Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 99 (7.11.1929)
- Date
- 1929-11-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 99 DIE STIMME Seite 7 Zionistische Agilität Als wir, die erste und zweite Generation1 noch jung waren, yerstanden wir, daß. der Zionismus nur wachsen kann, wenn wir neue Menschen für unsere Sache gewinnen. ' Wir gründeten daher Klubs für Gymnasiasten, Kurse für Analphabeten, jüdische Volkshäuser und bemühten uns auch, die weibliche Jugend für den Zionismus zu erobern. Diese Fähigkeit scheint uns in den fetzten Jahren verloren gegangen zu sein. Wir Überlassen es unseren Führern, neue einflußreiche Kreise zu werben und vergeuden unsere Energie zur Austragung innerer Kämpfe. Sagen wir es klipp und klar: Der Verlust dieser Fähigkeit ist gleichbedeutend mit. dem Untergang des Zionismus. Aber Gott sei Lob und Dank, e$ ist nicht überall Im Zionismus mit uns so echfecht bestellt,. atiph .in Ocsterredoh nicht. Wir wollen diesmal nicht von der «Mirjam* reden, die unter Führung der Frau Dir. Pollak seit einigen Jahnen in aller Stille unablässig junge Mädchen für unsere Sache wirbt. Diese ist wobt bekannt. Diesmal möchte ich über die Tätigkeit des Verbandes zionistischer Mittelschüler sprechen. Seit .zirka zwei Jahren bemüht sich eine kleine Schar von zionistischen Gymnasiasten uns und der Welt zu beweisen, daß der Zionismus doch auch noch etwas anderes sei als bloß um Weltanschauungen Kämpfe zu führen, die — wie leider sehr oft — in Persönliches ausarten. Mit einem Elan, mit einem Temperament, die herzerfrischend sind, nehmen sie dien Kampf für die jüdische Sache auf. Sie veranstalten viele VVieirbeversammlungen, geben eine Zeitung heraus, treiben Propaganda, richten Kurse ein, kurz, vieles von dem, was wir selbst in jungen Jahren so erfolgreich getan. Ja, sie haben den jugendlichen Mut, den Kampf mit dem Gegner aufzunehmen, mit der Jugend, die da vermeint, am besten sozialistisch zu sein, wenn sie sich ihrem eigenen Volk entfremdet.' Die Klingen werden geilere Uzt: Weltanschauung stößt auf Weltanschauung. Und diese kämpfende Jugend . erringt Erfolge. Es gelingt ihnen, größtenteils Indifferente für den Zionismus zu gewinnen, hie und da auch einen eingefleischten Sozialdemokraten davon zu überzeugen, daß ein Jude — unbeschadet seiner sonstigen Weltanschauung — eben Jude ist und sein muß. Wie haben wir Erwachsene uns gegenüber dieser so erfreulichen Erscheinung verhalten? Wir haben davon fast keine Kenntnis genommen. Anstatt daß wir jubeln sollten, daß wir noch Jugendlichkeit besitzen, daß sich in der jüdischen Jugend ein alt-neuer Geist vorzuibersten beginnt, standen wir der Sache «kühl bis ans Herz hinali* gegenüber. Wir förderten diese Sache fast gar nicht. Jetzt, entsteht die weit wichtigere Frage: Was nun? Entseht nicht jetzt schon die schwere Frage: Was soll geschehen, um diese Neugeworbenen in die Ideologie des Zionismus ebzuführen, sie mit unserem Aufbauwerk bekannt zu machen, sie dem Judentum näher zu bringen? Der Gewinn wird - zu einem Verlust werden, wenn wir es nicht verstehen werden, zionistisch-jüdischen Geist in die geworbene Jugend hineinzutragen, und zwar durch Bereitstellung von geeigneten Menschen, die lehrend und führend sich zur Verfügung stellen. Wie verlautet, hat die Z. A. V. «Neliemia» ernste Menschen für diesen Zweck dem Verband zur Verfügung gestellt. Wir können diesem A. V. nur gratulieren, daß er zum Teil die Aufgabe übernommen hat, die — normalerweise — Pflicht der gesamten Organisation wäre, Schreiber - dieser Zeilen hatte Gelegenheit, eine kurze Weile bei den Beratungen dieses Verbandes anwesend zu sein und konnte mit Genugtuung konstatieren daß damals die Debatten »ehr sachlich und auf der Höhe waren. Diese Zellen haben den Zweck, die zionistische Oeffentlichkeit daran ziu