Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 94 (3.10.1929)
- Date
- 1929-10-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 94 DIB STIMMB Seite 11 Hilfsaktion der Israelitischen Kultus gemein de für die Opfer des Äraberaufstandes in Palästina. Bei der letzten Plenarsitzung des Kultusvorstandes referierte Vizepräsident Dr. Josef Loewenherz Ober die Aktion des Präsidiums zugunsten der jüdischen Opfer ln Palästina. Wie wir bereits in der «Stimme» mitgeteilt haben, fand am 5. September über Einladung des Präsidiums eine gemeinsame Sitzung statt, an der die Vertreter aller großen jüdischen Vereinigungen Wiens, und zwar des Zionistischen Landeskomitees, der Israelitischen Allianz, der Union deütsChösterreichischer Juden, des Verbandes der Bnei Brith, der Landesorganisation der Misrachi, des Verbandes sozialistischer Juden und der Vereinigung werktätiger Juden sowie der Agudah teilnahmen. Mit Ausnahme der Agudah haben alle diese Körperschaften der Zentralisierung dieser Aktion zugestimmt und es haben sich die Vertreter als «Zentralhilfskomitee» konstituiert, welches zunächst ein Exekutiv-Komitee wählte. Von diesem Exekutiv-Komitee wurde ein Aufruf genehmigt, der sowohl durch die Presse, als auch durch Versendung an sämtliche Kuitussteuerträger der Gemeinde weiteste Verbreitung gefunden hat. Es wurden überdies an sämtliche Mitglieder des Kultusvorstandes, der Bethausvorstände, der Bezirkskommissionen und der Branchenkommissionen Sammelbogen ausgegeben. Die Aktion hat bisher den Erfolg gehabt, daß an der Kassa der Kultusgemeinde als Einzahlungsstelle des Zentralhilfskomitees bis zum heutigen Tage ca. $ 40.000.— eingelangt sind; die Israelitische Allianz widmete für diesen Zweck den Betrag von S 10.000.—. Das Sammelergebnis der Neuen Freien Presse macht ca. S 14.000.—, sowie die Sammlung des Zionistischen Landeskomitees und der «Stimme» ca. S 15.000.— aus. Die Plenarsitzung beschloß, sich an dieser Aktion mit dem Beträge von S 10.000.-^ zu beteiligen. Dieses überaus günstige Ergebnis der Sammelaktion der österreichischen Juden für Palästina wurde mit Genugtuung von der Plenarsitzung zur Kenntnis gehommen. Spenden für die Opfer in Erez Israel V. Ausweis für die Opfer in Ere.z Jsrael. Dr. Josef Singer S 20.—; Sammlung Touristik- und Ski-Klub «Hakoah», Jugendgruppe S 29.—, Richard Gausler, Leopold Pollak, Hugo Kohn je S 20.—-, Ing. Ernst Kraus, M. Schold, Robert Gutwillig je S 10, Ferry Fixei, Paul Wertheimer, Fritz Prinz, Martha Wix, Leo Eisner, Julius Schlessinger, Hansi Hilfreich, Nelly Mückenbrun, Ernst Grob, Rosl Steinlmann, Ernst Gerstenfeld, Hugo Hartenstein, Trude Rix, Reserl Kopetzay, Gina Klawier, Grete Rosenberg je S 5.—, diverse S 5.—, zusammen S 204.—; Sammlung Heinrich und Schaul Kessler: Georg Stein S 20.—, Julie Kessler S 10.—, R. Zinner, N. N., Georg Lichtmann, Isidor Löwy, Richard Fuchs je S' 5.—, zusammen S 55.—; Sammlung Sektion IV/V: Betty und Gisela Weiß S 30.—, Emanuel Straußler S 20.—, Oswald Weiß S 500.—, zusammen S 550.—; Sammlung Stella Hochstim, Sektion IV/V: Salomea Rottenberg S 50'.—, Sigmund Feigelstock, Norbert Hochstim, Julius Hochstim je S 20., Martin Hochstim S 10.—, zusammen S 120.—; Dr. Oskar Blumenfeld 8 Dollar; Sammlung Ingenieur S. Nadel Mngeniöur S Nadel S 15.—, N. N. S 10.»—, .zusammen S 25:—; Taub und Gold S 10.