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Die Stimme · 1929-11-15 · Heft 100 (15.11.1929) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 100 (15.11.1929)
Date
1929-11-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 10b J DIE S TIMME Seite 7 Was Sie suchen - rinden Sie bei uns! Reichste Auswahl In Pullovers, Wollwesten, Strümpfen, BßfIlllSrd Handschuhen, Trlkotagen, Damen-, Herrenu. Kinder infolge klelneritegien spottDlilU? i wasche, Pyjamas, Leinenwaren, Berufsklelder eto. En gros - en detail IIIIBtMSTBlfl 3 (Eoke SeltenstettengaSse) Palästinabrief Von unserem palästinensischen Berichterstatter J. G—-r. Jerusalem, 4. November. Seit vielen Wochen nimmt die Boykott-Bewegung in den wichtigsten Zentren des Landes ihren ungestörten Fortgang. Es sind in Jerusalem jüdische Kaufleute am hellen Tage in der Altstadt verletzt und beraubt worden. In Jerusalem und Jaffa werden Araber, welche bei Juden kaufen, in der Straße vor den Augen arabisoher Polizisten überfallen, der Waren beraubt und mißhandelt, auch Frauen. Die jüdischen Kaufleute haben gestern dem Oberkommissär ein Memorandum folgenden Inhaltes überreicht: «Seit zwei Monaten wird von den Arabern nicht nur propagiert, daß man bei uns nichts mehr kaufen soll; organisierte Banden überwachen unsere Geschäfte und lassen keinen arabischen Käufer hereinfreten. Wenn trotzdem einer unserer arabischen Kunden uns besucht, wird er mit Gewalt entfernt und geschlagen. Die Waren aber werden zerfetzt, zerrissen oder einfach gestohlen. — Trotz unserer wiederholten Bitten, die wir dem Gouverneur und dem Polizeikommandanten unterbreitet haben, hat die Boykottbewegung kein Ende genommen und verstärkt sich von Tag zu Tag. Viele Araber wollen bei uns kaufen; aber die Boykott-Banden hindern sie daran. Wir haben vor längerer Zelt dem Gouverneur eine Namensliste der Hetzer und Führer des Boykotts •überreicht. Trotz vieler Zusicherungen ist aber bis •heute von der Polizei nichts unternommen worden, die Untergrabung des freien Willens zu verhindern . . .» 200 Kaufleute von Jerusalem, darunter die angesehensten Juden, haben das Memorandum an den Oberkommissär unterzeichnet, und es ist nur zu hoffen, daß dieser Schritt Erfolg haben soll. Auch die jüdische Handelskammer in Jaffa hat den Beschluß gefaßt, endlich ernste Schritte zur Bekämpfung der schweren Boykottbewegung in Jaffa zu unternehmen. * Die arabische Zeitung «Falestin», das Organ der Arabischen Exekutive, benützt ihre Begrüßung der Untersuchnngskommission dazu, um wieder einmal ihren offenen Drohungen Ausdruck zu geben, daß: «die Unruhen auch weiterhin ihre Fortsetzung finden werden, wenn nicht . . .» Das ist nichts Neues und man kann nur sagen, daß die Herren konsequent sind. Die Redaktion hat gute Verbindungen und Quellen. Auch die Angriff^ deutscher Juden gegen den Zionismus werden liebevoll ausgeschrotet und wörtlich übersetzt, — Im Verlag dieser Zeitung ist vor wenigen Tagen eine englische Broschüre erschienen «The Balfour Declaration. An Analysis.» (Die Balfour- Erklärung. Eine Analyse.) Die Verfasser bemühen sich mit allen möglichen Argumenten zu beweisen, daß die Balfour-Erklärung den politischen Zionisten keine befriedigende Lösung der Palästinafrage bieten kann; daß sie in zweiter Linie für die Araber ein Hindernis auf allen Gebieten ihrer freien Entwicklung bedeutet; daß sie in dritter Linie eine schwere Last und Gefahr für England bedeutet. Die nicht ungeschickt zusammengestellte Broschüre zieht zur Argumentation gegen die Balfour-Erklärung