Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 98 (31.10.1929)
- Date
- 1929-10-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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SWte 4 PIE $T1MME Nr. 98 Zionisten! Veranlasset bei jeder Gelegenheit (Thoraaufruf, Familienfeiern, Wetten) Eure Bekannten 2u Spenden" für den Keren Kajemeth I Ihr seid flfiar die Eingänge des Keren K«a|emelH veraniworllldi? gen geben nur verworrene Aussagen, die zudem in Widerspruch zu ihren Aussagen vor dem Untersuchungsrichter stehen. Dem Ausgang des Prozesses wird mit Spannung entgegengesehen. Ein Araber, der Schmähungen gegen die Polizei von Tel-Aviv ausstieß und ihr Straßenraub vorwarf, wurde vom Jaffaer Gericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Der Polizeirichter in Safed verurteilte einen Juden, der sich gegenüber einem ihm verfolgenden Mob mit der Waffe in der Hand zur Wehr setzte, zu einem Pfund und einem Schilling Geldbuße unc verfügte seine sofortige Haftentlassung. In der Urteilsbegründung heißt es, man könne es einem Manne nicht verübeln, wenn er, wo sein Leben bedroht wird, zur Waffe greife. Nach dreitägiger U> ’erbrechung wurde am 21. Oktober vor dem Jerusalemer Gericht der Prozeß gegen den Scheich Taleb Markah aus Hebron wieder aufgenommen. Nachdem die beiden bisherigen Vertreter der Anklage, die Moslemiten waren, nicht die erforderliche Energie aufbrachten, wird nun die Anklage vom Regierungsanwalt Sherwell vertreten, der einen schärferen Zug in die Verhandlungen bringt. Ein vernommen wurde der Distrikts-Offizier von Hebron, ein christlicher Araber, der nach dem Pogrom die überlebenden Juden einvernahm und hierüber einen Bericht abfaßte, der sich als ungenau und überholt erwies. Der Distriksoffizier, den Zeugen gegenübergestellt, mußte zugeben, daß sein Protokoll ungenau und übereilt abgefaßt war. Der nächste Zeuge, ein moslemitischer Advokat, bestätigt somit die Aussage der jüdischen Zeugin, die die Araber aus der Hauptmoschee, die gegenüber ihrem Hause ist, kommen sah. Es ist damit geklärt, daß der Herd der Aufhetzung in der großen Moschee war, in der Scheich Taleb Markah auftrat. Die Verteidigung richtete an den Zeugen die Frage, ob die Polizei in der I age war, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Der Richter Defreites erklärte darauf, das sei augenscheinlich möglich gewesen, denn wenn der Zeuge als einzelner in der Lage war, Juden zu retten, so hätte es die Polizei sicherlich auch tun können. Ein arabischer Polizei-Sergeant, als Zeuge einvernommen, erklärte im Widerspruch zur. Aussage des Polizei-Inspektors Cafferata, daß er von Cafferata keine Order erhalten habe,.die Menge"zrrzefstreuen, an welche Taleb Markah gerade eine Ansprache hielt. Auf die Frage der Verteidigung, ob Taleb Markah die Polizeistation, wie er behauptet, besucht habe, verwickelte sich der Zeuge in Widersprüche. Ein Protokoll hierüber besteht nicht. Somit ist dem Angeklagten der Beweis, daß er die Polizei über die unruhige Stimmung informierte, nicht gelungen. Ein Ladeninhaber aus Hebron, ein Moslem, sagte aus, er sei an dem Freitag, an dem die Unruhen in Hebron stattfanden, krank gewesen, habe am Fenster seiner Wohnung gelegen und gesehen, wie Taleb Markah sich bemühte, einige aufgeregte Knaben zu beschwichtigen. Im Verlauf des Kreuzverhörs mußte der Zeuge zugeben, daß er am Tage der Unruhen zwei bis drei Stunden mitten unter der erregten Menge geweilt hat. Der Ankbgeanwalt c’herwell fragte dann den Zeugen ironisch, ob er durch den Aufruhr von .seiner Krankheit kuriert worden sei. Ein zweiter von der Verteidigung geführter Zeuge, ein moslemitischer Lehrer aus Hebron, sagte ebenfalls aus, Taleb Markah sei bemüht gewesen, eine Gruppe aufgeregter Knaben zu beruhigen. Es stellte sich heraus, daß der Zeuge, obwohl er Lehrer ist. sich auf der Landkarte nicht orientieren und die Aufschriften nicht lesen kann. Der Zeuge verwickelte sich beim Kreuzverhör so sehr in