Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 98 (31.10.1929)
- Date
- 1929-10-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr» 98 DIE STIMME Seite 11 Der jüdische Hochschüler Lord Melehett über die Hebräische Universität In der jährlichen Generalversammlung der Londoner Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität hielt Lord Melehett einen Vortrag über «Palästina und die Hebräische Universität», in welchem er ungefähr ausführte: Würden die Juden heute Palästina verlassen, das Land würde geistig und materiell bankrott sein. Das Land würde in den Zustand zurücksinken, in welchem es war, als die britische Administration es aus dem türkischen Regime befreite. In diesen Tagen der Unruhe, des Schmerzes und der Depression ist es gut, unsere Blicke einmal von den noch offenen und blutenden Wunden Israels in unserem geliebten Lande wegzuwenden und sie dem Mount Scopus, der geistigen und erzieherischen Seite unserer Arbeit, zuzuwenden. Die Universität ist ein Denkmal der Kultur und des Idealismus unseres Volkes Die Universität ist kein Ornament, sie ist eine Notwendigkeit. Sie hat nicht allein ihre Bestimmung, ein Symbol zu sein, erfüllt, sie hat auch ihren Nützlichkeitswert dargetan. Die Universität wird, Mt die Mittel es erlauben, mit der Zeit zweifellos ein großes wegweisendes Zentrum nicht allein für die Juden, sondern auch für alle Völker des Ostens werden. Lord Melchett wies auf die in verschiedenen europäischen Ländern sich geltend machende Bewegung hin, junge jüdische Männer und Frauen vom Besuch der Universitäten auszuschließen, und betonte, es sei von geradezu vitaler Bedeutung, daß ein Platz geschaffen werde, wo junge jüdische Männer und Frauen ohne irgendeine Beschränkung dem Wunsche ihres Herzens folgen können. Der Durst nach Erkenntnis, nach Studium ist im jüdischen Volke immanent. Sir Herbert Samuel, der heute in unserer Mitte weilt, wird es bestätigen, daß seit Bestehen des Mandate von keinem Juden oder einer Organisation von Juden ingend eine Aktion ergriffen worden ist, die nicht zum Segen der Gesamtbevölkerung Palästinas gewesen war. Es gibt keine erzieherische Institution, keine Forschungsstation, die nicht freimütig und mit Freude Arabern gleich Juden ihre Tore öffnet. Wir haben die Industrie entwickelt, dem Lande Licht durch Elektrizität gegeben, und die Juden der ganzen Welt haben Millionen dem Lande zugewendet. Was kann man uns vorwerfen? Etwa daß wir zu hohen Preisen zuweilen minderwertigen Boden erworben haben? Daß wir 'friedliche und fleißige Bürger in das Land gebracht haben, um dort zu arbeiten? Das jüdische Volk in Palästina, geschlagen und gestoßen, steht heute ungeachtet der Unterschiede in der Ueberzeugung der Klasse und dem Ursprung als eine feste Phalanx zusammen; es ist dies eine Union, die durch gemeinsames Leid in sich gefestigt worden ist. Judeafeindliche Ausschreitungen an den Hochschulen In Budapest An der Technischen Hochschule kam es neuerdings zu antisemitischen Unruhen. Der Rektor der Hochschule begab sich auf Ersuchen der jüdischen Hörer des ersten Jahrganges in den Hörsaal und erklärte, die jüdischen Hörer stünden unter seinem Schutz, er werde gegen die Ruhestörer strengstens vorgehen. Kaum hatte sich aber der Rektor entfernt, als die Krawalle losgingen. Es wurde gerufen: «Zurück nach Palästina!» Man forderte die jüdischen Studenten auf, den Hörsaal zu verlassen. Die Juden kamen aber diesen Aufforderungen nicht nach und hielten ungeachtet der fortwährenden Beschimpfungen bis zum Ende der Vorlesung im Hörsaal aus. In Czernowitz In Czernowitz kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Mitgliedern eines christlichen Studentenvereines und farbentragenden jüdischen Studenten, die verhöhnt und angegriffen wurden. Die Schlägerei dauerte etwa 20 Minuten, es gab auf beiden Seiten mehrere Verwundete. In Amerika Bei der feierlichen Eröffnung des Semesters an der Harvard-Universität zu Cambridge, Massachusetts, sind jüdische Studenten von nichtjüdischen Kollegen insultiert worden. Die Universitätszeitung verurteilt in einem Leitartikel diese Ausschreitungen, die in der Trunkenheit begangen wurden. Jüdischer Sport Der Rücktritt Dr. Fritz Löhners Der verdienftvollc Pr&fideot der „Hakoah*, Dr. Fritz Löhner (Beda), deflen hervorragender Tätigkeit der Aufführung der „Hakoah" feit Gründung zu verdanken ift, hat feine Stelle nicdcrgclegt. Diefer für die „Hakoah" überaus bedauerliche Entschluß feines Führers wird auf politifchc Hintergründe zurückgeführt. Angeblich foll di« publiziftifchc und litcrarifche Tätigkeit Dr. Löhners, die bekanntlich in letzter Zeit fich gegen gewiffe Auswüchfe der Wiener Sozialdemokratie rkhtet, in den Hakoah-Kreifen große Unftimmigkciten hervorgerufen haben. Wie dem auch fei, wäre zu wünfehen, daß die „Hakoah" abfeits' von politifchen Tagesfragen Oefterreichs ihrer Million eingedenk bleibe, Hand in Hand mit dfcr Zioniftifchen Wcltorganifation an der phyfifchen und geiftigen Erneuerung des jüdifchen Volkes mitzuwirken. Die Hakoah kann nur zioniftifch bleiben — oder untergehen! Ein Drittes gibt es nicht! W. A. C.—Hakoah 2:0 Letzten Sonntag fand in Meidling das Wcttfpiel W. A. C— Hakoah ftatt, das mit Fußball außer dem Namen wenig gemein hatte. E» war eine wüfte Hackerei von beiden Seiten und eher ein Anfchauungsunterricht dafür, wie Fußball nicht gefpielt werden foll. Einen großen Teil der Schuld, daß es foweit kommen konnte, trägt der Schiedsrichter Beck. Herr Beck mag ein guter Fußballer gewefen fein — ein guter Schiedsrichter ift er deshalb noch lange nicht. Er unterließ es, zu einem Zeitpunkt, an dem es noch möglich war, beide Mannfdi&ften im Zaume zu halten, gegen die Foulfpieler einzufchrciten, und als er mit AusfehlülTen vorging, war es zu fpät. Bezeichnenderweife traf der erfte Ausfchluß Katz, einen der fairften Spieler, der (ich wörtlich gegen die geheiligte Perfon des Schiedsrichters verging. Dann kam Feldmann, der bei einem Zufammcnftoß mit Weiß verletzt liegen geblieben war, an die Reihe, und fünf Minuten vor Schluß traf der Ausfchluß Braun vom W. A. C. Bei Hakoah war die Halfreihe noch der befte Mannfchaftsteil. Im Sturm konnten nur die beiden Flügel Katz und Bader halbwegs entfprechen. Stern ift vollkommen außer Form; Löwinger ift kein Stürmer und Mausner wurde noch vor Halbzeit verletzt und taufchtc mit Katz den Platz. Die Verteidigung Scheuer-Feldmann unficherer wie vorige Woche gegen Wacker und Feigl ermöglichte durch einen groben Fehler das zweite Tor. Hockey. In der Hockeymeiftcrfchaft erzielte Hakoah einen i:o-Sicg gegen Wiener Stockballklub und liegt derzeit, nach Verluftpunkten gerechnet, an der Spitze. Torfchütze war W. Kohn. Touristikuud Skiklub «Hakoah», I., Wiesingerstr. 