Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1929-10-10 · Heft 95 (10.10.1929) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 95 (10.10.1929)
Date
1929-10-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3053805-3053847--1314-3056657
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Nf. 05 DIE STIMME Sette 7 Mas Sie suchen - finden Sie bei unsl Reichst® Auswahl In Pullovers, Wollwesten, Strümpfen, BQIIlhdfd Ml Handschuhen, Trlkotagen, Damen-, Herrenu. Kinder- ** ilHOlgC Mollier Keglet! spottbillig t wasche, Pyjamas, Leinenwaren, Berufsklelder eta En gros - en detail I*» RfiBiNITIlO 3 (Ecke Seltonetettengass® Israel Belkind Persönliche Erinnerungen von Df. E. M. Zweig, Jerusalem, Im Berliner Jüdischen Krankenhaus lat, 68 Jahre alt, Israel Beikind — der Gründer der Bilu — verschieden. Leicht liest man darüber hinweg und gar in dieser peinvolJen Zeit, da ja alle von dem Schrecken des Araberaufstandes erfüllt sind und mit gespanntem Grimm auf neue Hiobsposten aus Erez Israel horchen. Darum gibt es mir keine Ruhe, Beikinds Andenken einen kleinen Tribut der Verehrung zu weihen. Andere mögen seine Tate« beschreiben, die seinen Namen groß gemacht im jüdischen Volk für immerdar. War er ja doch der Vater jener Bilu, welche eineinhalb Jahrzehnte vor Henl die jüdische Studentenschaft an den russischen Hochschulen zum Pionierweerk nach Palästina aufrief, und war er doch selbst einer aus jenem ver sacrum, der ersten Siedlerschar, die ihre Werkzeuge segenbringend in dem verwüsteten Boden Alt-Neulands senkte. Als ich, damals ein frischgebackener Jusstudent an der Wiener Universität, Belkind kennen lernte, war der schon ein gereifter Vierziger. Die. Bodenbearbeitung Palästinas hatte er inzwischen geeigneteren Händen überlassen können, von jenen hunderten und tausenden Juden aus Osteuropa, die unter Aegide der Chowewe- Zion und mit Hilfe des «Wohltäters» in Paris den Spuren der Bilu nach Rischon und Katra, Sichron und Rechoboth gefolgt waren. Belkind hatte sich wieder auf seinen Beruf als Intelligenzler besonnen. Aus der bitteren Erfahrung heraus, daß auch die größte Begeisterung für die Pflege des Väterbodens nicht dis Schulung von jung auf in harter Arbeit und Fachkenntnissen ersetzen kann, faßte er den Plan, eine Musterschule für landwirtschaftliche Ausbildung jüdischer Kinder in Palästina zu gründen. Diesem hohen Ziel galt es, Freunde und vor allem Geld zu werben. Und da es daran in Palästina mehr fehlte als irgendwo, mußte Belkind stets wieder nach dem Galuth herüber, um aufzuklären, zu werben und zu sammeln.. Gern schloß er sich in Wien, das damals — viel mehr als heute — ein jüdisches Zentrum war und gleichsam die Brücke zwischen Palästina, Ost- und Westjuderitüm darstellte, dem kleinen, aber begeisterten Kreis der Zionisten an. Dieser rekrutierte sich hauptsächlich aus Hophschülern. Da empfand ich es als hohe Ehre, daß Belkind mir seine Broschüre «Kirjath Sefer», in der seine Leitidee ausgeführt war, anvertraute, damit ich sie aus einem holprigen Jüdisch-Deutsch in ein funkelnde« Hochdeutsch übertrage. Belkind umwitterte der Hauch des zionistischen Promachos. Er war uns der köstliche Beweis, daß jenes Erez Israel, von dem wir schwärmten, wirkliche, blutdurchpulste Wirklichkeit sei. So konnte er uns nicht genug von der Landnahme erzählen und wie die Bilu gelitten: unter Wassernot und Moskitostichen, durch wilde Tiere