Widersnrüche, daß der Richter Defreites in Zorn geriet. Hierauf wurde der Polizeiinspektor Cafferata wieder einvernorumen, der erklärte, in seinem ersten Bericht über die Massaker habe er därauf hingewiosen, daß mehrere Scheichs zu den Angriffen auf die Juden aufhetzten; er habe damals nur den Namen Taleb Markahs anzuge- Ricfitcr Defreitas hat gegen einen aus Aegypten stammenden Araber, der gegen einen arabischen Käufer in einem jüdischen Laden einen Einschüchterungsversuch unternommen hat, eine Gefängnisstrafe von vier Wochen verhängt und ferner die Landesverweisung nach Verbüßung der Strafe beantragt. Fünf Araber, die der Teilnahme an der Ermordung der jüdischen Familie Abouchdid und Guzlan in Hebron beschuldigt Waren, sind durch Spruch des Hebroner Untersuchungsrichters wegen Mangels an Beweisen aus der Haft entlassen worden. — In Jerusalem wurde ein arabischer junger Mann unter dem Verdachte der Ermordung des. alten Juden Jakob Cohen verhaftet. (Jta.) ben gewußt. Jetzt seien ihm aber die Namen anderer Scheichs bekannt. Der Richter aber gestattete es nicht, diese Namen jetzt zu nennen, um den Fäll Markah nicht zu komplizieren, der allein für sich zu erledigen sei. Ueberhaupt geht das Bestreben des Gerichtes dahin, den Prozeß dem Ende zuzuführen. Die Verteidigung aber gestaltet den Verlauf durch ihre Kreuzverhöre sehr schleppend und beantragt immer wieder die Vorladung neuer Zeugen. Nach zehntätiger Dauer würfle das Urteil gegen Taleb Markah gefällt. Er wurde zwei Jahren schweren Kerker verurteilt. Großer Saal des Konzerthouses, UI., Löthringcrstrrße 20. Mittwoch, den 13. November; 1929, ha!b,.ir. Uhr. abc : f & MM A ®: I M IS) .'cs bekannten palästinensischen Tänzers BARUCH AGADüTB Karten von S —.80 bis S 8.— sind erhältlich bei: Koncertkasse Guttmann, I., MahJerstraße, Kartenbüro Aida, II., Taborstraße 1, Kör.'z;rtkasse, Zion. Landcskoinitee, I., Kärntnersiraße 28. Der jüdische Sejm-Klub (Eigenbericht der «Stimme».)-. . W ä r schau, 26. Oktober. Hier fand eine Sitzung des jüdischen Sejm-Klubs statt. Der Vorsitzende Grünbaum erstattete .den politischen Bericht. Die Abgeordneten aus Ost- und Westgalizien nahmen an der Sitzung nicht teil. Es wurde festgestellt, daß die Regierungspolitik und das neue Budget keinerlei Äqnderungen zum Guten im Verhältnis zur jüdischen Bevölkerung darstellen, daher wird der Klub auch weiterhin seine bisherige Politik' der Regierung gegenüber verfolgen. '• Die zionistischen Abgeordneten ‘ aus Ostgalizien, Dr. Reich, Dr. Leser, Eisenstein, Heller und Senator Sr. Schreiber, haben an das Präsidium des jüdischen Sejm-Klubs in Warschau ein Schreiben gerichtet, in welchem sie die Einberufung einer Sitzung zum Zwecke der Wahl eines neuen Präsidiums verlangen. Skandalzustände in der Lemberger Kultusgemeinde. (Eigenbericht der «Stimme».) L e m b e r g, 24. Oktober. Gestern fand hier eine stürmische Sitzung des Rates der jüdischen Kultusgemeinde statt. Sie endete mit einer Sezession der zionistischen Mitglieder. Schon vor längerer Zeit zeigte es sich, daß. die gegenwärtige Mehrheit, aus. Asslmilanten Und Agudisten bestehend, ständige Gehälter einer ganzen Reihe vön Agitatoren zahlt, welche inder Zeit der KultusgemeindeWahlen für ihre Liste gearbeitet haben. Das geschieht selbstredend zu Schaden d£r Armen, deren Fonds für diese unlauteren Zwecke, in Anspruch genommen wird. Gestern sollte def Bericht der Untersuchungskommission in dieser Angelegenheit entgegengenommen werden. Die Mehrheit verstand es jedoch, durch ein unqualifizierbares Benehmen schwere Tumulte herbeizuführen, um sich auf diese Weise der Verantwortung zu entziehen. Polizei erschien im Saale1 ifnd die zionistischen Mitglieder des Rates haben zum Zeichen des Protestes gegen diese unerhörten Zustände die Sitzung verlassen. Es verlautet, daß in allernächster Zeit ein Regierungskommisßär ernannt werden soll, der der gegenwärtigen Mißwirtschaft der assimilatorisch-agudistischen Clique, welche der