—; Tropp Hermann RM. 60.—, Fr. Tal-Bursen Johanna S 10.—; durch die «Stimme»: Dr. K. Karpelesz S 10.—, Salomon Schwimme. S 10.—, zusammen S 20.—; Dr. Geier und- Fr. Lisa S 25*—; Zion-Sektion Prater: Sammlung Max Ladenheim S 51.—; Sektion Prater, Sammlung Gerstel: Markus Finkei,, Hermann Süßmann je S 5.—, N. N. u. Blind je S 2.—, zusammen S 14:—,. Summe. S 1104.—. Bisher ausgewiesen S 15.124.50, «Zion. Mädchenvereinigung Mirjam»: Vorläufiges Ergebnis der Sammlung für «Kfar jeladim» S 2000.—, Dollar 5.—. Spezifikation folgt. Linz: Weiterer Ausweis über die Spenden für die notleidenden Opfer 'in Palästina. Je S 5.—: Siegmund Margulies, Philippine Kraus, Elsa Süß, Bad Ischl, Ungenannt; S 8.—; Dr. Bruno Sonnenschein, Bad Ischl. Je S 10.—: Bernhard Pick, Thoroasreith, Walter Eichner, Hans Fürnberg. S 15.—: Heinrich Freund* Je S 20.—: Julius Stern, Arthur Eisenberg. S 30.—: Dr. Max Rabl. Je S 100.—: Robert Werner, Alois Spitz. Summe: S 343.—. Bisheriges Ergebnis: $ 2076.—; zusammen S 2419.—. Spenden werden im Sekretariat der Kultusgemeinde Linz, Bethlehemstraße Nr. 26 ontgegengenommen. Generalversammlung der «Hkiachduvh. Die diesjährige Generalversammlung der «Hltachduth» fand am Samstag den 28. v. M. abends unter starker Beteiligung, speziell der Jugend, statt. Ueber die jetzige Lage im Zionismus referierte ausführlich Chaser Paul Weinreb. Sonach erstattete Chaser Dr. Tartakower einen Bericht über die in Zürich letzhin stattgefundene Weltkonferenz der «Hitachduth». Chaser Jehuda Meilen hielt ein sehr instruktives Referat über die Ziele und Wege der Gordonia-Jugendbewegung. Ueber das abgelaufene Arbeitsjahr der Wiener «Hitachduth» berichtete namens des Waad Chaser Pinkaa Silberherz. Den Referaten folgte eine auf hohem Niveau stehende Diskussion, die bis ln die späten Abendstunden dauerte, wonach Wahlen in den neuen Waad stattfanden. Der Generalversammlung wohnte namens des Zionistischen Landeskomitees Gg. Dr. Finkeistein bei, der eine sehr interessante, vom Ernste der Lage im Zionismus durchwehte Ansprache hielt. In den Waad wurden folgende Chawerins gewählt: Birnbaum, Bloch, Dr. uelbard, Ha’ber, Hauser, Henisch, Kanrter, Kahn, Mellen, Rottenberg, Silberherz,.Dr. Steinberg, Dr. Tartakower und Weinreb. Generalversammlung der Zionistischen Sektion Brigittenau Bei der letzten Generalversammlung wurde nach den Berichten, die Dr. Finkeistein, Picker, Weintraub Zipper, Klein, Löw und Trompeter über die Tätigkeit im verflossenen Arbeitsjahr erstattet haben, ein neuer Ausschuß gewählt. Zum Präsidenten wurde einstimmig Herr Emil Nimhäuser, zu seinem Stellvertreter Herr Salomon Picker, zum Schriftführer Herr Salomon Weintraub, zum Kassier Herr Michael Zipper gewählt. |n Anerkennung der Verdienste um die Sektion wurde Herrn Löbl Taubes die Würde eines Ehrenpräsidenten verliehen. Der Vorsitzende gedachte auch des verstorbenen Mitgliedes Berl Waldmann, dessen Bild zum ewigen Gedächtnis im Vereinslokal angebracht wurde. Die Generalversammlung sprach schließlich dem zurücktretenden Obmann Dr. Finkeistein den Dank für seine ersprießlichen Leistungen im Interesse der Sektion, die auch durch die Eintragung ins Goldene Buch des J. N. eine Würdigung erfahren hat. In den Ausschuß wurde auch eine Reihe erprobter Gesinnungsgenossen gewählt. Professor Grünhut gestorben Karl Samuel Gnimhart, der im