Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 97 (24.10.1929)
- Date
- 1929-10-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wt.si DIE STIMME Sette 11 sitz zu verdrängen suchten. Hier liege die Ursache für den Kampf der Effendi gegen das «Uebel», das sich ausbreitete und seine Herrschaft bedrohte. Und das leichteste Mittel dagegen bestand darin, das arabische Volk auf die Juden zu hetzen, um sie «völlig aus dom Lande auszurotten». Die große Schuld des Jischuw und der zionistischen Stellen liege darin, daß sie nichts unternommen haben, diese Gefahr abzuwenden. Niemand habe sich darum gekümmert, die Beschuldigungen gegen unsere Arbeit und unser Werk zu widerlegen. Niemand sei der planmäßigen Hetze in der arabischen Presse und in den Dörfern entgegengetreten. Die Möglichkeit habe bestanden, zu einem Einvernehmen zu gefangen. Es sei ein Irrtum, anzunehrnen, daß das arabische Volk die Wohltaten verkenne, die die Juden dem Lande durch die Hebung und Entwicklung seiner wirtschaftlichen Lage ervefcie. Das arabische Volk sei auch heute noch nicht unser bewußter Feind. Und auch wieder heute gebe es alltäglich Beweise dafür, daß der einfache Araber aus dem Volke Bescheid wisse, wer an dem Schaden schuldig sei, den er durch die Ereignisse erleide. Es scheine, daß der Mufti seinen Plan noch nicht ganz ausgeführt habe, die Kluft zwischen Juden und Arabern noch nicht genügend tief erachte. Nach dem Blutvergießen habe er zu einem schweren wirtschaftlichen Kampfe gegen die Juden, zu einer vollständigen Separierung von ihnen aufgerufen. Wir werden uns, so schreibt der Verfasser, davon nicht irremachen lassen und in unserer Arbeit zu unserem Besten und zum Besten aller Landeseinwohner fortfahren. Wir werden einen Weg suchen, mit dem arabischen Volk in Frieden zu leben, wir werden die gemeinsame Sprache mit den arabischen Massen zu finden wissen. Die Politik des Friedens, die bis heute mit den angeblichen Führern des arabischen Volkes, den Effendis, geführt wurde, habe Bankrott gemacht, denn sie entbehrte von Anfang an jeder Grundlage. Mit dem Volke selbst können wir dann Frieden machen, wenn wir ihm erklären und darlegen, daß wir in das Land gekommen seien, um uns und ihnen menschliches Leben zu schaffen. Dfe jüdische Arbeit ln den Kolonien. im «Dawar» vom 4. Oktober behandelt K. B a r i a v die Frage der jüdischen Arbeit in den Kolonien. Er weist darauf hin, daß im Zusammenhang mit den Ereignissen selbst bei den reaktionärsten Orangenpflanzern arabische Arbeit aufgehabe dieser erfreuliche Umschwung nur wenige Tage gegeben wurde und jüdische Arbeiter eingestellt wurden. Leider dauert, da jetzt schon einige Pflanzer versuchten, ihre frühere Tradition wieder aufzunehmen und die billigeren, bequemeren arabischen Arbeiter einstellten. Diese Haltung habe auch bereits zu einem Zwischenfall geführt, da sich die jüdischen Arbeiter weigerten, . die Arbeit ln einem Pardes fortzusetzen, dessen Besitzer «die Helfer in der Not» nach einigen Tagen wieder brotlos gemacht haben, um seine alten arabischen Arbeiter aufzunehmen. Die Argumente, die zur Rechtfertigung dieses unverständlichen Vorgehens vorgebracht würden, seien die bekannten alten Vorwände. Es sei in der Tat richtig, daß auch heute kein Kampf um die jüdische Arbeit geführt werden müßte, wenn der jüdische Arbeiter die Steilung und die Eigenschaften eines jüdischen Knechtes annehmen könnte, wenn nicht ein Kampf um die Existenzberechtigung des jüdischen Arbeiters als freien Menschen notwendig wäre. Aber dieser Kampf sei unvermeidiirth mit der ganzen Ideologie des Aufbauwerkes verbunden. Das Organ der Landwirte von Petach Tikwah, der «Waad Hachaklai», habe anerkennenswerterweise einige positive Beschlüsse in der