und Beduinen, und wie man unten den Weizen erntet und Weinlese hält. Dabei hatte er in seinem Aeußern wahrlich nichts von einem Heros. Von kleinem und gedrungenem Wuchs, ja mit einem sanften Bäuchlein behaftet, ein schmunzelndes Gesicht, in dem eine Plattnase saß, ein breiter Mund mit einem blonden Knebelbart darunter. Das Ganze in eine saloppe Kleidung gehüllt und an einen großen Regenschirm gehängt. Er verlangte auch gar keine Anbetung, sondern war uns Studenten herzlich dankbar, wenn er unsere Tafelrunde in der bewußten jüdischen Garküche, Alserstraße 7, teilen konnte und wenn wir; ihn an unseren Jugendstreichen als stlllbehaglichen Zuschauer teilnehmen ließen. Wie entzückten die Chahiz'lieder, die er uns mit seiner näselnden Stimme vortragen mußte, und beim Chanukkahfest weihte er uns gar in die Geheimnisse der palästinensischen Hora ein. Als wäre es heute, schwebt mir jener schöne Sommerabend vor, da wir zu viert nach einem singenden, klingenden Marsch durch den Wienerwald im Gartendes Stlft&kellers von Klosterneuburg Posten faßten. Zuckermann, unser lieber Hugo Zuckermann, der später als Barde -seiner beiden Lebensideale: Zion und Oesterreich, im Weltkrieg fiel, und meine Wenigkeit, hatten den teuflischen Plan ausgeheckt, den vornehmen Gast mit Strohwein unter den Tisch zu trinken, und Helena — unsere studentische Freundin au« Lodz — saß dabei und lächelte uns ermunternd zu, sooft wir Belkind ein neues Glas füllten. Doch d e r bewährte sich auch da als aufrechter Mann; der feurige Karmelwcln hatte ihn gestählt wider unsere Tücke. Als 1903 der Pogrom In Klschlnew wütete und vielel jüdischen Kindern ihre Eltern nahm, tauchte plötzlich Belkind ln der Stadt des Grauens auf, sammelte die hilflosen Waisen um sich und fühtte sie in abenteuerlicher Flucht Über die Grenzen des blutigen Zarenreichs, durch Galizien und Wien, Palästina zu, um Ihnen dort ln seiner Schule Kirjath Sefer ein Asyl, eine Lehr- und Heimstatt zu bieten, Diese tapfere Tat weckte die begeisterte Zustimmung der Zionisten ln aller Welt. Wir ln Oesterreich und vor allem In Wien wetteiferten, den Klschlnewer Waisen den Weg nach Efee zu bahnen, Erbittert warfen wir uns gegen den j Vorstand der «Israelitischen Kultusgemeinde», der nicht nur jede Hilfe weigerte, sondern noch durch seinen hartherzigen Präses, Dr. Alfred Stern, diesen «Kinderkreuzzug» als gewissenlose zionistische Mache zu verketzern suchte. In der «Welt» und den anderen zionistischen Blättern wurden die Spenden für die «Walsen von Kischinew» zur ständigen Rubrik und das Zionistische Aktionskomitee konnte an die Ausführung der Idee von Kirjath Sefer schreiten. Wegen des Schulbaues kam es in den folgenden Jahren zwischen Belkind und Architekt Marmorek, als dem Bevollmächtigten des A. C.» zu heftigen Auseinandersetzungen, deren Einzelheiten mir nicht mehr klar sind. Irgendwo in meinem Aktenwust zu Talpioth liegt eine ausführliche Darstellung Beikinds verwahrt, der mir über diesen Konflikt und manch anderen Streit aus den Tagen der Bilu und des Assimilatiönstreibens von Allianz und 1. C. A. in Palästina Aufklärung gab. Belkind war der großen und schwierigen Aufgabe, die er sich gestellt, kaum gewachsen; wohl auch nicht als Pädagoge, für d-° i er sich hielt. Die Liebe, mit der die Waisen an ihm hingen, konnte andere Mängel, so die fehlende Disziplin, nicht ersetzen. Jedenfalls hatte seine Schule keinen