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Die Stimme · 1929-10-10 · Heft 95 (10.10.1929) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 95 (10.10.1929)
Date
1929-10-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 98 DK STIMME Seife U Literatur und Kunst Die hebräische Tanzkunst Eia Gespräch mit Baruch Agadatf« Agädati ist wieder in Wien. Dieser schlanke, J;roße Junge, mit dem kindlichen Gesicht, der seit ihren in Palästina auf dem Gebiet der Wiederbelebung des jadischen Tanzes mit bestem Erfolge wirkt. Wir können uns noch gut an seinen Wiener Tanzabend vor zwei Jahren erinnern, an seine exotischen und uns doch so nahen Tänze, an die künstlerische Versinnbildlichung chassidischer Gestalten, an seine «Hörra» und den arabischen Tan2. Wir siezten mit Agädati im Kaffeehaus und plaudern, es ist kein Interview. Eher ein zwangloses Gespräch über seine Einstellung 2ur Tanzkunst, seine Tanzkleen, seine Pläne. «Jüdischer Tanz? Noch vor einigen Jahren war ts etwas Unwahrscheinliches, oder vielmehr Komisches. Wir wissen es alle: die typisch jüdischen Bewegungen wirkten lächerlich. Im Gegensatz zu den herkömmlichen abendländischen Anschauungen über die Aesthetik der Tanzgebärden, riefen sie alles andere eher, als eine ernste Wirkung hervor. Ich ließ mich nicht abschrecken. In diesen angeblich komischen Gebärden sah ich die Quelle des urjüdischen Tanzes. Das war noch in Odessa. Ich arbeitete damals im Ballett der Ödessaer Oper. Und damals entstand auch die erste Idee meines Tanzes: Reb Meir.» «Ich kam nach Palästina. Ein neuer jüdischer Typus. Ein neuer Menschentypus. Neues Leben. Ich sah die «Horra»: der Tanz des jüdischen Arbeiters im jüdischen Lande. Das Neuartige des Lebens mußte auch in den Tanzbewegungen seinen Ausdruck finden. Das Wesentliche in der «Horra» ist Ekstase, Orientalische Ekstase, die das Temperament nicht hervorbrechen läßt, aber desto intensiver in der Richtung der Innerlichkeit sich auswirkt. Trotz des Bestehens dieses Tanzes im Lande, mußte ich, um jüdische Tänze zu schaffen, aus dem Golus Erinnerungen schöpfen. «Reb Natan» entstand. Die jüdische Gebärde, die mir einmal häßlich-lächerlich vorkam, erschien nunmehr in einem ganz anderen Lichte. Wir haben es nicht nötig, sie zu verschönern —* sie ist wesentlich urjüdtach, unser, uralt und orientalisch. Und als ich vor Franzosen oder Deutschen tanzte, habe ich in Erfahrung gebracht: nicht lächerlich wirkten diese Darbietungen, sondern fanden vollste Anerkennung als choreographischer Ausdruck des jüdischen Volkstums.» «Ich fühle mich hunderipvozentig als Palästinenser. Als ich das jemenitische Leben und den jemenitischen Tartz im Lande studierte, erkannte ich, daß ihre Bewegungen und Gebärden denjenigen de» Golusjuden mehr als verwandt sind. Sie sind mit ihnen identisch. Ein Beweis mehr, daß die chassid' sehen Tänze nicht eine Goluaerscheiming sind, sondern im urjüdischen Wesen wurzeln.» «Sie fragen, Wie sich der neue jüdische., der hebräische Tanz in Palästina entwickeln wird? Ich möchte es selbst wissen. Eines steht fest: er muß als Gfundelement die speziiisch-jüdische Gebärde in sich aufnehmen. Nur auf diese Weise können wir etwas Originelles schaffen. Der Inhalt des Tanzes ist nebensächlich. Die Form muß die ünsrige sein. Man kann einen fremden Nationaltanz jüdisch tanzen » «Meiner Ansicht nach braucht de. Tanz keine Begleitmusik. Er ist ja selbst nichts anderes als eine Melodie der Bewegung. Einen musik osen Tanz ist es heute allerdings schwer zu verwirklichen, denn das Publikum kann sich nicht leicht auf diese gewissermaßen revolutionäre Aenderung einstellen. Das anstrebenswerte Ideal l«t aber die Gehörsimpression von der visuellen Impression unabhängig zu machen. Wie im Kino. Die Musik soll bloß die rhythmische Tanzhandlung untermalen, nicht aber sie in gleichem Rhythmus begleiten,» «lm übrigen Ist;a