sogar Achad Haam heran, der mehrfach wörtlich zitiert wird. — Das ganze Schwergewicht des Kampfes wird auf die Annuiierung unseres Anrechtes auf das «Jewish National Home» gelegt, ein Privilegium, für das wir gerne Opfer bringen wollen im Interesse unserer Zukunft in Erez Israel. * Die Prozesse wegen Mord, Brand und Plünderung ln Saffed werden in strengster Weise vor dem Gerichtshöfe in Haifa durchgeführt. Im Laufe von zwei Wochen sind über 40 Araber abgeurteilt worden. Es wurden fünf Todesurteile gefällt. Zahlreiche Verurteilte haben Strafen von fünfzehn Jahren Zwangsarbeit erhalten. Die Erbitterung unter der arabischen Bevölkerung in Saffed ist groß, und richtet sich nicht in letzter Linie gegen den Mufti von Saffed, der unmittelbar an den dortigen Ueberfällen Schuld trägt. «• In diesen Tagen werden die Schulen im ganzen Lande geöffnet und seit einiger Zeit beschäftigen sich verschiedene Pädagogen mit der Erteilung von Ratschlägen, wie die Lehrer zu den Kindern von den Ereignissen der letzten Wochen sprechen sollen. — Wir sind weit davonentfernt, irgendwelches Haßgefühl in den Herzen der Kinder befestigen zu wollen. Aber unsere Kinder sind nicht blind und unbeteiligt den Ereignissen gegenübergestanden. Viele haben das Blutvergießen mit eigenen Augen gesehen und noch gibt es Hunderte von Kindern im Lande, welche erzittern, wenn sie einem Araber auf der Straße begegnen. Unsere Kinder lesen auch Zeitungen, und lassen sich von den Großen nicht viel einreden. Sie haben unter gleichaltrigen Arabern gute Bekannte, auch gute Freunde gehabt. Diese weichen ihnen jetzt aus. Aber sie werden wieder in freundschaftlicher Form mit ihnen Zusammentreffen, vve; n die vergiftete Atmosphäre wieder gereinigt sein wird. Unsere Kinder sollen und werden nicht hassen. Aber gleichzeitig sollen sie auch keine Furcht haben. — Die arabischen Pfadfinder haben an vielen Stellen dos Landes den Räubern als Vorposten und Spione gedient. Unsere jüdischen Pfadfinder haben idealere Zwecke: mitzuhelfen beim Schutz und zur Festigung jüdischer Positionen. Wir müssen eine gesunde, kräftige, mutvolle junge Generation heranziehen. Auf dem Berge Kanaan soll an die Verwirklichung eines langgehegten Planes herangetreten werden: hier ' soll in unmittelbarer Näihe des alten Saffed Neu-Saffed erbaut werden. — Dem Aufruf des Keren Ha-Esrah (Hilfsfonds), der vielfach unter der Devise «Hilfe durch Aufbau» an die Sammelarbeit ging, hat die Judenheit in Europa und Amerika in schönster Welse geantwortet. Der größte Teil dieser Gelder soll nunmehr für produktive Aufbauzw-ecke verwendet werden. Bei dieser großzügigen Aufbau-Arbeit soll auf die speziellen Anforderungen eines jeden Platzes Rücksicht genommen werden. Die palästinensische Arbeiterschaft hat energisch an der Ausarbeitung der Pläne Anteil genommen. Beim Wiederaufbau des zerstörten Ber Tuviah sollen junge Elemente herangezogen werden. Für die Farm Huldah soll ein vergrößerter Bodenkomplex zur Verfügung gestellt werden. Gleiches gilt für Artuf und Motza. Für die jüdischen Städte Hebron und Saffed müssen gesunde ökonomische Grundlagen geschaffen werden. In diese beiden Städte müssen andere Judentypen eingefühft Werden, welche den früheren Bewohnern des alten Jischuw schon durch ihre Anwesenheit den Mut zum Aufbau der zerstörten Heimstätten geben. In Jerusalem werden die Vorstädte durch den B-au einer großen Zahl neuer Häuser verstärkt werden und jeder Jude wird unter günstigen B-edin- &a&mstieaße 3>ie 9mmvtxe fikm modemne €fte. gungen gerne ein