Gemeinde große Verluste bringt, ein Ende bereiten soll. Dr. Michael Grek gestorben Der in Lemberg verstorbene Präsident, der dortigen Advokatehkammer, Dr. Grek, zählte zu den hervorragendsten Persönlichkeiten sowohl im alten Oesterreich als auch im neuerstandenen Polen. Als aufrichtiger Demokrat nahm er noch seinerzeit als Reichsratsabgeordneter eilten Kämpf gegen die reaktionären Tendenzen der «Stahczyki» im polnischen Klub auf und blieb dieser Gesinnung auch im neuen Polen Reu. Diese konsequente Gesinnungstreue brachte mit sich, daß Grek aus dem politischen Leben sich zurückzog, um so mehr, als er sich stets für eine gerechte Minorität.enpölitik Polens einsetzte und hiedurch sich die Feindschaft des offiziellen Poienfums zuzog. Unvergessen bleibt die Rolle Greks als tapferer und unentwegter Verteidiger im Steiger-Prozeß. Religion und Weltfriede Die jüngst: gegründete „Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden**' veranstalteteam 16. Oktober in Berlin ihre erste öffentliche Kundgebung, die dem Thema „Religion und Weltfriede“ gewidmet war. In seiner Eröffnungsansprache betonte der Ehrenpräsident des evangelischen „Weltbundes für Frenndschaftsarbe.itder Kirchen“, Dr. theöl. h. c. 8 p i e e k e r, daß die Arbeitsgemeinschaft auf dem Boden der Bibel fuße und sich unter den Segeu-.stelle, durch den Gott Abraham und seine Nachkommen zur gedeihlichen Friedensarbeif für alle Völker berufen habe Den Vorsitz der Versammlung führte Oscar W.a.s s.e r m a n n, Direktor der Deutschen Bank, Präsident des „Jüdischen Friedensbunde,s“. -In seiner, Jjteßel führte. er‘aus-, 'daß uhgeatditet aller ‘Uhtersciiiede die Religionen auch ein''Gerne'! irsames haben, das geeinte Arbeit ermögliche. Angesichts der Vernichtungsgefahr, die die neue Art der Kriegführung für die ganze Menschheit bedeute, ist. es Pflicht aller Bekenntnisse, sich in entschiedenster Weise für den Frieden einzusetzen. Die Religion übersieht nicht die Bedeutung der politischen und wirtschaftlichen Momente; sie seihst aber appelliert in erster Linie an das TI e r z und das Gewissen. Unter den Rednern, die die Stellung der einzelnen Bekenntnisse zum Weltfrieden beleuchteten, wie Prälat Lieh t e. n b e r g, der Dominikäner-!Päter Franziskus St ratmahn uijd Pästör D e hn, trat Habt). Dr. Leo.B aeck «vis erster ”üt einem Referat. „Das Judentum ümd der Weltfriede“ auf. Wenn die Friedensliebe heute im Wesen des Judentums unlösbar wurzelt, so ist das ein Ergebnis jahrtausendelanger Erziehung.'Für das Judentum war der Friedeusgedanke nicht eine bloße Schwärmerei, ein 2‘iel ohne Weg, eine „Musik ohne Werke“. Es war eine Verheißung, aber gleichzeitig ein Ger bot, eine, sittliche Aufgabe. Der Friede ist für das Judentum ein Weg der Opfer, der Hingebung um des Zieles willen, daß die Menschheit die höchste, ihr vorgezeichnete Entwicklung eri’eiche.;; Dr. Alfred Nossig, der Vorsitzende des Arbeitsausschusses des Jüdischen Friedensbundes, entwickelte in seinem Referat „Religion .und Politik**; das praktische Arbeitsprograflüm der neuen interkonfessionellen. Organisation. Der Weg, für die praktisch-politische .Betätigfttig der Religion ist heute frei. Ihre Aufgabe ist es, den Dauerfrieden herbeizuführen durch Erziehung der Erwachsenen und der Jugend, durch Bildung einer weltumspannenden * Arbeitsgemeinschaft der Völker für den Frieden, diftch Ausübung eines unwiderstehlichen moralischen Druckes auf Parlamente und Regierungen, dirfcb Schaffung nicht zu erschütternder moralischer Sanktionen für den Frieden. Als eines der Ziele der praktischen Fliedenstätigkeit der Religionen bezeichnete £er Redner die Lösung des P a 1 ä s t ina - P tf«oblems. Das Heilige Land dreier Bekenntniege muß ein ewig neutrales Gebiet werden, das von niemandem angegriffen werden kaum und. in dem keine inneren Waffenkämpfe staftfinden dürfen. Ein Reich Gottes, wird es sich all stärkster Hebel des Weltfrieden* betätigen. Der Urheber des Pogroms von Hebron vor Gericht