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Die Stimme · 1929-11-15 · Heft 100 (15.11.1929) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 100 (15.11.1929)
Date
1929-11-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nf. 100 DIE STIMME Cafferatas berittener Polizeipatrouille, der Mob riß sie herunter und schlug sie mit Steinen tot. Es war unmöglich, die Opfer den Händen des Mobs zu entreißen. Er, Cafferata, schoß in die Menge und traf zwei der Angreifer. Schließlich ging ihm die Munition aus und er war waffenlos. Als er sein Pferd wendete, rutschte er vom Sattel ab, die Araber stürzten sich auf ihn und begannen ihnen zu steinigen. Es gelang ihm, wieder au* die Beine zu kommen und sich in Sicherheit zu bringen. Nun sah er, wie die Menge, die durch das Töten der zwei Jeschiwah-Studenten Blut gerochen hatte, mit Beilen und Dolchen auf die von Juden bewohnten Häuser losging. Er sandte seinen Polizisten nach Gewehren. Inzwischen war der Mob in die Häuser eingedrungen. Die Polizei gab Schüsse ab, der Mob zerstreute sich, sammelte sich aber unter Rufen «auf zum Getto» wieder und durchbrach die Polizeikette. Die Basare wurden geplündert, wobei zwischen jüdischen und arabischen Läden kein Unterschied gemacht wurde. Cafferata sah, wie ein Araber einem Kinde mit der Axt den Kopf abhieb. Ein ihm bekannter Polizist aus Jaffa stieß mit seinem Dolch auf eine Frau ein. Cafferata schoß auf den Angreifer, der schrie: «Euer Gnaden, ich bin Polizist!» Schließlich trat Ruhe ein; die Polizei hinderte den Mob, in das jüdische Stadtviertel zurückzukehren. Ein arabischer Arzt eröffnete ein Nothospital. Um 1 Uhr nachmittags war die gesamte jüdische Bevölkerung im Hospital und in den Polizeibaracken konzentriert. Brigadegeneral Dobbie vor der Kommission. Nun begann die Aussage von Brigadegeneral Dobbie, der am 26. August den Oberbefehl über die Truppen in Palästina übernahm, bis er spät vom Vizemarschall der Luftstreitkräfte, Dovvding, abgelöst wurde. Er sagte aus, daß das Hauptquartier ihn aus Aegypten nach Palästina entsandte. Das ganze Land war unruhig, er mußte eine Kompagnie nach Jaffa und eine nach Haifa dirigieren, die diese Städte zur Ruhe brachten, auch mußte er auf den Schutz der Kolonien, auf die die Angriffe fortdauerten, bedacht sein; für Safed konnte er keine Truppen entbehren. Erst am 29. August mittags war er in die Lage gekommen, ein Detachement Truppen nach Safed zu entsenden, von wo sich die Unruhen auf das ganze Galiläa auszubreiten drohten. Er habe eigentlich nie genug Truppen gehabt, um der Situation entsprechend zu begegnen. Sir Boyd fragte General Dobbie, warum die Forderung der jüdischen Kolonisten, ihnen Waffen zur Selbstverteidigung auszuhändigen, zurückgewiesen wurde. Dobbie gab darauf keine Antwort. Am Freitag, den 8. November, fand keine Sitzung der Kommission statt. Die Mitglieder der Kommission setzten an diesem Tage die Reise durch die betroffenen Ort fort und besuchten Tel Aviv, Jaffa, Hulda, Beer Tuviah und Artuff. (J. T. A.) Spaltung zwischen der Arabischen Exekutive und dem moslemitischen Rat Jerusalem. (J. T. A.) Die seit einiger Zeit bestehenden Unstimmigkeiten zwischen der palästinensischarabischen Exekutive und dem Moslemitischen Obersten Rat haben sich zu einem offenen Konflikt entwickelt. Moghanan Effend/i, einer der Sekretäre der Arabischen Exekutive, nimmt öffentlich gegen Jamal El Hussein!, der ebenfalls Sekretär der Exekutive und gleichzeitig Sekretär des Moslemitischen Obersten Rates ist, Steilung, weil er sich nach London nicht im Namen der Exekutive, sondern im Namen des Moslcmitenrates zu einer Mission beigeben hat. Auch von anderer arabischer und nationalistischer Seite wird geklagt, daß der Moslemitenrat unter Führung des Groß-Mufti über den Kopf der Exekutive hinweg Aktionen macht. Jamal Husseini ist ein Neffe des Groß-Mufti Hajamin el Husseini. Für den fortdauernden Besuch der Klagemauer Jerusalem. (J. T. A.) Obenrabbiner Kook nimmt in einem Gespräch mit Pressevertretern gegen den Vorschlag voii «Haarez» Stellung, den Besuch der Klagemauer