erinnern, daß erstens die Jugend Im Zionismus noch etwas zu suchen und zu finden hat, und zweitens, daß es' Pflicht der zionistischen Bewegunge ist, der Jugend alle ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Dr. Ch. T, Mein Heimabendmaterial Ein Preisausschreiben Die „Stimm© der Jugend“ eröffnet hiemit ein Preisausschreiben für Führer und Führerinnen jüdischer Jflgendgruppen. Das Preisausschreiben soll die Arbeiten und Themen beinhalten, die der Führer in seiner Gruppe behandelt hat. Die Einsendungen sollen höchstens 50 Druckzeilen umfaßen. Einseud^ngsfrist bis Samstag, 16. November. Die besten tfrei Arbeiten werden mit Büchern prämiiert« Zionismus und Klassenkampf Es ist nicht die Aufgabe nachstehender Zellen, das Thema Zionismus und Klassenkampf erschöpfend zu behandeln, sie sollen vielmehr dazu dienen, eine Diskussion über dieses Problem in unseren Reihen und in unserem Blatte amzumegien. Der Zionismus hat eine große «historische Aufgabe zu erfüllen. Das entwurzelte, des Eigenlebens beraubte, überall verachtete, Volk der Juden, soll ein freies Leben im Judenstaate führen können. Die zionistische Organisation umfaßt nur einen kleinen Teil des jüdischen Volkes. Wohl haben wir auch viele außenstehende Freunde, es mangelt uns aber auch nicht an vielen, erbitterten Gegnern, die uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Rücken fallen. Verräter am. Volke, wie es solche bei wiohtigen Geschehnissen innerhalb, des Volkes immer gegeben hat4 Die Araber sind unsere erbitterten Gegner, entschlossen, alles daran zu setzen, um unser Werk zu vereiteln. Diesten eminenten Schwierigkeiten und Gefahren, die nur kurzsichtige Optimisten als vorübergehend' betrachten können, werden wir nur dann erfolgreich begegnen, wenn wir über alle Gegensätze, auch über die der Klasse, zu einer einheitlichen zionistischen Front gelangen werden. Die Parole: zwischen der Klasse der Unternehmer und der Klasse der Arbeiter gibt es keine Versöhnung, da gibt es nur Kampf, können sich jene Völker, die einen sicheren. Boden unter den Füßen und einen gutes Dach über dem Kopfe haben, leisten. Wir schaffen erst diesen Boden, wir bauen erst das Dach, das uns vor Vernichtung schützen soll. Eis zu jenem Zeitpunkte, in dem der Jischuw inr Lande fest verankert ist, Ist die Zweckmäßigkeit der Parole 'in höchstem Maße zweifelhaft und gefährlich. Es gibt Gegensätze der Klasse. Es wäre lächerlich, sie zu leugnen; Aber haben wir nicht bei dieser und jener, a 11 e rdings gesunden Nation erlebt, daß.dann, wenn es um das Wohl aller gegangen ist oder sogar nur vermeintlich gegangen ist, alle Oegensätze fallen gelassen wurden und eine große gemeinsame Sache der Nation daraus gemacht wurde. Groß und ungeheuer schwierig ist die Aufgabe, die zu erfüllen unsere heilige Pflicht ist. Wir werden sie nur dann erfüllen, wenn wenigstens wir Zionisten uns ohne Gehässigkeit begegnen. Es ist meine tiefste Ueberzeugung, daß wir nur dann unser Ziel erreichen werden, wenn es ein fruchtbares Zusammenwirken aller Schichten und Klassen für Erez und eine geschlossene zionistische Front geben wird, hier und in Palästina. Max Schrötter,. Kontingent In der letzten Ausgabe der «Stimme de r J u g e n d» erschien ein Artikel Jaakow Singers, betitelt: In dieser Stunde ..... W-ir haben bisher immer nur gehört: Wir haben zu wenig Geld. — Geld! Geld und wieder Geld! Das ist der Ruf so vieler zionistischer Führer. Das hat gefehlt und fehlt noch immer; aber Menschen?! — Daß Chaluzim und Chaluzoth fehlen könnten, so etwas hört sich fast unglaublich an, — Und doch ist es so. Und warum dem so Ist, will ich hier erklären. Es ist leider zur Tatsache geworden, daß nur d e r j e n i g e als guter Zionist gilt, der s p e ndet. Sei es durch Erhöhung seines Kontingentes beim Keren Kajemeth oder Keren Hajesso.d, sei es durch