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Die Stimme · 1929-10-03 · Heft 94 (3.10.1929) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 94 (3.10.1929)
Date
1929-10-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Satte 4 ME STIMME Nf. 94 die Jewteh Agency einzutreten, während die Revisionisten auf ihrem ablehnenden Standpunkt bis zum heutigen Tage verharren. Inzwischen fanden die Wahlen der nichtzionistischen Delegierten für die Agency statt, an denen die Judenheit von 26 Ländern mit Begeisterung teilgenommen haben. Abgelehnt haben nur vereinzelte Gruppen, wie der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und die Agudas Jisroel, die auf ihrem Mitte September in Wien abgehaltenen zweiten Kongreß den inappellablen Beschluß des Rabbinischen Rates verkünden ließ, wonach der Beitritt der Aguda an die völlige Aufgabe der kulturellen Tätigkeit der Agency geknüpft werden soll, ein Beschluß, der natürlich mit der Ablehnung gleichbedeutend ist. Am 29. Juli, am 25. Todestag Theodor Herzls, trat in Zürich der 16. Zionistenkongreß zusammen, der in zweiwöchiger rastloser Arbeit die endgültigen Unterlagen zur Schaffung der Jewish Agency vorbereitet, die zionistischen Delegierten bestimmt, die Frage des Schulwerkes in einer, alle Gruppen befriedigenden Weise gelöst und das Jahresbudget der Palästinaarbeit mit 750.000 Pfund beschlossen hat. (Die Einnahmen des Keren Hajessod betrugen in der Jahresperiode April 1928—März 1929: 417.000 Pfund.) Am 12. August wurde der 16. Zionistenkongreß geschlossen. Am selben Nachmittag hat Präsident Dr. Weizmann die Tagung des Rates der JewishAgency unter ungeheurem Jubel von 224 Delegierten, von denen die Hälfte aus Nichtzionisten bestand, eröffnet. Der Rat, der Louis Marshall zu seinem Vorsitzenden wählte, bestätigte die vom Zionistenkongreß endgültig redigierte Konstitution der Agency und das vorgesehene Jahresbudget. Wer hätte damals gedacht, daß der Führer Loisl Marshall, der sich in Zürich noch mit jugendlicher Hingabe der großen Sache widmete, nach wenigen Tagen ins Grab sinken würde. Sein Andenken werde zum Segen für Volk und Heimat! Leider haben einige Tage später die bekannten blutigen Vorfälle in Palästina die Freude über die Schaffung des jüdischen Einheiteparlaments in tieftrauriger Weise gestört. Diese Vorgänge haben aber nicht nur den Heldenmut unserer Siedler, ihre Unerschrockenheit und Unentwegtheit bewiesen, sie zeigten auch die Einigkeit des jüdischen Volkes in der Diaspora, die nicht gewillt ist, die bedrängten Brüder im Stich zu lassen und auf das große Werk in Erez Jisrael zu verzichten. Die in der ganzen Welt eingeleitete Sammlung hat für die Hilfsaktion bisher über 10 Millionen Schilling ergeben. Unsere größte Hoffnung ist jedoch, daß die Einwanderung und Ansiedlung in großem Maßstabe bald beginnen und dem neuen Jahre ihre Note verleihen werden. Kinderwaig en vom einfachsten b. zum feinsten Genre v, S 24. — aufwärts erzeugt M. ENGELBERG. XX-, Wallensteinplatz 3 (Eingang Bauerlegasse 1) F Male; XX., KlosterneuburgerslraBe 9t, Telephon A 41.406 und A 47.497. Kataloge gralls. Zwei Kinder als Zeugen in Hebron Die Vernehmung der dreizehnjährigen Judith Reizmann und ihres zwölfjährigen Bruders durch das Gericht in Hebron war sehr reich an dramatischen Momenten. Colonel Maxton, andere hohe britische Offiziere und der Gouverneur von Hebfon, wohnten persönlich der Vernehmung bei. Judith Reizmann erkannte die Mörder und wies auf Ibrahim el Assiz, einem Nachbar ihres Vaters, als auf den Rädelsführer hin. Sie sprach den Mörder an und frgate ihn: «Ibrahim, wie konntest Du das tun, Wo