bis zur Entscheidung der Heiligenstättenkommission zu unterbrechen. Er empfiehlt den fortdauernden Besuch der Klagemauer, wodurch die Verbindung der Juden mit , ihrer Kultstätte dokumentiert wird. Die hebräische Presse in Palästina unter Druck Jerusalem, 7. November, (j. T. A.) Die hebräische Tageszeitung «Haaretz», die gleich «Davar», der Zeitung der jüdischen Arbeiterschaft, die polizeiliche «Schwarze Liste» abdruckte, hat, als sie von der Unterdrückung des «Davar» Kenntnis erhielt, die gesamte Auflage der Nummer, die die Liste enthielt, einstampfen lassen, um nicht ebenfalls der Suspendierung z.u verfallen. xFelestin» bestraft Jerusalem. (J. T. A.) Dem Organ der arabischen Exekutive, «Felestin», wurde wegen Verbreitung falscher Nachrichten eine Geldbuße von 30 Pfd. St. auferlegt, Stffe * w Die «Schwarze Liste» der Palästina-Regierung Jerusalem, 7. November. (J. T. A.) Das Dokument «Schwarze Liste», das vor kurzem in den Besitz des Palästina-Korrespondenten des New Yorker «Jewish Daily Forward», Chaim Liberman, gekommen ist, und wegen dessen Veröffentlichung die Arbeiter-Tageszeitung «Davar» unterdrückt worden ist, lautet: Bureau des Distrikspolizeiinspektors. Distriktspoli zeihanptfourean Jerusalem. An Abdin Boy Hishaimy, A. S. P. Division, betr. Schwarze Liste. Mit Bezug auf den Bericht über die im Bureau am 2. Juli 1929 abgehaltene Konferenz lege ich hiermit eine Liste der Namen von Personen bei, die Sie auf Ihre Liste stellen sollen . . . Halten Sie die Schwarze Liste unter Verschluß . . . Gez.: L. Harrington, Polizeiinspektor, Jerusalem-Di strikt. Die Schwarze Liste enthält die folgenden Namen: Jerusalemer Distrikt: (1) Hazj Amin Hussein! (The Grand Mufti), (2) Djamal El Hussein!, (3) Subi Abbi Chadra, (4) Azash Vachad, (5) Yasih-u Dorfei, Northern Distrikt: (6), (7), (8), (9) Achmed Al Imam, (10) Salim Abdud-Ramam, (11) Izet Dnuza, (12) Zaib Birman (13), (14), (15). Southern Distrikt: (16) Sheiik Abdul Karer Muzchar (Sheik aus Jaffa), (17) Streik ■ ACHTUNG! Nur 2 Tage Schuh-Schwemme MONTAG, 18. November 250 Paar farbige Schuhe mit kleinen Fabrikationsfehlern 512.50 bis 9 22.50 von direkt in der Schuhfabrik LISSIANSKY Wien, Vll., Kaiserstraße 46, im Stock Suliman ol Tazji ol-Faruki, (18) Hamdi el Husseini, (19) Abdul Chani El Karm-i, (20) Chaim Auerbach (oder Daniel), (21) Isaac Barzily, (22) Elihu Topper (23) Hille! Ben Yehuda, (24) Meyer Cooporman. Die. Setzung der Namen von Führern der arabischen Nationalisten und der Kommunisten auf ein und dieselbe Liste bedeutet soviel, daß die Polizei an ein gewisses Zusammenarbeiten dieser beiden Lager glaubt. «nninununnAX vomnnni Das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde beim Bundesminister für Unterricht Der Bundesminister für Unterricht empfing heute das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde Wien zwecks einer von diesem sofort nach Ausbruch der Unruhen an den Hochschulen erbetenen Aussprache. Das Präsidium erhob schärfsten Protest gegen die an der studierenden jüdischen Jugend schon seit mehreren Tagen verübten Beschimpfungen und Gewalttaten, durch welche die jüdischen Studenten sogar gezwungen wurden, durch Spaliere völkischer Studenten unter brutalen Mißhandlungen förmlich Spießruten zu laufen, daß verhetzende Aufrufe gegen die Juden nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der Hochschulen zur Verteilung gelangen Kassapreis nur S 120'— mit 1 doppelseitigen Schlagerplatte und eingebautem Plattenbehälter für 8 Stück Platten, 2 Jahre Garantie. Oder Anzahlung S 25*— und 12 Monatsraten ä S 10"— Gute, elegante und solide Ausführung Sprechinascltineu, Schallplatten \/iEN, I., Adlergassc Nr. 5, Telephon R-23-4-90 WIEN, II., Kl. Pfarrgasse 28, Telepfon A-41-6-24 Ueber die Verwahrung des Präsidiums, daß in diesen politischen Kämpfen die jüdischen Studenten als Prügelknaben dienen müssen, teilte der Herr Minister mit, daß er von dem Rektor der Universität erfahren habe, daß dieser gegenüber einer Abordnung der jüdischen Studentenschaft diese als einen ordnungsliebenden, lernbegierigen Teil der