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Die Stimme · 1929-09-26 · Heft 93 (26.9.1929) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 93 (26.9.1929)
Date
1929-09-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 99 di-sten offen mit einem Austritt aus der AgudaJi im Falle des Nachgebens in Angelegenheit der Agency drohten. Um einer Spaltung aus dem Wege zu gehen, mußte die polnische Agirdah gegen ihren Willen den Forderungen der Führer nachgeben. Rabbiner Neufeld ist überzeugt, daß durch diesen negativen Beschluß die Agudah in Polen viele Anhänger verlieren wird. In Polen sind alle Juden mit Herz und Seele beim Palästina-Aufbau. Der Beschluß der Agudahkonferenz wird diesen Massen unbegreiflich erscheinen und sie werden der Agudah, insofern sie ihr angehören, den Rücken kehren. Zu bemerken ist noch, daß auch die chassidischen Kreise, die in Kongreßpblen nur zu geringen Teilen der Agudah angehören, ebenfalls diesen Beschluß der Knesiah nicht anerkennen werden. Die Agudah hat bei ihrer Gründung rein religiöse Aufgaben proklamiert. Sie wurde aber dann mißbraucht und zu einem politischen Instrument unter einem religiösen Deckmantel, ausschließlich zur Bekämpfung des Zionismus und für Zwecke der Trennungsorthodoxie, gemacht. Ein Weg, den sie nicht hätte gehen sollen und der sich sicherlich bitter rächen wird. ..VWMHBHMM———"111 ■■ Zum Ableben Louis Marshalls Gedenkabend für Louis Marhall Donnerstag, den 19. d. M., fand im großen Saale des Hotel Post ein Gedächtnisabend, veranstaltet vom Zionistischen Landeskomitee, zu Ehren des kürzlich verstorbenen Councilpräsidenten Louis Marshall statt. Namens des zionistischen Landeskomitees hob Dr. Desider Friedmann die Kraft des Willens und die Unbeugsamkeit in Marshalls Charakter hervor und wies nach, wie durch seine Person das ganze amerikanische Judentum mit dem Aufbauwerk Palästinas verknüpft wurde. Wir selbst, die Zionisten, haben die jüdische Sympathie seines Wesens oft hinter der strengen Hülle seines Amerikanertums verkannt. Ganz unrichtig aber ist es, wenn Assimilanten ihn heute als den ihrigen reklamieren, da er doch in Zürich die Gründung der erweiterten «Jewish Agency for Palestine» als die «denkwürdigste Versammlung seines Lebens» bezeichnet und sich mit ganzer Seele dieser letzten Liebe seines Lebens gewidmet habe. Dem starken Beifall nach Abschluß dieser Worte folgte die Rede des Dr. N, M. Gelber, der ausführte: Zwei amerikanische Juden haben um den jüdischen Staatsgedanken große Verdienste: der erste sei Emanuel Noah aus New York, der im Jahre 1825 am Niagarafluß eine jüdische Heimat mit der Hauptstadt Arrarat gründen wollte und von ihm, der von jeiteles in Wien so übermäßig verspottet wurde, führt — über Theodor Herzl aus Wien — eine gerade Linie zu Louis Marshall, der sich zum jüdischen Staatsgedanken in seinen letzten Lebensjahren bekannte. Die Geschichte der amerikanischen Judenheit war lange Zeit politisch inhaltslos. Erst durch die Frage des amerikanisch-russischen Handelsvertrages traten sie politisch in Aktion — und dies war das hauptsächliche Verdienst Louis Marshalls. Rußland verweigerte nämlich jüdischen Ausländern die Einreise und diese Maßnahme traf seit den siebziger bis achtziger Jahren namentlich viele russische Juden, die in Amerika naturalisiert waren und so am Besuche ihrer alten Heimat und an Geschäftsreisen dorthin verhindert waren. *- Jahr für, Jahr hatte die amerikanische Repräsentantenversammlung es abgelehnt, Rußland zur Aenderung seiner Haltung zu zwingen. Erst Louis Marshall, der aus der kleinen Amerikastadt Syrakus 1894 nach New York übersiedelte, gelang es, die jüdische öffentliche Meinung zu organisieren und die Ablehnung des Handelsvertrages mit Rußland in Amerika durchzusetzen. Damit hatte das amerikanische Judentum seine Solidarität mit dem europäischen ausgedrückt. Solidarität aller Juden: das blieb Marshalls Leitmotiv. Er stützt sich auf die breiten jüdischen Massen und wird ihr Führer. Immer mehr beschreitet er die Bahn der Interventionspolitik im Auslande; er erklärt zwar Präsident Wilson, daß es keiner inneramerikanisch-jüdischen Politik bedürfe — tritt aber als einer der Führer der «Delegations juives» bei der Pariser Friedenskonferenz für die Minoritätsrechte der Juden ein. Ganz ähnlich ist sein Verhalten gegenüber dem Palästina-Aufbau: obwohl persönlich kein Zionist, stellt