Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 97 (24.10.1929)
- Date
- 1929-10-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
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Nr. 97 DTE STIMME Seite $ ist verbürgt reines Fett ans Kokosnüssen. Die Erzeugung steht unter streng ritueller Aufsicht des Herrn Bezfrksrabbine.s S Ehrenfeld zu Mattersburg. K U N E R O L kann daher von Jedem Strenggläubigen zur Zubereitung det Speisen verwendet werden. Palästinabrief. Von unserem palästinensischen Berichterstatter J. Oal-Eser. Jerusalem, 4. Oktober 1929. Die Prozesse im Zusammenhang mit den schweren Ereignissen nehmen tagtäglich ihren Fortgang. Tag für Tag werden Dutzende von Personen verhört und abgeurteilt, Fellachen und Beduinen, und ... in gar nicht ge.^iger Anzahl auch Judn, die sich das Recht des Selbstschutzes mit bewaffneter Hand genommen, obwohl sie keine Waffenpässe besaßen . . . und die ganze Stadtviertel in den verschiedenen Städten des Landes durch mutvolle Verteidigung gerettet haben. Und wie kamen diese Juden auf die Anklagebank? Es wurden von arabischen und englischen Polizisten Waffen bei .ihnen gefunden, oder, und das ist die Mehrzahl der Fälle, — sie wurden von den Angreifern wegen «Ueberfalls» angeklagt ... — Noch sind die schwersten Urteile über die Mörder von Hebron una Safed, Muzza u. a. nicht gefällt. Aber die bereits in Jerusalem, Hebron, Jaffa gefällten Urteile sind unter Berücksichtigung jeder möglichen Entlastung gemessen. — Nur in einer Stadt des Landes werden Urteile gefällt, welche die Schuldigen und ihre Freunde vor Wut und Furcht erzittern lassen. Dort fällt ein englischer Richter Tag für Tag Urteile, die beweisen, daß er zu denjenigen englischen Beamten gehört, die vollkommen ehrlich die Situation richtig erfaßt haben. — Eine Ueberraschung für das ganze Land war das strenge Urteil j.m Falle der Fellachen von Tireh. Ein großer bewaffneter Haufen von Bewohnern dieses Dorfes zog am 26. August gegen Haifa um zu plündern. Sie erreichten ihr Ziel nicht und auf ihrem Wege wurden sie durch Aeroplane in die Flucht gejagt und 56 Fellachen, darunter 20 jugendliche, wurden verhaftet. Vor wenigen Tagen, wurden sämtliche 36 Erwachsenen unter den Gefangenen als Gruppe ohne Unterschied der Person, zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt, ein hartes, aber gerechtes Urteil. •— Und vor wenigen Tagen hat in Haifa der englische Richter Litt .. gegen einen jungen Juden in Neweh Schaanan bei Haifa rein Urteil gefällt, auf das wir lange gewartet haben, ein Urteil, welches das menschliche Recht der Selbstverteidigung anerkennt: «Der Mann hat als Wachtposten gehandelt zum Schutz der vereinsamten Siedlung vor nächtlichem Ueberfall. Es ist zweifellos, daß ein solcher Ueberfall, falls er stattgefunden hätte, diesen Berg (gemeint der Carmel) in eine schreckliche Situation versetzt hätte. Der Angeklagte Hat bei. seiner Tat mehr an die Verteidigung anderer als an sich selbst gedacht.» — Wir können ruhig behaupten: solchen Urteilen ist es zu verdanken, daß in Haifa heute vollkommene Ruhe und ungestörte Sicherheit herrscht, wie an wenigen anderen Punkten des Landes. Wenn die Juden in Palästina eine strenge Aburteilung ihrer Angreifer verlangen, so ist dafür keineswegs blinde Rachsucht der Beweggrund. Man weiß aber aus allgemeiner Erfahrung im Lande: nur die strenge Bestrafung ist das sicherste Mittel für die Herstellung wirklich vollkommener Ruhe. — In den Zeiten der türkischen Herrschaft überfielen nicht selten Gendarmen unbotmäßige arabische und Beduinen-Dörfer, banden einige Scheichs und