Richtung auf Verstärkung der jüdischen Arbeit gefaßt. Aber es genüge nicht, daß solche Beschlüsse gefaßt werden, sondern es müsse auch von seiten des cWaad Hachaklai» für ihre Verwirklichung gekämpft werden, selbst wenn sie mit Schwierigkeiten verbunden sei. Eine Vorbedingung für ein erfolgreiches Vorgehen sei die sowohl von den Arbeitnehmern als von den Arbeitgebern angenommene Voraussetzung des gemeinsamen Zusammenwirkens der beiden interessierten Seiten. Die arabische Kampagne gegen Beotwich. Die arabische Presse setzt ihre Kampagne gegen den Attorney-General der palästinensischen Regierung fort An der Spitze der Kampagne stellt der «Felestin», der in einem Leitartikel neuerdings scharfe Angriffe gegen Bentwich richtet. Die Mitteilung des High Commissioners über die Be- J teiligung des Mitarbeiters von Bentwich, Mr. Drayton, könne die Araber nicht zufrieden stellen. Drayton sei der Beamte von Bentwich und werde sich nicht erlauben, gegen ihn atifzutreten. Das Blatt erhebt dann schwere Beschuldigungen gegen die juristische Tätigkeit Bentwichs, die ausschließlich die Vorteile der Juden förderte. Bentwich sei zwar gerecht, aber es sei ein großer Unterschied zwischen seiner Gerechtigkeit und der eines britischen Juristen. So sei er persönlich verantwortlich für das Gesetz der Kollektivbestrafung von Dörfern wegen der Verschuldigung ein^s einzelnen, der vielleicht selbst nicht einmal schuldig sei. Ei habe ferner die Gesetzgebung über die Bodenverkäufe erlassen und den Juden dadurch die Möglichkeit gegeben, Böd<*n zu erwerben. Er s£i in Wahrheit durch die von ihm erlassenen Gesetze der eigentliche Herrscher in Palästina, und ei sei dringend notwendig, daß er endlich durch einen britischen Beamten ersetzt würde. Ztmsaer, KaMnett und KOdic gegen Ablose oder Goldzins in Hauptmiete gesucht. Zuschriften an die Redaktion des BlatU« «ater »Eigenes Heim*. , Das Kriegerdenkmal für jüdische Soldaten Wie die «Stimme» in der letzten Nummer berichtet hat, widmete die Israelitische Kultusgemcinde in Wien für die Beerdigung der im Weltkriege gefallenen jüdischen Krieger auf dem Zentralfriedhofe ein halbkreisförmiges Gräberfeld, dessen Achse in der Fortsetzung einer Allee liegt. Durch die mit Birken bepflanzte Allee gelangt man zu dem Denkmal, welches ein mit Zinnen bekröntes Oktogon darstellt. Durch ein mächtiges, plastisch durchgearbeitetes Portal aus Limdabrunner Werkstücken, dessen Farbwirkung durch beiderseits gepflanzte Rotbuchen noch gesteigert wird, gelangt man in einen gedeckten Vorbau. -wiflfrter1* Die Decke dieses Vorbaues aus einer monolithen Steinplatte wird von einer, über die ganze Fläche derselben verstreuten, vergoldeten Widmung geziert, welche lautet: «Die Israelitische Kultusgemeinde Wien — ihren im Weltkriege 1914—1918 gefallenen Söhnen.» Durch ein zweites Portal gelangt man aus dem stimmungsvollen Dunkel der Vorhalle in das offene Oktogon, in welches das Tageslicht frei einfällt. Die Oktogonmauern sind mit Lindabrunner Steinplatten verkleidet und klingen nach obeit ringsum in halbkreisförmige Steinzinnen aus. Frei im Raume sind auf sieben mächtigen Tafeln aus Laaser Marmor die Namen der gefallenen Krieger, harmonisch auf die leuchtenden Flächen verteilt, verewigt. Eine hebräische, plastisch herausgearbeitete Inschrift ziert die dem Beschauer zugewendete Oktogonwand. Die deutsche Uebersetzung dieser Inschrift: «Nicht mehr wird erheben Volk gen Volk das Schwert, und nicht lernen sie fürder den Krieg, Jesaias H/4» ist alis wirkungsvoller Rahmen rings um die Inschrifttafei mit vergoldeten Lettern eingemeißelt. Die Einheitlichkeit des Friedhoffeldes konnte nicht mehr erreicht werden, da während des Krieges und in den unmittelbar darauffolgenden Jahren, frei