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Die Stimme · 1929-10-17 · Heft 96 (17.10.1929) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 96 (17.10.1929)
Date
1929-10-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 96 Der Boden kann nldif warfen! Juden, spendet an den Feiertagen beim Thoraaufruf für den Kafemeih Ein Gruß aus Erez-Israel Von Abraham Goltlbcrg, Vizepräsident de? Zi onist i?ch en Ak ti onskoini tecs Seit ich aus Palästina zurilckgekehrt hin. hin ieh mit großer Angst von allen Seiten befragt worden: was ist mit Palästina? Die Beziehung dieser Fragenden zu Palästina ist wie von Eltern, die ein einziges Kind haben, welches schwer erkrankte. Sic wagen nicht, den Arzt zu fragen, ob das Kind genesen wird, denn eine verneinende Antwort auf diese Frage könnten sie nicht übers Herz bringen. Mein Gruß aus Palästina ist kurz gefaßt: kein Schrecken — in der Krankheit hat das Kind bewiesen, wie wunderbar stark es gebaut ist. Es hat mit dem Tode gerungen und hat gesiegt. Es hat nicht den Mut verloren, auch nicht dcri klaren Sinn und die Hoffnung auf bessere Zeiten. Palästina hat sieh in diesen schreck liehen Greueltagen bewährt. Die Zionisten haben lange Jahre vom Makkabäergeist acsprcohci), sie haben auf ihren Lippen den Kamen Bav- Kochba getragen und von Heldentaten unserer großen Ahnen erzählt. Zionisten wollten die Glorie ihrer, Vorfahren auf sich nehmen. Das war gewagt, denn wir verlangten viel auf Kredit. Jetzt ist der Moment gekommen, in dem der Jiscliuw mit seinen Jungen und Alten, ja selbst mit Greisen, Kindern. Männern und Frauen sich vereinigte und alie Kaders gegen .den mit Vernichtung drohenden Feind warf. Es sind von Fanatikern aufgehetzte Menschen gekommen, die das Wort kolportierten, daß wir vogelfrei seien. Die berühmten, stark begehrten jüdischen Frauen seien preisgegeben den Mördern mit ihren bestialischen Instinkten. L;nser Vermögen sei frei geworden für das wüste Begehren der Plünderer. Es war ein Geheul gereizter Wölfe, eine Jagd der Vandalen, aber unsere Leute blieben ruhig und gelassen trotz der schwersten Provokationen, verloren nicht den Kopf, gingen zur Verteidigung wie zum Tanz, sprangen freudig in das Feuer, ohne Blutrausch, cijme Haß- und ohne Rachegefühl. Die Losung war: wir geben nicht eine Spanne Erde auf, wir beschützen unser Eigentum, wir verteidigen mit unserem Körper die Ehre unserer Frauen und das Leben unserer Kinder. Bloß Verteidigung — das war das Ziel. Und die Unsrigen haben sich heldenhaft verteidigt. Schade, daß dort kein Joscplius war, der dieses Epos hätte schildern können. Jetzt können wir mit Recht von Makkabäern und Bar-Kochba reden. Es sind Menschen gefallen, 'aber der Jischuw ist gestiegen in den Augen seiner Feinde und in der Bewunderung seiner Freunde. Es ist viel Schaden angestiftet worden, aber der Jischuw hat gewönnen in seiner Festigkeit und in dem Glauben an seine eigenen Kräfte. Die Juden Palästinas haben unsere Geschichte um ein neues Kapitel bereichert. Es war eine schreckliche Katastrophe, wir haben sie überlebt, wir hätten wahrscheinlich freudig alles hergegeben, wenn sie zu vermeiden gewesen wäre. Aber 50 bis 100 Jahre später wird unser Volk um keinen Preis auf dieses Kapitel verzichten. Unser Aufbau, welcher reale Formen annimmt, w;rd den Nachkomincn als eine Erzählung' des Pioniortums, der Energie und Planmäßigkeit überliefert werden, als ein gelungener Versuch, die Roheit und Unzucht auszumorzen und an deren Stelle Zivilisation und Kultur zu verpflanzen. Die Juden Palästinas wollen ihre Position halten und auch weiter ausbauen. Aus. diesem Grunde allein ist die Judenheit der gesamten Welt verpflichtet, sie in diesem Bestreben zu unterstützen. Trotz der traurigen Ereignisse in Erez Israel trauern wir nicht. Die palästinensischen Juden vergossen trotz der vielen Opfer keine Träne. Sie sind überzeugt, die