er sich ganz in den Dienst der Sache, als er nur ihre gesamtjüdische Bedeutung erkannt hat. Durch eine besondere Tragik — die Tragik Israels — wurde er uns in eben dem Zeitpunkt entrissen, als er seine kraftvolle Persönlichkeit in den Dienst Erez Israels zu stellen gewillt war. Der Abend hinterließ einen gewaltigen Eindruck. M. H. Tcmpelvcrcln loscislaai ■Wjgr geben hnemiet bekannt, daß heuer sowie alljährlich in unserer Filiale, im Saale «Zum grünen Tor», VHf, Lercbenfelderstraüe 14, anläßlich der hohen Feiertage Festgottesdienste abgehalten werden. Karten täglich In der Tempelkanzlei zu haben. Tempeiverein für den ViH. Hez., In Wien, Neudegz&rgattw U> V - , Die Ueberführung von Louis Marshalls Leiche nach Amerika Die in Europa weilenden Familienangehörigen Louis Marshalls haben mit dem Sarge, der die sterblichen Reste des großen jüdischen Führers birgt, die Reise nach Amerika über Frankreich angetreten. Vor Schließung des Sarges in Zürich fand die zeremonielle Leichenwaschung und Ankleidung durch die Züricher Chewra Kadischa nach streng traditionellem Ritus statt. Ein amerikanischer Zionistenführer über Marshall In einem Gespräch mit unserem Mitarbeiter M. U. äußerte sich der in Wien vorübergehend weilende amerikanische Zionistenfiihrcr Josef Weiß über Marshall folgenaermaßen: Der Tod Marshalls ist ein unersetzlicher Verlust nicht nur für die Juden Amerikas, sondern auch für das ganze jüdische Volk. 40 Jahre lang stand dieser unbeugsame Führer an der Spitze des amerikanischen Judentums und kämpfte für die Einigung sowohl des amerikanischen wie auch des Weltjudentums mit einer wunderbaren Beredsamkeit, einer eisernen Logik und einem tiefen jüdischen Wissen. Er war zwar kein Demokrat im landläufigen Sinne, hatte immer den Mut, gegen den Strom zu schwimmen und wurde trotzdem von. uns allen geliebt und verehrt. In seiner Jugend war er dem Zionismus ganz nahe, schrieb sogar ein jüdisch-nationales Drama, in dem er selbst die Hauptrolle spielte. Später jedoch bekämpfte er uns lange Zeit, was ihn nicht hinderte, für die Minderheitsrechte $ich mit ganzer Kraft einzusetzen und die Balfour-Deklaration zu begrüßen. Als er von Weizmann für unsere Sache gewonnen wurde, da stand das ganze amerikanische Judentum hinter ihm, weil es ihm vertraute und an ihn glaubte. Es ist jedoch kein Grund zu Befürchtungen vorhanden, daß der Tod Marshalls die positive Einstellung der amerikanischen Nichtzionisten zu Palästina ändern und ihre versprochene Mitarbeit am Palästinaaufbau beeinträchtigen könnte. Es ist im Gegenteil mit Sicherheit anzunehmen, daß jetzt erst recht sich alle des heiligen Vermächtnisses des verstorbenen Führers mit noch größerer Begeisterung annehmen werden, um so mehr als es Marshall verstanden hat, schon in der kurzen Zeit seiner Vorbereitung für die erweiterte Agency für diese Idee eine gewaltige Anhängerschar zu gewinnen. Die Zionisten-Revisionisten sagen Weizmann neuerdings schärfsten Kampf an Im Hinblick auf die Beschlüsse, die das Zionistische Aktionskomitee in seiner Londoner Sitzung gefaßt hat, hat das Exekutivkomitee des Weltverbandes.der Zionisten-Revisionisten eine Erklärung ei lassen, in der es u. a. heißt: Jahrelang hat der Revisionismus versucht, dem jüdischen Volke klarzumeohqn, daß Palästina entgegen dem Geiste des Mandates regiert wird; daß auch hinsichtlioh seiner Sicherheit der Jisehuw einer ständigen Gefahr aufgesetzt ist, da die zur Verfügung der Regierung stehenden bewaffneten Kräjt'te vollständig unzureichend sind. Dessenungeachtet hat die Zionistische Exekutive immer behauptet, daß die politische Lage in Palästina befriedigend sei, daß für den Jisehuw keine Gefahr bestehe und daß im Falle eines Angriffes die Juden geschützt sein werden. Die letzten Ereignisse in Palästina haben nun den vollständigen Bankrott der Politik Dr. We5zmanns und seiner Exekutive klar zutage gebracht. Trotzdem haben wir in unserem Streben, die zionistische Einheit während der Krise zu erhalten, uns absichtlich davon enthalten, die Demission der Exekutive zu verlangen und haben versucht, ein Kompromiß zu erreichen. Wir unterbreiteten dem Aktionskomitee folgende Vorschläge Ein außerordentlicher Kongreß soll spätestens für Dezember 1929 einberufen werden; bis zum Zusammentritt dos Kongresses soll die in Zürich gewählte Exekutive im Amte verbleiben und alle laufenden Geschäfte weiterführen. Die