Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 93 (26.9.1929)
- Date
- 1929-09-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
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Nr. 98 DIE STIMME Seite S Anklageerhebung gegen einen Massenmörder Jerusalem» 21. September. (J, T. A.) Gegen einen arabischen Chauffeur in Hebron wird die Anklage erhoben» 19 Juden ermordet zu haben. Der Angeklagte selbst gab vor der Polizei zu» daß er 15 Juden getötet hat. 15 Beteiligte an der Ermordung der Familie Makleff festgestellt Jerusalem, 20. September. (J. T. A.) Fünfzehn Araber aus den Moza benachbarten Dörfern wurden von dem einzigen überlebenden Mitglied der abgeschlachteten Familie Makleff als die Mörder erkannt. Sie wurden in Haft behalten und werden sich wegen Mordes zu verantworten haben. Die Untersuchung gegen sie führt Polizeirichter Kemp, einer der wenigen Amerikaner im palästinensischen Zivildienst. Unter den Verhafteten befindet sich auch ein Beamter des Gesundheitsdepartements der Regierung, der zwar in Moza nach der Ermordung der Familie Makleff eintraf, sich aber an der Plünderung und der Niederbrennung des Hauses beteiligte. Der Polizeioffizier Sheetreit, ein Jude, wird in diesem Prozeß als öffentlicher Kläger fungieren, während der Jerusalemer Waad Hair einen Anwalt zur Vertretung der Zivilpartei stellen wird. Das am Leben gebliebene Mitglied der Familie wurde aus den verbrannten Trümmern mit schweren Brandwunden noch lebend hervorgezogen. Eine dramatische Szene vor dem Jerusalemer Gericht Jerusalem, 20. September (J. T. A.) Vor dem Jerusalemer Gericht spielte sich heute eine dramatische Szene ab, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Der jüdische Polizeiunteroffizier Schneirson hatte während der Unruhen gegen einen Araber die Anzeige erstattet, daß dieser ihn erschießen wollte. Der zuständige Polizeioffizier weigerte sich, seine Anzeige zu Protokoll zu nehmen. Schneirson erstattete nichtsdestoweniger Anzeige vor Gericht, das ein Verfahren eingeleitet und die Ver-v handlung für heute eingesetzt hatte. Richter Kermack, der die Verhandlung leitete, wollte die Darlegungen Schneirsons nicht anhören und schien dem angeklagten Araber Glauben schenken zu wollen. Darauf zog Schneirson erregt seinen Beamtenrock aus und rief, es sei unter den jetzigen Verhältnissen unmöglich, .einen Polizeidienst auszuüben. Das hatte zur Folge, daß der Richter sich eingehender mit dem Ankr^gemäterial. befaßte und schließlich den angelegten Araber zu einem Jahr Gefängnis verurteilte. Aber auch der jüdische Polizeibeamte Schneirson wurde, wegen der. von ihm hervorgerufenen Szene in Haft" genommen. . Die Arbeit der Gerichte (Eigenbericht der „Stimme“.) Jerusalem, 23. September.. Unter der Beschuldigung, an den Plünderungen und Brandstiftungen in Safed teilgenommen zu haben, wurden 150 Araber aus Safed, unter ihnen mehrere Scheichs und Schriftsteller, sowie etwa 70 Araber aus den Dörfern der Umgegend von Safed verhaftet. Gegen zehn der er hafteten wird die Anklage wegen Mordes er'?n. Heute wurden 18. der Verhafteten, die d^s I'aubes und der Brandstiftung beschuldigt sind, verhört. Der Sehcich von Thalit, einem Dorfe in der Nähe der angegriffenen und ausgeraubten jüdischen Kolonie Jessod Hamaalahj der die Angriffe organisiert hatte, ist, als ein Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde, geflüchtet. Sein Sohn und sein Bruder wurden wegen Mitschuld an der Organisierung des Raubzuges gegen Jessod Hamaalah verhaftet. Unter der Judenheit von Haifa herrscht große Erregung wegen des Umstandes, daß mehr als 40 Haifaer Juden, die an der Selbstverteidigung te:lnahmen, in der Zitadelle von Acco noch immer eingekerkert sind und trotz des Angebotes e*ner angemessenen Bürgschaft nicht freigelassen werden. Das Gericht in Jaffa verurteilte einen Araber aus Yavne, der im Besitz von Waffen befunden wurde, zu 18 Monaten Gefängnis. Ein zweiter Araber, der zum Angriff auf Tel-Aviv 1 n fi a b er: Richard Herzog Adlergasse . Toi. R-23-4-90 » II.» K<. Pfarrg. 