kleines eigenes ^Häuschen in einer jüdischen Vorstadt erwerben, statt weiter durch Zahlung von Miete den arabischen Hausherrn zu bereichern. — Heute gilt mehr denn je das Wort des Propheten Jespias: «Die Ziegelmauern sind eingestürzt; aber wir wollen aus behauenen Steinen bauen. Die Sykomoren sind gefällt worden; aber wir wollen sie durch Zedern ersetzen.» * Den 2. November, den Tag der Balfour-Erklärung, hat die Arabische Exekutive im ganzen Lande als Uottern - heilbar Auf der Piessekonferenz vom 24. X. wurden die verpuffenden Heilerfolge meiner neuen Methode festgestellt. Dr. 8 L6w, Wien V., Mittersteig 4. Auskunft täglich von 2 bl6 5 Uhr, Sonntag von 9 bis 11 Uhr. Tel. B-27-C 14 nationalen Trauertag ausgerufen und einen Generalstreik proklamiert. — Es ist Sabbath und sämtliche Geschäfte in Jerusalem sind ohnehin geschlossen. Die zum Zeichen des Protestes geschlossenen arabischen Läden unterscheiden sich aber größtenteils von den jüdischen durch kleine schwarze Trauerfahnen mit weißen Aufschriften in arabischer Sprache gegen die Juden und die Balfour-Erklärung. Merkwürdig ist, wie viele Christen, Griechen und Armenier ihre Sympathien mit der Arabischen Exekutive durch das Ausstecken von Trauerfahnen kundigeben, Ghristen, die vielfach weit mehr von jüdischer als von arabischer Kundschaft leben . . . Was würden diese Christen tun, wenn die Mohammedaner wirklich den Jihad, den «Heiligen Krieg» auscufen würden?! — Auf der Jaffastraße entwickelt sioh die übliche Sabbathipromemade der Juden. Durch das allgemeine Feiern hat die Stadt mehr denn je ein Feiertagsgepräge erhalten, Die städtischen Araber, im frisch gebügelten roten Fe«, tragen schwarze Bändchen im Knopfloch. Die Fellachen aus dien umliegenden Dörfern sind festlich gekleidet und allenthalben tauchen ihre weißen, wollenen und seidenen Kefijes (Kopftücher) auf. Man sieht fast nur Männer in den Straßen. Britische Gendarmen zu Zweit, das Gewehr in der Hand, promenieren und verhindern die Ansammlung von Gruppen. Sie scheinen strenge Instruktionen zu haben und geben ihren Aufforderungen bisweilen durch gelinde Kolbenstoße Nachdruck, Trotz der allgemeinen Gespanntheit besteht wenigstens in den Hauptstraßen das Gefühl, daß es kaum zu einer ernsten Ruhestörung kommen wird. — Nur in der Altstadt war am Morgen ein Jude durch Revolversohüsse verletzt worden. Die Regierung hatte alle nötigen Sicherheitsmaßregeln getroffen und bis zum Nachmittag standen auch Panzerautomobile in Bereitschaft. — In Haifa kam es zu einem großen Demonstrationszug, der von der britischen Gendarmerie durch Kolbenstoße auseinandergetrieben wurde. In Jaffa ging der Tag in vollkommener Ruihe vorüber. Panzerautomobile und Militärpatrouillen hielten die Ruhe aufrecht. — In Tel Aviv waren viele Häuser blau-weiß beflaggt Auf dem Munizipalitätsgebäude flatterte die britisch-jüdische Flagge. — In Hebron wurde ein arabischer Demonstrationszug verhindert. — Auch in Tiberias kam es diesmal zu einer allerdings stillen Demonstration gegen die Balfour-Erklärung. — In den Dörfern war nichts von einem Streik bemerkbar und fast überall gingen die arabischen Fellachen ihrer täglichen Beschäftigung nach. Presseschau Englands Wort und Wille zur Macht. Iin «Doar Hajorn» vom 23. Oktober publ ziert Jabotinsky einen Artikel, der nachzuweisen versucht, daß trotz aller Enttäuschungen, die uns das bisherige Bündnis mit England gebracht habe, England Immer unser Freund sein werde. Jedes Volk habe seine Heiligtümer, Englands Heiligtum oel sein Wort und es sei