Superspenden beim Palästlna-Arbeiter-Fonds oder beim Tel-Chaj-Fonds. Ist nun so ein «Sammeldienst» beendet, so werden alle jene, die am meisten «B i 8 c h k e z i o n i s m u s» betrieben haben, als die tüchtigsten Zionisten deklariert. Doch dieser Weg ist nicht der richtige, um Propaganda für den Zionismus bei jungen Menschen zu machen. Gewiß, wir brauchen Geld, aber wir dürfen deshalb nicht daran gehen, die jüdische Jugend durch diese Art von «Bischkezionismus» für den ideellen Zionismus unbrauchbar zu machen. Jaakow Singer hat in seinem Artikel nichts weiter, als die nackte Tatsache geschildert, daß Menschen fehlen werden, und es ist zu hoffen, daß diese Tatsache einige junge Zionisten aufrüttelt, einen Reorganisationsprozeß innerhalb der einzelnen Jugendverbände in der Richtung hin durchzuführen, daß sich die Verbände entschließen, statt'eines Geld - Kontingentes an die Fonds — einen Menschen -Kontingent an Erez Israel aufzubringen. Doch wäre es — um auf eine Anregung älteren Datums zurückzukommen — gleichzeitig notwendig, eine jüdische Berufsberatungsstelle ins Leben zu rufen. Diese hauptsächlich deshalb, um einerseits jene Berufe zu forcieren, die sowohl für Erez Israel als auch für das Hinterland wichtig sind, anderseits um einen engeren Kontakt innerhalb der Jugend zu schaffen. Dieser Kontakt ist unbedingt notwendig und darf weder daran scheitern, daß eine oder die andere Gruppe, für diesen oder jenen Zweck kein Geld aufbringt, noch daran, daß es «Rechte» und «.Linke» gibt. Es sei damit auf keinen Fall gesagt, daß wir unsere politischen Anschauungen wegwerfen sollen, aber wir würden mit viel mehr Feingefühl gegenseitig arbeiten, denn wir alle von äußerst rechts bis äußerst links sind doch bloß Parteien und Gruppen innerhalb des Zionismus, und haben alle nur ein Ziel: ein geeinigtes jüdisches Erez Israel. Um so ein Ziel zu verwirklichen, benötigen wir Chaluzim - Menschen. „ Heinrich Katz. Jugendratsitzung. Donnerstag, 7 Uhr. abends, im Zionistischen Landeskomitee Jugehdratsitzung. Programm: Die Lage im österreichischen Zionismus. Brlth «Trumpeldor», Wien, XX., Demsgasse 33.. Der zionistische Geschichtskars unter Leitung des Herrn Dr. P. Diamant hat schon begonnen; es haben bereits zwei einleitende Referate über die Quelle der allgemeinen und jüdischen Geschichte stattgefunden. Der Geschichtskurs findet jeden Dienstag, um %8 Uhr abends, in unserem Helme, XX., Denfegasse 33, statt, und ist nur für die Chawerim und Ch a/weroth der Darga gimmel und daüet zugänglich. Jugendverein Erez Israel Dienstag, den 12. d. M., findet in unserem Heim, I!., Zirkusgasse 33, ein Vortrag des Herrn Theodor Grubnef über «Zionistische Landespolitik» mit anschließender Diskursion statt. Die hebräischen Kurse finden jeden Montag und Donnerstag von 8 bis 10 Uhr abends statt. Am 15. Dezember 1920 findet im Großen Konzerthaussaal unser III. Hebräisches Konzert statt, welches wir gemeinsam mit dem Hilfskomitee des Chajcs-Realgymnasiums veranstalten. Das Reinerträgnis -fließt dem Chajcs-Gymnasium und dem Chajes-Walde zu. Wir bitten die Mitglieder, Kartenzum Verkauf zu übernehmen. Briefkasten der „Stimme der Jugend“ Von unsorer nächsten Nummer an erscheinen Berichte über jüdische Jugendbewegung im Ausland. — Heinrich K. Wegen Platzmangel mußten wir leider sehr kürzen. Wo bleibt der Bericht über die Belgienreise? — Chaluz. Erscheint demnächst. — Lotte. Sie haben recht, wilr werden auch mehr Heimabendberichte bringen. Vorläufig besten Dank. Erscheint das nächste Mal. — Else Stb. Wir verweisen Sie auf unser Preisausschreiben. Samstag, den 9. d. M., punkt V*9 Uhr findet Im Saale, VIII., Bennoplatz 1 a, ein etatt JUGENDMEETING Referent; Dr. A. Mwy: Dl« lag« Im eslarrtlchlickan Zlonlsmns. Anschließend Diskussion Jugendliche des Jugsndverbsndes erscheinet In Massen!