gesamte politische Arbeit soll ausschließlich und allein einem Notstandskomitee übertragen werden, das aus Vertretern der Exekutive und der Opposition, unter Hinzuziehung eines weiteren, vorn beiden Seiten einverständlich gewählten Mitgliedes, paritätisch zusammengestellt sein würde; Im Laufe der Sitzung des Aktionskomitees gab Dr. Weizmann jedoch die folgenden zwei Erklärungen ab: a) Er sei von den Grundlinien seiner und seiner Exekutive früheren Politik befriedigt und gedenke die gleichen politischen Richtlinien auch in Zukunft aufrechtzuerhalten; b) er weise jeden Gedanken an eine Einheitsfront seiner Exekutive mit den Revisionisten zurück, die sich weigern, in der erweiterten Jewish Agency. vertreten zu sein. Nach Anhörung dieser Erklärungen lehnte das Aktionskomitee unsere Vorschläge auf Bildung eines politischen Notstandskomitees und Einberufung eines außerordentlichen Kongresses ab; das Aktionskomitee stimmte ferner einem Programm politischer Forderungen zu, aus dem die allerwichtigsten eliminiert sind, unter anderem auch die Forderung nach jüdischen Militär- und Polizeieinheiten, sowie diejenige nach der freien jüdischen Einwanderung nach Palästina. Unter diesen Umständen ist es die Pflicht des Weltverbandes der Zionisten-Revisionisten, das Judentum zu warnen, daß eine höchst gefährliche Situation geschaffen wurde, die sogar die von den Juden der ganzen Welt gehegte Hoffnung, die schreckliche Lehre des palästinensischen Ausbruches werde wenigstens einen Wendepunkt für eine bessere politische Zukunft bedeuten, untergraben könnte... Wir sind daher gezwungen, unseren Kampf gegen die gegenwärtige Leitung und deren Politik fortzusetzen und behalten uns das Recht vor, alle solche Schritte zu unternehmen, die wir als notwendig im Interesse der zionistischen Sache und des jüdischen Palästina betrachten. Die amerikanischen Zionisten und die Schuld der Palästina-Administration New York, 18. September. (J. T. A.) Das Administrative Committee der Zionistischen Organisation Amerikas hielt eine öffentliche Sitzung ab, in der der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas Louis Lipsky, Rabbiner Dr. Stephen Wise, Felix M. Warburg, Morris Rothenberg,“ Richter Williäm’ M. LeWiä, Richter Bernard A. Rosenblatt und Hermann Bernstein Ansprachen hielten und den Mangel an Voraussicht und die Unentschlossenheit, die die Palästina-Administration im Zusammenhang mit den tragischen Ereignissen bewiesen hat, scharf geißelten. Louis Lipsky führte aus, alle zivilisierten Nationen müssen Großbritannien vor die Schranken des Gerichtes fordern. Das durch die Balfour-Deklaration gegebene Versprechen, schloß Lipsky, wurde von Herrn H. C. Luke zu einem Fetzen Papier gemacht. Die neue Keren Hajessodaktion Die Ereignisse in Palästina haben in zahlreichen Ländern zur Einleitung spontaner Hilfsaktionen geführt. Sie sind zumeist auf Initiative und unter der Leitung der Zionistischen Organisationen und der Keren Hajessod-Komitees durchgeführt worden; infolgedessen sind die eigentlichen Keren Hajessod- Aktionen zurückgestellt worden. Es hat sich inzwischen als unbedingt notwendig herausgestellf, überall die Keren Hajessod-Arbeit ohne Verzug aufs Neue in Gang zu bringen. Die Fortführung der normalen Arbeit der Palästina-Exekutive, die in Gefahr ist, muß unbedingt gesichert werden. Infolgedessen Ist der Generalsekretär des Keren Hajessod-Direktonlums Herr Leo Herrmann von der Exekutive und vom Keren Hajessod- Direktorium ermächtigt worden, die Leitung der notwendigen Aktionen für den Augenblick von London auO zu organisieren und im Kontakt mit der Exekutive und dem Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem alle von der augenblicklichen Situation erforderten Maßnahmen zu treffen. Alle für die Keren Hajessod-Aktion verantwortlichen Komitees haben sich daher bis auf weiteres in allen Angelegenheiten, die solche Aktionen betreffen, direkt mit London in Verbindung zu setzen. Herr Leo J a f f e, geschäftsführender Direktor des Keren Hajessod, der unmittelbar nach dem Kongreß nach Erez Israel zurückgekehrt ist, wird in den nächsten Tagen zwecks Beteiligung an den Aktionen in Europa Palästina verlassen. unterrichtet gründlich and billigst aus Spanien . rückgekehrter Hochsctiiilcr. Auskunft in: der Adru. der «Sttmnie*, ■ ü&SigjjäjjggljpiiSÜ MWWMÜ

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