Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 93 (26.9.1929)
- Date
- 1929-09-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 98 jeeoa&eoaaeeoqeeeeoeefteeeeaeeeaeeqoaeg' Keren Kajemeth, Oesterreich. Mittwoch, den 2. Oktober 1929, uin ^8 Uhr abends, findet im Festsaale des Hotel Post, 1., Fleischmarkt, ein Meeting statt. Sprechen werden: 1. H. Mejuchas, Präsident der jüdischen Gemeinde in Jerusalem, über: Juden und Araber. Im Anschluß daran wird er ein Kapitel aus seinem Buche «Die Bibel in der arabischen Sage» vorlesen (hebräisch). 2. Herr L)r. Josef Löwenherz, Vizepräsident der Kultusgenreiride: Das Bodenproblem innerhalb der nächsten Aufbauarbeit. Regiebeitrag. Maßnahmen gegen die arabische Hetzpresse Jerusolem, 20. September. Aus Kreisen der Regierung wird mitgeteilt, daß die in Jaffa erscheinende' Zeitung «El Akdan» durch eine Regierungüorder unterdrückt wurde, weil sie immer wieder zu Unruhen hetzte. Die Jerusalemer arabische Zeitung «Felestin», die arabische Vergeltungsaktionen gegen die Juden ankündigte, wurde von der Regierung verwarnt, bei gleichzeitiger Mitteilung, daß sie bei Fortsetzung des hetzerischen Tones unterdrückt werden wird. „Doar Hayom“ darf erscheinen Jerusalem, 20. September (J. T. A.) Die Redaktion der Jerusalemer hebräischen Tageszeitung «Doar Hayom» hat vom Oberkommissariat die Mitteilung erhalten, daß die Zeitung ab Sonntag, den 22. September wiedererscheinen dürfe. Das Wiederaufbauwerk Jerusalem, 19. September. Die Zionistische Exekutive hat ein Beratendes i Komitee für die energische Wetterführung des Wiederaufbauwerkes in Palästina eingesetzt, das aus je einem Vertreter des Waad Le-urni, der Arbeiterparteien, der Kaufmannschaft, der Anglo-Palestine Company (repräsentiert durch Hoffien), der Kolonisten (vertreten durch Moses Smiliansky) und der Palestine Loan Bank (Mohl) besteht. Es wurde ein Komitee zur Leitung des Hilrswerkes gebildet. Das gesamte Hilfswerk steht unter der Kontrolle der Exekutive, die. als Jewish Agency han 1 eit. Colonel F. H. Kilh leitet die politischen Angelegenheiten der Exekutive, Joseph Sprinzak ist mh * öffentlichen Information betraut; zeitweiliger Direktor der Informationsabteilung ist Herr S. Agronsky. Die juristische Bearbeitung der vorgebrachten Anspri'c1 auf Entschädigung und die Vorbereitung des Materials für die parlamentarische Untersuchungskommission liegt .in den Händen des Herrn Dr. Harry Sacher, der in diesen Tagen in Palästina eintreffen wird. Auch die Ankunft von Dr. Arthur Kuppln wird in diesen Tagen erwartet; wahrscheinlich wird er die Leitung des Wiederaufbaudepartements übernehmen. Die Palästina-Loge des Unabhängigen Ordens Bnei Brith hat der Palästina-Exekutive die moralische und finanzielle Hilfe ihrer Schwester-Logen, von denen es in der Welt etwa 1000 gibt, angeboten. (Jta.) Gedcnkgottesdienst am Jom Kippur für die Palästinaopfer Jerusalem, 20. September (J. T. A.) Der Keren Kajemeth hat beschlossen, die Namen der jüdischen Opfer der letzten Ereignisse in Palästina an das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds einzutragen. Am kommenden Jom Kippur werden in den Synagogen Gedenkgottesdienste für die jüdischen Märtyrer abgehalten werden. Jüdische Arbeiter werden nicht auf genommen Jüdische Arbeiterkreise erheben gegen das Arbeitsdepartement der Regierung die BesciH’Idigung, daß es jüdische Arbeiter vom Hafenbau in Haifa und den Steinbrüchen in der Nähe von Athlit fernhäit, und sich dabei des unzutreffenden Vorwandes bedient, es sei unerwünscht, in der gegenwärtigen Zeit jüdische Arbeiter in große arabische Arbciterlager einzuführen. Täglich werden in diesen Werken neue Arbeiter aufgenommen, Juden bleiben aber ausgeschlossen. Unter den bisher beschäftigten 800 Arbeitern zählt man im ganzen vier Juden. (Jta.) Jüdischer Dank an die britischen Streitkräfto Jerusalem, 19. September. (J. T. A.) Die zionistische Exekutive in Jerusalem und der Waad Leumi erließen heute eine Erklärung, in der den britischen militärischen Streitkräften in Palästina im Namen der jüdischen Bevölkerung des Landes der Dank dafür ausgesprochen wird, daß sie die Ruhe I wiederhergestellt haben. Die britischen See- und Luftstreitkräfte, heißt es in der Erklärung, haben nach den Angriffen auf die jüdische Gemeinschaft, die von den Juden in keiner Weise provoziert wurden, i wirksam eingegriften