Alter von 86 Jahren gestorben ist, gehörte zu den hervorragendst an Rechtslehreim von Weltruf. Seine wissenschaftliche Arbeit ist unvergleichlich.. Neben dem gigantischen zweibändigen «Wechselrechte» zählt als bedeutsames Werk «Das Recht des Kommissionshandels» (Wien, 1879), das in der Literatur einstimmig als Mieisterleistumg anerkannt ist. Von seinen sonstigen Werken sind zu nennen: «Die Lehren von der Wechselibewegung nach Verfall» (Wien, 1871), «Das Enteignungsrecht» (1873) und «Lehrbuch de9 Wechselrecbts» (1900), dem der «Grundriß des Wechselrechts» (2. Aull. 1903) vorausgtng. Grünhut war außer seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ein universell gebildeter, vornehmer Mensch, der im Gegensatz zu den allzu vielen Täuflingen an der Wiener Universität sein Judentum nicht verleu.gnete. Als aufrechter Jude bekundete er auch bei wiederholten Anlässen das Interesse für jüdische Angelegenheiten und hatte auch vielfach Beziehungen mit führenden zionistischen Persönlichkeiten, bei denen er den jüdischen Stolz auch öffentlich mit Anerkennung hervorhob. Aus aller Welt Die rumänische Regierung bestraft schuldige Beamte. Bukarest, 27. September. (J. T. A.) Unterstaatssekretär Joanizescu hat v. egen der vorgekommenen antisemitischen Studentenexzesse auf den Bukowinaer Eisenbahnen verfügt; die Plutoniere Macovei und Justin Boleanu werden suspendiert und gerichtlich zur Verantwortung gezogen; ebenso der Hauptmann der Gendarmerie Radulescu und der Wachtmeister Jabot. Das Justizministerium hat ^uch strengste Bestrafung einer Reihe von Zivilpersonen angeordnet.. .... Neuer Kurs in Litauen? Kowno, 26. September. (J. T. A.) Der litauische Innenminister Musteiks hat die Auflösung der antisemitisch-faschistischen Organisation «Eiserner Wolf» verfügt. Der «Eiserne Wolf», die festeste Stütze des früheren Ministerpräsidenten Woldemaras, ist diejenige Organisation, die die große Reihe antisemitischer Exzesse in Kowno uncf in den Provinzstädten veranstaltet hat. Dr. Viktor Jacobson 60 Jalro Berlin, 25. September. (J. T. A.) Dr. Viktor Jacobson, der Leiter des Bureaus der Zionistischen Weltorganisation in Genf, ein Führer der internationalen und Völkerbundpolitik der zionistischen Bewegung, vollendet in diesen Tagen sein 60. Lebensjahr. Maxim Gorki beschuldigt die Sowjetregierung Moskau, 27. September. (J. T. A.) Ungeheuren Eindruck machte auf die führenden Moskauer Kreise ein Artikel Maxim Gorkis in der «Prawda», in welchem er gegen die Sowjetregierung die Beschuldigung erhebt, daß sie den Kampf gegen den Antisemitismus nur in oberflächlicher Form führt. Der Eindruck der Palästinaereignisse in Italien Rom, 23. September. (J. T. A.) Die tragischen Ereignisse in Palästina haben die italienische Judenheit tief bewegt. In den Synagogen aller italienischen Städte wurden Trauer- und Gedenkgottesdienste für die jüdischen Märtyrer abgehalten; 3000 Pfund wurden für das Hilfswerk fn Palästina gesammelt. American Jewish Congress wünscht eine Weltkonferenz New York, 24. September. (J. T. A.) Der American Jewish Congress hat in einer von. 250 . Vertretern besuchten Konferenz einen Entschluß gefaßt, die Jewish Agency aufzufordern, eine Weltkonferenz des Judentums einzuberufen, die sich mit der Lage Palästinas befassen und die Palästina-Judenheit in ihrem Werke ermutigen soll. Eine