Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1929-11-21 · Heft 101 (21.11.1929) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 101 (21.11.1929)
Date
1929-11-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3053805-3053853--1387-3056736
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

s m» 4 n?F STIMME Nr. 101 Jugendverain «Erez Israel», Wien, 2. Bezirk, Zirkusgasse 33 GßO/TER KON ZER TH AUS SA AI. TP* “ST TT SONNTAO, IS. DEZüMBütt 1929 Hebräisc Künstlerische Le.üung: PROF. ARTUR WOLF Mit: Rena Pf ei ff er Lax (Volksoper), Erika Wa g n e r (Deutsches Volkstheater), Kammersänger Josef Manowarda (Staatsoper), Oherkantor Gerson Margulies. Carl La fite (Klavieru. Orgelhegl.), Gemischter Chor f KARTEN SIND ERHÄLTLICH Zion. Bureaus, I., Kärntnersfraße 28, Telephon R 27-485/86 Jugendverein Ere% Israel II, Zirkusgasse 33, Tel* f'kcn R 49-8 98 & Bücherstube M. Rath. IL, Taborstraße 20a, T elephort R 43-1-88 BEGINN HALB 8 UHR ABENDS Das Reinerträgnis fließt dem Chajes- Realgymnasitim u. d. Chajes-Walde %u Palästinabrief Von unserem Jerusalemer Berichter.--n-u- J. G—r. Die Sicherheit im Lande Die Sicherheitsverhältnisse im Lande lassen in den letzten Tagen wieder viel zu wünschen übrig. Abgesehen von verschiedenen Anfällen auf Einzelpersonen in der vergangenen Woche in Jerusalem, wird ein organisierter Fäuberüberfall auf die Kwuza Mesra im Herzen des Emek Jesreel gemeldet. Es gelang den Räubern, die Ställe zu öffnen und neun Maultiere zu rauben. In der Nähe von Chederali fand ein Haubanfall statt; es wurden verschiedene Kleinigkeiten gestohlen. Auch in Nord-Galiläa fand diese Woche ein Ueberfall auf ein Automobil auf der Straße statt, wobei der Chauffeur verwundet und das Automobil umgesttirzt wurde. Kongreß der arabischen Landwirte Am 5. und 6. November haben die arabischen Landwirte Palästinas ihren ersten Kongreß in Jaffa abgehalten. Auf der Tagesordnung stand dife schlechte ökonomische Situation der arabischen Landwirte, die trotz minimaler Einkünfte hohe Steuern zu zahlen haben und gezwungen sind, gegen hohe Zinsen Geld zu leihen. Die Arbeitslosigkeit in den arabischen Dörfern wird immer größer, hauptsächlich durch „Bevorzugung der jüdischen Arbeit durch die Regierung“ (in Wirklichkeit haben Juden nur gegen 10 Prozent der öffentlichen Arbeiten von der Regierung erhalten). Es wurde..beschlossen, von der Regierung zu verlangen: 1. daß ein minimales Einkommen von 60 Pfund pro Familie steuerfrei sein soll; 2. daß die Regierung die Schulden der Fellachen liquidieren und sofort eine Agrarbank gründen soll; 3. Beschäftigung von Dörflern bei öffentlichen Arbeiten der Regierung; 4. Hilfe der Regierung bei Baumpflanzungsarbeiten in den Dörfern. — Gleichzeitig stellte der Kongreß fest, daß das Land keine neuen Steuern tragen könne. Der Kongreß benützte die Gelegenheit zu einem Protest gegen die Balfour-Deklaration, welche angeblich „der Hauptgrund fiir die schlimme Lage der Fellachen“ ist. Kapitän Gordon Cannings Die arabische Presse ist voll von Nachrichten über den Besuch des Engländers Kapitän Cannings in Palästina. Er wurde in Jerusalem f itlich empfangen und vom Großmufti durch t!:ie lange Ansprache geehrt. Er bereiste das ganze Land und hielt überall Ansprachen vor Mohammedanern und Christen, wobei er die ereinigung der Araber zur Bekämpfung der Balfour-Deklaration forderte. Auch in einer Kirche in Nazareth sprach er gegen die Balfour- Deklaration. In Jaffa wurde er von den Arabern zum palästinensischen Ehrenbürger ernannt und erhielt den Namen Mohammed Gordon Cannings. Jn einer groß angelegten Rede erklärte er hier, daß er aus reiner Ueberzeugung die arabische Sache vertrete und weil er an eine fruchtbringende gemeinsame Arbeit der Araber und des britischen Imperiums glaube. Er halte den Versuch für unmöglich, in Palästina durch künstliche Machinationen die Errichtung von zwei Nationalheimen zu versuchen. Der Zionismus habe zwar die ökonomische Lagdes Landes gebessert; er bringe aber auch Bolschewismus, schwere Steuerlasten und Blutvergießen mit sich. Er schloß mit dem Koranwort: „Nehmt Euch soviel Ihr könnt, mit Gewalt!