und überall Leben und Eigentum : geschützt. Die Palästina-Judenheit bedauert, daß an j einigen Orten, in denen Truppen stationiert sind, die! jüdische Bevölkerung durch die vorangegangenen Unruhen und Plünderungen in eine solche Not geraten ist, daß sie den Truppen nicht eine Gastfreundschaft in gewünschtem Maße gewähren kann. Die zionistische Exekutive und der Waad Leumi bedauern, daß Mitglieder der britischen See-, Land- und Luftstreitkräfie Palästina unter so tragischen' Umständen zu sehen bekommen, und hoffen, daß sie das Land unter glücklicheren Bedingungen sehen und den Fortschritt des jüdischen Werkes des Aufbaues und der sozialen Entwicklung werden feststellen können. Gleichzeitig wird den vielen britischen Staatsbürgern in Palästina, die sich freiwillig als Sonderpolizisten anwerben ließen und Nacht für Nacht Dienst getanhaben, um die Einwohner zu schützen, der Dank des jüdischen Jischuw ausgesprochen. —■■•■■■■■.—■ —mi—■——4 VWMM———. Verhaftungen und Verurteilungen Zwei jüdische Gedenkvcrsammlungen abgesagt Jerusalem, 23. September. (J. T. A.) Das Oberrabbinat für Palästina hat für Sonntag nachmittags zwei Gedenkversammlungen für die jüdischen Opfer der arabischen Unruhen angesagt. Zur Vermeidung von Demonstrationen und zwecks Beruhigung der nervösen Stimmung hat sich das Rabtrnat entschlossen, die Versammlungen abzusagen. „Schloschim“-Gedenkfeicr für die Toten von Hebron Jerusalem, 23. September. (J. T. A.) Am E.de des Trauermonats nach den in Hebron ab,geschlachteten Juden wurden in den Synagogen Trauergebete gesprochen. Die hebräische Tageszeitung «Haarez» widmet den Opfern von Hebron eine Sondernummer, die Nachrufe auf jedes einzelne der Opfer enthält. Einer der Ueberlebenden der jüdischen Gemeinde Hebrons schreibt im Namen der zeitweilig in Jerusalem untergebrachten Juden von Hebron dem «Haarez»: «Hungernd, dürstend, aus Wunden blutend, in Schmerzen uns windend, verließen wir Hebron; trotzdem: wir werden in diese Stadt zurückkehren. Wir werden die Gräber unserer Vorfahren nicht unreinen Händen überlassen. Wir werden nach Hebron zurückkehren, aber nicht mit Schwert oder Dolch, sondern mit der Kraft ewiger Wahrheit, mit Mut und Entschlossenheit, die Ruinen wieder aufzubauen. An der Stelle des verwüsteten Gotteshauses werden wir ein neues Gotteshaus errichten, und von der Kuppel dieser neuen Synagoge werden wir friedlich den Muezzin grüßen, der die gläubigen Moslemiten von der Spitze des Minaretts zum Gebet ruft.» Juden leisten Arabern Hilfe Jerusalem, 20. September. (J. T. A.) Ein mit Arabern besetzter Autobus stürzte in der Nähe der jüdischen Kolonie Nahalal um und begrub die Passagiere unter sich. Jüdische Kolonisten aus Nahalal eilten den Verunglückten zu Hilfe, zogen die Verletzten aus dem umgestürzten Autobus hervor und brachten sie in das Krankenhaus in Haifa. Muftidämmerung? Die Araber des Dorfes Lifta in der Nähe von Jerusalem, die als die ersten den Angriff auf die Juden von Jerusalem, Moza und anderen Orten, am 23. August vollführten, hielten, wie aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, am vergangenen Freitag eine Beratung ab, in der beschlossen wurde, den Großmufti von Jerusalem aufzufordern, den Dorfbewohnern Geld für den Unterhalt oder Beschäftigung zu verschaffen, da sie durch ihn ins Unglück gestürzt worden sind. Es verlautet, daß die Lifta-Baüern, die seinerzeit von dem Mufti die Aufforderung erhalten haben, den Angriff auf Jerusalem zu beschleunigen, ihn nunmehr für das Mißlingen des Angriffes verantwortlich machen. Die Führer der Moslemiten im Distrikt Gaza bereiten ein Memorandum an die Regierung vor, in welchem sie ihre Gegnerschaft gegen den Jerusalemer Großmufti und seine den Frieden störende Politik zum Ausdruck bringen. Die in weiten Kreisen der palästinensischen Araber bestehende Stimmung gegen den Großmufti von Jerusalem, den man für die Unruhen verantportlich macht, hat auch auf Aegypten übergegriffen. 