Du doch in meinem Vater einen Freund Hattest?» Der junge Araber senkte voll Scham das Haupt. Mr. Bailey hatte bei dieser Szene Tränen in den Augen, viele andere Anwesende schluchzten laut auf, auch Colonel wurde von Rührung übermannt, ging zum Fenster und starrte hinaus. Judith erzählte weiter, als die Araber;.n die Vordertüre ihres Hauses hämmerten und sie schließlich einbrachen, habe ihr der Vater zugerufen, sofort einen Baum im Garten zu erklettern und sich in den Zweigen zu verbergen. Das gleiche tat auch ihr Bruder. Von der Baumkrone aus sah sie, wie die eingedrungenen Araber Vater, Mutter und Onkel verfolgten, die sich durch Ueberktettern des Gartenzaunes zu retten versuchten. Ibrahim Abd ei Assiz war mit einem gezückten Messer dicht hinter ihnen her und schrie ebenso wie die anderen Verfolger: «Wir werden euch die Kehlen durchschneiden!» Was hinter dem Gartenzaune geschah, sah sie nicht mehr. Aber als sie dann auf die Straße trat, sah sie die Eltern und den Onkel leblos im Rinnstein liegen. Dem Vater war der Kopf fast vom Rumpfe abgetrennt. Der zwölfjährige Knabe Reizmann machte seine Aussagen in einem vollendeten Englisch, Arabisch und Hebräisch. Nach Beendigung seiner Aussagen sagte der Richter: «Ich glaube nicht, daß irgend jemand anderei hier über gleiche sprachliche Talente verfügt.» Die arabischen Anwälte, die die, Verteidigung der angeklagien Araber innehatten, versuchten, den Knaben durch ein Kreuzverhör zu verwirren, was ihnen aber nicht gelang. Der Richter beendete das Kreuzverhör mit der Bemerkung: «Es ist nutzlos, diesen im Talmud geübten Knaben in seinem Denken zu erschüttern; er spricht die volle Wahrheit. Dieser Knabe ist überhaupt nicht fähig, eine Lüge zu sagen.» Von den Aussagen wurden drei Protokolle, in englischer, arabischer und hebräischer Sprache, angefertigt und. dem Knaben zur Unterschrift vorgelegt. Der Knabe bestand darauf, alle drei Protokolle zuerst durchzulesen, bevor er seine Unterschrift darunter setzte, (J. T. A.) Musa Kazim Pascha begibt sich nach London Jerusalem, 30. September. (]. T. A.) Die arabische Exekutive beschloß, eine Abordnung nach London zu entsenden. Der Präsident der Exekutive Musa Kazim Pascha und Ashibli Jamal treten die Reise sofort an, zwei andere arabische Führer begeben sich nach Eintreffen der Untersuchungskommission nach London. «Daily Expreß» fordert eine Untersuchung gegen die Palästina-Administration London, 29. September. (J. T.'A.) «Daily Expreß» veröffentlicht an der Spitze des Blattes einen Artikel seines Jerusalemer Korrespondenten, in wetchem gefordert wird, daß die britische Administration in Palästina einer gründlichen Untersuchung und Reinigung unterzogen werden müsse; diese Administration habe ihre Pflicht nicht erfüllt und die, Neujahrsfest und Versöhuungstag im Volksleben der Juden Von Bar-Ami Rosch ha-Schanah. Das Neujahrsfest bildet den Anfang des Monats Thischri, der in seiner späteren Epoche als der erste Monat des Jahres galt. Ursprünglich gebührte diese Würde dem Frühlingsmonat Nissan. Abc seitdem die alten Hebräer definitiv ein ackerbauendes Volk wurden, galt ihnen der Erntemonat als Aböchluß des alten und Anfang des neuen Jahres. Später verlegte der Volksglaube in diesen Monat die Schöpfung der Welt unc! viele der nachfolgenden wichtigsten Ereignisse und Theophanien sowie die künftige Erlösung. In ihn fallen die meisten Feste. Der erste Tag dieses Monates ist Neujahr. Die Bezeichnung «Rosch ha-Schanah» wird erst vom Propheten Ezechiel (40, 1) gebraucht. In den Büchern Mosis ist nur vom Tage des Posaunenhalls die Rede oder von dem Tage der Erinnerung an