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Die Stimme · 1929-10-24 · Heft 97 (24.10.1929) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 97 (24.10.1929)
Date
1929-10-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 97 Oer Urheber des Pogroms von Hebron vor Gericht Der Fall Halsmann (f) ßln Fremdling blieb der Rigaer den hochgelehrten Herren ron der Innsbrucker Fakultät und als Fremdling wurde Halemanti von den acht Gerechten vom fromm-fröhlichen Land Tirol verurteilt. Da prasselten auf die biedere Oeschwornenbank hochtönende Worte über Zwangsneurose, Oedipuskomplex und dergleichen unverständlicher Wissenskram nieder und vor dieser Bank richtete sich indessen störi?cli. rechthaberisch, zornentbrannt Und auf- .-c'mUhi nid ein «ftidenjunge mit dem Stigma eines Vatermörders atlf. ine Tiroler Berge lockten ihn lft di» ein- ,-me Höhe und deren Einwohner rügen ihn uf* 1 > 1 n< z 1 ic-11 mit dem dörthernden Gepolter elliei" hochnotpeinlichen Untersuchung und einer Ver lmndiung unter gfelleter Beleuchtung der europäischen Oeffentiichkeit ifl die Tiefen einer erchlitterulen Tfagtklie. TiH OCf'lchtsäftäl tfltfdü über einen Juden gelichtet uml zwischen diesem Juden und den Richtern gähnte eine Tiroier Bcrgschlucht von uralten Instinkten, Unverständnis und einer tin* will kür 11 eben Felndechäft, Der Jude muß ge* kr<ni£#1t Werden! Dixi et salvavi animam meam! Wir kennen dingen Ruf, der flureü reiigiö* sen und nationalen Haß zwei Jahrtausend® lang genährt, sich zur iiistinktiüäßigen Reaktion Verwandelt. so oft es eine Fifistellufig den Juden und dem Judentum gegenüber erheischt. Linst wütete diese Reaktion ifi Röffl, Bpä* nien und im Jammermeer der Kreuzzüge — heute lebt sic sich mitunter in elftem Rföfceß Bloöh- Rohling. Hiisfter und Hälsitiftnn aus. Das Ür* motiv bleibt dasselbe, cs ändert sich nu? die Rarole. Die Tiroler Gesehwörnen haben nur aus einem Instinkt der Jahrtausende ihr ^schuldig“ gesprochen und es wäre töricht, sie zu verdammen. Draußen tobte elfte Hetzjagd gegen döii Juden. Plakate und Wirtshausgespräche weckten die schlummernden Häßgefühie und der fremdartige Dialekt des aus fernen Landen hergekommenen Juden taten tlaä Übrige. Ein Ruf der FiftpÖrutig geht nun iii die Welt und ein einmütiger ProteStstiirin ob deS offöfL kundigen Justizirrtums wird vielleicht auch das Gewissen österreichischer Oberrichter äufrütteln. Die braven Innsbrucker haben den Juden Halsmann getroffen. Nööft ist jedoch dieser Tragödie letzter Akt flieht äü Fhdö. Das markerschütternde Aufschreien der gebrochenen Miitter uftd die tempöruagSrufe des unschuldig verurteilten Juden jungen drangen allzu tief in das europäische Gewissen ein. Der Fall Ualsmahn darf heute nicht auf dem jüdischen Rücken zum „Fall Mauritius“ werden. zwei Attentate an! Pier?« van Paaasen Der ßdfiderköttÄpöriieftt de? Jüdischen Telegraphen-Agentur, Pierre van Paassen, telegraphiert AUS Kairo, seinem gegenwärtigen Aufenthaltsort: Ich erfahre, daß de? Qroß=Aklfti von Jerusalem mein mit ihm gehabtes IfttefViSW in Abrede stellt und behauptet, er hätte mit mir bloß eine leibflte KöftVö?