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Die Stimme · 1929-11-15 · Heft 100 (15.11.1929) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 100 (15.11.1929)
Date
1929-11-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 100 DIE STIMME Seite 5 Q3efd)tt)er&enfreig3 9llfet ifsZ: Palästina auswandern wollen und ck,. t unter Aufwand von Opfern leben wollen, die große Zahl der Auswanderer gegenüber, die in möglichst kurzer Zeit selbständig und anständig leben w'.!i, im Gegensatz zu denn Leben» das sie in ihrer alten Heimat führen mußten. Und das Ist für den Sozialisten das maßgebende Kriterium für die Beurteilung des Zionismus. Wenn auch diese Gegenüberstellung dem Zionismus nicht zur Schande gereicht, so soll doch folgendes gesagt werden: Daß der Zionismus noch nicht das ganze jüdische Volk erfaßt hat, wissen wir, — wissen wir besser als der Bundist Abrahmovicz; daß aber der Zionismus auch eine Erzieh ungsibewegung ist, eine nicht geringere als der Sozialismus, scheint jener nicht zu wissen. Diese und jene Argumente müssen herhalteri, um den Zionismus zu besiegeln. Dort aber, wo das Argument versagt, ist rasch jener bekannte Untertan aus unbeholfener Ueberlegenfuerei zur Stelle, der einem «israelitischen» Miüelschutprofessor eigen sein mag. («Das gelobte Land», «Biblisches Zeitalter», «Grundpfeiler der Wirtschaft» usw.) Wir erfahren aber auch allerhand Neues, was wir bis jetzt nicht gewußt haben, so: daß die Bundisten beschlossen haben, ein eigenes Volk zu sein. Wir möchten gerne wissen, wie man das macht: zu beschließen, ein Volk zu sein. Aber das sagt er uns nicht Hingegen erfahren wir, was Aohad Haam wollte und daß die «Habimah» im bolschewistischen Sowjetrußlaud entstanden ist, wo sie entstehen mußte; erstens, weil die breiten jüdischen Massen im Hebräischen etwas absolut Fremdes vorgefunden haben und zweitens, weil sie nicht in Palästina entstanden ist, trotz Adhad Haam nicht entstehen konnte. Man macht Palästina gerne wieder zu einem Diskussionsgegenstand. Man vergißt aber, daß wir uns zwölf Jahre nach der Balfour-Deklaration befinden und daß in diesen zwölf Jahren in Palästina Mächtiges gesohaffen wurde, — daß Palästina mit seinen 160.000 Juden eine Tatsache ist. Und über Tatsachen läßt sich nicht diskutieren, nicht zumindest so, wie man gerne möchte. Es ist vieles noch nicht so, wie wir es wollen, es ist vieles nicht so geworden, wie wir es wollten^ Es gibt Probleme, die wir noch lösen müssen und lösen werden. Aber die, die darüber diskutieren wollen, werden nicht aufhören zu diskutieren, — das ist uns klar. Wir haben Gegner, im Innern und draußen. Wir werden ihnen zu begegnen wissen. Wir haben unseren Kampf nicht auf einer Front zu kämpfen. Aber wir sind von der festen Zuversicht getragen, daß alle wirklich freien und fortschrittlichen Menschen mit uns sind. Wir kämpfen unseren Kampf als Juden, als vorwärtsstrebende Menschen, als Sozialisten im Geiste unserer Prophetea Wir hoffen, daß die anerkannten Führer des Sozialismus (Blum, Macdonald, Vandervelde und die anderen) die Rüge, die ihnen der Jude Abralimovicz erteilt hat, in gebührender Weise beantworten werden und sie als das kennzeichnen, was sie darstellt: als eine Verwirrung der Begriffe und Mißbrauch einer sozialistischen Tribüne. Nicht ihrerseits, sondern seitens eines Moschko im sozialistischen Gewände, der ihre warme Sympathie für unsere