Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 98 (31.10.1929)
- Date
- 1929-10-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 98 DIE STIMME Seite 7 Was Sie suchen - linden Sie bei uns! Für den Herbft WES3 Bergmann infolge Meinemegicn spottbillig f Relohste Auswahl In Pullovers, Wollwesten, Strümpfen, Handschuhen, Trikotagen, Damen-, Herrenu. Klnderwflsche. Pyjamas, Lelnanwaren, Berufskleider eto. En gros - en detail lM HABINITIIQ 3 (Ecke Seltenstettengasse Die Stimme der Jüdischen irou Rückblick auf die 5. Konferenz der Wizo in Zürich V/erin man vom heutigen Moment aus, belastet durch den Druck der letzten Ereignisse in Palästina, auf die. Konferenz in Zürich zurückblickt, da kann es einem leicht erscheinen, als hätte man seither schwer geträumt. Aber wir sind uns bewußt, daß all die Leistungen, zu denen wir uns in der Stunde eines hoffnungsfrohen Optimismus verpflichteten, jetzt um so mehr, um so dringlicher restlose Erfüllung von uns heischen. Zwei Probleme beherrschten die Diskussion der Konferenz und stehen auch im Vordergründe der Beschlüsse: erstens die Frage der Zusammenarbeit der zionistischen Frauenorganisation mit den nichtzionistisch) aber palästinophil orientierten, sogenannten «neutralen Frauen». Das zweite Problem, mit diesem innerlich verknüpft, ist die Frage der Zusammenarbeit der Wizo mit den sozial arbeitenden palästinensischen Frauen in Palästina, der «Histadruth Naschim hvrioth», die bisher einen Teil ihrer Mittel von Frauengruppen solcher Länder erhielten, in denen die Wizo arbeitet •— so daß eine Zwiespältigkeit in Organisation und Geldaufbringung unter den Frauen sich zeigte. Und gerade die sogenannten «Neutralen» sind es, die für die H. N. I. bemüht sind, so daß die Verknüpfung der beiden Probleme sich zeigt. Das Bestreben nach Vereinheitlichung, nach Zentralisierung der Frauenarbeit in Erez-Israel und Galuth ist hier wie dort richtunggebend. , In der Stellungnahme zu dem ersteren Problem — Wizo und Neutrale — spielte die österreichische Delegation eine entscheidende Rolle. Delegierte Oesterreichs Waren die Damen: Blauer, Dr. Hofmann, Loewenherz, Paßweg, Marie Pollak, Rottenberg, Fanny Weiß, eine der stärksten Delegationen; Während Holland und schließlich auch die Tschechoslowakei nicht mehr und nicht weniger forderten, als die Streichung des «Z» aus Namen wie Ideologie der Wizo, um daraus eine «WIO»— Weltorganisation jüdischer Frauen (ohne das ominöse Wort «Zion») — zu bilden, ist e>s in erster Linie das Verdienst unserer . österreichischen Föderation, daß die Wizo ihren ..zionistischen Charakter. auch in' einerahzu- $trebenden Kooperation mit den, Neutralen unbedingt zu wahren entschlossen ist. Wir sind uns dabei vollkommen klar darüber, daß eine Eliminierung des «Z» wahrscheinlich auch manchen Vorteil, vor allem in finanzieller Hinsicht, mit sich brächte — vielleicht würden) gewisse Frauenkreise des Westens weniger Hemmung . haben, mit uns konform zu gehen. Die geistreiche französische Delegierte, Madame Metter, formulierte, dies mit gallisch-jüdischem Temperament: «Ou le sentiment — ou l’argentl», wobei unter «sentiment» die Ideologie des «Z» zu verstehen ist. Demgegenüber aber wissen wir, daß die Wizo mit Preisgabe ihres zionistischen Charakters Weg und Richtung .'verlieren müßte. Dieser. Preis ist uns zu hoch. Unsere Meinung siegte. Die österreichische Resolution wurde nahezu wörtlich von der Konferenz übernommen mit dem gleichfalls von Oesterreich (Frau Loewenherz) vorgeschlagenen Amendement, eine , gemischte Kommission, bestehend aus Zionistinnen iihd Neutralen, zur Regelung der Zusammenarbeit einzusetzen., Die Diskussion zu diesem Thema, woran sich besonders die Damen Van Cleef (Holland), Steiner (Prag), Freman (Kanada) und Dr. Hofmann (Wien) beteiligten, brachte eine wesentliche, ideologische Aussprache. Das «Z» .wurde in «eine Rechte voll eingesetzt, ohne die Kooperation mit den Neutralen auszuschließen. Schwöre Auseinandersetzung brachte die Diskussion über die Frage: Wizo und H. N. I. (Histadruth