der Glaube jedes Engländers, daß England noch nie sein Wort gebrochen habe. England habe gewiß noch viel zu lernen, ehe es sein? Aufgabe in Palästina richtig verstehen werde. Unsere erste Aufgabe müsse sein, in England Aufklärung über die gegenwärtige Verwaltung in Palästina zu schaffen. Ferner müsse man den Engländern klar rmacbe.nl daß sie nur die Alternative hätten, Palästina aufziut geben oder miit den Juden zusammen in Palästina zu bleiben. Alle arabisch sprechenden Länder befreiten sich jetzt von den europäischen Mächten und, wenn England trotzdem Palästina behalten wolle, brauche es die Juden, um sich auf sie stützen zu können. Das verständen heute Wedgewood und ein paar hundert andere Engländer, auch die anderen müßten es lernen. Man solle auch nicht die Frage aufwerfen, ob die englische Politik nicht bereits müde geworden sei, ob sie nooh den Willen habe, Großmacht zu sein lind imperialistische Politik zu treiben. In einem Lande, wo eine Arbeiterregierung eine so entschieden imperialistische Politik treibe, wie es die gegenwärtige Labour-Reglerung z, B. im Haag getrieben habe, sei der Wille zur Macht noch ungebrochen.. Wiederaufbau und Kollektivstrafen Der Artikel von M. G. (Oiücksohn) vom 27. Okto? ber stellt mit schmerzlicher Entrüstung fest daß die Regierung bisher noch keinen Schritt getan habe, um die während der Unruhen zerstörten jüdischen Siedlungen wieder aufzubauen, ln diesem Zusammenhang weist er auf das Gesetz Uber Kcllektivstrafen hin, das ausdrücklich für die Vorfälle vom letzten August als anwendbar erklärt worden ist und dessen Anwendung ein überaus wirksames E.z .. 1 g üb .v den schuldigen Dörfern sein würde, wie es zugleich die Möglichkeit für die Entschädigung der jüdischen Siedlungen abgeben würde. Aber in Wahrheit habe die Regierung bisher von dem Gesetz nicht den leisesten Gebrauch gemacht, und nur erreicht, daß die Führer der Araber erneut eine Gelegenheit zur Hetze gefunden hätten. Es entstehe so der Eindruck, daß das ständige Hinauszögern der Anwendung des Gesetzes aus Angst vor den Drohungen der Araber erfolge, denen man auch hier wieder blind zu folgen gedenke; Schlußfolgerungen Einem Artikel von Sch. Z. in «Mosnajim» vom 18. Oktober entnehmen wir die nachfolgenden Zusammenfassungen, zu denen der Verfasser gelangt ist: 1. Das große Interesse, das die palästinensischen Unruhen in der ganzen Welt gefunden hätten, liege nicht etwa an der arabischen Nationalbewegung, sondern am Zionismus, der lebhafteste Sympathien und Antipathien hervorrufe. 2. Die arabische Nationalbewegung führe deutlich zur Bildung einer Reihe von voneinander unabhängigen arabischen Staaten und werde naturgemäß auch in Palästina zu immer größerer Isolierung der arabischen Nationalbewegung von den entsprechenden Bewegungen der benachbarten Völker führen. 3. Der Zionismus sei ein Freund einer so verstandenen arabischen Nationalbewegung in allen Ländern, während die arabisohen Feinde des Zionismus ln Palästina, die eine nationale Vereinigung aller Mohammedaner det Welt wünschten, ln Wahrheit die Feinde dieses Nationalismus seien. 4. Der Zionismus habe in dieser Lage die Verpflichtung, seine Position mit allen Kräften auszubauen, nicht aber Kompromisse zu machen. Zionistische Politik gegenüber den Arabern In dem vierten Artikel einer Artikelserie, did Izchak Grünbaum, unter dem Titel «Politische Systeme» im Warschauer «Haint» seit Ende September veröffentlicht, nimmt er zu dem Problem der Boziehun-

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