Bewegung und ihr Eintreten für den Zionismus als eine Entgleisung bezeichnet. rungsmittel und Wasser gesammelt werden. Gebückt und schleichend brachte man die Reste der Vorräte aus den Häusern. Blechgefäße mit Wasser wurden an jeden Posten verteilt, wo Verteidiger standen. — Während der ganzen Zeit der Vorbereitungen wurden wir durch keinen Schuß gestört. I)ie Angreifer wollten sich selbst keiner Gefahr aussetzen, bis ihre Zahl größer wurde. Und wirklich von Minute zu Minute kamen neue Gruppen von Fellachen und Beduinen von den Bergen herab. Die Reihen der Angreifer wurden größer und länger, bis sie ganze Ringe bildeten, uns zü erdrücken. * Die Vorbereitungen waren zu Ende. Wir waren alle in der Synagoge versammelt, jeder wußte seinen Platz und den Alten teilten wir mit: „Es kann sein, daß Ihr den Jungen beim Füllen der Magazine mit Patronen helfen müßt, und deshalb sollt Ihr diese Arbeit lernen.“ Natürlich waren die Alton damit einverstanden. Es war aber sehenswert,.mit welchem Gesichtsausdruck sie die Revolver anfaßten; das war nicht Furcht, sondern wie man ein ekles Gewürm anrührt . . . Der Eine sagte: „Mein Lehen lang habe ich dieses Gerät gehaßt, und jetzt muß e'* mich retten . .“ „Reb Älter, jetzt ist keine Zelt zum Schwatzen!“ und Reb Alter fuhr fort zu laden ... inzwischen kam die Dämmerung, bald hätten wir nicht mehr gesehen, wie wir essen sollten Ich gab das Kommando zur Mahlzeit. Allo Verteidiger, außer den Posten setzten sich rund um den Tisch. — „Nn, Freunde,“ wandte sich Joßke, der Witzhold unter den Alten, an uns.“ Was denkt ihr von dieser „Dritten Mahlzeit“; was ist interessanter: mit dem Rabbi „Smiroth“ ku singen mit „Bum, bum, bum“ oder hier zu sitzen und das Bum, Bum der Kugeln zu hören?“ — Ich unterbrach sein Schwatzen; er aber setzte fort: „Wir essen jetzt gebratenes Fleisch, und crteitfjßör &uvcf> eine ftabioffferittfur, bic eilte 93ctbütt* rtuitg hei SBIuics üduirft, gegen Slerfölfmtg her SBIut* gefäßc bor&cugt unb biefcit bnburdj bic itottuenbigc (SHaftb wer w,eiß, ob man nicht diese Nacht unser Fleisch braten wird , . .“ „Aus Deinem Fleisch könnte man königliche Gerichte zubereiten,“ antwortete ihm Simon — „Da dein Fleisch dürr und mager ist, wird man wahrscheinlich Fleischklösse daraus machen,“ setzte Joßke fort. — „Essen und ircht reden“; bald vernahm man nur mehr das Kauen der Zähne. Die Dämmerung wurde tiefer. Mit zunehmender Dunkelheit wurden die glutroten Flekken am Horizont immer deutlicher. „Jerusalem brennt!“ Wie oft habe ich noch als Knabe an den Brand Jerusalems gedacht, in den Tagen Nebukadnezars und Titus. Wie hatte ich oft bedauert, daß ich nicht in jenen Tagen geboren war, daß es mir nicht vergönnt war, unter den Helden Israels zu sein. Dann wuchs ich und ich dachte, daß ich kein Held von Feuer und Schwert sein wollte, sondern ein Kämpfer des Schaffens und des Aufbaues . . . und jetzt brennt Jerusalem, und ich kämpfe mit den schweren kampf . . * Wir beendeten unsere Mahlzeit; die Jungen gingen an ihre Arbeit und die Alten wandten sich zur Heiligen Lade und beteten das Abendgebet. Schmerzvoll sickerten die Worte des Gebetes in den Heiligen Schrein. Still lauschten dio Thorarollen . . . Schmerzvoll klang das Kaddisch-Gebet. Und in mir stieg der Gedanke auf, daß man vielleicht auch bald nach uns Kaddisch werde sagen müssen, und dieses Kaddisch würden Millionen frommer Juden sagen, deren Namen wir heute im Kampfe heiligen wollen ... Und kaum hatte der. Vorbeter das Kaddisch beendet, da, zusammen mit dem Amep, ertönte ein Schuß. Und von’oben ertönte die Stimme des Bulgaren, der auf Posten stand: „Jakob, sie nähern sich. Was wollen wir tun?