Naschim jwrioth) in Palästina. Hier bestand ein jahrelanger, prinzipieller Konflikt: die Wizo erzog zu «produktiver Arbeit», sie sorgte namentlich für landwirtschaftliche Mädchenausbildung — sie arbeitete daher natürlicherweise mit der dieselben Ziele verfolgenden Arbeiterinnenorganisation (Moazath- Hapoaloth), deren hervorragende Führerinnen Ada Fischmann und Hanna Meisel-Schochat der Palästina-Exekutive der Wizo angehören. Die Arbeit der. H. N. I. wurde bisher als «njeht auf der Linie» der Wizo liegend abgelehnt. Da jedoch auch die Wizo <in Tel-Aviv Infant Weitere Centresunterhält — demnach Kinderfürsorge betreibt wie H. N. I. und Hadassah —, war dieses Prinzip bereits durchbrochen. Außerdem erschien es fraglich, ob nicht auch Fürsorge für Mutter und Kind «produktiv» genannt werden.köhne. —«• Freilich schwankt die H. N. I. bisher zwischen Hadassah und Wizo, wie ja überhaupt die Existenz einer völlig gesonderten amerikanischen Frauenorganisation die wirkliche Vereinigung bis auf weiteres unmöglich macht. Jedenfalls aber erreichte die Konferenz hier ein positives Resultat, indem sie das Budget der H. N. 1. für deren Säuglingsheim und Kinderkrippe restlos übernahm, wofür die H. N, I. sich verpflichtet, in den Ländern der Galuth, wo die Wizo arbeitet, nicht selbst zu agitieren und jede Spende nur über die Wizo entgegenzunehmen. In einem gemeinsamen Palästina-Council sollen Wizo Arzith (palästinensische Wizo), H. N. I. und Moazath-Hapoaloth die einheitlichen Richtlinien für gemeinsame Arbeit festlegen. Dieses Palästina-Council ist ein jahrelanges Desideratum der Frauenarbeit in Erez-Israel, es wurde auch schon mehrmals, beschlossen, konnte aber wegen der Gegensätze nicht zustande kommeii. Nun . wird ausdrücklich die Bildung des Councils innerhalb von vier Monaten als Grundbedingung gesetzt — sofern nicht die weitergehende Möglichkeit, die Verschmelzung von H. N. I. mit Wizo- Arzith in Erfüllung gehen kann. Council oder nicht Council, Verschmelzung oder nicht Verschmelzung — Uebernahme des Budgets der H. N. I. oder nicht — darüber wäre die Konferenz der Wizo beinahe nicht hinweggekommen. Die Meinungen der Palästina-Exekutive waren mit einer einzigen Ausnahme dahingehend, daß die Zusammenarbeit mit H. N. I. die Wizo von ihrem bisherigen ALLE SCHLAGER STETS AM LAGER! Plwsllslftcius Cxctolsior APPARAT Nr. ma Lebend Ton Grafonola Modell 1929 S Anzahlung und 4°*"~ la Monatsraten äS 35.-oder 18 Monatsraten i S18.— «««»•» Inhaber: RICHARD HERZOG Wien, L, Adlergaffe Nr. j, Telephon Nr: R - 23 - 4 - 90 Wien, II., KL Pfarrgaffe Nr. 28, Telephon Nr. A - 41 - 6 - 24 Wege allmählich gänzlich abbringen werde. Schließlich kam man dann doch überein, wofür namentlich Frau Freman (Kanada) und Frau Sieff (London) das Verdienst gebührt. Unterdessen hatte ein großes Publikum stundenlang im «Saale der Kaufleute» auf das «Happy End» der Frauenkonferenz mit ebensoviel Ausdauer als Ungeduld gewartet. Dieses kam dann schließlich auch — aber vorher sei noch die Reihe der Referate zu den Fragen der Kulturarbeit und Propaganda erwähnt, zunächst das der Frau Dr. Benzion (Kanada) über Propaganda unter den primitiven jüdischen Frauen des Orients, dann folgten die großangelegten Referate Dr, Martha Hofmann (Wien) und Gerda Örlosoroff (Tel-Aviv) über Palästina-Information sowie Kulturarbeit und Propaganda in der Galuth. Insbesondere handelte es sich dabei um die künftige Ausgestaltung der Publizistik der Wizo, die im vergangenen Jahre einen bedeutenden Aufschwung genommen hat. Die Referate fanden das ungeteilte Interesse der Konferenz sowie des Publikums. Erwähnt sei ferner noch das überaus wichtige' Referat von Mrs. Eder (Exekutive London) über die Ausgestaltung der Beziehungen der Wizo zur allgemeinen zionistischen Organisation, als deren vollberechtigter «weiblicher Partner» die Wizo sich betrachtet wissen will. Alledrings bedarf es dazu noch der Regelung der Orgariisationsfragen itn Sinne der Vereinheitlichung der Frauenarbeit. Dein steht allerdings die wohl nicht leicht zu umgehende