11, Tourenprograimm für Sonntaig, den 3. November 1929: Fußtouren: Gsängdrhütte, 8 Uhr 30 Min., Stadtbahnende Hütteldorf; Sofoneeberg, Vorarnneldiunig 1. November. — Jugetidgnuppe: Greif enstein, 8 Uhr, Nußdorf (Straßenbahn ends teile); St-einpla-ttl, 8 Uhr, Hütteldorf (Stadtbahnende). Näheres Donnerstag von 19 bis 31 Uhr. Kluhhelm: Wien, I., Wlesingerstraße 11 (Telephon R 25-0-10). Mitteilungen des Makkabi-Weltverbandes, Berlin Folgende Vereine haben sich dem M. W. V. bzw. den ihm unterstellten Kreisen angeschlossen: Bar-Kochba, London; jüd. Turnu. $p. V. Lodz; Bar-Kochba, Metz; Foot-Ball Club Sioniste; Union Sportive Tunisienne; Etoile Sportive de L'Ariana; Makkabi Konstantinopel; Makkabi A1 ex an dri e n;-Makkabi Damaskus; Maccabee Sport Club Brooklyn, New York. Folgende Wintertreffahrten finden in diesem Jahre statt: in den Beskiden (Polen); im Harz (Deutschland); in Oesterreich findet außer dem Tourenprogramm des Skiklubs Hakoah noch ein Winterlager des Makkabi Hazair statt. Veranstaltungen: Der Deutsche Kreis schreibt Handballmeisterschaften aus. — Der Kreis Oesterreich führt im Rahmen eines großen Schauturnens im März ein Wetturnen um den Makkabimeistertitel von Oesterreich durch (offen für alle Makkabikreise). Makkabi Krakow feiert sein 20jähriges Jubiläum und hat aus diesem Grunde leichtathletische Wettkämpfe für alle jüdischen Vereine Polens ausgeschrieben. — Am 25. Dezember Kreistagung des Verbandes Südpolen in Bielsko. Amtliche V erlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Hilfsaktion für die Opfer der Ereignisse in Palästina Bis zum 25. Oktober d. j. sind bei der Hauptkasse der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, als Zahlstelle des «Zentralhiilfskomitees für die Opfer der Ereignisse in Palästina», insgesamt 102.640.44 S eingegangen. Um die Sammelaktion zum Abschluß bringen zu können, werden jene Personen, welche ihre Sammelbögen noch nicht abgeliefert bzw. abgerechnet haben, neuerlich dringend ersucht, dies unverzüglich zu tun. Auch Sammelbogen, welche leer ausfallen, sind zur Aufrechterhaltung einer verläßlichen Kontrolle an die Rechnungsdirektion der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. St., zurückzustellen. * Ferienaktion 1929 Durch die Israelitische Kultusgemeinde Wien wurden im Wege der jüdischen Jugendfürsorge in Heilstätten 98 Kinder zu den Gesamtkosten von rund 15.000.— S untergebracht, davon 48 Kinder bei der Aktion Moll, 26 in der Waldschule in Alland, 8 in Grimmenstein und die restlichen in verschiedenen anderen Anstalten. In. leichten Fällen waren die Kinder 4—6 Wochen, in schwereren Fällen 2—3 Monate in den Heilstätten. In 416 Fällen wurden Einzelbeträge bis zur Höhe von 30.— S pro Kind gegeben* Der Kultusgemeinde wurden hiedurch 6000.-— S an Kosten verursacht. Der vom «Joint» der jüdischen Jugendfürsorge zur Verfügung gestellte Betrag von 3500.— S wurde zum größten Teile für Kinder, die früher vom «Joint» befürsorgt wurden, verausgabt. Im Sonnentagesheim ini Augarten waren 312 Kinder untergebracht. Die Subvention, die dieses Heim seitens der Kultusgemeinde erhielt, betrug 3000.— S. Ferner wurden an nahestehende Vereine, die während des Sommers Ferienaktionen durchführten, Subventionen bewilligt, und zwar: Humanitätsverein für die westlichen Bezirke Wiens für sein Heim in Vöslau S 800.—, Verein «Ferienheim» für seine Ferienaktion in Vöslau S 900.—, Verein «Ferienheim» für seine Ferienaktion in Grado S 800.—, Verein «Jüdische Kinderfreunde» S 700—, «Hakoah» Schwimmsektion Kuchelau S 250.—, zusammen S 3450.—. Weiters wurden seitens der Kultusgemeinde die Ferienaktionen von 14 Jugendverbänden unterstützt. An dieser Ferienaktion nahmen 978 Jugendliche beiderlei Geschlechtes teil, die in 16 Sommerlagern untergebfacht waren. Z. 7159 ex 1929. Wien, 24. Oktober 1929. Kundmachung. Die Einschreibungen, in die Bibelschule, II. Rembrandtstraße 32, finden für das Schuljahr 1929/30 Sonntag, den 3. November 1929, von 10—12 Uhr mittags, Dienstag, den 5. November 1929, von 2—4 Uhr nachm., im Schullokal statt. Der Unterricht ist unentgeltlich. Der