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Die Stimme · 1929-10-10 · Heft 95 (10.10.1929) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 95 (10.10.1929)
Date
1929-10-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nf. 95 Dffi STIMME Presseschau Die politischen Aufgaben der Zionistischen Exekutive Im „Haaret z“ vom 25. September behandelt M. M. das Problem der öffentlichen Meinung-gegenüber dem Zionismus nach dem Ausbruch der Unruhen. Es sei für uns, ja selbst für unsere Pessimisten, eine große Ueberraschung gewesen, daß die öffentliche Meinung in England weit verschiedener sei von dem, das wir uns vorgestellt hätten. Erst nachdem ein größer Teil der englischen Zeitungen eine besonders unfreundliche Haltung zu uns eingenommen habe, habe die Exekutive begonnen, über die' Verstärkung der politischen Arbeit zu beraten. Mandürfe die Schuld für diese Vernachlässigung nicht allein auf die Exekutive werfen. Die entscheidende Ursache dafür, die die Zionistische Exekutive in London und Jerusalem gezwungen habe, ihre politische Arbeit auf ein Minimum einzuschränken, sei uns bekannt. Es genüge, bloß drei Beispiele anzuführen, um die Situation zu erhellen: Die Schließung des arabischen Ressorts innerhalb des politischen Departements, die Schließung'des Pressebureaus und die Nichtbesetzung der Stelle des politischen Sekretärs. Aus der Kenntnis dieser Tatsachen heraus sei es schwierig, mit Anschuldigungen gegen die Zionistische Exekutive zu kommen, daß sie die poltiäche Arbeit vernachlässigt und sich ihrer erst zu spät erinnert habe. Trotz allem .ruhe auf ihr die Hauptverantwortung. Wenn -wir die palästinensische Regierung heute scharf und berechtigt kritisieren, weil sie keine Voraussicht bewiesen habe*, so müsse gleiche Kritik an der Zionistischen Exekutive geübt werden. Auch ihre Pflicht wäre es gewesen, das Kommende, vorauszusehen und für eine Aufklärung der englischen Oeffentlichkeit und der englischen presse schon vor dem Ausbruch der Unruhen zu sorgen. Die Zionistische Exekutive habe jetzt diesen Fehler eingesehen, ebenso wie manche andere, und sich bereit erklärt, ihre politische Tätigkeit auszubauen und zu verstärken. Es scheine, daß; man in den leitenden Kreisen der Bewegung die schwere politische Gefahr, die unserem ganzen Werk drohe, verstehe und Maßnahmen dagegen vorbereite. Die Zionistische Exekutive habe einen Aufruf an die zionistische Bewegung erlässen/alle Kräfte zu konzentrieren und es sei unerläßlich, daß sich heute alle Gruppen und Richtungen hinter die Forderungen der Zionistischen Exekutive stellten. Restlose Einigung und Vereinheitlichung aller Tätigkeit nach außen hin und in jeder Arbeit politischen Charakters sei das Gebot der Stunde. Innere Zerrissenheit und innerer Hader müsse jetzt sicher zu .Zerstörung unseres Werkes führen. um Wasser. Andere Wasserträger gaben mit Rücksicht auf den Zeitverlust nicht gerne zu trinken. Ihm bereitete es aber Freude. Beim Brunnen war eine Schule. Im Sommer, während der Pausen, kamen die Kinder heraus. Sie spielten und lachten. Wenn sie Benjamin erblickten, umringten sie ihn. Sie hatten Durst, die Künder. Und außerdem — Benjamin! ... Da konnte er, dieser Zweihellerwasserträger, lange Zeit mit den Kindern stehen, bis er allen Wasser gereicht hat. «Benjamin, — mir! Benjamin, — mir!» riefen sie. Er lachte und war glücklich. - Eines Tages bemerkte man bei ihm eine blsumenbemalte Schale, an einer Schnur befestigt. «Wozu brauchst du denn das, Benjimin?» fragte man ihn. Da schaute er den Fragenden mit verwunderten Augen an, daß er dies nicht von selbst verstehen konnte. «Den Kindern ist es ja unbequem, aus den Kannen zu trinken, daher kaufte ich dieses da . . .», antworte der Idiot des Städtchens; als wäre die Bequemlichkeit der Kinder seine größte Sorge. Die Gescheiten lachten. Die ganze Woche hindurch schuftete er wie das alte, blinde Pfend Mendaies, des Wasserträgers. Wasser und Wasser. Samstag aber zog er seine «neuen» Kleider an und ging im Städtchen herum. Diese «neuen» Ideider waren eine merkwürdige Kombination: Eine alte, lichte Hose, ein ergrünter Frack mit abgeriebenen Knöpfen, ein fätbiges Flanöllbemd, dessen Kragen so groß war, daß er um seinen Hals direkt Schwimmtouren machte und ein Hut, dem man G|«fcalt und Farbe seiner Jugend überhaupt nicht mehr ansehen konnte. Das war seine Samstagstoilette. Die Leute verkauften oder schenkten ihm absichtlich solche lächertidhe Kleider, um seine «Komik» zu ihrem größten Vergnügen noch mehr zu steigern. Auch war sein Haar jedes Mal anders geschnitten und sein Bart wechselte sein Form. Einmal hatte er einen Kaiserbart ohne Sehmirbart, ein anderes Mal wieder einen französischen Spitzbart. Das war ein Beitrag der findigen Ftiseuri tingln* (Ende in der ivVEtcn Nrmmv.; Ein Wort an die Zionisten ln einem Artikel im „Fe lest in“ veröffentlicht Saad Eddin „ein offenes Wort an die Zionisten“, in dem es u. a. heißt: Wenn wir, die Araber Palästinas, überzeugt wären, daü Palästina alle die 14 Mil-Houen Juden der Welt aufliehmen könnte, würden wir das Land ihnen überlassen und sie in Ruhe leben lassen, um die Welt von ihren Ansprüchen zu befreien. Da aber Palästina, selbst nach den Schätzungen der Juden, nicht mehr als für 1 Million Juden Platz hat, ist es ein Unsinn, für sie in diesem Lande ein Natvonalhcim init besonderer politischer Eigenart zu errichten, insbesondere, nachdem die moderne Zivilisation ihnen gestattet, sich mit den Völkern, unter denen sie leben, ehrenvoll zu assimilieren und nachdem die Verfolgungen, die Herzl zu seiner Doktrin veranlaßten, ein Ende gefunden haben. Es genügt für denkende Menschen, den Ursprung der zionistischen Bewegung zu studieren, um daraus zu schließen,' diaß nunmehr keine Notwendigkeit für ihre Existenz besteht, nachdem die Verfolgungen aufgehört haben. Jeder Nichtjude, der den Zionismus unterstützt, wird sich klar darüber werden, daß er eine Bewegung da-rsteilt, die eine Beleidigung und einen Angriff gegen die Zivilisation des 20. Jahrhunderts sowohl als gegen die Nationen, unter denen die Juden leben, bedeutet. Die arabische und die jüdische Polizei Die Zeitung „Sirüt al Mustakim“ behandelt in einem Artikel das Verhalten der arabischen und jüdischen Polizei während der Unruhen. Es heißt dort u. ä.: Die arabische Polizei hat uns sehr hart behandelt und sich schlimmer benommen als die jüdische. Das Vorgehen der arabischen Polizeiofiizicre (hier führt das Blatt eine Reihe von Namen auf) gegen die Araber ist allgemein bekannt. Von d£h jüdischen Angehörigen der Polizei haben sich viele huf Grund Ihrer Stellung das Recht genommen, Araber zu töten und ihre Volksgenossen zu ermutigen, Araber anzug-reifen. Niemand von ihnen hdt der Regierung einen Bericht gegen jüdische UebeJtäter geliefert Wird die Regierung die Loyalität, Hingabe und Treue -der arabischen Polizei, verglichen mit der Haltung der jüdischen Polizisten m würdigen wissen? Die Politik der Jewish Agency .'Im „Nä s z . P r z e g 1 a d“ (Warschau) schreibt J. A p p e n s c h 1 a k: Keine der verschiedenen politischen Kombinationen kann unsere historischen Rechte auf Palästina oder unseren Wilfen der .Schaffung öi-nes natiotiialch Heims schwächen. Es gibt keine Macht, die den Zionismus von . Zion loSiösen könnte;. Wir geben uns auch Rechenschaft davon, daß der Ausgangspunkt einer Lösung , des Palästinaproblems das friedliche Zusammenleben