Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 96 (17.10.1929)
- Date
- 1929-10-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 96 OIE STIMME SelteS Was Sie suchen - finden Sie bei Für den Herbit tffofge Meiner Renten »poftMHHH Warenbaos Do^hiyiqihi Ralchsie Auswahl In Pullovers, Wollwesten, StrDmpfen, BsmltArd Dvl IIIIIdlIII Handschuhen, Trlkotagen, Damen-, Herrenu. Kinderwasche, Pyjamas, Lelnsrwären, Berufskleider etc. En gros - eo detail!•« RABCNSTBIti 3((Ecke Seltenstettengasse Prof. Pick 70 Jahre alt Am 15. d. M. feierte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Generaloberstabsarzt i. B. Prof. Dr. Alois Pick seinen 70. Geburtstag. Prof. Pick, der zu den markantesten Figuren des jüdischen Wien zählt, ist am 15. Oktober 1859 in Prag gehören, wo er das Gymnasium und die Universität absolvierte. Im Jahre 1888 wurde Prof. Dr. Pick zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert und trat sodann in das militärische Offizierkorps ein. Prof. Pick war lange Jahre in der Herzegowina tätig und hat hier eine in diesem Gebiet in den Sommermonaten vorkommende Infektionskrankheit entdeckt. Später wurde Prof. Pick dem Generalstab in Wien, sodann als Abteilungschefarzt dem Wiener Garnisonsspital Nr. 1 zugeteilt. Nebstbei wirkte Prof. Pick als Lehrer an der militärärztlichen Applikationsschule, wo er auch die Leitung der klinischen Abteilung inne hatte. Im Weltkriege wurde Prof. Pick zum Präsidenten des Militärsanitätsdienstes ernannt. Trotz seiner militärärztliclien Tätigkeit arbeitete Prof. Pick auf wissenschaftlichem Gebiet und habilitierte er sich im Jahre 1890 als Privatdozent für interne Medizin an der Wiener Universität; 1904 erhielt er den Titel eines außerordentlichen, 1918 den eines ordentlichen Universitätsprofessors. Prof. Pick blickt auf eine sehr reichhaltige medizinisch-wissenschaftliche Tätigkeit zurück und hat eine ganze Reihe von überaus wertvollen und allseits anerkannten medizinischen Arbeiten veröffentlicht. Seit dem Jahre 1920 bekleidet Prof. Pick die Stelle eines Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Obwohl er in parteipolitischer Hinsicht der „Union der deutschösterreichischen Juden“ angehört, hat es Präsident Pick stets verstanden, sich der zionistischen Minorität in. der Kultusgemeinde gegenüber in überaus loyaler Weise zu verhalten. In vielen Fragen fanden unsere Mandatare bei ihm Verständnis. In dieser Hinsicht wich auch Prof. Pick sehr oft selbst von seinen Parteigenossen ab. Bekannt ist die Herzensgüte, mit der Prof. Pick Armen begegnet. Schon aus diesem Grunde gilt auch sein Interesse hauptsächlich den Fürsorge- und Heilanstalten der Gemeinde. Man kann ruhig sagen, daß Prof. Pick trotz seiner gegenteiligen parteipolitischen Einstellung uns Zionisten viel Sympathie abgerungen hat. Wir sehen in ihm den objektiven und loyalen Präsidenten der jüdischen Gemeinde, dem die Sympathie der gesamten jüdischen Bevölkerung gilt. Anläßlich seines Geburtstages wünschen wir ihm viel Glück und wollen hoffen, daß es ihm noch lange gegönnt sein wird, zum Wohle der Wiener jüdischen Bevölkerung tätig zu sein. Kriegerdenkmäler für jüdische Soldaten Eindrucksvolle Enthuliungsfeier auf dem Zentralfriedhof Sonntag, den 13. Oktober, fand auf der israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes die Enthüllung der Denkmäler statt, welche die israelitische Kultusgemeinde ihren im Weltkrieg gefallenen Angehörigen errichtet hat. An der Zeremonienhalle sind Gedenktafeln angebracht, welche die Namen jener jüdischen Soldaten tragen, die vor dem Feinde gefallen sind. Am Rande des halbkreisföimig^n Gräberfeldes, das rund 1000 Gräber umfaßt, Ist las vom Architekten Leopold Ponsen geschaffene Denkmal errichtet, ein Oktogon mit der Inschrift: «Die israelitische Kultusgemeinde Wien ihren im Weltkriege 1914—1918 gefallenen Söhnen.» Durch das Portal gelangt man in ein offenes Oktogon, wo auf sieben mächtigen Tafeln die 'Kiemen der Gefallenen verzeichnet sind. Gedenksteine sind schließlich den auf diesem