28 Toi. A.41-6-24 alie jüdischen und hebräischen Schallplatten sowie alle modernsten Tanz- und Gesangsschlager in reichstor Auswahl auf Laßen Auch Teilzahlungen l Provinzversand! 8oeben neu* original-amerikanische Lieferungen olngelangt gehetzt hat, wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der jüdische Kaufmann’Kvasso wurde auf -Grund der Aussage, eines Arabers, daß er bei der Verteidigung der von Arabern angegriffenen jüdischen Villenvorstadt Bajith Wegan einen der Angreifer getötet hat, verhaftet. Der Jerusalemer Jude Rabinowitz, bei dem eine Waffe> gefunden wurde, erhielt eine Geldstrafe von 15 Pfund zudiktiert. Zweierlei Maß Aus Jerusalem wird uns gemeldet: Wie die Behörden gegen die Araber und wie anders sie gegen die Juden Vorgehen, wird durch die Tatsache illustriert, daß in Jerusalem, wo Araber gefährliche Angriffe auf die jüdischen Stadtviertel unternommen hatten, im ganzen acht Personen verhaftet worden sind. Von diesen wurden nur zwei vor Mozza Die tote Kolonie Von Josef Gal-Eser, Jerusalem. Bis zur Straße Montefiori und Beth Hakerem beginnt wieder das Leben und der Verkehr zu pulsieren. Weiter aber sieht man nur ganz vereinzelte arabische und nur äußerst selten jüdische Automobile. Noch geiht kein Wanderer auf der Straße nach Mozza, keine Kamelkaraiwane, und wenn ein einsamer Hirte in geraumem Abstand vom Straßenrand seine Ziegen und Schafe weidet, so springt er erschrocken zurück, wenn eine Autohuppe ertönt. Ist es wirklich Angst, oder nur ein schlechtes Gewissen? — Selten trifft man eine Gruppe vön arabischen Frauen. Sie gehen nicht zur Stadt, noch ist der Markt für sie so gut wie verschlossen. — Einsam liegt das arabische Dorf Liftah. Dieses Dorf hat seit Jahrzehnten jüdisches Geld aufgespeichert, seine ganze Produktion an Gemüse, Eier, Hühner etc. an jüdische Hausfrauen nach Jerusalem verkauft,. — und in den Tagen des Schreckens, da waren die Leute von Liftah Unter den ersten Angreifern in Jerusalem, in der Stadt, in Romemah, Montefiori und Beth Ha'kerem. Jetzt liegt das Dorf still und vereinsamt. ßin großer Teil der Männer ist verhaftet. Ein arabisches Auto aus Jaffa, kommt vorüber. Mißtrauisch blicken die Insassen nach allen Seiten. Und dann erscheint Mozza, die zerstörte Kolonie. Schon das erste Haus neben der Ziegelfabrik ist eine vollkommene Ruinenstätte. Die Ziegelfabrik scheint äußerlich fast unversehrt; aber im Innern ist vieles zerstört, der Motor zerbrochen. Unter der kleinen Zahl der Kolonisten von Mozza gab es solche, die durch emsigen Fleiß sich zur Wohlhabenheit emporgearbeitet hatten, und gerade diese haben in schrecklicher Weise zu leiden. Sie beschäftigten mehr arabische Arbeiter aus dem- Nachbardorf als Juden, und diese arabischen Arbeiter waren es, die am blutigen Sabbat geaubt, zerstört, und gemordet halben. Man kennt die Namen der meisten von ihnen. — Ueber einem der zerstörten jüdischen Häuser liegt im ruhigen Nachmittags-Sonnenlicht das Araberdorf Kalania. 