* .satiön geführt, wobei von beiden Seiten Witze gemacht und Spaß gekichert wurde. Dieser Mäfth sehe*ftt nicht die fiurtdeste Voteteliung davon zu Haben, was das heißt: Wahrhaftigkeit. Mein interview mit dem Groß-Mufti halte ich in allen Punkten aufrecht, ich möchte noch hittzirfügen, uaß mir der Mufti allerlei «Wohltaten* vefi&bröehen und sich sehr bemüht zeigte, mich äüf reifte Beite ZU bringen, damit ich meine Depeschen nach dem Auslände nach sdnen persönlichen Wünschen und Ambitionen abfasse. Als dann mein Interview mit ihm und meine anderen Berichte in der Presse erschienen, geriet er in Zorn und setzte äift VirfölgUftgSftySteffl gegen mich in Gang. Zwei Attentate wurden auf mich verüm, daß eine, als ich in öesetteehaft des Korrespondent«! des «■Berliner Tageblatt» mich auf dem Wege Vört Jerusalem nach Hebron befand, das zweite, als idt von fel- Aviv nach Jerusalem fuhr, Beide Maie verfehlten die Kugeln ihr Ziel, ich erhielt eine Reihe anonymer Dreh* briefe; einer von ihnen läutet: ^Lebend wirst du das Land nicht verläsen 1* Es tut mir leid, schließt van Pan$efl, daß ich gezwungen Wörden bin, persönliche wrgetagenheiten m berühren; dies war aber nötig, um Jen Hintergrund von Intrigen, Lügen lind des Terröfl, J t für die Atmosphäre um den Groß-Mufti Hajamta Li l inssetai cbaraktatettecli, fet, tm bdettchten. -< Am 15. Oktobe? begann VOr dem Jerusalemer Gefleht der Prozeß gegtfl den Scheich Taleb Abdul Rähetn Markah, der beschuldigt tot, am 24. August d. J. die Afftber in Hebfön <U Massakers gegen die jüdischen Einwohner ffef Stftdt auf gehetzt SU haben. Tiefen Eindruck machte die Auslage der Pfau Misrachi, deren Vater und einer ihrer Brüder getötet und zwei ihrer Brüder schwer verletzt wunden. Die Zeugin sagte aus, sie habe selbst gehört, Wie der Scheich an eine arabisch« Menge die folgenden Werte richtete: «Im Nahten de« Propheten Uftd de* Mufti fordere ich euch auf, nach Jerusalem su gehen; Vöiiher aber er* schlagt die Juden hier i.h Hebron, nehfllt euch ihre Weiber und macht mit ihnen, was ihr Wollt!» Der Scheich schwang einen Zettel in der Hand urtd flef, dies sei ein Telegramm des Groß-Mufti von Jeru-saletfl, d@f mitteilt, daß in Jerusalem die Juden die Modems ab* schlachten. Er fügte hinzu, jeder, der nach Jerusalem gehen •wolle, erhalte freie Fahrt. Der arabische Anwalt Saieh versuchte die Zeugin durch ein Verhör zu verwirren, was ihm aber nicht gelang. Die zweite Zeugin hat ein« andere hetzartoche Ansprache des Scheiches Taleb gehört; ihr persönlich aber habe der Scheich gesagt, sie möge sich nicht fürchten. Der Zeuge Leib SchfiefeUrsöft sägte aus, ef hätte gehört, wie Scheich Taleb an die Menge Araber die f>! Jude Ansprache hielt: «Tausende von Moslems sind in Jerusalem getötet worden; wir müssen ihr Blut du .eh daö Blut der Juden vön Hebroh rächen, dann aber laßt urtfc aufbfechen, Urtt unseren Brüdern in Jerusalem beizustehen.» Diese Ansprache hielt der Scheich Taleb M-äfkäh äfft Freitag. Am nächsten Morgen, S Uhr früh, BÜCHERSTUBE M. HAfH Buchhandlung, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, tl., Taborstraße ÖO a, Tel. R-43-1-58 M. RÄTH'S neueröffnete Lelftbliiliofftek b'6tSt Ihnen eine reiche Äü&Wahl vöft ßfichsrtt aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen itn Original, bztf. yCSehmaclcvoKffl Bibliothelcseinband. AuBfer deö deutsche* Büchern tauch englische, hebräische, jiddische u.D e u t sc h-J u d ai c a in reicher Auswahl. Täglicher tfiutaiisch Den gähziä Tag vöä 8 bis 6 Ühf geöffnet Monatsgebühr nur S 3«— Keine Bandgebühr besuchte Scheich Taleb den Vater des Zeugen, trank Tee mit ihm und versicherte, inan möge ruhig sein, zu Befürchtungen liege keinerlei Grund vor. Ihr braucht eure Türen nicht zu verrammeln, fügte Taleb hinzu, es Wird nichts passieren. Aber seitort eine Stunde später sah der junge Schneeursort den