr, der feit feiner Kindheit felbil früher geftottert hat, erzählte einleitend feine ergreifende Leidcnsgefchichtc, welche fcelifchc Qualen er zu erdulden hatte und wie er nach vielen erfolglofen Behandlungen feitens bckanntcr Spezialiften lieh mit dem Problem des Stotterns zu befchäftigen begann und wie cs ihm gelungen ift, nach genauen Beobachtungen feiner Perfon das wahre Wefcn und die eigentlichen Urfachen diefes Uebels zu ergründen und darauf feine Heilmethode aufzubauen. Er ließ fodann an alle vorgeführten ehemaligen Stotterer durch einige Arzte fowi« durch Prellevertreter einige Fragen richten. Diefelben Perfoncn nyn, die früher nur mit. großer Mühe ein Wort hcrausbringen konnten, erzählten in fließender Sprache, wie fie fchon oftmals falfdi behandelt wurden, wie fie unter dem Spott ihrer Mitmenschen zu leiden hatten, und einige waren in ihrer Verzweiflung fchon fogar dem Selbftmord nahe. Der Eindruck auf alle Anwefcnden war fo gewaltig, daß man diefen Leuten, welche heute nicht nur ihre Sprache, fondern auch Glück und Lebensfreude gefunden haben, nur ichwer die ehemaligen unglücklichen Stotterer anfehen konnte. Hiedurch erbrachte der Vcranftaltcr der Oeffcntlichkci-t den Beweis, daß das Stottcrübcl nicht mehr unheilbar ift, fondern daß cs binnen einigen Wo *a vallftändig und dauernd befeitigt werden kann.

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