palästinensische Erde durch diese Opfer der neuen Helden und Märtyrer uns allen noch heiliger geworden ist. Unsere Helden sind gefallen im tiefen Glauben für eine heilige Idee und für ihr Vaterland ihr Bestes gegeben zu haben. Palästina muß die jüdische nationale Heimstätte werden. Wir wollen den Frieden haben, aber auf keinen Fall irn Wege v6n Kompromissen, die unsere Interessen benachteiligen könnten. Die arabischen Hetzer und ihre wenigen Freunde werden eiin-ehen müssen, daß sie sieh geirrt haben, wnni sie glaubten, daß die Juden unter dein Drucke ihrer (Jewatttaten zunickschreoken werden. Wir müssen 'un -rro Energien verdoppeln und vervielfachen, durch unseren Glauben gestärkt der , Danksagung Die Filiale des Vereines „Hilfe Israel“, Wien, II.. Novoragasse 7, entbietet Herrn Josef Rates, Rabbincrmnd Prediger, Wien, XX.. Universumstraße 40, für seine an den hohen Feiertagen hier abgehaltencn vorzüglichen Mussafgebete und Predigt ihren innigsten Dank und wünscht fröhliche Feiertage. Welt klarmachen, wie gerecht unser Anspruch auf Palästina ist. Denn es gibt ein Weltgewissen, an das wir appellieren können. Dessenungeachtet aber sollen wir unsere Forderungen an England stellen, mit dein wir unter Zustimmung der ganzen Welt einen feierlichen Vertrag geschlossen haben. Obwohl wir schon seit langem zu Klagen berechtigt waren, waren wir stets loyal, obwohl wir wußten, daß die englische Administration ln Palästina unsere Sache nicht nur nicht gefördert, sondern sogar gestört hat, haben wir stets gehofft, daß England endlich einmal sich bemüssigfc sehen wird, uns in unserer Aufbauarbe:t zu helfen. Wir müssen jetzt einige hunderttausend Menschen ins Land brin- Noch über das berühmte Luke-Interview Die Regierung Palästinas ließ der . Presse sin offizielles Gommunique zugehen, in welchem bestritten wird, daß II. C. Luke, der Chefsekretär der Palästinaregierung, dem Sonderberichterstatter der Jüdischen Telegraphen- Agentur, Herrn Pierre van Paassen, ein Interview gegeben hat. Van Paassen hätte Aeußevungen wiedergegebeii, die. Luke nicht-getan hat, andere Aeußcrungcn habe .er mit falschem Nachdruck“ wiederholt-. . . Pierre van Paassen reagiert auf . dieses Communique durch ein Schreiben an „The Palestine Bulletin“, in welchem er erklärt, daß er Inhalt und Verlauf des Gesprächs vollkommen getreu wiodergegeben habe. Herr Luke hat durch nichts 'angedeutet, daß es sich um private oder vertrauliche Informationen handle; er, van Wie», M. TaügrsiraSe 33 Moderne gute Schuhe in fabelhaft großer Auswahl zu bekannt billigen Preisen- Paassen, habe demnach das Recht gehabt', Lükos Aeußerungen als die Ansicht der Regierung aufzufassen. Wenn Luke, schließt van Paassen, die Frage der Wahrhaftigkeit auf wirft, so möge er dies mit seinem eigenen Gewissen abmachen; ich persönlich behalte mir das Recht vor, gegen die Urheber und Verbreiter des Regierungscommuniques die notwendigen Schritte zu ergreifen. Fragen der Sicherheit Jerusalem, 10. Oktober. (J. T. A.) Die arabischen Xotabeln haben die Regierung dahin informiert, daß sie die Verantwortung für die Sicherheit der in ihre verlassenen Heime zurückkehrenden jüdischen Flüchtlinge solange nicht übernehmen wollen, als nicht die ihnen auferlegte Ersetzung der Schäden rückgängig gemacht wird Es verlautet, daß die britischen Truppen in Palästina mindestens noch ein halbes Jahr im Lande verbleiben werden. Zwei arabische Beamte in Jaffa haben sich plötzlich ins Ausland begeben, als sie erfuhren,' daß gegen sic eine Untersuchung wegen Aufreizung zu Unruhen schwebt. fm Stadtviertel der georgischen Juden wurden zwei jüdische Häuser von Arabern geplündert. . Zur Erhöhung der Sicherheit der isoliertem jüdischen Kolonie Kastiniah, die wahrend der letzten Unruhen stärk in Mitleidenschaft gezogen worden war, siedelt die Zionistische Exekutive in dieser Kolonie 50 frühere