Scheich Taleb Markah ah der Spltzö eines Pöbels vor dem Hause des Direktors der Ariglö Palesti.fie-Baflc, Slonhit, stehen, und er hörte, wie der Scheich den Pöbel aufforderte, die Türen einziibreohert und in das Haüs ein,zudriagen. Zögert nieht, rief Taleb döf Menge zu, Siohim verbirgt ln ö&inem Hause 40 Schüler sowie den Sekretär der jöschiwah. Diese fremden Leute sind Söhne rJeher Juden, Sie haben gewiß viel Geld bei Siöh. Ihr werdet ätieh hübsehe Mädchen im Häu^e finden. Der nächste Zeuge, der Lehrer Chaim Bejayo, sagte äüs, er habe gehört, Wie der Scheidt Tä:eb Mä'kf* tttfl Freitag Nachmittag der Menge zurief: «Allah und Mohammed rufen eudh ZU, das Blüt der Mo I ms zu rädheh, daä Irt Jerusalem V«rgö8äett Wördfeh M.» Der einzige nichtjüdische Zeuge, der Polizeichef des Hebroner Distriktes, Gafarata, sägtö äUs er habe den Sdheidh Taleb MaFkäh Iftmiften elfter Menge gesldtert, die er ätigenscheinüch b‘ herrschte, er hrbe ihn Rufe ausstoßen hören, die die Menge wiedeaholte. Er habe die Worte hiebt verstanden, er war aber überzeugt, daß sie aufreizender Natur gewesen waren; dies war äft den Bewegungen der Zuhörer, die bei j-d?m Refrain die Stöcke und Säbeln schwangen, deu lch z» erkennen gewesen. Cafarata erklärte, es seien ihtii zwar äfn Donnerstag, d£n 23. August, Ge ÜChte ZU Öhrn gekommen, daß Ueberfälle geplant seien, er selbst habe aber nicht geglaubt, daß Ueberfälle stattfinden werden. Aus der Verhandlung ergab sich, daß der Scheich Taleb Markäh, auf dem dl« schwere Beschuldigung ruht, den Tod von mehr als 60 jüdischen Menschenleben, dl« Vetkrüppelung vieler weiteier Juden und die Zerstörung des Jischuw ln einer der vier heilig .n Städte lh Palästina verschuldet au haben, der Vertreter aea Gföß-Muftl vön Jerusalem ist und gegen Bezahlung die Aufsicht über d‘e Moaehe« ln Nefron und tib^r die Höhl« Machpelab, dem Begfäb iliort der 8ta timvä*ei und Stammütter führt. Er Ist ein prominentej M.tg’ied des Obersten Rates cter Mojlems Irt I riläsl nu und el-n rühriger politischer Agitator. Die A k age gig-n ihn lautet auf Mord, Aufregung zum Mord un J Auf’ietzung zur Plünderung. Für jedes dieser drei Delikte steht nach den palästinensidtert Geeette« die Todeot afe. Fünf jüdische Rechtsanwälte vertreten die Erben j des getöteten Eliezer Dan Sion im und de« getöteten Rabbi Hassoun. S'e erheben geten Täteb Mrrkah die Beschuldigung, daß er selbst im Hau c von Rabbi Hassoun eine Summe von lllfehr als 3000 Pf..n.1 i i bar entwendet hat. Am Ge ichtslisch sitzen dtf Senior der britischen Richter, Corrre, Und tief HilLriöhter Deficites. Das GerichtSzlfttftrer Ist voll Ä abis h n Nofflbelh, bekannten jüdisch :n Persönllchl.eiten und and ren dicht gefüllt, Das Geflchtsgobäude ist von einer starken Militärtruppe unter dem Befehl von Mäjor Wein- Wright bewacht. Am zweiten Tag des Prozess*« folgten weiten« 2ewg«1ifttttS*gen. Praii Sultanä Guiläft schilderte, wie Ihf Mann und «hr Sohn durch eine von Taleb Markah hufgehetzte Bande getötet wurden. Als sie, d-u.di Messerstiche verwundet, auf den Balkon des Hauses floh und eitlen sie verfolgenden Mörder um Schonung ihres Leben« bat, rief Scheich Taleb dem Mörder zu:; «Töte sie, denn bat’s ein Ende!» Der Frau Ist es jetzf noch nicht völlig klar, wie eie mit dem Leben davon* kam, ' Es folgt die Einvernahme des Zeugen Ephfäfotf Sokolower von der Jesdiiwah in Hebron, der die wilden Szenen während des Gemetzels im Hause des Angio* Bank-Direktors Sion Im schildert. | Es folgten die