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Die Stimme · 1929-10-31 · Heft 98 (31.10.1929) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 98 (31.10.1929)
Date
1929-10-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 96 DK STIMME ©er ©otuö--3irfuö prolongiert! Gir bitten uniete geehrten 2f&nefjmer, hie Bei itttfetett ©nfa^orfteffuttgen^ im Str^uB gcntotl feinen Cmlafc finbrn tonnten, um ßntfcfjulMgung, bod^ bürften me^t als 1000 ^ertönen iäglidj laut poltaetlt^et 33 ot« fdjtift liidjt Gingelaffen luecben. 28tr fjafan für nädjfte Sßodje bte untenfteBenben (Smlöfej'teffen mit genügettb Starten öerfel)ett, öafitit jebet SBeft^er öoit 5 MuS48udjftaöett ficB ben Sefucfj biefec erftftaffigen 23arieic. unb gitlUSborjteffnng burdj 23orö erlauf fidlem tarnt. 2Iucf) an bet girfuSlaffa inerben harten täglidj afi BalB 3 UIjt auSgegebcn, bte Ülnaaljl ijt aber Befdjränlt unb tonnen mit leine (Garantie bafüt übernehmen, bafe Bet großem 2Cnbrang lebet am felBen Stage Gtnlaf; finbet. SröffS bte 33orfteffung auSberlauft ift, föerben bic harten füt bie ttädjften Stege auSgege&en. Bentt ber grofce Suffcrud) anhält, toerben bte SSorfteffungen bis STlttte Sßobembet fortgefefct, ©et SÖarberlauf finbet Bei u. ©charmänn, 2. SSe^irl, .‘geineftrafte 5, ©hnoerftrahe 36, ©trumpf* fdjtoemme, (^rbBetgftrofee 33, $aufhauS SBobicla, Stm ©pib, in affen Filialen beS ©trumpfhaufeS SBemBatb ©dBön, im ©oIuB^ramienBureau, 17. Söejirl, 23eronilag<tfie 29 unb refttid>e harten tägKch aB halb 3 Ithr an bet 3itfnSlaffa. Liquidation in Palästina Von M. V* Bca-Oavriel (Jerusalem) Die arabische Sprache bezeichnet in ihrem Hang zu ornamentalen Umschreibungen einen Menschen, der nicht das sagt, was er denkt, und nicht das denkt, was er sagt, fhrt dem Wort «Abu üsenen, Vater zweier Zungen». Hätte die Sprache Großarabiens nicht dieses Wort geprägt, dann wäre es sicherlich in Palästina erfunden worden, denn kaum irgendwo in der Welt wird die Politik von Vätern zweier Zungen derart beherrscht wie in Palästina. Der Effendi, der reiche Landbesitzer, verkauft mit der linken Hand Boden an den jüdischen Nationalfonds und unterschreibt gleichzeitig mit der rechten flammende Aufrufe gegen die Landverkäufer und gegen den naturgemäß landhungrigen jüdischen Bauern, der Oberste Muslimische Rat schickt ht die Dörfer die Legende, die Juden wollten die Omarmoschee erobern irnd sagt mit der anderen Zunge, daß es gar nicht um religiöse, sondern um politische Ziele gehe, die Mandatsregierung erklärt, daß erstens keinerlei Gefahr bestehe, zweitens, daß sie völlig gerüstet sei und gleichzeitig, daß sie augenblicklich nicht die Mittel habe, zum Beispiel ein exponiert liegendes Waisenhaus mit dreihundert Kindern oder ein Säuglingsheim gegen die anstürmenden fanatisierten Horden zu schützen. Dies ist die moralisch-politische Disposition des Lahdes, deren Ergebnis bis heute folgendes ist: Etwa dreihundert Tote auf beiden Seiten, unzählige Verwundete, eine Reihe zerstörter jüdischer Siedlungen und ungeheure Kontributionen auf den verbrecherisch irregeführten arabischen Dörfern und schließlich unzählbar viele arabische und paar jüdische Häftlinge, denen jahrelange Zwangsarbeit, den arabischen Mördern aber der Galgen droht. Der Aufstand, der durchaus nichts mit einem elementaren Rassen- oder Religionskrieg zu tun hat, als den ihn gewisse, um ihre Stellung sehr besorgte Kreise binzustellen versuchen, wird liquidiert. Das Land Ist ruhig, d. h. an die Stelle der Massenkampfhandlungen sind gelegentliche Einzelaktionen getreten, die die Verbindungswege zwischen den jüdischen Dörfern und die Altstadt von Jerusalem noch immer höchst unsicher