von jeder gemeinsamen Idee, Grabsteine der verschiedensten Formen und Stilrichtungen gesetzt wurden. Eine Milderung der Unübersichtlichkeit des Gräberfeldes wäre durch Entfernung der Grabhügel vielleicht möglich ge* wesen. Pietätvolle Rücksichtnahme auf die Hinterbliebenen, welche die vorhandenen Grabhügel liebevoll mit Blumen bepflanzten, veranlaßten jedoch den Verzicht auf dieses Vorhaben. Auf zwei mächtigen Tafeln aus Carrara-Marmor im Inneren der ZeremonienhaHe des Zentralfriedhofes, israelitische Abteilung, sind die Namen von etwa 400 auf dem Felde der Ehre gefallenen Gerneindea n gehörigen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien verewigt, die außerhalb W' ens ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Hebräische und deutsche Inschriften in orna mentalen Lettern über den Namen bekunden die Widmung der Gedenktafeln. Die Inschrift lautet: «Ihren auf diesen Gedenktafeln verewigten und allen ihren anderen im Weltkriege gefallenen und in fremder Erde ruhenden Söhnen, gewidmet von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien.» Die Ruhestätte der auf dem Zentnalfriedhof, israelitische Abteilung, beerdigten russischen Kriegsgefangenen jüdischer Konfession wurde nach dem Entwürfe des technischen Amtes der Israelitischen Kuiltusgemeinde in würdiger Weise ausgestattet. Vollkommen gleichgeformte, niedere Grabsteine aus Mannersdorfer Kalk, die Namen und Sterbed-aten der toten Helden aufweisen, und in regelmäßiger Austeilung über den Gräbern errichtet, sind im Hintergründe von einem größeren Stein aus demselben Material überhöht, auf welchem in hebräischer und deutscher Sprache die Widimungs- 1 egende eingemeißelt ist. Sie lautet: «Die Israelitische Kuiltusgemeinde Wien den fern von der Heimat an dieser Stätte de» ewigen Friedens zur letzten Ruhe gebetteten russischen Kriegsgefangenen.» Eine gärtnerische Umrahmung durch halbhohes Gebüsch vervollständigt den geschlossenen und ersten Eindmck dieser Anlage. Eine Interpellation in der Budapester Kammer Budapest. (J. T. A.) Der sozialdemokratische Abgeordnete Karl Payer brachte eine Interpellation ein, in der er betonte, daß der Vertreter der ungarischen Regierung anläßlich der jüngsten Tagung des Völkerbundes um Schutz für die Judenschaft in Palästina angesucht habe. Wenn der Vertreter der ungarischen Regierung mit Kenntnis der letzteren in Genf zu dieser Frage das Wort ergriffen habe, was wohl anzunehrnen ist, so möge die Regierung Antwort auf die Frage erteilen, ob sie geneigt ist, den für die Palästina-Juden angesuchten Schutz auch auf die jüdische Bevölkerung Ungarns zu erstrecken. Fortdauer der Ausschreitungen an den Hochschulen Budapest, 20. Oktober. (J. T. A.) Ungeachtet aller Verwarnungen seitens der Universitälsbehörden dauerten am Freitag vormittags an der Technischen Hochschule die Ausschreitungen gegen jüdische Hörer fort. Es wurden wieder jüdische Studenten tällich insultiert und auf die Straße gejagt. Am Nachmittag kam es an der juridischen Fakultät zu Ausschreitungen gegen jüdische Hör«. Jüdische Eltern! Es i.-t höchste Zeit, daß Sic für die jüdische Erziehung Ihrer Kinder mehr Sorgfalt an den Tag legen sollen, da sonst fast die ganze jüdische Jugend Gefahr läuft, für das Judentum verloren zu gehen. In religiöser wie in nationaler Beziehung, fehlt der jüdischen Jugend das Band, daß sie an das Judentum und seiner Uebcriicfcrung binden soii. Die Assimilation greift um sich. Kein jüdisches Milien, weder in der Schute noef! zu Hause, noch auf der Gasse. Die paar Rciigionsstunden in den öffentlichen Schulen, reichen für die Schaffung eines jüdischen M'ilieus nicht mehr aus. Eine wirkliche Beziehung zum J-udenfume und seiner Lehre wäre nur dann denkbar, wenn der Jugend, durch