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Die Stimme · 1929-10-03 · Heft 94 (3.10.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 94 (3.10.1929)
Date
1929-10-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DK SUMME Nr. 94 Die Hohen Feiertage — dem Keren Kajemeth PalSstinabrief Von J. G—r (Jerusalem). Die arabische Exekutive und die ihr zu Diensten stehende arabische Presse setzen ungestört ihre skrupellose Hetzpropaganda gegen die Juden fort. Ihr Zweck ist nicht nur die Stärkung der Boykottbewegung gegen die jüdischen Kaufleute, die voraussichtlich nicht allzu lange dauern wird. Ihr Hauptziel ist derzeit die Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch einen Schwall der gemeinsten, haarsträubendsten Verleumdungen. Seit kurzem erscheint in Jaffa eine englische Wochenausgabe der arabischen Tageszeitung «Felestin», welche in erster Linie zur «Aufklärung» der Engländer über die wahren Gründe und Ursachen der palästinensischen Unruhen dienen, und so «Material» für die in den nächsten Tagen hier eintreffende Untersuchungskommission der englischen Regierung liefern soll. Anschuldigungen, wie sie das ärgste antisemitische Schmutzblatt in Europa niemals zu erheben gewagt hätte, füllen diese Wochenschrift. Willkommenes Material bietet natürlich das traurigste Blatt in der Geschichte des 24. August, die Frage der Märtyrer von Hebron: Sind die jüdischen Opfer nur getötet, oder sind sie in den verschiedensten Fällen in grausamer Weise verstümmelt worden? Vielen mag es als ein Fehler erscheinen, daß von jüdischer Seite so nachdrücklich die Exhumierung der jüdischen Toten von Hebron verlangt wurde. Bekanntlich wurden die Leichen, die fast drei Wochen in der Erde gelegen hatten, in einem solchen Zustand der Verwesung gefunden, daß die jüdischen Aerzte jede weitere Untersuchung für zwecklos erklären mußten, nachdem nur etwa 20 Leichen exhumiert worden waren. Und das Resultat ist ein Triumphgeschrei der arabischen Presse: «No atrocities, no Mutilation at Hebron!» (Keine Grausamkeit, keine Verstümmelung in Hebron) War denn diese ganze unerquickliche Untersuchung überhaupt notwendig? Hunderte von Zeugen aus der Mitte der Ueberlebenden können schreckliche Grausamkeitsakte, begangen von entmenschten Unholden in Hebron, beschwören. Schwere Verstümmelungen sind bei einer Reihe der Verwundeten im Hospital in Jerusalem konstatiert. Das ist ein genügendes Zeugnis. Und es ist vollkommen klar, daß der 24. August als einer der blutigsten. Schreckenstage nicht nur in der Geschichte des jüdischen Palästina verschrieben bleiben wird. Aber in der Nummer des 21. September des «Felestiri» wagt das Schmutzblatt der arabischen Exekutive diei wahnwitzige Anschuldigung: «Die klugen Köpfe der Jev/ish Agency wollen; jedes Mittel ausiiutzen; auch Unruhen und Blutver-; gießen. Heute benützen sie die Unruhen, welche;; sie durch die frechen und wahnsinnigen Be-' Schlüsse auf ihrem Kongreß in Zürich verursachthaben,.um mehr Geld, für ihre Zwecke,, wie Hilfs-J fonds. u. dgl. zu erlangen, und nachdem die' Unruhen zur Sammlung unermeßlicher Summen ausgenützt haben, konzentrieren sie jetzt ihre Tätigkeit auf die politische Ausbeutung der Ereignisse ...» Das ist ebenso wahnwitzig, wie die Behauptung absurd ist, daß die Juden in Hebron die amerikanischen Schüler der Jeschiwah selbst ermordet haben, um dadurch die öffentliche Meinung Amerikas gegen die Araber zu erregen» ... Diese Verleumdungen werden aber gewiß ihren Zweck nicht erreichen und England wird schließlich doch wissen, was es davon zu halten hat. 