erscheinen lassen, im . allgemeinen sind aber an die Stelle der Gewehre die Federn der . Journalisten und das große Machtmittel Asiens, der Boykott, getreten. Aber trotz allem — während die Gerichte mit Hochdruck arbeiten — beginnt sich mählich der dumpfe Druck zu lösen und man beginnt zu. fragen: Was mm? Anders wird diese Frage in den arabischen Dörfern und anders in den jüdischen Siedlungen beantwortet. In den arabischen Dörfern beginnt Zur Geschichte der Emanzipationskämpfe der galizischen . Juden (1848—1868) Von Dr. N. M. Gelber. ' Wir besitzen leider wenige Spezialstudien zur Geschichte , der galizischen Juden, die lange Jahrzehnte hindurch durch ihre Impulse das Geistesleben der Gesamtjüdenheit beeinflußten. Eine jede Neuerscheinung auf diesem Gebiete ist daher zu begrüßen. , , Mit großem Interesse habe ich die vor kurzem erschienene Schrift des jungen Historikers Dr. Philipp Friedmann *) gelesen und mit Befriedigung könnte ich 'feststellen, daß der Verfasser,, der "über meinen Vorschlag dieses Thema zum Gegenstand seiner Döktorarbeit wählte, bis auf einige Details mit gründlicher Kenntnis das von ihm in hiesigen Archiven aufgefundene Material sowie die gedruckten Quellen zu verarbeiten verstand und durch eine klare Darstellung der historischen Begebenheiten unsere Forschung ,um einen nennenswerten Beitrag bereichert hat, Der; Verfasser ging von der richtigen: Annahme aus, daß man, um dem Leser den zu behandelnden Gegenstand klarer.vor Augen führen zu können, den Zustand der Juden vor der Periode, in der die Emanzipationskämpfe vor sich gingen, schildern muß. Die betreffenden" Kapitel, in denen die Bevölkerungsverhältnisse der Juden, der wirtschaftlich-soziale Aufbau, Handel ■.**)', Industrie und Handwerk, Landwirtschaft und freie Berufe behandelt werden, enthalten eine Fülle neuer Materialien, die der Verfasser dkm inzwischen infolge der Vorfälle vom 15. Juli 1927 niedergebrannten Staatsarchiv des innern und der Justiz entnommen hatte, und die sicherlich neues Licht auf die Verhältnisse der galizischen Juden und deren wirtschaftlich-soziale Struktur vor dem Jahre 1848 werfen. , Im-Kapitel über die kulturellen Zustände bemüht sich der Verfasser, ein Bild des Unterrichtswesens und des Standes der allgemeinen Bildung sowie der kulturellen Verhältnisse und Wechselbeziehungen in *) Die galizischen Juden im Kampfe um ihre Gleich« lwechti&ung, 1848—4868, Bd. I'll der Veröff'enfl'ichurtgjin Dr» A. S, Bcttefihehns «Memorial Foundation», Frankfurt am Main, Vertag J. Kaufmann, 1929, S. VIII. 215. **) Die vom Verfasser perzepferte Ansicht Szceepa* nowskis über den. Widerwillen der Juden gegen den Ackerbau und das Handweadr ist mwohtiig. es zu dämmern. Im Süden und im Norden fangen die Dörfler nach dem Abzug der englischen Strafexpeditionen, die so und so viele des Mprdes und des Raubes Beschuldigte mitnahmen, an, an der vom Großmufti ausgegebenen Kampfparple und an der Versicherung der Agitatoren «Die Regierung ist mit uns!» zu zweifeln. Schon zirkulieren Aufrufe gegen den Großmutti in den arabischen Dörfern, werden von Hunderten unterschrieben, die ihn für alle Schäden — Kontributionen und jüdischer Boykott — verantwortlich machen wollen, und schon kämpfen in blutigem Streit die Parteien jn den Dörfern, die auf Jahre hinaus für die in den jüdischen Siedlungen angerichteten Schäden zahlen werden müssen. Bei den Juden Wieder^ die heldenmütig die Angriffe abgeschlagen haben, wird die Partei der Friedensfreunde bemerkbar. Nicht winselnde Friedenssehnsucht, ist es aber, die sie venfcragsbereit macht, sondern die elementare Erkenntnis, daß zwei Völker in einem Land nur im Frieden leben