Friedhofe bestatteten jüdisch-russischen Kriegsgefangenen errichtet. Zur Feier war eine Ehrenkompagnie mit Fahne und Musik des Infanterieregimentes Nr. 3 mit Sturmhelmen ausgerückt. Im Zeremoniensaale, wo sich der erste TejI der Feier abspielte, hatten sich eingefunden: Bundeskanzler Schober, in Vertretung des Vizekanzlers Stadtkommandant General Wiesinger, Vertreter der Ministerien für Unterricht und soziale Verwaltung, der Gesandtschaften, der altkatholische Bischof Tüchler, der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde mit dem Präsidenten Generaloberstabsarzt Professor Dr. Alois Pick und den Vizepräsidenten Dr. Jakob Ornstein und Doktor Löwenherz u. a. Die Feier leitete Oberkantor Fischer mit einem Psalm ein, worauf Rabbiner Dr. Julius Bach die Gedenkrede hielt, worin er unter anderem fdiuh Jtßom Wien, 2&a&ot§4eaße 8 a &ie Btenie der JCeistunitafiiMößeii für moderne Guafimts-fcftufke. ausführte, daß diese Denkmäler, auf den Ruinen des Hasses errichtet, der Liebe entsprungen seien. Das wahre Kriegsziel muß der Friede sein. Nur einen Heeresdienst hat der Mensch auf Erden, seinen Platz zu behappten in stetem Pflichtgefühl. Darauf fielen von den Gedenktafeln, bei denen Ehrenposten des Infanterieregiments Nr. 3 standen, die Hüllen. Und während vor der Halle das Signal «Zum Gebet!» ertönte, stimmte Oberkantor Fischer den Choral an. Dann marschierte die Ehrenkompagnie durch die Hauptallee zum Kriegerdenkmal. Ihr folgten in langem Zuge an dichten, hinter einem Kordon der Sicherheifcswache stehenden Spalieren die Gäste. Vor dem Denkmal dankte Präsident Professor Pick dem Architekten sowie allen Mitarbeitern und sprach die Hoffnung aus, daß dieses Denkmal auch der Nachwelt künden möge, wie die Söhne des jüdischen Volkes getreu ihre Pflicht erfüllten. Stadtkommandant General Wiesinger hielt hierauf eine Ansprache. Im Namen des Bundesheeres legte er sodann, während die Musik das «Ich hatt’ einen Kameraden» anstimmte, einen Lorbeerkranz mit der Widmung; »«Den Helden der Pflicht, das österreichische Bundesheer» am Denkmal nieder. Im Namen des Deutschmeisterbundes sprach Präsident Major Seifert, der erklärte, die siebentausend im Bunde vereinigten Männer gedenken jener jüdischen Kameraden, die mit ihnen Schulter an Schulter gekämpft. Die Heldentaten der jüdischen Soldaten NU1& 1 TAQ MONTAG, Öl. Oktober, Paar farbige Schuhe mit kleinen Fabrikationsfehlern Von ® bis SSSjSO direkt in der Schuhfabrik LISSIANSKY VIL, Kaiserstraße 46 (im Stock) sind auch im «Dcutschmeisterwerk» aufgezeichnet. Redner legte sodann im Namen des Deutschmeisterbundes einen Kranz nieder. Für den jüdischen Frontsoldatenverband sprach der ehemalige Fähnrich im Sturmbatailon der 44.-Division Rudolf Berdach. Darauf stimmte Oberkantor Margulies mit dem Chor das Lied «Seele, was betrübst du dich» an. Die Feier, war überaus eindrucksvoll. Brandeis bei Macdonald Washington, 10. Oktober. (J. T. A.) Macdonaid empfing am Mittwoch, den 9. Oktober, das Mitglied des Obersten Gerichtes der Vereinigten Staaten Louis Brandeis. Brandeis war bis'Ende des Krieges Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas; nach dem Kriege trat er aus der Organisation aus und gründete eine eigene Palästinagesellschaft für praktische Arbeit. Dem Gespräch, das die Lage Palästinas zum Gegenstände hatte, wohnte auch Senator Borah, der Vorsitzende der Kommission für auswärtige Angelegenheiten beim amerikanischen Kongreß, bei. „Morning Journal“, die große zionistische Tageszeitung, verzeichnet das Gerücht, daß der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Dr. Chaim Weizmann die Anregung zu der Zusammenkunft Macdonald-Brandeis gegeben hätte. Die Pester Kultusgemeinde für Palästina Budapest, 9. Oktober. (J. T. A.) Der Vorstand der Pester israelitischen Religionsgemeinde hat in einer unter dem Vorsitz von Dr. Nikolaus Hajdu abgehaltenen Sitzung beschlossen, für die Opfer der Palästinaunruhen 10.000 Pengö zu spenden. Die Reorganisierung des Fürsorgewesens An der für den 1. Oktober einberufenen Enquete über den Plan einer Reorganisation des Fürsorgewesens nahmen außer den Vizepräsidenten Dr. Löwenherz und Dr. Ornstein sämtliche Obmänner und Obmannstellvertreter der Bezirkskommissionen teil. Nach eifern ausführlichen Referat des Reg.