'Die Ruhe im Lande ist äußerlich wenigstens seit längerer Zeit bereits fast im ganzen Lande hergestellt. Aber es ist wohl jedem, der das Land kennt, klar gewesen, daß wir noch einige Zeit unsere Posten auf Wache halten müssen. Das Räubergesindel diesseits und jenseits des Jordans hat durch erfolgreiche Plünderungen zu viel Appetit bekommen. Besonders im Jordangürtel sind räuberische Ueberfälle noch auf der Tagesordnung. MiMtärposten und Polizei kommen zwar, wenn sie benachrichtigt werden; aber in den meisten Fällen kommen sie zu spät und es bleibt für sie nur die mehr oder minder erfolgreiche Verfolgung der Räuber und dae Abnahme eines Teiles der Beute. Besonders schwer ist die Lage der Kolonien Obergaliläas im Jordangürtel. Vor wenigen Tagen ist wieder die Kolonie Mischmar Hajarden überfallen worden. Maultiere und Schafe wurden gestohlen. Die Bewohner, die waffenlos sind und denen die Regierung keine Schußwaffen geben wollte, haben die Räuber schließlich mit Brandfackeln, verscheucht. Die Ueberfälle bedeuten für die Beduinen leichte und in den meisten Fällen ganz ungefährliche Arbeit. Sie holen sich ihre Beute, und ziehen sich dann auf die andere Seite des Jordans zurück, wo sie mit dem Raube in Sicherheit sind. Das sind Dinge, die von heute auf morgen nicht geändert werden können. Es ist unmöglich, an jedem Punkte Militärposten und Polizei zu placieren, and da hilft nur eines: den Siedlern und Arbeitern in »amtlichen isolierten Punkten die Möglichkeit zur Selbstverteidigung zu geben. Erst dann werden die räuberischen Ueberfälle immer seltener werden. Jaden! Die Führer des Erez Israel-Judentums haben sich an den Kongreß mit einer Mahnung gewandt, die unter anderem folgendes enthält: „In der Praxis schrumpfen die Möglichkeiten zum Bodenerwerb von Tag zu Tag zusammen. Vor unseren Augen erstehen schwere Konkurrenten, die Konkurrenz aus geschäftlichen oder politischen Motiven heraus treiben- Ihre Bedürfnisse sind kleiner, aber ihre Mittel sind größer als die unsrigen, und wenn wir uns nicht unter Anspannung aller Kräfte beeilen zu erwerben, was noch zu erwerben ist, so sind wir verloren.“ Prof. Weizmann hat auf dem Kongreß in Zürich erklärt: „Es besteht kein Zweifel, daß vielleicht eine der g r ö ß t e n und wichtigsten Fragen, die heute vor uns stehen, de r Aufbaueiner Ruthenfoerg, Dlzengoff und Bytkowski in den Waad Leumi kooptiert Jerusalem, 26. September. (J. T. A.) Der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat Palästinas) hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, den Leiter der Palestine Electric Corporation, Ingenieur Ruthenberg, den Bürgermeister von Tel-Aviv Dizengoff und den Führer der Kolonisten von.Chederah Bytkowski in den Rat zu kooptieren. •Zusammentreten der parlamentarischen Untersuchungskommission London, 24. September. (J. T. A.) Die ‘britische parlamentarische Untersuchungskommission für Palästina, die sich aus dem Konservativen Sir John Betterton, dem Liberalen Morris und dem Arbeiterparteiler Snell, sowie dem Sekretär im Kolonienministerium Lloyd zusammensetzt, hielt heute im Hause des britischen Kolonialamtes ihre erste Sitzung ab, in der beschlossen wurde, daß s;~h die Kommission am 3. Otkober