“ „Sing ihnen eine Serenade,“ antwortete ich. Bum! Bum! ertönte es. „Na, wie bat ihnen deine Serenade gefallen?“ „Einer bat sieb vor lauter Vergnügen $Uät erhalt Dtabioftfcriit ift feit Öaljren afl ßittbßruitßl* uttfc SBor&cuguttglitttttel ärjtlid) crproDt un& frei üerfäuf* lidj. 9?a&tumgel)ölt auttlid) überprüft. £epot ttub Sfulfnnft zu Boden gelegt.“ Ich wußte, daß er sein Ziel nicht verfehlen werde. — Die Brandrote bedeckte nunmehr fast den halben Horizont „Vielleicht kann man nunmehr schon das „Hamawdil ben Kodesch Lechol“ singen, ließ sich Joßke, der Witzbold vernehmen, und wir. haben ja ein, außergewöhnliches „Hawdalab“-* Feuer dazu . . — „Geh zum Kuckuck, schweig schon,“ unterbrach ihn sein Nachbar. — Da noch ein Schuß . . . Die Bösewichter wollen unsere Kräfte ausprobieren . . . — „Schick ihnen einen guten Gruß von uns,“ kommandierte ich nach oben. „Alles in Ordnung“. — Ein glühender Gruß wurde den Angreifern gesandt und damit entspann sich der „Dialog“ zwischen uns. Dis Stille war nunmehr zerrissen und Tausende von Stimmen erdröhnten. Bruchstücke von Fensterscheiben fliegen nach allen Richtungen, kalter Wind bläst in die Gesichter; das Herz will zerrissen werden vom Drang zur Tat; es ist, als wäre an der Hand ein sechster Finger, gewachsen, der Hahn des Revolvers. — „Eino, zwei, drei, Feuer!“ Bum, bum. „Eins, zwei, drei, Feuer!“ — Bum, bum. — Und so weiter ohne Ende. Plötzlich hört man eine Stimme: „Jakob, meine rechte Hand ist verwundet“. Und die Antwort: „Du hast ja noch die Linke . , — Und nach wenigen Minuten: „Die Rechte ist verbun*' den, ich senieße mit der Linken.“ — „Sei dafür; gesegnet, aber verdreh uns nicht weiter den Kopf!“ — Revolver verschlingen die Patronen; und speien Todesfeuer auf die Angreifer:’ „Feuer! Genossen, Feuer!“ Bum, bum, bum « * Die Geschichte dieser Nacht ist mit dem Blute unserer Verwendeten geschrieben, und — mit den Leichen auf dem Schlachtfeld. — Die: Siedlung aber ist dem Keren Kajemeth geblieben. (Aus dem Hebräischen übertragen. von J, Gal-Eser.), 2t|>ot§efc 33at>er, men, I., 2BoHgei(e 13 ^rofpeft fltitffl unb franld. Vor der Tagung des politischen Komitees der Agency Professor Chaim Weizmann kehrt nach London zurück und wird der am 11. November in London beginnenden Sitzung des politischen Komitees der Jewish Agency beiwohnen. Wie heute in einer von der Zionistischen Exekutive einberufenen Presse-Konferenz mitgeteilt wurde, wild sich diese Tagung mit den durch die jüngsten Ausschreitungen und aus der jetzigen Lage in Palästina entstandenen politischen Problemen befassen. Im Verlauf der letzten Wochen haben die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency Prof. S. Brodetsky und Ing. Kaplansky mit der britischen Regierung und Beamten des Kolonialamtes über die mit der Lage in Palästina zusammenhängenden besonderen Fragen Beratungen gepflogen. Mit dem Unterstaatssekretär für die Kolonien, Herrn William Lunn, wurden Fragen der Sicherheit des Landes, sowie verschiedene wirtschaftliche Probleme besprochen. Die Frage eines wirksamen Schutzes der jüdischen Siedlungen in Palästina wird Schnellzugtrtatfon Steinach