Wirkwarenfabrik in Tel-Aviv abgebrannt Jerusalem, 28. September. (J. T. A.) Tel-Aviv erlebte heute das größte, Schadenfeuer seit dem Bestehen der Stadt. Ein von einem elektrischen Motor abspringender Funke verursachte einen Brand in der Webereiabteilung der «Lqd?ia»-Fabrik. Die Weberei brannte vollständig ab, der Schaden beträgt 15.000 Pfund. Polen kauft die Tabakemte Warschau, 26. September. (J. T. A.) Durch Vermittlung des polnischen Handelsattaches in Palästina, Dr. Hausner, ist zwischen dem Präsidenten des Syndikats der Tabakpflanzer in Palästina, Barsiiai, und der Direktoin des polnischen Tabakmonopols ein Vertrag unterschrieben worden, demzufolge die polnische Regierung die gesamte diesjährige Tabakernte in Obergaliläa (50.000 Kilo für 8000 Pfund) erworben hat. Der jüdische Hochschüler Fort mit dem Numerus clausus in Ungarn! '> Unter der Ueberschrift «Fort mit dem Numerus clausus» schreibt «Fester Lloyd» u. a.: Erstaunlich ist bloß, daß er noch besteht, dieser unglückselige Numerus clausus, der Ungarns guten Ruf im Auslande geschädigt hat und noch immer schädigt. Welche Kräfte sind am Werke, um den Numerus clausus noch bestehen zu lassen, den kein Staatsmann von Rang und Ansehen, kein Politiker von Einfluß und Wert und kein Bürger von Einsicht und Erfahrung billigen kann. Daß man an den maßgebenden Stellen die Nutzlosigkeit, ja Nichtsnutzigkeit dieser Maßnahmen längst einsah, beweist nichts deutlicher als daß seit Jahr und Tag herumgedoktert wird, um die Wirkungen des Numerus clausus einzuschränken, und daß der Ünterrichtsminister immer wieder Verfügungen trifft, um die Ungerechtigkeiten zu beseitigen oder doch zu mildern. Der Numerus clausus in Polen Warschau, 27. September (J. T. A.). Der Klub der jüdischen Deputierten und Senatoren hat durch seinen Vorsitzenden Abgeordneten J. Grünbaum dem Unterrichtsminister ein Memorandum überreicht, in welchem darauf hingewiesen wird, daß von den 280 jüdischen Studierenden, die sich dem Qualifikationsexamen an der medizinischen Fakultät der Warschauer Universität unterzogen haben, bloß 25 aufgenommen wurden. Diese Fakultät, heißt es in dem Memorandum, wendet den ungesetzlichen, aber doch von ihr praktizierten Numerus clausus in einer Weise an, daß immer nur 10 Prozent der sich meldenden jüdischen Kandidaten aufgenommen werden. Der Minister wird ersucht, eine Verordnung zu erlassen, daß das den Juden zugefügte Unrecht in einer unzweideutigen Weise gutgemacht wird und daß in Zukunft die Anwendung irgend einer Prozentnorm gegenüber jüdischen Studierenden wegfällt. Israel Beikind gestorben Berlin. 13. September. (J. T. A.) Im Alter-von 09 Jahren starb hier der Veteran der zionistischen Bewegatn/T r.ns der Bilu-Zeit, Israel Belkind. ln den neunziger Jahren des vorig« Jahrhunderts besetzte sich der Verstorbene in Palästina, wo er sich an der Gründung einet Reihe von Kolonien, u. *, Rischen le Zion, beteiligt hat. Ursprünglich Landarbeiter, widmete er sich später hauptsächlich der pädagogteoben Tätigkeit Nach dem Kisch inewer Pogrom kn Jahre 1903 Übenftlhrte er die Waisenkinder nach Palästina und gründete für sie eine Siedlung, Er betätigte sich ouoh wissenschaftlich auf dem Gebiet* der Palästinographie und oftgiemeinen Geschichte. Der Tod ereilte ihn auf einer Weltreise durch Amerika / und Europa im Interesse Palästinas. III■ v*