Studentenschaft anerkannt habe. Das Präsidium wies insbesondere auf die Gefahren hin, welche mit einer Wiedereröffnung der Hochschulen verbunden sind, wenn nicht seitens der maßgebenden Faktoren der Studentenschaft nachdzuicklichst bedeutet werden würde, daß die Handlungen, welche zur Sperre der Hochschulen geführt haben, sich als etrafgesetzlich verpönte Uebergriffe darstellen und daß insbesondere die Anrede, welche der Dekan Dr. Hoklt laut Mitteilung der „Neuen Freien Presse“ gehalten haben soll, nicht geeignet sei, den Frieden auf den Hochschulen zu fördern und dauernd zu erhalten. Der Herr Minister antwortete, daß die im anatomischen Institut vorgekommenen Ausschreitungen gewiß mit den Gesetzen im Widerspruch stehen und daß diesbezüglich eine Untersuchung eingeleitet wird. Das angebliche Verhalten des Dekans Dr. Holdt sei ihm auch nur. durch die „Neue Freie Presse“ bekannt geworden; er werde selbstverständlich authentische Informationen einholen. Er versicherte schließlich nochmals, daß es seiner persönlichen und politischen Ueberzeugung widerspreche, daß irgendwelche Teile der Studentenschaft an den Hochschulen Ausschreitungen ausgesetzt seien und daß er als Leiter der Unterrichtsverwaltung den ihm zustehenden Einfluß aufbieten werde, damit in Hinkunft die Ruhe an den Hochschulen aufrechterhalten werde. und daß in den Anschlagskasten die Judenschaft schwer beleidigende Plakate, literarische Erzeugnisse u. dgl. ohne vorschriftsmäßige Bewilligung des Rektorats ausgehängt werden, durch welche der Boden für die maßlose Verhetzung der deutsch-völkischen Studentenschaft in allererster Linie vorbereitet wird. Die Repräsentanz der Wiener Judenschaft erklärte, daß es ihr lebhafter Wunsch sei, daß die Sperre der Hochschulen in allerkürzester! Zeit aufgehoben, werde,# daß aber Garantien geschaffen werden müssen, daß die staatsgrundgesetzlich gewährleistete Lernfreiheit und Gleichberechtigung auch gegenüber der jüdischen Studentenschaft gewahrt und gehandhäbt werde. Der Herr Bundesminister erklärte, daß die Regierung voll und ganz auf diesem Boden stehe und sich mit allen Kräften bemühen werde, die Gleichberechtigung und die gleichen akademischen Rechte auch für die jüdischen Studenten zu gewährleisten. Diese Vorfälle, welche er ungemein bedauere, konnten in dieser Ausdehnung nicht vorausgesehen werden, denn sonst wäre die Sperre der Hochschulen, welche mit seiner Zustimmung erfolgte, schon früher verfügt worden. Schon aus höheren politischen Gründen sei die Erhaltung der Ruhe auf den Hochschulen dringend zu wünschen und er beklage lebhaft, daß die politische Verhetzung außerhalb der Hochschulen auch auf diese übergegriffen habe. In Palästina wird weiter Boden gekauft Jerusalem. (J. T. A.) In der letzten Woche wurde die Uebertragung der durch die «Paiestine Land Development Co. Ltd.» in Jerusalem erworbenen zirka 600 Dunam im Pflahizmngsgürtel der Scharon-Ebene, nördlich von Jaffa, im Katastenamt offiziell vollzogen. Todesurteile Jerusalem. (J. T. A.) Vor dem Gericht in Jerusalem hatten sich vier Araber aus Hebron unter der Beschuldigung, an der Ermordung des Rabbiners Kastei in Hebron am .Tage der Juden-Massakers beteiligt gewesen zu sein, zu verantworten. Zwei der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt, „diie anderen zwei wurden wegen Mangels an Beweisen freigesprccihcn. In Haifa hatten sich wiederum vier Araber aus Safed wegen Mordes, begangen an Juden am .Tage der Unruhen, zu verantworten. Ein Araber wurde zum Tode verurteilt, die übrigen wurden freigesprochen. Die Novomoyski-Gesellschaft registriert London, 6. November. (J. T. A.) Die von Ingenieur Novomeyski begründete Gesellschaft zur Ausnutzung der Kali-Schätze des Toten Meeres wiurde soeben unter dem Titel Paiestine Potash, Ltd., London, mit einem Grundkapital von 400.000 Pfund, wovon 250.000 Pfund bereits subskribiert worden sind, handelsgeriohtlich eingetragen. Mit den Expioitierungsarbeiten wind sofort nach Eintreffen der bestellten Maschinen begonnen werden.

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