das alles graue Theorie. Ich hoffe, mehr durch meinen Tanz als durch meine Worte zu wirken. Ende dieses Monats findet mein Tanzabend statt.» Jüdischer Sport Die Hakoah Jöder Wiener und insbesondere jeder Jude kennt die Hakoah. Und doch weiß man so wenig von ihr. Wenn man von der Hakoah spricht, denkt man an die Fußballer, die — dem Zuge der Zeit folgend — Professionals sind, und steh recht und schlecht damit abplagen, gegen Gegner, Publikum und Schiedsrichter ein möglichst günstiges Resultat zu erzielen. Diese sind e# zum kleinsten Teile, welche dem großen Zwecke und Ziele der Hakoah dienen. Zweck und Ziel der Hakoah ist die körperliche Ertüchtigung weiter Kreise der jüdischen lugend. Diese Tendenz steht im engsten Zusammenhänge mit der neujüdischen Renaissancebewegung. Denn der veraltete Gedanke der Diaspora war: die Juden hätten die Mission, die Menschen gerecht zu machen» Dazu konnten sie schwach, engbrüstig, ungelenk bleiben wie sie waren. Der neue Gedanke der Rena&ssance aber ist: Seid ein Volk wie die anderen 1 Folglich lebet so wie die anderen, und dieser Gedanke führte 2u dem Bestreben, die Gebrechen des zweitausendjährigen Golus zu heilen. Auf unzähligen Stahl- und Kupferstichen des Mittelalters sehen wir die Juden, kraftlose, nach vorne gebeugte Gestalten, das Leid ifn Antlitz, das Zit-tefn in den Beinen, lebhaft nur das geistreiche, angsterfüllte Auge. Unzählige Witzblätter des 18. und 10. Jahrhunderts machen sich über die Ungelenkheit, über die linkischen Bewegungen, die körperliche Untüchtigkeit und die Wasserscheu der Juden lustig. Das Ist ganz anders^geworden und daß dies so ist, verdanken die Wiener Juden zum größten Teile der Hakoah. Der Klub gliedert sich je nach den Sportdisziplinen in eine Anzahl von Sektionen. 1. Schwimmsektion: Training im Dianabad, 1m Jörgerbad und im Heeresstrandbad. Zirka 400 Mitglieder. Einige Trainer besorgen den Unterricht von den jüngsten Eleven an bis zur Durchbildung der Meister. Im Damenschwimmen Ist die Hakoah seit Jahren unbestrittener Meister. Eine Menge Herrenschwimmer erreichten Spitzenleistungen, ebenso sind die Wasserballer seit Jahren Meister. Die Hakoah veranstaltet jährlich einige Meetings, an welchen Schwimmer von internationaler Bedeutung teilnehmen. 2. Hockey Sektion: Am eigenen Platz, der als bester in Wien gilt. Drei bis vier Mannschaften. Weil die Besetzung zu groß war, gliederte sich ein Zweigverein, Blau-weiß, ab, der ebenfalls drei Mannschaften hat. Die erste Hockeymannschaft hat 1025 die Meisterschaft gewonnen und liegt derzeit sehr gut. Die Sektion besitzt auch Damenmannschaften. 3. Leichtathletiksektion: Auf eigenem Platz, mit Laufbahn, allen Behelfen. Diese hat sich durch rastlose Arbeit der Leitung und des Trainers aus kleinen Anfängen zu außerordentlich respektabler Höhe emporgeschwungen, sowohl was die Anzahl der Athleten betrifft, als was die Spitzenleistungen anbelangt. Eine ganze Anzahl erster und zweiter Plätze und Meisterschaften haben diese Sportler errungen; auch Eleven- und Schülerausbildung findet statt. Betrieben werden alle La-uf- und Sprungdisziplinen, Derzeit wird auch auf Diskus-, Speerwerfen, Kugelstoßen besonderes Gewicht gelegt. Die Sektion hat zirka 120 Mitglieder. 4. Ringsektion: Besitzt in der Augartenstraße 8 ein eigenes Lokal mit allen zu diesem Sport gehörigen Behelfen (Dusche usw.). Die Kampf mannschaft der Ringer hat die Meisterschaft von Oesterreich gewonnen und bereits wiederholte Siege gegen ausländische Mannschaften von internationaler Bedeutung erstritten. Die Meister fungieren als Amateurtrainer. Die Sektion hat zirka 80 ausübende Sportsleute, darunter Eleven und Konditionsringer. 