mit den Arabern bildet. Wir verlangen Frieden mit den Arabern und wir glduiben, daß. alle Anstrengungen der Jewlsh Agency darauf gerichtet sein müssen, einen unmittelbaren Kontakt mit den maßgebenden Vertretern der arabischen Gesellschaft anzuknüpfen. Wir sind für die Abhaltung einer jüdisch-arabischen Konferenz mit den geistigen Führern des Jslam. Der Mufti von Jerusalem ist nicht die Persönlichkeit, mit der man zu einer Verständigung kömmen kann. Seine Presseäußemngen beweisen, daß er nur eine chauvinistische Gruppe der Araber vertritt..Seine Forderung der Verztcbtieistung auf die jüdische nationale Heimstätte stellt eine Bedingung dar, welche das jüdische Volk mit Verachtung zurückweist. Eibe derartige Verzichtleistmig Wird kein Jude, der nicht Verräter seines Volkes Ist, unterschreiben. Auf dieser Gwfodftage ist ein Flieden ausgeschlossen. Zur Arabischen Frage Der Palästina-Korrespondent des.„Nowy D z i e n n i k“ (Krakau) (Dr. Zwi Luft) meint in der im „Nöwy Dziennik“ vom 28. September veröffentlichten Korrespondenz, daß es ein Fehler. wäre, wenn der Jischuw in seiner berechtigten Erregung sich nur gegen die britische Verwaltung wenden und das arabische Problem ganz übersehen würde. Diesem Problem muß jetzt die Hauptaufmerksamkeit gewidmet werden. Es muß klar Werden, daß der primitive, sich auf dem Muster anderer Völker aufbauende Nationalismus und vor allem der nationale Chauvinismus zu keinem Ziele führen werden. Auf diesem Wege wird sich und will sich auch der Zionismus mit Hilfe der britischen Bajonette niöht verwirklichen lassen. Der jüdische Nationalismus hat von seinem Anbeginn an des engen Aspektes eines nationalen Egoismus entäußert und seinen wesentlichen Inhalt bilden die Schlagworte der Brüderlichkeit und Einheit der Völker. Von diesem Gesichtspunkte aus ist der ökonomische Boykott als ein schwerer Fehler anzusehen. Neue Jüdische Viertel in Jerusalem. Bei den jüdischen Kauf lebten der Jerusalemer Altstadt besteht eine starke Tendenz, Läden außerhalb der Mauer zu errichten. Hier zu kommt vor allen Dingen das Gelände an der Mamillahstraße, das vor einigen Jahren durch die Palestine Land Development Co. Ltd. vom griechischen orthodoxen Patriarchen erworben, wurde, in Frage. Ein Teil der Kaufleute aus der Altstadt räll vorläufig auf diesem Gelände, genannt Merkas Mieohw (modernes Geschäftsviertel) nur Zweigstellen errichten, um später ganz dorthin zu ttbeeriedeln. Ben Ami, 75 Jahre alt Vor einigen Tagen feierte der bekannte jüdische Schriftsteller Ben Ami (Mordechai Rabinowicz) seinen 75. Geburtstag. Ben Ami, der zu den repräsentativsten Persönlichkeiten des russisch-jüdischen Kulturlebens zählt, genoß in seiner Heimatstadt Werchowsk (Podolien) eine streng jüdische Erziehung und setzte seihe talmudischen Studien in Odessa fort. Hier verließ er unter dem Eindrücke der Haskalabeweg-ung das Cheder und bereitete sich zur Gymnasialmatura vor. Nach Beendigung des Gymnasiums 'begab er sich nach Genf, von wo er erst nach einigen Jahren nach Rußland zurückkehrte. Schon als junger Gymnasiast veröffentlichte er in der damaligen russischen Wochenschrift «Rasswjcb eine Reihe interessanter Aufsätze, die. die damaligen Leser auf das Talent Ben Amis aufmerksam machten. Während der Judenpogrome in Rußland (1881) organisierte Ben Ami die ersten jüdischen Selbstwehren aius Studenten zur Verteidigung der jüdischen Stadtviertel vor den Uebcrfällcn der mordenden und plündernden Pogromveranstalter. Nach dem Pogrom versuchte er, die Pariser Alliance vsraeiitc für die Errichtung einer Kolonie für die Pogromfliichtlinge zu gewinnen. Als diese Bemühungen sowie die Anstrengungen der Emigrationsgescllschaft «Am Olani», zu deren