Bestand, ja, die Waisen litten schließlich große Not und die Mehrzahl von ihnen mußte das Land wieder verlassen, um irgendwo in der Welt ihr Fortkommen zu suchen. Belkind aber ließ nicht locker. Wie sehr ihn seine Idee beherrschte, mag ein Detail aus seinem Privatleben zeigen. Kein Jüngling mehr, war er in Palästina eine Ehe eingegangen, und als' ihr nun der erste Sohn entsproß, nannte er in Othniel — nach dem Namen Unser Schlager zu Reehesd der lautstark Hoffrryranunopifon Kassapreis S 65'— oder Anzahlung 3 IO*— und 12 Rate« k S 6‘80 mit eingebautem ^Iatteftbehälter für 8 bis 10 Schällpfatten u. einer doppelseitigen Schlagerplatte. Große Auswahl in jüdischen und hebräischen Aufnahmen. 1 Musikhaus Exzelsior Inhaber: Richard Herzog Wien, I., Adlergaese 5. Telephon R. 23-4-90 Wien, II., KI. Pfarrgasse 2Ö. Telephon A 41-6-24 jenes Helden, der unter Josua bei Erstürmung der Kanaaniter-Festung Kirjath Sefer den Siegespreis errang. Unermüdlich machte Belkind'neue Versuche, eine landwirtschaftliche Schule für Kinder ln Palästina zu schaffen. Sogar durch den Weltkrieg ließ er sich darin nicht beirren. Im Herbst 1914 trat er, auf Irgend einem Weg aus Palästina kommend, in meine Wiener Advokaturskanzlei ein — auf der Werbefahrt nach Amerika. Von ihm . zuerst erfuhr ich Näheres darüber, was in Palästina vorglng. Als österreichischer Patriot, der von den Heeren der Zentralmächte die Befreiung der Juden Rußlands erhoffte, mußte ich mit. recht gemischten Gefühlen anhören, daß der ganze. Jischuw — unter dem Joch Djemal Paschais seufzend — England als dem Herd der Zivilisation entgegenharre und den baldigen Einmarsch der Armee Allenbys ersehne — — — Nach dem Krieg traf ich ln Palästina — nunmehr sein Landesgenosse — feelfcind-wieder. Er. war stark gealtert und lebte* da ihm alle seine Gründungen gescheitert waren, in Tel-Awiw als schlichter Privatmann dahin. Aber noph immer leuchteten seine gütigen Augen auf, wenn er von seinen Jugendtaten erzählen konnte oder wenn er mir, dem alten. Freund, zuraunte, welche neuen Bodenkäufe sein berühmter Schwager Chankin für dCnNatlonalfonds oder sonst einen Juden gerade an Hand habe. Armer Belkind, von deinem Sterbelager schreokte dich der Feuerschein der brennenden Siedlungen unseres Jischuw auf. Die britischen, Befreier, auf die auch du gehofft, haben sich als schlechte Wächter gezeigt, Doch ruhe sanftl Wir bauen das alles bald und schöner wieder. Auch deihe Idee von Kirjath Sefer war kein eitler Traum. Sie Ist schob verkörpert ln Kfar Jeladim, dem Dorf der ukrainischen Pogromwalsen, und in der jüdäischert Kinderfarm Ben Schemen; und am Berge Tabor wird aus den voh dem Shanghaier Juden Kadoorie testierten Mitteln eine große landwirtschaftliche Schule erstehen. Israel Belkind, , du konntest beruhigt scheiden. Auch von dir sang Bialik jenes Trostlled an die Pioniere des Voflkee: «Genug — ein Anfang Ist gemacht!» frfkufi oin Wien, 2.. Saborsttaße Sa g>2e Rtense der Xdstuntts/tiAitffteK /Vir modfeme Zum Tode Israel Beikinds Der kleine Charter Anläßlich des von mir herausgegebenen Buches «Zeitgenossen über Herzl» habe ich auch Israel Belkind, als markante Persönlichkeit des alt-neuen Jischuv, zur Mitarbeit eingeladen. Belkind versprach gerne seine Mitarbeit, doch kam der im klassischen Hebräisch verfaßte Aufsatz verspätet an. Wohl gelang es dein Herausgeber noch, das Bild Beikinds auf der Einbanddecke unterzubringen, allein