Aufrührer dieser Dörfer an ihre Pferde, und knüpften sie ohne viel Federlesens in der nächsten Stadt mitten auf dem großen Platz auf... Diese Zeiten einer mittelalterlichen Gerichtsbarkeit sind vorüber. — Aber das Beispiel von Abu Kischek, dem bekannten mächtigen Scheich in der Umgebung von Petach Tikwah spricht deutliche Worte, der vor Jahren nach dem Ueberfall auf die Kolonie Petach Tikwah schwer abgeurteilt, und auf Bitten der Juden aus dem Gefängnis befreit wurde, und der jetzt ihr bester Freund ist, der die Hetzer der Arabischen Exekutive wie Hunde von sich jagt, und hartnäckig auf seinem Freundschaftsbündnis mit den Juden beharrt. Seine Beteiligung an den jüngsten Unruhen hätte verhängnisvolle Folgen haben können. Daß er sein Freundschaftsbündnis gehalten und erneuert bat, — ist einer der Lichtblicke in den schweren Tagen des Angriffs gewesen. — Die Bestrafung der Araber von Tireh und anderer schuldiger Fcllachendörfer, das wird eine gute Garantie für die Sicherheit der Zukunft sein. Denn es ist völlig klar: 90 Prozent der Angreifer sind nur deshalb ausgezogen, weil sie in furchtbarer Weise von den arabischen Nationalisten verhetzt waren, weil der Mufti die Nachricht verbreitet hatte, daß die Juden ilire Angriffe gegen die Omar-Moschee richten, und weil die Fellachen von den Effendis mit Waffen und Geld, sowie mit der Zusicherung gewonnen worden waren, daß ihnen das Eigentum der J/uden als leichte Beute Zufällen werde. Jetzt aber richtet sich der Zorn der Verurteilten gegen die skrupellosen Verführer, die den größtenteils friedlichen Fellachen durch falsche Vorspiegelungen veranlagt toben, ela Werkzeug jener Effendis m werden, die den Fellachen seit Jahrzehnten bis aufs Blut ausgesaugt haben. Das also wäre eine Sicherheit für die Ruhe im Lande in der nächsten Zeit. — Es gibt aber auch noch viele Beduinen im Lande, wird man einwenden. — Hier können Aeroplane Wunder tun, und noch ein zweites Mittel für die jüdischen Siedlungen: die «versiegelte Kiste». Dies ist eine Kiste mit 2—3 und mehr guten Gewehren, für die Verteidigung in erster Linie der landwirtschaftlichen Siedlungspunkte bestimmt, für die Zeiten der höchsten Not, und von den Behörden legalisiert. In den meisten Plätzen ist heute die «versiegelte Kiste» leer und die Militärbehörden haben die guten Büchsen weggenommen und den Wächtern der Siedlungen dafür einfache Jagdgewehre gegeben. Das volle Recht des Selbstschutzes muß aber in jeder Weise ermöglicht werden, wenn die Engländer in gerechter Erwägung sich vor Augen halten, daß ein paar gute jüdische Gewehre jüdische Siedlungen stundenlang gegen Haufen von Angreifern erfolgreich gehalten haben. — Und neben der Möglichkeit eines Selbstschutzes muß es auch eine bedeutend verstärkte jüdische Polizeitruppe geben. Der dritte Weg aber zur Ruhe und Sicherheit ist der wichtigste und schwerste: der Weg der Verständigung mit den Arabern. Die letzten traurigen Ereignisse haben erwiesen, daß ein sehr großer Teil der arabischen Bevölkerung im Lande der nationalistischen Hetze sehr fern steht. Das freundschaftliche Verhältnis muß durch landeskundige Juden gepflegt und gestärkt werden. Die Juden müssen den Arabern klar machen, daß sie nichts anderes wollen, als in Frieden das Land zu bauen, ein Aufbau, der den Arabern in gleicher Weise zugute kommt als den Juden, welche ihr Geld in Palästina investieren. Freilich ist noch die Atmosphäre zu vergiftet von einer Propaganda, die vor keinen Lügen und vor den schändlichsten Mitteln nicht scheut. Wenn aber diese Zeit vorübergeht, dann müssen die Juden Mittel und Wege zur