5. Tennissektion: Diese besitzt sechs erstklassige Tennisplätze mit Tralningswand, Klubhaus und allen Behelfen auf ihrem eigenen Platze, auf welchem sich täglich ein reger Sportbetrieb abwickelt. Trainer sind vorhanden. Diese Sektion Ist im Aufblühen und hat erst kürzlich einen bemerkenswerten Sieg gegen den Linzer Bicykleklub errungen. In den Reihen der Spieler und Spielerinnen befinden sich einige von anerkanntem Format. Zirka 100 Mitglieder. 6. Touristen- und Skisektion: Hat 400 Mitglieder, Damen und Herren, eigene Jugendgruppe, veranstaltet gemeinschaftliche Ausflüge und Bergtouren leichteren und schwierigeren Grades. Ski-Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene, Vorträge für Kartenlesen und Führertechnik. — Ist im Begriff, eine eigene Hütte im Semmeringgebiete zu erbauen, wofür bereits ein ansehnlicher Fonds und Bauplatz vorhanden ist. 7. Fechtsektion: Sitz im Klubheim, Uebungen bei Fechtmeister Berger, der seit Jahren das Training leitet. Diese Sektion leidet sichtlich unter den studentischen Verhältnissen an der Universität.— Derzeitiger Stand 36 und Eleven. Einige Mitglieder dieser Sektion haben Oesterreich in internationalen Konkurrenzen vertreten. 8. Handbolisektion: Eigener Platz mit allen Behelfen und eigenem Trainer, Damen- und Herrenmannbchaft. Stand 80 Mitglieder. Die Üamenriege errang heuer, die Meisterschaft in der II. Klasse. Diese Sektion Ist ganz jung. ö. Tischtennissektion:. Sitz Cäf6 Lido, HI., mit sechs Tischen. Mitgliederstand 40, darunter der Meister von Oesterreich, der auch das Training als Amateur leitet. 10, Eishockey Sektion: Tnalnlngplatz Wiener Elslaufvereln und Augarten. Mitglledersitand 40. Betreibt den Sport mit zwei Mannschaften und einer Jugend* mannschaft. 11, Fußbaltsektiöft: Die Amateursektion wurde dem Fußballklub Hakoah unterstellt. 12, Örchestersektion: Proben im Wiener Konzerthaus, Sitz im Klubheim, Stand 60 Mitglieder, die unter Leitung eines eigenen Kapellmeisters stehen. Betrieben wird allgemeine klassische und speziell jüdische Musik. 13, Schachsektiori: Diese befindet sich im Cafe Rabl. Sie hat täglich ihre Spielabende und hat eine ganze Reihe von prominenten Spitzenspielern hervorgebracht. Rangiert seit Jahren an erster oder zweiter Stelle in den Wiener Vereinen. Aus dieser kurzen Darstellung ersieht man zweierlei; erstens, welch ungeheures Arbeitspensum die Hakoah bisher vollbracht hat, zweitens, was für große Kosten die Aufrechterhaltung der Sportbetriebe in den; einzelnen Sektionen erfordert. Man bedenke nur die Mieten der diversen Lokale, Beleuchtung, Beheizung, Wasser, die Kosten der Trainer, der Apparate und Behelfe, die Kosten des Sportgerätes, der Beschuhung und der Dressen, der Reisen, der Meetings usw. Alle diese Kosten werden innerhalb der einzelnen Sektionen aufgebracht und ist diese Leistung umso bewundernswerter, als ja die meisten Sportbeflissenen ganz junge Leute sind und?um kleinsten Teil aus vermögendem Hause stammen. Allerdings bemüht sich die Ktubleitung, soweit sie kann, die fehlenden Mittel aus Eigenem zu beschaffen. Es ist nicht abzusehen, was die Hakoah leisten könnte, wenn sie — wie es in Berlin oder Prag geschieht — reichliche Subventionen von der Kultusgemevnde bekommen würde oder Sie Gegenstand der finanziellen Fürsorge seitens der zionistischen Behörden wäre. Am allerwenigsten ist aber zu verstehen, daß die Juden Wiens so wenig Empfinden dafür haben, was sie der Hakoah zu schulden hätten. In dieses Kapitel gehört die Frage der Erbauung einer alpinen SchutzhUtte. An den Besitz einer solchen Schutzhütte ist bekanntlich jene Begünstigung geknüpft, welche die Bahnverwaltung den Sportvereinen auf den Bahnfahrten gewährt. Es ist trotz aller Mühe bisher nicht möglich gewesen, den Baufonds zu komplettieren, die Folge davon Ist, daß eine ganze Reihe von jüdischen Sportlern um Aufnahme bei den Naturfreunden ersuchen, obwohl sie mit den sozialistischen Tendenzen dieses Vereines gar nichts zu tun haben. Wenn etwas an der Hakoah auszusetzen wäre, so wäre es der Vorwurf, daß diese Organisation zu