den Posaunenhall (Sichron Theruah). Noch Ezechiel bezeichnet jedoch den 10. Tisdvri, unseren Jom Kippur, als den Jahresanfang. Aber schon Esra und Nebemia veranstalteten am Tischri eine große Volksversammlung, wobei Esra die in Vergessenheit geratene Thora vorlas, worauf das Volk in großes Weinen und Jammern ausbrach. Die beiden Führer trösteten dann das Volk: «Ihr dürftet heute nicht trauern, dieser Tag ist heilig unserem Herzen, geht heim, veranstaltet Festmahle, sendet Geschenke denen, die sich nichts vorbereitet haben, die Freude in Gott sei eure Kraft.» Rosch ha Schanah ist schon im früheren Zeitalter der Mischnah der Tag dec Gerichtes, und er teilt diese Würde mit dem zehn Tage später fallenden Jom Kippur, der der Tag der endgültigen Versöhnung ist. Im Talmud finden wir die Vorstellung ausgebildet, daß die vollkommen Gerechten und andererseits die vollkommenen Frevler am Neujahrsfest endgültig gerichtet in das Buch des Lebens oder des Todes eingetragen werden, den anderen wird bis Jom Kippur Zeit zur Buße gelassen. Deshalb werden diese Tage die zehn Tage der Buße genannt. (Rosch ha-Schanah 16b). Später bildete sich der Glaube heraus, daß die Neujahrstage vorbildlich für das ganze Jahr seien (Baba Bathra 147 ä), daher pflögt das Volk an diesen Tagen süße, duftende Früchte zu genießen (Horajoth 12 a). Im Mittelalter pflegten zum Beispiel die Juden in Nordfrankreich, nach dem Mac.hsor Vitry, dessen Kompilafor ein Enkel von Raschi war. rote Aepfel, in Südframkreich' Weintrauben zu genießen, wobei ein Gebet gesprochen wurde: «Mögest du uns ein neues süßes Jahr gewähren.» In späteren Zeiten r:enoß man, namentlich am ersten Abend, Südfrüchte, über die der Segensspruch «Schehechejanu» gesprochen wurde. Frömmere genossen solche Früchte nicht vor diesem Moment, In nordischen Ländern genießt man auch die Edelmelöne. Maharil (gest. 1427) verzeichnet schon den Brauch, am Heujahrstage einen Widdierkopf gebraten zu verzehren, wobei der Widder an das stellvertretende Opfer für Isaak.fluf Morija erinnerte und der Kopf den Wunsch nach Erhöhung symbolisieren soll. Dagegen vermeldet man cs. an diesem Tage Nüsse zu essen, was offenbar auf einen deutschen Aberglauben zurückgeht; es wurde je>4oqJi diesem Brauch ein höherer Grund untergelegt; der Buchstabenwert des hebräischen Wortes für Hüßse gleicht dem Buchstabenwert des hebräischen Wprtes für Sünde (mit Hinweglassung de« Aleph). im frühen Mittelalter herrschte der Brauch, f'»2.'m.?n einander gleich nach dem ersten Abendgebet in hebräischer Sprache den ihr rechtzeitig übermittelten Warnungen der zionistischen Vertreter ignoriert. Hätte sie diese Warnungen ernst genommen, sie wäre durchaus in der Lage gewesen, den arabischen Aufruhr nicht aufkommen zu lassen. Die kanadischen Zionisten überweisen 100.090 Dollar für den Keren Kajemeth Jerusalem, 30. September. (J. T. A.) Das Hauptbureau des Keren Kajemeth in Jerusalem erhielt von den kanadischen Zionisten eine Summe von 100.000 Dollar auf Konto der von ihnen übernomenen Verpflichtung zur Aufbringung von einer Million Dollar überwiesen. Chaluzlm-Wanderung nach Palästina Warschau, 29. September. (J. T. A.) Das Bureau des Weltverbandes Hechaluz erhielt aus Triest die Nachricht, daß in den letzten Tagen über Triest mehr als 200 Chaluzim nach Palästina gereist seien, unter ihnen 93 aus Kongreßpolen, 40 aus Galizien, 28 aus Deutschland und 26 aus der Tschecho-Slowakei. Im Verlaufe des September haben sich 540 Chaluzim nach Palästina begeben. Im Verlauf des Oktober Werden 840 Chaluzim nach Palästina reisen, davon 450 über den rumänischen Hafen Konstanza, der Rest über