Mitbegründern Ben Ami zählte, scheiterten, schloß er sich der Chibath Zion-Bcwegung an. Nach einem kurzen .Aufenthalt in Rußland iibersiedelte er nach Genf, wo er mit kurzen Unterbrechungen bis zum Jahre 1925 wohnte. Hier widmete er sich ausschließlich literarischen Arbeiten und veröffentlichte eine ansehnliche Anzahl von Novellen, Skizzen und größeren Erzählungen, in denen er das jüdische Leben Rußlands behandelt. Nebst diesen streng literarischen Arbeiten verfaßte er auch russische Lehrbücher für die jüdische Jugend, die im nationalen Geiste gehalten sind, in den neunziger Jahren begann Ben Ami, auch jiddisch zu schreiben und veröffentlichte einen Großteil seiner Erzählungen in der von Scholem Alejchem herausgegebenen «Vo'lksbi'biiothek», sowie in Jüdischen Wuchern- Schriften und Tageszeitungen. Ben Ami nahm auch, am .ersten Zionisten-kongreß teil und wurde ein begeisterter Anhänger des Herzischen Zionismus. Seit dem Jahre 1925 lebt Ben Ami in Erez Israel, wo er mit der Abfassung seiner Memoiren beschäftigt ist. Von diesen ist bereits ein Teil in hebräischer Ucbersetzung in der «Hatekufah» (Band 24, 25) erschienen. Ben Amis Schriften, die auch wertvolle Beiträge und Schilderungen des jüdischen Lebens in den letzten zwei Jahrhunderten beinhalten, sind bereits zum großen. Teil ins Hebräische übersetzt worden. g. , Ausgleich zwischen den radikalen und allgemeinen Zionisten in der Tschechoslowakei Aus Prag wird berichtet: Am 22. September fand in Prag eine Sitzung des zionistischen Laudeskomitees statt, das sich mit der Situation in Palästina und der politischen Lage beschäftigte. Die Referate hielten ür. Josef Rufeisen und Dr. Emil Margulies. Letzterer, der bisherige Führer der radikalen Opposition, erklärte, daß die Ereignisse der letzten Wochen auch auf dem politischen Gebiete den bisher von der radikalen Opposition vertretenen Anschauungen und Forderungen in gewissem Maße recht gegeben haben. Die zionistische Exekutive in London hat nun die Situation entsprechend erfaßt.und sich den wirklichen Forderungen der. Stunde angepaßt. Es bestünde darum kein Anlaß mehr, die gegnerische Stellung zu ihr ' weiterhin aufrechtzuerbalten. Dr. Margulies fordert jedoch auch von .den allgemeinen Zionisten, daß sie.unabhängig von ihrer, bisherigen Stellung die Lage weiterhin betrachten müßten und gegebenenfalls, wenn ein tatsächlicher Grund zu einer oppositionellen Haltung ein treten soHte, diese auch wirklich einmehmen müßten. Es wurde sodann mit der Stimmen der bisherigen Radikalen und der allgemeinen Zionisten gegen die der Revisionisten die folgende Resolution angenommen: «Das Laodeskomitee vertraut darauf, daß unsere Exekutive d-ie in wiederholten. Kundgebungen der letzten Wochen und den Beschlüssen, des Aktionskomitees, des Administrativkomitees der Jewish Agency und der venanwortHchen palästinensischen Instanzen formulierte Politik zäh und unnachgiebig führen und festfaatfen wird.» ’j. Angriff der Kommunisten auf Ponte /Lun Warschau, 1. Oktober. (J. T. A.) Eine von den rechten Poale Zion i<m iSkaJatheator veranstaltete Kundgebung aus Anlaß der Palästinaereignisse wurde von Kommunisten und'Bündig ten gestört. Nach der Versammlung wurden Poale Zionisten überfallen; 80 von ihnen vrurden erheblich verletzt, so n. a. Abraham Prazan, Leib Janin, Malkin, Mosche Altuski, Simcha Rosen, David Wenger. — Der linke Poale Zionist Jacob Markewicz, der bei einem Ueberfall der Kommunisten auf eine Versammlung seiner Partei schwer vorletzt worden war. ist seinen Verletzungen erlegen. Die linken Po**1'-' Zion nennen in einen) Aufruf die Komi.-iunlaten. „Freunde der arabischen P<.roiuuiMiitcr“.

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