können, diaß in einem gemeinsamen'; Lebensraum zwei getrennte'Wrrtsohaftskörpeir auf die Dauer nicht existieren können. Und die Mandatarmacht? Vielfältig sind die Äeußertmgcn offizieller und offiziöser Art; wie ein Vorhang stehen sie vor den Regierenden dieses Landes und niemand weiß, was hinter diesem Vorhang vor sich geht. Wird die Regierung konsequent die Friedenssehnsuebt unterstützen und die Garantie für einen beide Teile befriedigenden Zustand übernehmen, wird sie die schuldigen Beamten absetzen und wird sie die großen Schuldigen', die schon einmal zu Zuchthaus verurteilten und dann von Herbert Samuel freigetassenen Leiter des Obersten Muslimischen Rates fallen lassen — das sind die Frader Entwicklung der Haskalah Und des beginnenden Kulturkampfes zu entwerfen. Wenn auch dqr Verfasser das Bestreben zeigt, diese Entwicklung' im Rahmen, der Zeitgeschichte und auf Grund des . ihm zugänglichen hebräischen Quellenmaterials ***) darzustellen, hat. er dennoch kein klar unirissenes Biiä der wirklichen Kulturzustände, gezeichnet. So hat er im Abschnitt, der .die Repräsentanten der damaligen galizisch-jüdischen Intelligenz behandelt, ohne bestimmte Richtlinien einzelne Persönlichkeiten heräüsgegriffen und in knappen Strichen ihren Lebenslauf geschildert. Es genügt aber nicht, in kurzer Form nur den äußeren Leberislaüf der Persönlichkeiten zu skizzieren^ Unter den vom Verfasser behandelten Repräsentanten der galizisch-jüdischen Intelligenz vermissen wir einige von nicht unbedeutendem Format, so zum Beispiel Bodek, A. M. Mohr, Bloch, Josef Köhen-Zedek, Meyer-Kallir, S, L. Goldenbfcrg, den Herausgeber des Kerem Ghemed, Osias Schorr, die sicherlich dieselbe, wenn nicht eine größer Rolle spielten, als die vom Verfasser behandelten Persönlichkeiten. Bei dieser Gelegenheit möchte ich bemerken, daß in Galizien nie eine jüdische Zeitung «Jeruschalajim» (Zolkiew-Lemberg 1844-45) (S. 46 Anm* 7) erschienen ist, dagegen wurde in denselben Jahren in Zolkiew von Mohr uhd Bodek eine hebräische Sammelschrift «Jeruschalajim» herausgegeben. Richtigzusteilen wäre noch der Name der Brodyer Rabbiner Michael Chrtetiänpollinger (?), sein richtiger Name lautet Kristianpoler. Ferner soll es heißen J Josef Saul (und nicht Josuä Saul), Nathanson und Jakob .Orenstein. Dr. Karl Lippe, den der Verfasser als bessarabischen Juden bezeichnet, ist im Jahre 1830 in Stanislau (Ostgalizien) geboren und im Jahre 1860 nach Rumänien als Arzt ausgewandert. Besonders gut ist dem Verfasser die Schilderung des Jahres 1848 gelungen. In diesem Abschnitt haben wir eine quellenmäßige Darstellung der Epoche, in der die galizische Judenschaft die Aufhebung ihrer bedrückten politisch-sozialen Lage erhoffte, in der Tat aber bittere Enttäuschungen erleben mußte. In diesem Zeitpunkte beginnt . schon das politische Wechselspiel der Germanisierurigs- und Polonisierungstendenzen sich bemerkbar zu machen, die dann den politischen Lebensinhalt der jüdischen Führer erfüllten, ohne in ihnen je das Bedürfnis nach einer eigenen Volkspolitik wachzurufen. Erst die spätere ***) Wertvolle Dienste hätte dem Verfasser die von Prof, Dr. Klausner kn Jahrbuch der hebräischen Universität Jerusalem. (1&6) erschienene und sehr lesenswerte Studie über die HaskateS geleistet« gen, deren Beantwortung Krieg oder Frieden für das entheiligte Heilige Land bedeutet. Die Regierung hat manches versprochen — aber sie hat auch am Donnerstag vor dem Blutfreitag versprochen, daß es zu nichts kommen wird... Auf arabischer Seite äußern die Hausbesitzer, die jüdische Mieter haben, Friedenssehnsucht, und jene arabische Partei, die — wie z. B. in Hebron — den Agitatoren nicht