“ — Es ist zu bemerken, daß Kapitän Cannings beim Marokkoaufstand den Aufständischen zur Seite stand. Entschädigung für die Opfer der Unruhen Die Verordnung über die Zahlung von Entschädigungen hat den jüdischen Jischuw in Überaus peinlicher Weise überrascht. Diese Verordnung, welche de facto ja fast nur die Juden betrifft, hat die Aussichten auf Zahlung ▼on Entschädigungen durch die Regierung auf ein so kleines Minimum reduziort, wie dies Wohl niemand erwartet hätte. Denn die Frage der Zahlung von Entschädigungen war von allem Anfang an etwas Selbstverständliches- und die Verordnung zur Zahlung derselben hätte .nicht so verklausuliert und eingeschränkt sein:.müssen. Die Regierungsbilanz weist für die ersten acht Monate 1929 einen stattlichen UeberseÜuß von 300.000 Pfund auf. Aber auch.wenn.die Finanzen nicht so günstig stünden, mußte die! t gierung doch das Ihrige für die teilweise Gntmaehung eines Unglücks bei tragen, an dessen Ursachen sie nicht ganz unschuldig ist. Wir müssen nur hoffen,.daß die jüdischen Institutionen mit Nachdruck darauf bestehen werden, daß die Zahlung . von Entschädigungen keine „Gnade“, sondern nur Pflicht und Schuldigkeit bedeutet. Keren K«-Esra, der Hilfsfonds Zwischen dn.~ Exekutive doi Jew: Agone) und dem Wand I eumi sind Differenzen uh er die Richtlinien der Verwendung des Hilfsfonds ausgebrochen. In einer Pressekonferenz am 7. November hat Herr Harry Sacher von der Exekutive vor versammelten Journalisten die Frage des . ii*-r ' erörtert. Die Fonds werden von zwei verschiedenen Körperschaften gesammelt, in Amerika durch ein .Spezialkomitee und in London durch ein spezielles Komitee. Diesen beiden Komitees bleibt technisch und rechtlich das VerfügungsrecKt über die Gelder. Die Exekutive der Jewishen Agency ist ersucht worden,- Vorschläge für das'Aufbau werk zu präsentieren, die dann in..London -und New York zur IHflBEBSESnElEBnSElEBHBHKHBISBnBSö'araS'S&FwgBSEE? Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs. Briefanschrift: Wien, Postamt 3G, Fach 20. Montag, den 25. November V9 Uhr abends, im Arkad-enliof, IX., UmVersitätsstrafk- 4 (.Souterrain) Der Brüh Tru-mpeldor und’ die revisionistisch'- Jugendbewegung. Referent: Benjamin Lubotzky (Riga). Freie Aussprache, Gäste willkommen. Die regelmäßigen Zusammenkünfte der ZJonisren- Revisianisten und Pressebericht finden van nun an jeden Montag ah EO Uhr abends im Arkadenhof statt. ■aBBBasBisaeiaBVBBjä»iBBiBcaaGBBflRB)Bta«aiiaeBa»9B Diskussion voriiegen sollen. Die Exekutive der Jevrish Agency hatte beschlossen,' sich mit dem Waad Leumi zu beraten.-' Es wurde ein Aufbaukomitee zur Beratung eingesetzt und die Vorschläge desselben wurden diskutiert. Darm wurde die Angelegenheit Dr. Ruppin, Colonel Kisch und einem Mitglied des Waad Leumi zur Ausarbeitung neuer Vorschläge übergeben, worauf die Exekutive zu Schlüssen kam, die nach L ondon und New York übermittelt wurden. Herr Sacher selbst ist der Ansicht, daß man sich in dieser Frage nicht in erster Linie durch reines Mitleid lenken lassen dürfe. Diese Gelder dürfen nicht vergeudot werden und es ist von allergrößter Bedeutung, wenn diese Gelder für wohl überlegte Aufbauzwecke verwendet werden. Freilich wird in vielen Fällen nur eine wirklich großzügige Aufbauäktion von praktischem Werte sein und dazu sind große Summen nötig, penn wenn wir z. B. die Frage von Hebron erwägen, so muß hier ein neues und modernes jüdisches Viertel gebaut und auch für die Ansiediung eines jungen