wenig Anteil am aktiven zionistischen Leben Oesterreichs nimmt. Die Sportler sind nicht allzugut über alle Vorkommnisse in unserer Bewegung informiert und leisten an finanziellen Abgaben und Steuern nicht jenen Betrag, welcher ihrer Bedeutung und Anzahl entspricht. Dies ist in der starken sportlichen und finanziellen Inanspruchnahme der Mitglieder der Hakoah gelegen und würde sicherlich in kurzem in das Gegenteil gekehrt werden, wenn die zionistischen Behörden und Funktionäre engere Fühlung mit den Hakoah-Kreisen suchen würden. Es wäre eine dankbare und große Aufgabe des nächsten Landeskomtttes. Dr. Hugo Benedikt. Saul Tschernichowsky in Wien Ueber Einladung des Jugendvereines „Erez Israel“ wird der bekannte hebräische Dichter Dr. Saul Tschernichowsky am 20. Oktober 1929 im Hotel Continental im Rahmen eines literarischen Abends aus seinen Dichtungen vorlesen. Dr. Tschernichowsky zählt neben Bialik seit ungefähr drei Jahrzehnten zu den führenden Dichtern der hebräischen Literatur. Es ist daher anzunehmen, daß das hiesige jüdische Publikum Gelegenheit nehmen wird, den Dichter persönlich vorlesen zu hören» Tschernichowsky, der in der Krim geboren ist, hat bereits in seiner Jugend in verschiedenen hebräischen Zeitschriften lyrische Gedichte veröffentlicht, die die besondere Aufmerksamkeit der. hebräischen Kreise erregten. Er zählte zu den ständigen Mitarbeitern der von Achad Haam herausgegebenen Zeitschrift „Hasehiloach“, in der er einen Großteil seiner lyrischen und epischen Dichtungen veröffentlichte. Der Dichter, der in seinem Berufe Arzt ist, übersiedelte nach dem Krieg nach Palästina, wo er bis zum Jahre 1926 verblieb. Zurzeit lebt er in Berlin, wo er gemeinsam mit Benzion Katz und Doktor Rawidowitsch die hebräische Sammelschrift „Hatekufah“ redigiert. Vor einiger Zeit sind zwei Bände seiner gesammelten Sohriften erschienen. 'W*-11 PI" '■ *-'■ - ü1,1.!, ü. .'Llll1... 1 0« und X-Beine machen ihre Besitzer o£t auf Ziolicherb« versteckter Spötteleien, bringen seelischen Kummer, des Giefühl der Minderwertigkeit und Zurücksetzung. Bel Kindern lassen die gekrümmten Beine zumeist durch ein Schienenftystem sich wieder in die gerade Form bringen. Bel Erwachsenen sind die Knochen bereits hart nrnd ist daher dt« Wiederherstellung einer geraden Form der Beine fast aussichtslos. Dagegen erscheinen X- und Ö-Beüte durch da« bereits bestbewährte Original «Patadruit»-Verdeofeüng9system sofort verständig gerade und normal ohne alle Unbequemlichkeiten und Beschwerden. Das «P&radmit»-Verdeckmnigesystem verwendet leichte, poröse, fleischfarben« Auflagen, die nur an den Stellen der Beinverkrüuwnuutgen unverrückbar fest Hegen, nicht hitzen, waschbar, luftdurchlässig, auch unter feinsten FlorStrümpfen umdurchsichtbür sind und sich ebenso für Herren wie für Damen eignen, ß« empfiehlt sich, interessante Auffdäruingssahrlft über Bein** körrokturvon FiißheMbeheitfe-Spezialtsten Mikolas dl* Wien, II., Tnbörstraßs £2. zu verlangen. Entgeltlich. ln nächster Zeit wird Wien zwanzig Tonfilmtheater b®* sitzen. Die in denselben vorkommenden Lieder und Musü|* stücke sind alle auf Sc hall platten auf genommen, so dag jedermann Gelegenheit hat, wenn ein Lied sein besondere® Gefallen finden sollte, sich dasselbe immer wieder für sfcti allein oder einem Kreis von Freunden nätufgetreu wieder* hoieti zu lassen. Derzeit wird voiütuflgdas Lied Sonny Boy von AI Jolsoti selbst gsuufeu, so stark vriangt, daß die«® Platte Schon zweimal vergriffen war. Aber auch die Platten 01’ man River aus «Show Boat» (Da« KoinödianftenscMSf) und eine Hawaienplatte aus «Weiße Schatten» warnen lebhaft verlangt. Das uns bekannte Musiki!aus «Exoelsioj», I., Adlergasse 5, welches auch alle jüdischen und hebräische® Aufnahmen lagernd hält, ha» auch diese Hatten in genügender Anzahl bereitgestellt. ß

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