am Brenner. Wunderschönes Sklgetfindo mit günstigen Schneeverhaltnissen von Mitte Dezember bla Ende März. Skßcurse. Rodelbahn, Elalaufpletz. Behaglicher Aufenthalt Im m 1214 in 0, d. M., In sonniger Lage, neu er» baut, modern und gediegen eingerichtet, CO Betten, fließendes Kalt- und Warm- | waaser, Zentralheizung und Bäder. Erst-1 Massige Wiener Küche. Pensionspreis ab [ Mit. 7.20. Auf Verlangen Prospekte. von der Exekutive mit der notwendigen Gründlichkeit behandelt. Der Staatssekretär für die Kolonien hat zugestimmt, daß in das reguläre Palästhia-dBudget ein außerordentlicher'Pösten eingesetzt' werden sollte, der zusammen mit'dem Summen, die aus den Kollektivgeldbußen belegten arabischen Kommunen erfließen, zur Entschädigung der durch die jüngsten Unruhen entstandenen Verluste verwendet werden sollen. . ’ ... , Felix M. Warburg und Louis Lipsky, haben der Exekutive mitgeteilt, daß die von einer Abordnung der amerikanischen Mitglieder der Jewish Agency mit dem britischen Premierminister Ramsay Macdonald in New. York gepflogene Unterredung einen befriedigenden Verlauf genommen hat. Die Untersuchungskommission in Palästina, so wurde weiter mitgeteilt, hat ihre Arbeit unter Bedingungen aufgenommen, die eine eingehende und angemessene Darlegung der jüdischen Sache sicherstellen. Die Exekutive muß sich im gegenwärtigen Stadium der Untersuchung eines Kommentarcs des .Verlaufes der Verhandlungen enthalten, Professor Brodetsky erklärte den Pressevertretern, daß im Hinblick darauf, daß die Untersuchungskommission noch eine beträchtliche Zeit brauche, um zu einer Schlußfolgerung zu kommen, keine Wahrscheinlichkeit bestehe, daß der Bericht noch vor Ende dieses Jahres vorliegen werde. Wir'halten es für notwendig, fuhr Professor Brodetsky fort, bevor noch die Untersuchungskonimission ihren Bericht abgibt, den Boden zu bearbeiten, jede mögliche Gelegenheit wird wahrgenommen, um mit jenen Personen und Kreisen in einen Kontakt zu kommen, die einen bestimmenden Einfluß auf die politische Gestaltung haben. Auf sein Interview mit dem Kolonialsekretär Lunn zurückkommend, teilte Brodetsky mit: Die besonderen Probleme, mit denen wir uns befaßten, bezogen sich hauptsächlich auf die Fragen der Einwanderung und der jüdischen Arbeit. Das Problem jüdischer Einwanderung ist zweifellos das wichtigste aller Probleme, denen wir augenblicklich gegenüberstehen, unmittelbar darauf folgt die Frage jüdischer Arbeit. Es werden Schritte ergriffen, um in diesen fundamentalen Fragen vorwärts zu kommen. Von einer Arbeiterregierung, deren Politik in einem gewissen Maße auf der Hebung des Arbeiter-Standards basiert, können wir nach dieser Richtung wohl einen Fortschritt erwarten. (Jta.)' Kolonien für jüdische Legionäre New York, 7. November. (J. T. A.) Die Konferenz ehemaliger jüdischer Palästina-Legionäre hat eine «Gdiud ivri League» gegründet, deren Aufgabe es ijg^ in Palästina Kolonien für ehemalige jüdische Legionäre zu gründen. Weizmann in einer Gesellschaft sozialistischer Führer -i*,. Paris, 5. November. (J. .T. Ä.) Weizmann wohnte hier einem Tee bei, der vom Führer der französischem Sozialisten, Leon Blum, gegeben wurde und dCm der sozialistische Abgeordnete Pierre Renaudel, der Führer der italienischen Sozialisten, iTurati, und andere' prominente Führer, des internationalem Sozialismus beiwohnten.

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