jüdischen Jischuw gesorgt werden, und dazu sind große Beträge nötig, die aber der Hilfsfonds unbedingt liefern sollte. In Syrien Seit Ausbruch der Unruhen in Palästina haben christliche und mohammedanische Araber in Syrien fortlaufend Kundgebungen der Sympathie für ihre „verfolgten“ Brüder in Palästina gegeben und die arabische Presse benützt die Ereignisse natürlich für Sensationsnachrichten und Angriffe auf die Juden. Arabische Agitatoren versuchen, freilich bisher ohne großen Erfolg, den Boykott gegen jüdische Waren zu predigen. Aber die-französische Regierung steht fest auf ihrem Standpunkt, daß dio syrischen Araber nichts mit den palästinensischen zu tun hätten und’ sieb nicht in die palästinensische Politik bi nein mengen dürfen. Am 2; November versuehten.de Araber in Damaskus zu.demonstrieren, wurden aber durchsonega.1 i sehe Truppen zerstreut).'— Die Zeitung „La.Svrie“ hat in der letzten Zeit, eine Reihe von Artikeln zugunsten der .Juden Palästinas publiziert; Die Zeitung „lAOrient“ bi achte einen Artikel von Emile Vandervelde, der von Anerkennung für das jüdische Aufbauwerk erfüllt ist. Ungeheure Empörung über den Mordversuch an Dr. Ticho jcrvsnfent v-j. ,.T. A.). Ein Mordanschlag auf \ de” berühmten indischen Augenarzt Dr. Ticho, der von ci iciir Araber u muhte Fear vor cienv Po'izeU Bureau durch Messerstiche in den Rücken schwer verletzt .wurde, hat unter der Bevölkerung Jerusalems .ungeheure Empörung hcrVorgerufeu. Dr. Ticho befand sich auf dem Wege zu dem von ihm : . leiteten Ambulatorium, in welchem er in 20iähriger Tätigkeit Tausenden von Menschen, und besonders Aiabcnn, das Augenlicht gerettet hat..Der Attentäter konnte unerkannt entkommen’.- Dr.. Ticho wurde in das Hadassah-Hospital gebracht, wo. er, einer Operation unterzogen wurde. Dieser sowie andere Anschläge aus dem Hinterhalt, ' die. seif •einiger. Zeit: Vorkommen, lassen , auf das ..Bestehen ,einte.arabischen Terrororganisation schließen.. in der Gegend von Haifa hat eine andere Gewalttat große Empörung hervorgerufen.- In d w Nacht zum Mittwoch, den 13. November, vvind.cn Jeschaja Levit und Frau Fanni Badash in der Nähe von Ciiedera von einem Trupp Araber angegriffen. Frau Badash wurde in grauenvoller Weise ermordet, Jeschaja Levit durch Schüsse lebensgefährlich verwundet. Sechs Araber wurden als der Tat verdächtig verhaftet. 'Sieben Juden unter Mn dacht verhaftet Jerusalem (J.. T. A.). Sieben Einwohner der jüdischen Vorstadt von Haifa, Hadar Hakarmal, wurden auf Grund.arabischer.Behauptungen, daß sie während der Unruhetage versucht haben, zwei Araber zu töten, verhaftet. Zwischen den Zeilen Mr. Luke. Mr. Luke, der stellvertretende Oberkommissär von Palästina, stellt vor der britischen Untersuchungskommission. Der Pontius Pilatus von Palästina 1929 sägt aus. Sein Großvater hieß Lukasch, lebte in Ungarn. Mr. Luke ist Brite. Britischer Kolonialbeamter. Die Juden möcht’ er am liebsten wie Zulukaffern behandeln. Er tut es — Gott behüte! — nicht. Er zeigt es — Mufti, lache! — nicht. Er wollte die Juden in jenen Augusttagen — beschützen. Er hat sie beschützt. Er war so um ihr Heil besorgt, daß er nicht den Mut fand, die arabische Gegendemonstration zu verbieten. Die Polizei durfte auf die mordenden Araber nicht schießen. Im Interesse der Juden natürlich. Die Juden selbst wurden entwaffnet) Dumme Menschen! Können noch immer nicht verstehen, daß es zu ihrem Wohle geschah ... Uebrigens: Warum haben sie in Zürich provokatorische Beschlüsse gefaßt? Warum verzichten sie nicht auf die Balfour- Deklaration? Er, Mr. Luke, hat alles getan, um ein Geinetzei zu verhindern. Es ist ihm gelungen. Das können die Toter, von Hebron bezeugen. , Er, Mr. Luke, ist unschuldig. Der Renegat hat seine Hände gewaschen. Sem.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.