Tatsache der gesonderten amerikanisch-zionistischen Frauenprganisätion «Hadassah» entgegen, zu der im Palästina-Council gleichfalls eine Brücke geschlagen werden soll. Zuletzt sei noch des Referats Dr. Henriette Rappaport (Z. M. V. Mirjam, Wien) gedacht, die eingehend die Bedürfnisse und Bestrebungen der zionistischen Mädchenarbeit auseinandersetzte, um trotz gewisser qualitativer Unterschiede die Möglich- Sthutk oin Wien, 2., &a&ovst*aße 8 a J>le Sren*e der Xeistfuntfu/dAijlftelf für modernes Cuaflldtfs-ififtiilke. keit gemeinsamer Palästinaarbeit aufzuzeigen. Viel zu wenig Augenmerk wurde der Mädchenarbeit bisher zugewendet, so daß die Wizo eigentlich kern Reservoir jugendlichen Nachwuchses für ihre Reihen geschaffen hat, wie die Amerikanerinnen es in kluger Voraussicht in der «Hadassah junior» geschaffen haben. Auch hier darf gesagt werden, daß die Initiative zu der Zusammenarbeit von Frauen- und Mädchenorganisation hauptsächlich von Wien ausgegangen ist, wo eine engere Zusammenarbeit von beiden Seiten längst in die Wege geleitet wurde. Ein besonderes Verdienst gebührt dabei nebst der Präsidentin der Wizo auch der Vorsitzenden des Continental-Bundes zionistischer Mädchenvereinigungen, Frau Marie Pollak in Wien. Zwar waren die Mädchen mit Recht darüber unzufrieden, daß die Exekutive der Wizo ihnen auch in Zürich zu wenig Aufmerksamkeit schenkte, doch wurde die Resolution in dem Sinne gefaßt, daß gemeinsame Palästinaarbeit geleistet werden solle. Auch wurde in einer Resolution der Ausbau einer Kinderversicherungsaktion durch K. K. L.-Phönix seitens der Wizo beschlossen. (Antrag Frau Doktor Blauer, Wien.) Ende gut, alles gut. Nach bangen Stunden, in denen Publikum und Delegierte auf das Erscheinen der neuen Exekutive warteten, erschien diese endlich in persona und unter dem bewährten Vorsitz der Frau Loewenherz (Wien) wurde eine feierliche Schlußsitzung abgehalten. Man nahm die Resolutionen an, akzeptierte die voi|g*eschlagene Exekutive, wobei Dr. Mirjam Scheuer (Prag) das Referat des Permanenzausschusses erstattete. Man sang die Hatikwah und ging in ITiede und Freundschaft auseinander. * Einige heitere Vorkommnisse seien kurz berichtet: Eröffnungssitzung der Wizo-Konferenz. Lady Samuel verliest ihre Ansprache. Gedämpftes Rauschen seidener Kleider, gespannte Aufmerksamkeit. Plötzlich flüstert eine ahnungslose junge Züricherin durch das feierliche Schweigen ihrer Nachbarin zu: «Nicht wahr, die Dame, die jetzt spricht, das ist die Mrs. Wizo, die Frau vom Herrn Hajessod?» Auch Knüttelverse auf die wegen der heißen Sommertage «Schwizo-Konferenz im Schwizerlande» benannte Tagung wurden anläßlich eines Motorbootausflüges der leitenden Damen bei der darauffolgenden Jause am Ufer des schönen Züricher Sees in Form eines Toastes (die Teeschale in der Hand) vorgetragen: «Wir haben uns viel herumgeschlagen j- In diesen heißen Julitagen. * Zuletzt war alles «Schalom w’schalwah»,' f O Friede, o Freude — das Council ist — näh . (Wenn auch nicht «da» . . .) f Jetzt heben wir unsere Schalen Auf die Mitarbeit der «Neutralen»!» Diese «Bejahung der Wizo» wurde samt der Wiener Autorin lebhaft akklamiert. Dr. Martha Hofriiarin. Bin Buch von Adn Fischmann Die Zentrale der Wizo fordert zur Subskription au! die deutsche Ausgabe des kürzlich hebräisch erschienenen Buches von Ada Fischmann «Die Arbeiterinnenbewegung in Palästina» auf. in diesem F che hat Ada Fischmann, die eine der bekanntesten Führ.-rinnen der Arbeiterinnenbewegung ist, die Quellen zur Geschichte der Bewegung gesammelt und einen ausgezeichneten Ueberblick über die Entwicklung der Frauenarbeit in Palästina gegeben. Sie schildert an Hand von Berichten, Protokollen und Briefen das persönliche Leben palästinensischer Frauen und gibt durch Tabellen und Diagramme eine Einsicht in die Bestrebungen der Arbeiterschaft und die besonderen Verhältnisse der palästinensischen Arbeiterinnen. Subskriptionen werden entgegengenomunen vom Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, Charlottenburg 4, Pestalozzistraße 92.