jüdische Legionäre an, von denen jeder 109 Danam Boden erhält. gen, ohne weitere Katastrophen zu befürchten. England, das an den letzten Vorfällen zum großen Teil Schuld trägt, muß und wird auch alles gutmachen. Es ist kaum anzunehmen, daß England es wagen wird, unsere Interessen aufs Spiel zu setzen. Wenn wir auch ein altes V«.lk sind, so verfügen wir noch genug über Jugendkräfte, um Palästina aufbauen zu können. Wir taten cs auch unter dem Türken, der unserer Sache nicht gut gesinnt war. England wird wohl nicht die Absicht haben, vor der Geschichte angeklagt zu werden, daß es das Mandat nicht erfüllt habe. Auch die arabische Bevölkerung muß einschen, daß sie in uns bessere Freunde hat als in dem Mufti und in den Hetzern. Nun heißt es, unsere zerstörten Positionen aufzurichten, mit größter Energie und in schnellerem Tempo als bis jetzt neue Siedlungen zu gründen. In zehn Jahren haben wir nach Palästina 100.000 Menschen gebracht. Jetzt heißt es, ebenso viele im fünf Jahren ins Land zu bringen. Unsere Feinde glauben, uns einen Todesstoß versetzt zu haben. Sie haben vorzeitig triumphiert. Mit noch 100.000 Juden können wir derartige Positionen erreichen, daß sie es kaum wagen worden, die letzten traurigen Ereignisse zu wiederholen. Unsere Antwort auf die letzten Ereignisse soll daher hoffnungsvolle, energische und rasche Aufbauarbeit sein. ' Araber und Juden .protestieren """" | Jerusalem, 10. Oktober. (J. T. A.) Der Großmufti von Jerusalem bat der Regierung einen Protest gegen die neuen Bestimmungen über den jüdischen Gottesdienst an der Klagemauer, nach welchen der Durchgangsverkehr und die Benutzung des neu geöffneten Toren nach der Omarmosehee während des Gottesdienstes verboten sind, überreicht. Der Mufti erklärt, diese Maßnahmen seien geeignet, neue Unruhen hervorzurüfen.' Das palästinensische Oberrabbinat, die Zionistische Exekutive und der Waad Leumi haben ihrerseits Protest eingelegt gegen die neuen Verordnungen, die dazu angetan sind, die Abhaltung des Gottesdienstes zu erschweren. Insbesondere wird gegen das Verbot, Stühle für die Andächtigen während des Jom Kippur hinzustcllen, protestiert, wo doch an diesem hohen Fast- und Bußetag, an welchem die Andacht den ganzen Tag über andauert, die Andächtigen eine Gelegenheit zum Ausruhen haben müssen. Ein Denkmal für die jüdischen Opfer Haifa, 11. Oktober. (J. T. A.) Der Orden Bnei Brith in Haifa hat beschlossen, den Opfern der arabischen Unruhen in Palästina ein Denkmal zu errichten. „Folcstin“ gegen „Brith Schalom“ Jerusalem, 10. Oktober. (J. T. A.) ^Fel.estin“, das offizielle Organ der arabischen Exekutive Palästinas, druckt einen Teil der Erklärung von. „Brith Schalom“, der Gesellschaft arabischer und jüdischer Intelligenz zur Herbeiführung Von Frieden und Verständigung in Palästina, ab und knüpft an diese Wiedergabe die Bemerkung, „Brith Schalom“ sei zu dem Zweck gegründet worden, tun die Araber irrezuführen und sie über die wirklichen Ziele der Juden zu täuschen. Das Rahelgrab Jerusalem, 10. Oktober. (J. T. A.) Infolge der unsicheren Zustände in Palästina haben im Verlauf des Monats Elul im ganzen etwa 300 Juden das Grab der Erzmutter Rahel besucht. „Palestino Weekly“ — ein zionistisches Blatt (Eigenbericht der „Stimme“.) Jerusalem, 10. Oktober. Die Zionistische Organisation hat das Wochenblatt „Palestine Weekly“ erworben. Dlesea englische Blatt wird in der Zukunft unter der Kontrolle der Zionistischen Organisation erscheinen. Eine Schenkung für das Haifacr Technikum Haifa, 10. Oktober. (J. T. A.) Der bekannte Ludzer Industrielle Oskar Kolm, Chef der Widzower Manufaktur, hat dem Ilaifaer Technikum eine Maschineneinrichtung im Werte von, 30.000 Dollar zum Arulenkon an seinen vor einigen Monaten durch einen christlichen Angestellten der Firma getöteten Sohn Albert gestiftet. stls

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