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Die Stimme · 1929-09-26 · Heft 93 (26.9.1929) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 93 (26.9.1929)
Date
1929-09-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 98 DIE STIMME Seite 9 I Daher stärket unaufhörlich I den Keren Kajemeth! Jetzt — anläßlich der Die Ereignisse in Palästina und der Völkerbund Große Aussprache in der politischen Kommission der Volkerbundversammlung Genf, im September. In den letzten Sitzungen der Sechsten Komüssion des Völkerbundes fand eine Aussprache über Palästina statt, di^ von dem tiefen Interesse aller Mächte an den Vorgängen in Palästina und an der Position der Juden in diesem Lande zeugte. Der Vertreter Norwegens, Prof. Fritbjoff Nansen, leitete die Aussprache mit einem Referat über die Tätigkeit des Völkerbundes auf dem Gebiete der Mandate ein und erklärte, das Mandat über Palästina wurde vom Völkerbund feierlichst bestätigt, die Mandatarmacht nahm die internationale Verpachtung auf sich, die Bestimmung des Mandates zu verwirklichen. Der italienische Vertreter L. Bonin Longare meint, das Palästinamandat sei darum ein so delikater Gegenstand, weil es sich um ein Territorium von ungeheurer historischer Bedeutung handelt. Er hofft, Großbritannien werde die Lage beherrschen Der Vertreter Neuseelands, James Pari*, erwähnt den Artikel von „Daily Mail“, in wel- , ehern England aufgefordert wird, das Mandat niederzulegen und drückt die Hoffnung aus, daß England dies ircht tun wird. — Der deutsche Vertreter, Staatssekretär von Schubert, spricht seine Zufriedenheit über die Erklärung der britischen Regierung aus und hofft, daß in Zukunft solche Unruhen nicht mehr Vorkommen Vorkommen werden. — Die Vertreterin Großbritanniens, Frau Swanwick, dankt der Kommission für die Großbritannien in dieser Lage bezeugte Sympathie. Das Mandat wird mit allen möglichen Mitteln durchgeführt werden. — Der Portugiese Quevedo ist überzeugt, daß England die übernommenen Verpflichtungen erfüllen wird. — Der polnische Vertreter Millstein gibt seiner Sympathie für die Opfer der Unruhen Ausdruck und erklärt, Polen mit einer jüdischen Bevölkerung von drei Millionen Seelen, mit welchen ein großer Teil der Palästinaeinwohner auf. das innigste verbunden ist, sei besonders durch die Unruhen betroffen. Er wünscht der britischen Regierung, daß es ihr gelingen möge, das Mandat in einer Atmosphäre von Frieden und Sicherheit zu erfüllen. — Der persische Delegierte Toroughi erklärte, als Vertreter einer mohammedanischen Macht hege er Sympathie mit den Arabern; als Mitglied der friedlichen Menschheitsfamilie aber bedaure er die Geschehnisse und wünsche, daß sie sich nicht wiederholen. Er sei überzeugt, daß für Juden und Araber die Möglichkeit besteht, in vollständiger Harmonie zusammen zu leben und hofft, daß Großbritannien ein Regime der Ruhe und des Wohlstandes schaffen wird. -7- Der französische Delegierte Aubcrt betont, Frankreich sorge dafür, daß die Unruhen keinen Widerhall in Syrien finden. — Der Tschechoslowake Fierlingcr erklärt, die ganze zivilisierte Welt verfolgt mit Sympathie und Interesse jlas konstruktive Werk, das die britische Regierung durch die Schaffung einer neuen Heimat für das jüdische Volk durchführt. Prof. Rappard (-Schweiz) erklärt, er spreche eher im Namen der Mandatskommission als im Namen der Schweiz. Die Gründung eines jüdischen Nationalheiraes beruht auf einer zweifachen Basis: 1. Auf der Treue der Juden zum Lande, das sie als ihre Heimat betrachten, eine Treue, die sich in der hingebungsvollen Arbeit der Kolonisten und der Opferwilligkeit der Juden überall bekundet; 2. auf dem Schutz seitens Mandatarmacht und Völkerbund. Durch die letzten Geschehnisse ist die zweite Basis erschüttert worden. Die Juden vertrauten darauf, daß die Mandatarmacht sie schützen wird. Die