Folge geleistet hat, läßt auch heute keinen Zweifel daran, daß sie den Kampf verurteilt. Die offizielle Führung der Araber aber hetzt weiter. Klar und deutlich allein ist die Antwort der Juden: Sicherung des Friedens und Einwanderung tausender neuer Arbeiter. Wille zum Aufbau steht gegen den Willen zur Zerstörung. Dieser AufbauwiHe ist fest Und unverrückbar, an allen Punkten wind er t rotz aller Unsicherheit schon in die Tat umgesetzt. Noch sprechen Menschen in diesem geschlagenen Land mit zwei Zungen. Menschen, die seine Geschicke leiten sollen. Eindeutig nur sprechen die Toten von Hebron und von.Safed, ob man ihnen die Zunge herausriß oder ob man sie ihnen ließ, ehe man sie verscharrte. Ihr Ruf, der Ruf dieser schuldlos getöteten Kinder, Frauen und Greise ist ein eindeutiger Ruf. Nicht nach Rache, sondern nach jener Sühne, die den Frieden ermöglicht. Wer diesen Ruf nach dem Frieden auf nimmt und einzüegig weitergibt, ist der .Wiedererbauer Palästinas. Höheren . ' HebrMisch-Unterricht erteilt in sämtl. Fächern diplom. Lehrer (Palästinenser). Briefe an die Administr. des Blattes unter „Mumcheh“. Entwicklung nach dem Jahre 1868 — in den 70er und 80er Jahren — hatte in den Kreisen des sogenannten «Schoner-Israel» lange Zeit vor dem politischen Zionismus, die Notwendigkeit einer selbständigen und nur vom jüdischen Interesse geleitete« und getragenen Volkspolitik hervorgerufen. Dr. Friedmann schildert den Beginn dieses politischen Wechselspiels überaus klar und zeigt, von welcher Bedeutung all diese Stimmungen in den wenigen Jahren der vorübergehenden Gleichberechtigung (1848—1851) für die Entwicklung der galizischen Judenschaft gewesen sind. Ueberaus reichliches Archivmaterial bietet der Verfasser bei der Schilderung der Ergebnisse der Emanzrpationskämpfes in den Jahren 1848—1851, wobei sich die Darstellung durch eine sehr klare und historisch gehaltene Interpretation der verschiedenen a. h. Vorträge,“Gesetze, Verordnungen u. dgl. auszeiphnet. Diesen Jahren folgen nun die Äufhebungspatente, mit deren Hilfe die Wiener Regierung immer mehr ins reaktionäre Fahrwasser geriet und die Errungenschaften der 1848-Reyolution zunichte machte. Da die Aufhebungspatente keine Andeutung über die künftige Rechtsstellung der Juden enthielten, glaubten die jüdischen Führer, daß es bei der Gleichberechtigung (wie 1848—1851) geblieben sei. Es begann nun die Periode der allerkomischesten, ja sogar unmöglichsten Rechtsvermutungen, die selbst in Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes zum Ausdrucke kamen. Erst die Verordnung vom 2. Oktober 1853 über die Besitzfähigkeit der Juden erbrachte den klaren Beweis, daß die Gleichberechtigung beseitigt und an deren Stelle die Judengesetze aus dem Vormärz getreten sind. Dr. Friedmann gibt sodann eine sehr vollendete Darstellung jener Verfassungsgebiete, die auf Juden Bezug haben. Er schildert die einzelnen Phasen der Entstehung und der «einzigartigen» Losungsart wichtiger und einschneidender Lebensfragen für die ludenschaft jener Tage, In dieses Gebiet gehören Wt. allem die Besitz-, Aufenthalts- und Gewerberechte der Juden, die Politik der Regierung hinsichtlich de« jüdischen Kultus- und Unterrichtswesens, die vota besonderen Bestreben der Erhaltung der Hegemonie der katholischen Kirche, der Germanisiertmgstendenzen und der kulturellen Bevormundung der galizischen Juden, sowie der Bekämpfung der Reformbewegung und Förderung der nach ihrer Ansicht monarchietreuen Orthodoxie beherrscht werden, welche Politik später dazu führte, daß Exponenten des Chassidismus, wie der Beizer Rabbi, die festen *

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