Triest. Aus Oesterreich begaben sich am 27. September 40 Chaluzim nach Palästina. Eine zahlreiche jüdische Bevölkerung fand sich am Bahnhof zum Abschied ein. «Jeder plünderte» Jerusalem, 29. September. (J. T. A.) Ein älterer Araber hatte sich vor dem Jerusalemer Gericht im Zusammenhang mit denMassakers undPlünderungen in Moza zu verantworten. «Jeder plünderte, warum sollte nicht auch ich meinen Anteil haben?» führte der Araber aus. Er wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die Klagemaüer in den hohen jüdischen Feiertagen Jerusalem, 28. September. (J. T. A.) Im Hinblick auf die bevorstehenden hohen jüdischen Feiertage haben die Behörden die Bedingungen für die jüdische Andacht an der Klagemauer auf das Peinlichste festgesetzt und sie den jüdischen Gemeinden mitgcteilt. Für die hohen Feiertage zugelassen sind; ein Waschständer, ein kleiner «Aron Kodesch», ein j kleiner Tisch für das Lesen der Torah. Verboten sind Stühle jeder Art, die Aufrichtung einer Wand zwischen den männlichen und weiblichen Andächtigen ü. a. m. Wie verlautet, stimmen die jüdischen Behörden diesen Einschränkungen, solange die Festsetzung des Status quo in der Schwebe ist, zu und stellen als einzige Bedingung, daß während der Gottesdienste jeder Durchgangsverkehr vor der Klagemauer verboten werde. Lord Melchett brandmarkt die Hetze des Groß-Mufti London, 27. September. (J. T. A.) Lord Melchett wendet sich in einem Schreiben an die Jüdische Telegraphenagentur entrüstet gegen die hetzen rische Tätigkeit des Groß-Mufti von Jerusalem, dei ihm, Melchett, Worte in den Mund legt, wie die, daß er den Rest seines Lebens der Wiedererbauung des Tempels weihen wolle. Jeder Versuch, sagt Melchett, Worte, die ich je gesprochen habe, in einem solchen Sinne umzubiegen, ist eine rohe Skrupellosigkeit. Wunsch zurief: «Mögest du zu einem guten Jahr verschrieben werden!» wobei die volkstümliche Vorstellung zugrunde lag, daß im Himmel die UrteMssprüche fürs ganze Jahr in Bücher eingetragen werden. Schon im Talmud (Jeruschalmi Rosch ha-Schanah I, 3) und dann im Midrasch wird erwähnt, daß die Juden am Tage des Gerichtes weiße Gewänder tragen, zum Symbol, daß sie der Versöhnung mit Gott sicher sind; noch der Brauch, an den hohen Feiertagen den weißen Kittel zum Gottesdienste anzuziehen, ist späte- , ren und wie schon der Name beweist, deutschen Ursprungs. In Polen pflegt am Neujahrsfest nur der Vorbeter den Kittel zu tragen, dieser aber legt ihn auch am letzten S kkothtag zum Musaph (Geschem) sowie am Weidenfest an. Den Sepliardim ist der Kittel unbekannt. Rosch ha-Schanah pflegte schon zu jener Zeit, als die anderen Feste nur einen Tag währten, zwei Tage gefeiert zu werden. Im heutigen Palästina währt es ebenfalls zwei Tage. Das Hauptmerkmal des Neujahrsfestes ist der Po^aunenschall des Schofar, der zwischen beiden Teilen des Vormittagsgottesdienstes nach der Vorlesung auß der Thora ertönt. Schon in der ältesten Epoche spielte die Posaune im öffentlichen Leben der Hebräer eine große Rolle, als Signal, als Mahnung, als Verständigungsmittel. Heutzutage noch wecken die schlitternden und durchdringenden Töne in der Phantasie der Juden uralte Stammeserinnerungen. In nachbiblischer Zeit bildete sich die volkstümliche Vorr Stellung, die schon im Talmud (Rosch ba-Schanäh 16 bj erwähnt wird, daß das Blasen des Schofars den Zweck habe. Satan zu verwirren, damit er seine Anklagen vor dem Thron des höchsten Richters nicht Vorbringen könne. Ursprünglich blies man den Schofar im Tempel in früher Stunde beim Morgengottesdienst, als Beglel-

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