Erlernung der hebräischen Sprache, der Weg zur jüdischen Kultur und Literatur eröffnet werde. Ihr Kind muß daher hebräisch sprechen lernen, um sein Gebet zu verstehen, um die Bibel lesen zu können und um die ungeheuer große alte und neue Literatur aufzunehmen. Es wird dadurch das Judentum kennen, verstehen und lieben lernen. Hebräisch zu erlernen ist, unter Leitung eines berufenen Lehrers und bei Anwendung der richtigen Methode, Iwrith /’Iwrith, nicht schwerer als eine andere lebendige Sprache. Es bedarf nur ein wenig Wille und Ausdauer. Der hebräische Lehrer ist auch nicht teurer als eirt anderer Lehrer. Nur ist er nicht nur Sprachlehrer allein, sondern auch der jüdische Erzieher. Das müssen die jüdischen Eltern verstehen und gehörig einschätzen. Was wir Vorschlägen ist kein Experiment, sonderrt Tatsachen, die wir in den vielen Jahren unserer Arbeit wahrgenommen haben. Helfen Sie uns bei unserer Arbeit! Ihre Kinder werden vollkommene Juden werden. lind Ihnen später dankbar sein, daß Sie ihnen, durch’ Erlernung der hebräischen Sprache den Zugang zur. jüdischen Lehre geöffnet haben. In allen Erziehungs- und Unterrichtsfragen wende« Sie sich schriftlich an den Verband der profes. Hebräischlehrer in Wien, II., Karmelitergasse 5!9. i Sprechstunden täglich außer Samstag und Sonntag von 9—10 Uhr vormittags. Zur Statistik der Berliner Juden Iin Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin stellt Dr. Julius Röthhöiz Betrachtungen zur Statistik der Berliner Juden an und schreibt u. a.: .■! Die judenreichsite Stadt der Welt ist New York mit 1,750.000 Juden, die fast 30 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. In den amerikanischen Großstädten schwanken die jüdischen Anteile zwischen 6 und 13 v. H. So weist Chicago 325.000 Juden auf, Philadelphia 27^.000. Berlin mit seinen 172.672 Juden nimmt erstdie achte Stelle in der Reihe der Städte nach der absoluten Zahl der jüdischen Einwohner ein. Das viermal so kleine Warschau übertrifft es mit 322.185, Budapest mit 212.736, Wien mit 201.513 Juden, und selbst in London wohnen fast 30.000 Juden mehr als in Berlin. In Berlin kommen auf 100 Männer 112 Frauen. Nach den Konfessionen verschieben sich die Verhältüisse. Bei den Evangelischen kommen auf 100 Männer 125 Frauen, bei den Katholiken auf 100 Männer 119 Frauen, bei den Juden auf 100 Männer 105 Frauen, bei den Dissidenten auf 100 Männer 80 Frauen. Daß bei den Berliner Juden der Frauenüberschuß ein viel geringerer ist, mag darauf zurückzuführen sein, daß der Zustrom nach dem Zentrum des Handels und der Industrie seitens der männlichen Jugend ein besonders, großer ist. (J. T. A.) S. Stramer, der berühmte und sehr beliebte Schauspieler, derzeit verpflichtet im Londoner Pavillon-Theater und ■ auf der ganzen Welt durch seine einzig schön wiedergegebenen jüdischen Lieder bekannt, hat sich besonders durch die Schallplatten populär gemacht. Jeder Besitzer einer Sprechmaschine sollte eine Platte von Stramer seiner Sammlung zulegen. Es wird interessieren, daß in den letzten Tage einige Neuheiten von Stramer mittels des elektrischen Aufnahmeverfahrens hergestellt wurden, und auf unsere Umfrage haben wir in Erfahrung gebracht, daß das rührige Musikhabs Excelsior, Adlergasse Nr. 5, dieselben in längstens acht Tagen herausbringt Die Musterplatten liegen schon auf. Insbesondere die Platte Sony Boy aus dem Tonfilm «Der singende Narr», jüdisch gesungen, auf der Rückseite Jiddisch ist git, wird; allseitig gut gefallen. Jüdische iltem f Kauft fchul&üdker t für Eure studierenden Kinder im Antiquariat Jfewmann (Jucfiner Wiet, II., Große Stadtgutg. 7, Ecke Taborstr. 53 Telephon Nr. R-41-4-20 Senr mässfge Preise, Verzeichnisse umsonst Qmößtes JCmdev amticiuav. dÜMcAev