Vorstand. Predigten in den Israelitischen Gemelndetempeln Freitag, den 1. November 1929, wird im Gemeindetempei XVI., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. J. M. Bach) bei dem um 4.45 Uhr beginnenden Abendgottesdienst eine Predigt abgehalten. — Samstag, den 2. November 1929, findet beim Morgengottesdienst (Beginn 8.30 Uhr) im Gemeindetempel XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang) cio exegetischer Vortrag statt. Israelitischer Juger.dgottesdienst Am Samstag, den 2. November d. J., findet um 3 Uhr nachmittags, der erste Jugendgottesdienst im Schuljahr 1929/30 für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen statt. Spenden für die Opfer in Erez Israel VIII. Ausweis 144. Josef Gottesmann durch die «Stimme» . . . S 10.— 146. Sammlung Frau Rosner Jenny: Dr. Jakob Korn S 50.—, Emil Rosner, Leo Ro9ner, Jenny Rosner je S 5.—, Div. S 9.—, zus. S 74.— 147. Dr. E. Erdei.S 4— Zusammen S 88.— Richtigstellung: S 550.— Bezirkssektion Wieden-Margareten: Sammlung: Malka Demner; Spende S 50.— Zahler Abraham und nicht Z o h 1 e r. Nr. 4. «Hilfe durch Aufbau» durch . :ns S 386.—, bisher S 4054.60. Eine großartige Schenkung an den Nationalfonds. Neue Perspektiven der Zusammenarbeit zwischen privatem Kapital und nationalem Boden. Jerusalem, 22. Oktober. (J. T. A.) Auf Initiative des Leiters des Jüdischen Nationalfonds in Italien, G. Sinigaglia, und des Dr. A. Serini, eines italienischen Juden, der gegenwärtig in Rechowoth wohnt und Mitglied des «United Group» ist, wurde in Italien unter dem Namen «Der Boden» eine Gesellschaft mit dem Ziele gebildet, für ihre Mitglieder Boden in Palästina zur Anpflanzung von Orangenhainen zu erwerben. Dieser Boden soll dem Jüdischen Nationalfonds als Schenkung übergeben werden mitdereinzigen Bedingung, daß er nach den Grundsätzen der erblichen Pacht, wie sie der Natdonalfonds ist, den Mitgliedern der Gesellschaft überlassen bleibe. Als Anerkennung des Eigentumsrechtes des Jüdischen Nationalfonds auf den Boden wird die Gesellschaft dem Jüdischen Nationalfonds eine kleine Pachtrente zahlen. In der letzten Woche erwarb diese Gesellschaft' wertvollen Plantagenboden zwischen Bnai Brak und den Petach Tikwah-Böden, südlich des Weges Tel-Aviv— Petach Tikwah. Eine Fläche von 82 Dunam wurde unter den obigen Bedingungen dem Nation a 1 f o n d s übergeben. Ein zweites Areale im Umfange von 91 Dunam wird dem Fonds demnächst überantwortet werden. Der Pachtvertrag zwischen dCm Jüdischen Nationalfonds und der Gesellschaft wurde für 49 Jahre geschlossen mit dem Recht der Erneuerung für die gleiche Zeit bei Ablauf der ersten Periode. Die Gesellschaft wird demnächst mit der Pflanzungsarbeit beginnen. Theater Gastspiel des Bukarester jüdischen Theaters in Wien Die Künstler des jüdischen Theaters in Bukarest wurden für ein längeres Gastspiel nach Wien verpflichtet. Da weder im Carl-Theater, noch in der Roland- Bühne die Möglichkeit bestand, zu spielen, wurde die Jüdische Bühne, II., Taborstraße 8, gemietet. Von den Gästen zählt Sevilla Pastor zu den besten jüdischen Künstlerinnen. Nicht unbekannt ist Erna Siegler und die Herren Pastor, Siegler und Cosowsk i. Vergangenen Freitag wurde das bekannte Lebensbild «Vergessene Kinder» von Rakov aufgeführt. Die ersten zwei Abende brachten einen derartig großen Erfolg, daß das Stück bis inklusive Montag, den 4. November, aufgeführt wird, Nebst den erwähnten Gästen, die durch ihr Spiel die Zuschauer begeisterten, gefielen noch die Mitglieder der jüdischen Bühne Reißmann und Waldberg. Es wurden volkstümliche Eintrittspreise festgesetzt, und zwar von 1 bis 4 Schilling.