Aufklärung ihrer arabischen Nachbarn finden, und einen Kontakt zu friedlichem Zusammenleben* der nicht wieder verloren gehen darf. Auf die zirka 1500 Ein wainderun gszertif ikate, welche noch vor den schweren Ereignissen zur Verfügung standen, werden in den nächsten Tagen sämtliche Zertifikationsmhaber bereits im Lande eingetroffen sein und, wie die Arbeiterorganisation mittett, sind große Aussichten und Möglichkeiten für Beschäftigung neuer Einwanderer vorhanden. Es gibt heute so gut wie keine Arbeitslosen im Lande. In den letzten 9 Monaten ist die Zahl der jüdischen Arbeiter bei Farmern und Plantagenbesitzern von 6500 auf 8000 gestiegen, ln der allernächsten Zeit sollen wieder auf 15.000 Dunam neue Plantagen angelegt werden, wozu neue 1500 Arbeiter nötig sind. Galiläa verlangt neue Arbeiter. Die Palestine Economic Corporation steht im Begriff, 300 Häuser in den Kolonien zu bauen. Die Fortsetzung des Baues der Universität (Institut für Jüdische Wissenschaften) wird 200 Arbeiter erfordern. Auch die Arbeiten am Toten Meer und die Entwicklungsarbeiten in der Haifa-Bucht werden zahlreichen Juden Arbeit geben. So werden all diese in Aussicht stehenden Arbeiten die Forderung nach einer starken Arbeiter-Immigration für das Halbjahr Oktober 1929 bis März 1030 voll rechtfertigen. — Ein direktes, überaus erfreuliches Ergebnis der jüngsten Ereignisse ist der Einzug jüdischer Arbeiter in diejenigen Kolonien, wo jüdische Arbeit bisher nur in garus geringem Maße zu finden war, und wenn wir hören, daß gestern 80 jüdische Arbeiter in Chec!e:ah, heute 50 jüdische Arbeiter in Rosoh Pinah Auf.iahme und Beschäftigung gefunden haben, muß uns das mit ehrlicher Freude erfüllen. Wedgwood, Lloyd George und Amery über Palästina London. In London fand dieser Tage eine Versammlung der anglikanischen Mission für den Nahen Osten unter dem Vorsitz des Bischofs von London statt, in welcher der anglikanische Canonikus Danby aus Jerusalem und der Bischof von Jerusalem Machines über Palästina referierten. Danby wandte sich gegen die Meinung, der er in London oft begegnet sei, daß nur der «Abschaum» der Juden aus Osteuropa' nach Palästina gehe. In Wahrheit seien diese Juden, unter denen er viele Freunde habe, ein bewunde. nowerte» idealistisches Element, das die großen Entbehrungen des Aufbauwerkes auf sich nehme, um wieder ein normales Leben mit eigener Kultur führen zu können. Ganz im Gegensatz' zu diesen mit dem Juden sympathisierenden Ausführungen banbys stand die Rede des Bischofs Maclmies, der erklärte, uie Schuld an den Unruhen liege auf beiden Seiten, denn es liege auf der einen Seite ununterbrochene Provokation vor, auf der anderen Seite uuentschuidbare Gewalttätigkeit, Auf diese Rede des Bischofs von Jerusalem antwortete Col. Wedgwood, das bekannte Unterhaus- Mitglied der Arbeiterpartei, in einer späteren Versammlung. Was der Bischof gesagt habe, so führte Wedgwood aus, entspräche offenbar der Linie, die dte Verwaltung Palästinas in der Untersuchung einznnehmen gedenkt. Nicht sie selbst, sondern Juden odesß Araber seien schuldig. In Wahrheit sei diese englische! Auffassung, daß die neuen Juden anmaßend und aggressiv seien, mitverantwortlich für den arabischen Aufstand, weil die arabischen Führer annehmen mußten, ein gewalttätiger Protest gegen die Balfotsr- Deklaration werde nicht ganz ohne britische Sympathien sein. Die Untersuefaungskommiission dürfe daher ihre Arbeit nicht auf Juden und Araber beschränken, sondern vor allem sitze die Verwaltung auf der Anklagebank. Das Colonial Office sei für diese Verwalwaltung verantwortlich, und daher sei