Mandatarmacht aber reduzierte die Militärbesatzung und die Polizei. Die Hauptverantwortung trägt die Mann armacht, die der Mandatskommission stets beruhigende Versicherungen abgegeben hat. Die Kunst zu regieren ist eine Kunst der Voraussicht. Diese Kunst haben die Palästinabehörden nicht verstanden. — Der Rumäne Stoica erklärt, das rumänische Volk habe mit tiefem Schmerz von dem Tode jüdischer Kolonisten erfahren, die es unternommen haben, einen der I ältesten Orte menschlicher Zivilisation wieder fruchtbar zu machen. — Der Spanier Palacios, Mitglied der Mandatskommission, lehnt im Gegensatz zu Rappard eine Mitschuld der Mandatskommission ab. Die Balfour-Deklaration weist gewisse Widersprüche auf und müßte ergänzt werden. Er bedaure, daß die Völkerbundkoimnission für die heiligen Stätten infolge der Meinungsverschiedenheiten unter den Ländern noch nicht geschaffen worden ist. — Der Vertreter Abessiniens Lidy Andorgue Massai erklärte, er spreche als Vertreter einer christlichen Macht in Afrika und als direkter Nachkomme des Königs Salomo. Er bedaure die Un- Zu den hohen Feieru-igen ward bei der gefertigten Kull>ttagaw.‘,>.rb. für den Hauptgottesdienst ein HMKiktiisdi gebildeter gesucht, der Ln der Lage ist, mit Chor- und Orgel'begleitung zu funktionieren. Da die Stelle des Oberkantors in unserer Gemeinde frei wurde, ist die Möglichkeit einer definitiven Anstellung gegeben. Offerte mit Zeugnisabschriften und Referenzen wollen unverzüglich an den gefertigten Vorstand eingebracht werden. Für den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Marienbad: Der Kultusvorsteher Fritz Buxbäum. ruhen in einem Lande, das die Wiege des Judentums, Christentums und auch des Mohammedanismus ist. Er bedaure es, daß die palästinensischen Christen den Antagonismus zwischen Juden und Arabern verstärken, statt die Rolle eines unparteiischen Vermittlers zu übernehmen. Sie handeln auf d^ese Weise gegen die Lehre des Christentums. Als letzter gab Graf Albert Apponyi (Ungarn) eine Erklärung über Palästina ab. Die Juden Ungarns sind um das Schicksal ihrer Glaubensgenossen in Palästina besorgt. Unter den Juden Ungarns hat sich noch keine einheitliche Meinung über die jüdische Kolonisation Palästinas herausgebildet. Doch sei er der Ansicht, daß jene Mächte, die an der Gründung der Kolonien in Palästina Anteil hatten, die moralische und menschliche Pflicht haben, den Unruhen ein Ende zu bereiten und ihre Wiederholung zu verhüten. Auch die Sicherheit der Qhristen in Palästina sei durch solche Zustände bedroht. Er hoffe, Großbritannien werde energisch die Ordnung wiederherstellen. Die Kommission wählte Frithjoff Nansen als Berichterstatter über die Mandats- und insbesondere die Palästinafragen. Der Vorsitzende der Kommission, der Belgier Janson, ersuchte Nansen ausdrücklich, in seinem“ Berichte den Gefühlen Ausdruck zu geben, von denen alle Mitglieder der Kommission wie die ganze zivilisierte Welt im Hinblick auf die traurigen Ereignisse in Palästina beherrscht sind Der Beschluß der sechsten Völkerbundkommission über Palästina Genf, 20. September. Die sechste (politische) Kommission der Völkerbundversammlung, die sich eingehend mit den Ereignissen in Palästina und der Position dieses Mandatsiandes befaßt hat und schließlich Professor Fritjoff Nansen damit beauftragte, einen Bericht und eine Resolution abzufassen, nahm heute den Bericht Nansens und die Resolution einstimmig zur Kenntnis. Der auf Palästina bezughabende Bericht und die Resolution lauten: «Mehrere Mitglieder der sechsten Kommission haben die Schwere der kürzlich in Palästina vorgekommenen Ereignisse betont und mitgeteilt, welch einen schmerzlichen Eindruck diese Ereignisse in ihren Ländern hervorgerufen haben. Der Präsident hat sich zum Interpreten aller Delegationen gemacht, indem er sich dem schon geäußerten