Aussagen von Mose® Cdötel und Israel Labl, die hörten, wie Scheich Taleb seiner arabischen Gefolgschaft zurief: «Wir habem einen guten Anfang gemacht und einig« Juden getötet, laßt una jeJzt die übrigen hinmaChen!» , Allen Anwesenden im Gerichtssaale fällt die Pass^ vrtät des Staatsanwaltes El Alaml, der ein Moslem ist* auf. Er mach't keinerlei Versuch, die Belastungszeugen aitszu fragen. : Am dritten Verhandlufigstag hiatte et sich wegen Krankheit entschuldigen lassen. Angesichts seiner bisherigen Lässigkeit in der Vertretung der Anklage ist man allgemein geneigt, zu glauben, daß er die Krankheit nur vorsch'ütze, um sich der Führung der Anklage’ entschlagen zu können. Richter Corjnie setzt die Verhandlung bis Nachmittag aus. Am Nachmittag erschien zur Vertretung der Anklage an Stelle des wegen Krankheit Entschuldigten der Anwalt Zaki Temini, ebenfalls Moslettiit, der dem Stabe des Oberstaatsanwalts Norman Bentwich angehört. Scheich Taleb Markah Wurde einverhornmen und behauptete, er habe versucht, auf die Meng« beruhigend einzuwirken. Er habe kein einziges Mal Versucht, die Menge aufzustacheln, sondern er habe im Gegenteil die über die Nachfichten aus Jerusalem sefir erregte Menge zu beruhigen versucht. Es begann da« Kreuzverhör mit Taleb Markah, das nicht vom neuen Siaatsanwalt, der sich ebenso wie sein Vorgänger passiv verhält, sondern vom Senior-Richter Corrle geführt wird. Wenn Sie ein Freund der Juden sind, fragte Corrie, Warum erheben Menschen, die Ihre Freunde sein SOllteft, Solche Anschuldigungen gegart Sie? Taleb Markah antwortete, nicht die Hebron- Juden, sondern auswärtige hätten ihn zuerst der Schuld an den Ereignissen bezichtigt. Der Richter fragte, Ob er meine, daß der PoÜzeiinspektor Cafferata, der ihn d«r Aufhetzung beschuldigt, ein Lügner sei. Darauf antwortete Markah, «f habe am Freitag 20 schwer bewaffnete Moslems, die mittels Auto nach Jerusalem fahren wollten, von dieser Fahrt äfogeräten, dann aber sei Herr Cafferata herzugetreten und habe den Moslems gesagt, sie Sollten fahfCn. Dankbarkeit, wofür, fragte Richter DefröLtee? Warum haben Sie, ein Stadtältester, sich während eines Gemetzels in einem Läden versteckt? Warum benachrichtigten Sie nicht den Distrikts-Offizier? Taleb Markah wioh der Beantwortung dieser Fragen aus und bemerkte nur, die Hebron-Juden seien keine Zionisten gewesen, er hätte keine Feindschaft gegen sie empfunden. Es folgte die weitere Einvernahme der Zeugin Esther Labe, die folgendes bekundete: Vom Balkon meines Hauses sah ich am Freitag die Moslems die Moschee verlassen. Sie riefen: «Die Religion Mohammads ist da« Schwert! Tötet die Juden!» Scheich Taleb Markah, der einen Stock schwang, las aus einem Rapier der erregten Menge etwas vor, die als Reaktion auf Taleb« Worte mit Steinen gegen die jüdischen Häuser Zu werfen begann. (J. T. A.) Do? VeHäuf des arabischen Generalstreiks Der am 16. Oktober von d«rt Arabern durchgeführte Generalstreik ist Überall Ohne Zwischenfall v«:hülfen. Die mostemitlschen, wie die christlichen ätabi dien Ladeninhaber hielten ihre Läden geschlossen. Der Anwalt der arabisehon Exekutive Die arabische Exekutive hat beschlossen, den Kiftg’s Counsd und früheren Oberstaatsanwalt <d«r Leeward Islands und früheren Oberriohter in Barbados und Etiä-Nigefiä, William Hsnry ötoksi-, als ihrsn An* walt vor der britischen Untersuchungskommission zu bestätigen. Stoker fet 70 Jahre, alt. (J. T. A.) ,

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