-Rat Fuchsgelb, sprach als erster Redner Dr. Kö rner, der die Heranziehung der Jugend für die Arbeit und die Berücksichtigung der Turn- und Sportbewegung, wie vor allem der Studentenschaft, betonte. — Von den übrigen Rednern, Kom.- Rat Buchwald, Dr. Rybaczewsky, Mayer, Dr. K1 n g e r, A1 b e r s und Baurat Melcher, wurde die Reorganisation begrüßt und eine Reihe von Anregungen für die Bezirksarbeit gegeben. Namentlich die Ausführungen des Herrn Baurats Melcher, der die besondere Notwendigkeit der produktiven Fürsorge hervorhob und seine Bereitwilligkeit bei E i nstellung von jüdischen Arbeitern aussprach, fand den Beifall der Anwesenden. — Börserat Gluck sprach der Kultusgemeinde den Dank dafür aus, daß die «Zentralstelle», an der er durch 25 Jahre mitgearbeitet habe, nunmehr von der Kultusgemeinde übernommen wird. Der Vorsitzende der Enquete, Doktor K1 a b e r, brachte den von Herrn Nimmhäuser gestellten Antrag zur Abstimmung, der wie folgt lautet; «Die versammelten Vertreter der Fürsorgekommission und der Bezirkskommissionen erblicken in dem im Referate vorgeschlagenen Organisationsplan eine geeignete Grundlage für die Reform und den Ausbau des Fürsorgewesens und empfehlen die Anträge der Genehmigung durch den Kultusvorstand. Sie erachten die Ausarbeitung der ergänzenden Normen und Regulative für wünschenswert. Nach deren Fertigstellung soll eine erweiterte Versammlung einberufen werden, zu welcher die an der Spitze der großen jüdischen Fürsorgeinstitutionen stehenden Personen einzuladen wären. Der Kultusvorstand wird ersucht, die Reorganisierung ehestens durchzuführen.» Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Im' Schlußworte dankte Dr. Klaber den Erschienenen für ihre Mitarbeit und versicherte, daß er als Obmann der. Fürsorgekommission alles 'unternehmen werde, ium die Reorganisation des Fürsorgewesens zum Nutzen det Armen durchzuführen. Einsfein: Die Behauptung des Muff! — bewußte Fälschung Berlin, 9. Oktober. (J. T. A.) Der Großmufti von Jerusalem hat bekanntlich in einem Schreiben an den holländischen Schriftsteller Pierre van. Paassen behauptet, Lord Molchett und Professor Einstein trügen die Schuld an den Ereignissen in Palästina, weil sie es auf die Wiedererrichtung des Tempels in Jerusalem an Stelle der Moschee absehen. Lord Melchett hatte sofort in einem Schreiben an die Jüdische Telegraphen-Agentur erklärt, daß der Mufti mit Absicht seine Worte wie seine Gesinnung zu fälschen versucht habe. Prof. Albert Einstein, den die J. T. A. über den Inhalt des Schreibens des Mufti informiert hat, erklärt nun gegenüber de? Jüdischen Telegraphen-Agentur: „Ich zweifle nicht daran, daß die Bemerkung des Mufti bezüglich einer Aeußerung von mir, in welcher das Gleichnis von Leib und Kopf eine Rolle spielt, eine bewußte Fälschung ist. Ihre Berichtigung entspricht der Wahrheit.“ Viscount ErleigK und Sir Boyd Merrman in Palästina " Jerusalem, 11. Oktober. (J. T. A\)' Viscount' Erleigh, Kings Counsel, Sohn Lord Readings und Schwiegersohn Lord Melchetts, und Sir, Boyd Merriman, der unter der früheren britischen Regierung als Solicitor-General fungierte, sind in Jerusalem eingetroffen. D;e beiden hervorragenden englischen Anwälte werden die Jewish Agency vor der britischen Untersuchungskommission vertreten. Auf Wunsch’ der Araber hat die Regierung angeordnet, .-daß Araber, Juden und die Regierung durch je drei Personen .vor der. Kommission /vertreten sein' sollen. . ■ ' " - Jr Wohuhaushau _ New York, 11. Oktober. (J. T. Falestiiie Economic Corporation bestimmte 250.000 Dollar, für Förderung des Baues kleiner Wohnhäuser, in den Städten Palästinas und beschloß, Schritte zu unternehmen, um weitere 750.000 Dollar für wirtschaftliche Arbeit in Palästina sichemistellen« , — - - £* > *?*■••• ^f -