200 prominente Araber Aegyptens haben beschlossen, nach Palästina zu gehen, um eine Versöhnung zwischen Juden und Arabern herbeiführen zu helfen. Es wird ferner berichtet, daß in Aegypten schon von früher her ein allgemeines Mißtrauen gegen den Jerusalemer Mufti Platz gegriffen hat, da er der Aufforderung, über die von ihm in den verschiedenen arabischen Ländern gesammelten Fonds für die Restaurierung der Omar-Moschee volle Rechnung abzulegen, nicht nachgekommen ist. Ein Jude paßt ihnen nicht Jerusalem, 16. September. (J. T. A.) Die Araber von Nablus sandten dem Oberkommissär Sir John Chancellor ein Memorandum, in welchem sie dringend fordern, daß der Chef des Justizdeparteinents der Palästina-Regierung, Norman Bentwich, entlassen werde. Sie halten es nicht fiir angemessen, daß ein Jude höchster Justizbeamter des Landes und Mitglied der Regierung sein solle, sie fordern die Besetzung seiner Stelle mit einem Nichtjuden. „Felestin“ hetzt Jerusalem, 18. September. Die arabische Zeitung «Felestin» erklärt, die .Araber haben ebenso das Recht, die Juden von Palästina fernzuhalten, wie die Vereinigten Staaten das Recht sich nehmen, Japiner von der Einwanderung ausj zuschließen. Wenn, fährt die Zeitung fort, an die Stelle jedes getöteten Juden tausend andere Juden treten würden, wie dies Dr. Weizmann in London gesagt hat, so würde England gezwungen sein, an jede jüdische Tür in Palästina einen .Wachposten zu sttTen, und [ schließlich würden sich die britischen Bajonette gegen ' die Juden selbst richten. Die hebräische Tageszeitung «Haarez» fragt, ob die Regierung gegen eine Zeitung, die Blutvergießen predigt, vorzugehen gedenkt. Dunkle Mächte an der Arbeit Jerusalem, 21. September. ln jüdischen Kreisen Jerusalems und des ganzen Landes befestigt sich die Ueberzeugung immer mehr, daß gewisse Kreise der Palästina- Administration mit allen Mitteln darauf hinarbeiten, eine Mitschuld der Juden an den tragischen Vorfällen um jeden Preis zu konstruieren, um die gewünschte „Atmosphäre“ für die anfangs Oktober hier ein treffende Untersuchungskommission zu schaffen. Je mehr der Augenschein, das Beweismaterial und die Logik gegen die Araber sprechen, um so mehr gelmn sich diese Engländer die Mühe, dio inosfemitischon Greuel in einem milderen Lieht erscheinen zu lassen, die Behauptungen der Juden in Zweifel zu ziehen und angeblich von Juden begangene Verbrechen zu entdecken. Jüdische Persönlichkeiten halten Gelegenheit, Einblick in Berichte, die von britischen Beamten hergestelit wurden, zu nehmen, in denen davon die Rede ist, daß Juden Araber angegriffen haben, ja, daß sogar Juden von Arabern bei Plünderungen ertappt wurden. Auch von jüdischen Morden an Arabern ist viel in diesen Berichten die Rede. Die Proklamation des Oberkommissärs Chancellor, in welcher ein Verdaramungsurteil gegen die arabischen Bestialitäten ausgesprochen wurde, wurde auch von diesem Kreis englischer Beamter sehr übel aufgenommen. Auf Chancellor selbst wurde seitens dieser Kreise ein starker Druck dahin ausgeübt, daß er seine erste Proklamation abschwäche. Auf diesen Druck hin hat sich Chancellor seinerzeit j veranlaßt gesehen, zur Versöhnung der Arabelr | eine zweite Proklamation zu erlassen, in der ganz allgemein von „Verbrechen“ die Rede ist, so daß der Eindruck entsteht, als ob auf beiden Seiten eine Schuld besteht. Aber auch diese Proklamation war nicht ganz nach dem Sinne dieser Beamten. Sie traten dafür ein, daß Chancellor noch weiter gehen und eine dritte Proklamation erlassen solle, die ganz im Sinne der Araber gehalten und in der jedes Vorkommen von Bestialitäten abgeleugnet werden soll. Diese Beamtenkreise zeigen sich sehr beflissen, die ganze Schuldfrage in eine Schablone zu bringen und zu je 50 Prozent auf Araber und Juden zu verteilen. In jüdischen Kreisen befürchtet man, daß sich diese Version bis zur Ankunft der englischen parlamentarischen Untersuchungskommission durchsetzen könnte, was ein großes Unglück wäre. Es wird der Wunsch ausgesprochen, daß von jüdischer Seite durch Herbeischaffung des gravierenden Materials diese Abs’cht durchkreuzt werde. Die jüdischen Kreise stehen auf dem Standpunkt, daß die Untersuchung entweder nach einer Richtung: arabische Verbreohen, oder nach drei Richtungen: gegen Araber, Juden und palästinensische Administration geführt werden müsse. Sollte sich die Untersuchung auf der Grundlage von 50 zu 50 geführt werden, so wird dies zur Folge haben, daß das Recht der Juden auf Entschädigung nicht anerkannt worden wird, auch wenn es sich heraussteilt, daß Juden keinerlei Schuld an den Ereignissen trifft. Man ist überzeugt, daß, wenn sich die Untersuchung na< ’ allen drei Seiten erstreckt, auch ein« wesen! liehe Schuld seitens der britischen Administration festgestellt werden wird i