nach Palästina begeben soll. Diese erste Beratung beschränkte sich auf die Erörterung der Methoden des" Verfahrens. Man einigte sich auf die folgende Prozedur: Britische Beamte in Palästina sammeln und sichten das Beweismaterial und legen es der Kommission bei ihrer Ankunft in Jerusalem vor. Sobald die Kommission dieses erste Material geprüft haben wird, wird sie : dazu übergehen, Beweismaterial sowohl aus jüdischen als auch aus arabischen Quellen entgegenzunehmen. Die Sitzungen der Kommission werden nicht öffentlich sein, aber sie wird von Zeit zu Zeit Kommuniques veröffentlichen. Begegnung zwischen Weizmann und Lloyd George London, 28. September. (J. T. A.) Professor Chahn Weizmann hatte gestern eine Zusammenkunft mit Lloyd George und erörterte mit ihm die durch die jüngsten Unruhen in Palästina geschaffene Lage. König Fuads Sympathie für Palästina Kairo, 27. September. (J. T. A.) König Fuad von Aegypten empfing den Oberrabbiner von Aegypten Haim Nahum Effendi in Audienz, die 50 Minuten währte. Der König »besprach mit dem Oberrabbinei die Ereignisse in Palästina, äußerte Interesse für das jüdische Aufbauwerk, das allen Einwohnern des Landes zugute kommt und gab seiner Sympathie flu das Judentum Palästinas Ausdruck. Kundgebung des Londoner Gewerkschaftsrates London, 26. September. (J. T. A.) Der Londoner Gewerkschaftsrat, der mehr als 200.000 organisierte Arbeiter vertritt, faßte in seiner letzten Sitzung einen Beschluß, in welchem die tietste Entrüstu ig über die blutigen Angriffe auf die Juden Palästinas durch einen vom High-Commissionär als «bVitriürsrige Verbrecher» charakterisierten Pöbel ausgedrückt und der Arbeiterföderation in Palästina der Gruß brüderlicher Sympathie gesandt wird. Die Boykottpropaganda Der Gouverneur von Jerusalem Miajor Keith Roach lud eine Abordnung der moslemitischen Kaufmannschaft Jerusalems zu sich ein und teilte ihr mti, daß die jüdische Kaufmannschaft die Initiative zur Aufhebung des gegenseitigen arabisch-türkischen Boykotts ergriffen und den Text zu einer Proklamation formuliert hat, die von den jüdischen und arabischen Kaufleuten erlassen werden soll und in der an die Bevölkerung appelliert wird, den Boykottparolen nicht zu folgen und die Freiheit des Handels zu unterstützen. Die moslemitischen Kaufleute lehnten es ab, die Proklamation Ihrerseits zu unterzeichnen. Die Leiter der palästinensischen Banken haben eine Beratung abgehalten, in der die Gefahren des | Landreserve und die Abrundung unseres Besitzes ist und besonders die Ansiedlung derjenigen Arbeiter, die schon seit vielen Jahren leben und denen es ein Lebensziel geworden ist, sich so bald als möglich anzusiedeln.“ Eine tiefe Unruhe geht durch unsere Reihen: Der für unsere Zukunft unentbehrliche Boden droht uns für alle Zeiten entrissen zu werden ... Juden, denket mit allem Ernste an die Gefahr und spendet bei der Thora für den Keren Kajemethi Zionisten! Ihr seid in erster Linie für unser Werk verantwortlich. Veranlasset alle zur Thora Aufgerufenen, daß sie des KerenKajem e t h gedenken. Landeskommission des Keren Kajemeth- Dr. Chaim Taratakower. Adolf Böhm. Boykotts für die allgemeine Wirtschaftslage Palästinas besprochen wurden. Für den Fall, daß der Boykott nicht bald aufhört, besteht die Entschlossenheit, mit einer Krediteinschränkung gegen jene Kreise; vorzugehen, die am Boykott festhalten. Arabische Agitatoren