Bedauern über die von den verschiedenen Bevölkerungsteilen erlittenen Verluste an Menschenleben anschloß. Die Kommission hat die der Völkerbundversammlung durch den Ministerpräsidenten Großbritanniens, dem Rat durch den britischen Staatssekretär für auswertige Angelegenheiten und der sechsten Kommission durch den britischen Delegierten gegebenen Erklärungen mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Die Vertreter der Mandatarmacht haben die Versicherung abgegeben, daß keinerlei Akt des Terrors oder der Unordnung imstande sein werde, ihre Politik der restlosen Anwendung der Bestimmungen des Mandates, für das sie die internationale Verantwortung vor dem gesamten Völkerbund übernommen hatten, zu ändern. Sie haben fernerhin den Rat, die Versammlung und die Kommission dahin informiert, daß bereits wirksame Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung ergriffen wurden, daß eine Untersuchungskommission ernannt worden ist und daß die Mandatarmacht keineswegs die Absicht hat, Abänderungen an dem durch das Mandat aufgestellten System zu beantragen. Die Kommission zweifelt nicht, daß die seitens der britischen Regierung in Angriff genommene Untersuchung den Völkerbund über die unmittelbaren wie auch fernliegenden Ursachen dieser traurigen Ereignisse aufklären wird und daß die Mandatarmacht gleichzeitig die Verfügungen zur Kenntnis bringen wird, die sie ins Auge fassen will, um diese Ursachen aus der Weit zu schaffen, um der Wiederkehr solcher Ereignisse vorzubeugen und solide Grundlagen für eine zukünftige freie Regierung in Palästina zu legen. Die Versammlung a) erneuert den Ausdruck des Vertrauens, das von den vorangegangenen Versammlungen der Mandatarmacht votiert worden ist; b) (I) äußert ihr tiefes Bedauern über die in Palästina kürzlich vorgekommenen Zwischenfälle, die den Verlust an Menschenleben im Gefolge hatten; (II) äußert ihr volles Vertrauen in die von der Mandatarmacht eingeleitete Untersuchung; (III) hofft bestimmt, daß es der Mandatarmacht in kurzer Zeit gelingen wird, die Ordnung vollkommen wiederherzustellen und die notwendigen Verfügungen zu treffen, um die Wiederkehr ähnlicher Zwischenfälle zu verhindern; c) gibt der festen Hoffnung Ausdruck, daß dank den vereinigten Anstrengungen der Mandatarmächte, der permanenten Mandatskommission und des Rates des Völkerbundes die Einrichtung der Mandate auch weiterhin das Ziel haben wird, die Ideale der Zivilisation zu verwirklichen. Eine Erklärung der englischen Delegation Genf, 21. September (J. T. A.). Nachdem Professor Nansen in der sechsten Kommission den Bericht über Palästina erstattet und die Resolution zur Verlesung gebracht hat, ergriff Frau Swansick (England) das Wort zu folgender Erklärung: Meine Delegation hat mich beauftragt, den Dank der britischen Regierung für die Art auszudrücken, in der die Versammlung die tragischen Ereignisse, die sich in Palästina abgespielt haben, behandelt hat. Wir betrachten das Mandat, das uns anvertraut ist, als ein heilig Gut, wir werden es in dem Geiste anwenden, in welchem es uns anvertraut worden ist. Wir erachten es als unsere Pflicht, die in diesem Mandatsterritorium lebenden Völker einander näher zu bringen, und wir sind der Meinung, daß, solange es nicht möglich ist, diese verschiedenen Völkerschaften miteinander zu versöhnen, die Aufgabe, ihnen eine freie und autonome Regierung zu geben, auf unbestimmte Zeit verschoben werden muß. Wir haben in unserem Lände so viele Freunde der arabischen Rasse und so viele Freunde der israelitischen Rasse und Religion, daß wir hoffen können, sehr woM in der Lage zu sein, diesen Zwist zu beend1". Nach dieser Ausspraciie verkünde*" der i iäsident der Kommission, daß der Ber! nrui die Re. ••.lurio« einstimmig zur Kenntnis genoie wov.i.n sind.

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