es sehr zu bedauern, daß der Vorsitzende und der Sekretär dar Kommission eng mit dem Colonial Office verbunden sei. Der Aufstand habe die Frage der ehrlichen Durchführung der Bal f our-DeMaration auf die Tagesordnung gebracht. Dazu gehöre Anteilnahme der Juden an det Verteidigung, Förderung der Immigration und Siedlung^ Steuerreform, Europäisierung der Gesetze und der Verwaltung; das seien die Hauptziele. Die Klagernanet könne man sich selbst überlassen. In einer Rede in Nottingham, in welcher er mt Politik der Arbeiterregierung Stellung nahm, erklärte Lloyd George, für die Vorgänge in Palästina wolle et weniger die Aibeiterregieruhg, als deren Vorgängen kritisieren. Er bedauere jedoch, daß die Regierung nicht eine stärkere Kommission ernannt habe, denn e* handle sich um eine große internationale Frage. In einer Rede in Ottawa (Kanada) erklärte Aroerjk der frühere Kolonialminister* es sei nie Englands Absicht gewesen, Palästina nur zur Heimstätte für dW Juden zu machen, und die Bai four-Deklaration verpflichte Großbritannien, den beiden Hauptvölkern Palästinas gleiche Möglichkeiten zu geben. Kommunisten und Palästina Das sozialdemokratische Hauptorgan «Vorwärts»; veröffentlicht eine Korrespondenz aus Haifa, in der es unter anderem heißt: «Eine ebenso traurige wie närrische Rolle spielen in der ganzen Angelegenheit die palästinensischen Kommunisten, Sie haben ursprünglich gegen die Parole, daß die palästinensischen Unruhen eine revolutionäre Bewegung der Fellache« gegen ihre jüdischen Ausbeuter sind, mit schwächlichen Protesten reagiert Nach kommunistischer Gepflogenheit haben sie allmählich auch diese Pille geschluckt und auf höheren Befehl eine Propaganda eingeleitet, die behauptet, d'aß von Juden große Arabermassaikers veranstaltet worden sind. In einer von de* Polizei aufgehobenen Geheimversammlung ist bei den Teilnehmern für eine Greuelpropanganda in der europäischen Presse bestimmtes Material aufgefunden worden. Das Verhalten der Kommunisten hat unter de* übrigen jüdischen Arbeiterschaft große Erbitterung hervorgerufen und es ist im Anschluß daran wiederholt zu Zusammenstößen gekommen.» Das Zentralkomitee-der linken Paale Zion hat SO die Leitung der Dritten (kommunistischen) Internationale ein Schreiben gerichtet, in welchem gegen die «schändlichen Progromartiikeb der kommunistischen Organe «L’Humanite» und «Rote Fahne», die die arabischen Masaikers in Palästina verteidigen und die sich mit den palästinensischen Schwarzen Hundert «solidarisieren», protestiert wird. Sogar die palästinensischen Kommunisten, heißt es in dem Schreiben, sind sich über den reaktionären Charakter der jüngsten Unruhen in Palästina im klaren und haben sich zum TeM der jüdischen Selbstverteidigung angeschlossen. An die Dritte Internationale wird appelliert, die kommunistischen Landesverbände in Europa über den wahren Sachverhalt aufzuklären und sie aufzufondem, »die antijüdische Propaganda einzusreüen. Macdonald empfängt einen arabischen Wortführer New York, 17. Oktober. (J. T. A.) Der örittedte Ministerpräsident Ramsay Macdonald empfing in New York Ameen Rehani, den Autor des Buches «Der Schöpfer des modernen Arabien», der vor kurzem <fie vom Staatssekretär Stimson empfangene arabische Abordnung geführt hat. Rehani erklärte es als ein arabisches Ziel, daß Palästina einem freien Bunde der 'ra'bischen Länder an geschlossen wende. Wie ReStam n.itterlt, habe ihm Macdonald versichert, Großbritannien werde nicht zulassen, daß der arabischen Bevölkerung irgendein Unrecht geschieht; man mOfft mH Zuversicht den Ergebnissen der A#beit der Unter-