für den Beitrag .fand sich kein Raum. Einige Stellen aus diesem Beitrage mögen hier anläßlich des Todes Beikinds der Vergessenheit entrissen werden. . . . «auch in späteren Jahren hatte ich Gelegenheit, mit Theodor Herzl zusammenzukommen. So in der Angelegenheit der landwirtschaftlichen Schulen «Kirjath Sefer», deren Begründung ich meine Arbeit gewidmet hatte. Die Mitglieder des Aktionskomitees hatten Interesse für meinen Plan und Herzl selbst sagte mir: „Die Angelegenheit der zu begründenden landwirtschaftlichen Schulen in Palästina findet meine größte Beachtung, und wenn wir den Charter erlangen, werden wir das ganze Land mit diesen Schulen durchziehen; doch vorläufig müssen wir diese Angelegenheit der Privatinitiative überlassen. Gelingt sie, so §ind wir bereit, die Schulen zu subventionieren.” Und lächelnd meinte Herzl: „Sie wollen ja von mir den kleinen Charter, bevor ich noch den großen habe.” Ergreifend war der Besuch Herzls bei den von mir über Wien nach Palästina gebrachten Waisenkindern nach den Opfern des Kischinewer Pogroms.» Noch vor kurzer Zeit widmete Israel Belkind1 diese Worte dem Andenken Herzls, nun ist er selbst von uns gegangen, nach opfervoller, dem Wöhle seines Volkes gewidmeter Arbeit. Dr. T. Nussenblatt. Professor Dr. Edmund Jerusalem — 50 Jahre alt Obzwar Gg. Dr. Jerusalem die Feier seines fünfzigsten Geburtstages in aller Stille beging, ist es uns ein Erfordernis, ihm an dieser Stelle herzlichst zu gratulieren. Dr. Edmund Jerusalem, der Sohn des uns leider schon entrissenen großen Philosophen Dr. Wilhelm Jerusalem, ist einer der eifrigsten und tätigsten Vorkämpfer des Zionismus. Abseits von allen offiziellen Komitees entfaltet er seit Jahrzehnten eine ungemein emsige Arbeit für unsere Sache. Sein Haus ist ein zionistischer Sammelpunkt. Wer immer aus Palästina kommt, um hier eine Arbeit durchzuführen, klopft zuerst an seine Türe an und findet bei Dr. Jerusalem stets die beste Unterstützung, ln den BB-Logen, im Herzl-Ciub, in kleineren Zirkeln wirkt Dr. Jerusalem unermüdlich für die jüdische Sache. Stets ist es der Geist der Versöhnlichkeit, des Verstehens und die Gabe des Fördern«, die ihn befähigen, im Sinne einer idealen Auffassung des Zionismus zu wirken. Deshalb sind alle Zionisten, ohne Unterschied der Parteifarbe, einig in der Hoohschätzung seiner Persönlichkeit. Wir freuen uns, dieser Hochschätzung aus dem Anlasse seines fünfzigsten Geburtstages öffentlich Ausdruck geben zu können. Hans Herzl erklärt sich bereit, für Palästina zu kämpfen Wie aus Jerusalem mitgeteilt wird, richtete Hans Herzl einen Brief an die Zionistische Exekutive, in dem er sich bereit erklärt, nach Palästina. zu kommen und in die Reihen der Verteidi. ger unserer Positionen zu treten. Nach dem bisherigen Verhalten des einzigen Erben unseres großen Führers ist es jedenfalls ein erfreulicher Beweis einer Umkehr, die diesmal vielleicht yoh Dauer sein wird. Technische Reform im trans jordanischer Grenzschutzkorps Das Kommando des transjordanischon Grenzschutzkorps beabsichtigt, in nächster Zeit eine wesentliche technische Neuerung einzuführen. Die Pferde des Korps sollen zwecks Erreichung eines höheren Wirkungsgrades der Streitkräfte durch Automobile ersetzt werden. Zunächst sollen BO jüdische Chauffeure aus Jerusalem als Militürohaufeure im Korps eingestellt werden, •<

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.