führen die Boykott-Propaganda gegen Juden ungehemmt fort. Die Moslemitisch- Christliche Gesellschaft hielt in Jaffa eins Sitzung ab, in der Pläne eines allgemeinen Boykotts der Juden in Zusammenarbeit mit der arabischen Handelskammer erörtert wurden. Zahlreiche moslemitische und christliche Ladeninhaber in Jaffa haben beschlossen, dem Beispiel der Araber in Haifa zu folgen und von dem Ruthenbergwerke keinen Strom mehr zu beziehen. An der arabischen Boykottbewegung nehmen auch arabische Regierungsbeamte aktiv teil. In Zirkularen, die unter den Arabern verbreitet werden, heißt es: «Kauft nicht bei Juden, aber verkauft den Juden alles mit Ausnahme von Boden!» Es werden Legenden verbreitet, wonach die Juden in Schokolade und Obst, die sie den Arabern verkaufen, Gift gesteckt haben. Die Regierung in Jerusalem gab der Polizei strikte Order, dieser Propaganda entgegenzuwirken. Große Worte — kleine Wirkungen Die arabischen Zeitungen teilen mit, daß von moslemitischen Vereinigungen in Bombay, Kalkutta, Punjub und Delhi telegraphische Kundgebungen bei den Jerusalemer Moslemiten eingetroffen sind, in denen die Solidarität mit den Moslemiten Palästinas zum Ausdruck gebracht wird. Aus arabischer Quelle wird ferner mitgeteilt, daß der berühmte Führer der indischen Nationalbewegung Ghandi dem Vizekönig von Indien mitgeteilt hat, seine Partei sei bereit, 20.000 Inder nach Palästina zum Schutze der moslemitischen Heiligen Stätten zu entsenden. Die arabische Propaganda in den Palästina benachbarten Ländern scheint im Abflauen begriffen zu sein. In Damaskus z. B., wo in den Tagen der palästinensischen Unruhen Massendemonstrationen für die Araber in Palästina .stattgefunden hatten, wurde bis heute für den Fonds zugunsten der palästinensischen Araber im Ganzen ein Pfund aufgebracht. (J. T. A.) Es gibt auch Freundschaft Drei Araber aus Hebron, die unter Gefahr des eigenen Lebens 14 Juden, unter ihnen Rabbi Frank, während der Massakers in ihren Häusern verborgen hielten, waren einige Tage lang Gäste der jüdischen Stadt Tel Aviv. Die großen jüdischen Organisationen Tel Avivs haben die drei heldenhaften Araber durch besondere Delegationen begrüßt. Die drei Hebroner Araber erzählen, daß sie schweren Bedrohungen seitens anderer Hebroher Araber wegen ihres freundschaftlichen Verhaltens gegenüber den Juden ausgesetzt sind. 150 jüdische Kolonisten aus Petach Tikwah und anderen jüdischen Kolonien hatten sich als Gäste zur Hochzeit eines Neffen des Schaichs Abu Kishek eingefunden. Zu Ehren der Gäste wurden besondere Beduinentänze arrangiert. Es wurden hebräische und arabische Lieder'gesungen. (J. T. A.) Usslschkin in Palästina Jerusalem, 27. September. (J. T. A.) M. M. Ussischkin, der Leiter des Jüdischen Nationalfond», ist nach mehrmonatiger Abwesenheit nach Jerusalem zurlickgekehrt. Dr. Weisl geht der Genesung entgegen Jerusalem, 28. September. (J, T. A.) Der Zu stand von Dr. Wolfgang Weisl hat sich in den letz* ten Tagen wesentlich gebessert. Er ist außer Gefahr und geht seiner völligen Genesung entgegen» Justin Godard in Palästina Jerusalem, 28. September. (J. T. A.) Der Präsident der französischen Gesellschaft Pro Palästina und 'bekannte Vorkämpfer für Menschenrechte In Frankreich, Professor Justin Godard, ist soeben in Jerusalem eingetroffen. TirfMMT ■riü isfflaa BhwIriiiBiwtrtwwWfrTr

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