70 seiner Bewohner wurden verhaftet; die Juden hatten sie beim Angriff erkannt. Und wie hätten sie sie nicht kennen sollen, mit denen sie seit Jahren zusammen gearbeitet hatten? — Etwas tiefer von der Straße liegen die Ruinen des Wohnhauses und der Wirtschaftsgebäude des Kolonisten Maklef. Der schöne Garten ist vernachlässigt, seit zehn Tagen unbewässert. Ueberall liegt auf den Wegen zerbrochener Hausrat. Auf den Treppen aber und an verschiedenen Stellen des. Hofes große dunkle Flecke von geronnenem Blut. In bestialischer Weise ist die fünfköpfige Familie des Kolnoisten und ein 84jübriger Rabbiner aus Jaffa ermordet worden. Nach der Plünderung wurde das Haus mit den Leichen der Kinder verbrannt. Noch schwelt es in der verbrannten Scheuer. Alle Gegenstände, die nicht weggeschleppt werden konnten, wurden zerbrochen und unbrauchbar gemacht. Die Pogromhelden hatten genügend Zeit für gute Arbeit. — Totenstille über der vernichteten Wirtschaft. Die einzigen Lebewesen sind einige abgemagerte Tauben in der Höhe des Taubenschlages; zu Füßen desselben liegen einige verhungerte Tierchen. Auch der Besitz des Kolonisten Brose, der in vierzigjähriger Arbeit sich ein 'schönes Anwesen geschaffen hatte, und den man im ganzen Lande kennt und hochschätzt, wurde völlig vernichtet. — Noch vor zwei Wochen saßen wir in seinem gastlichen Hause und lauschten seinen Erzählungen vom Besuche Theodor Herzls in Mozza, tranken seinen guten Wein und aßen Gericht gestellt und kamen mit einer geringfügigen Strafe davon. Demgegenüber wurden In der jüdischen Stadt Tel Aviv, wo nur eine Selbstverteidigung gegen Angriffe von außen in Frage kam, 22 Personen verhaftet, von denen zwei des Mordes angeklägt werden. In einem einzigen Hause, in welchem zwei Gewehre gefunden wurden, wurden 15 Personen, unter ihnen eine alleinstehende Frau und drei Kinder, verhaftet In der jüdischen Kolonie Rechoboth wurden drei yemenitische Juden, die an der Bewachung der Kolonie teilnahmen, verhaftet Zwischen dm Zeilen Die Stimme der Erzväter So entstehen Legenden auch in unseren Tagen. In Hebron hören Araber nachts das wehe Klagen unserer Väter: «Söhne Ismaels, was habt ihr getan? Warum habt ihr das unschuldige Blut unserer Kinder vergossen?» Abraham, Isaak und Jacob trauern, weinen, nehmen sich der bestialisch Ermordeten an. Die Medrath- Machpelah — vielleicht das älteste Grab der Welt —- ist in Aufruhr. Wer weint, wer klagt, wer trauert? Wir glauben an keine Legenden. Aber wir glauben an das Gewissen. Es rührt sich, es gibt keine Ruhe und schreit in die Nacht hinaus.' ln die Nacht des Heiligen Landes, wo Israels und Ismaels Söhne zusammen leben. Das Gewissen der Mörder klagt die Mörder an. Der Fellache erzittert, der Beduine erstarrt, der blutrünstige Hetzer im roten Fes will fliehen —■ vor sich selbst. Es jagen ihn Gespenster. Die Stimme Abrahams, Isaaks and Jacobs. Das unschuldig vergossene Blut der Hebroner K’doschim schreit gegen Himmel. Die Mearath-Machpelah ist im Aufruhr. So entstehen Legenden auch in unseren Tagen. S em. Der jüdische Selbstschutz wird ins Goldene Bach eingetragen London, 23. September. (J. T. A.) Die palästinensischen Studenten, die an der Londoner Univensitäf studieren, haben beschlossen, den Selbstschutz in Palästina in Anerkennung seiner Leistungen ins Goldene Buch des Nationalfonds einzutragen. Der gewesene Kolonialminister Ämery über die Palästinaereignisse (Eigenbericht der «Stimme».) . Anläßlich einer Rede, die Amery ih Torronto gehalten hat, äußerte er 6ich über das Paläs tina-Problerpt folgendermaßen: Britannien wird seine Politik auf Grund der Bai« four-Deklaration fortsetzen. Die Schuldigen an den letzten Ereignissen werden bestimmt der gerechten1 Strafe zugefü'hrt werden. Es müssen Wege und Mittel gefunden werden, um den Konflrktssfoff im Zusammen«-: leben der Juden und Araiber aus der Welt zu schaffen. Im übrigen darf uns ein Uebermaß von religiösem Fanatismus, der ja im Osten üblich ist, nicht zu pessimistischen Schlußfolgerungen verleiten. seine köstlichen Aprikosen. — Jetzt ist alles vernichte^ sein Haus wurde geplündert, seine schönen Hühner, wurden gestohlen, und im Hof liegen noch die Kadaver, der Kühe, welche die Unholde geschlachtet haben, weü sie sie nicht mitnehmen konnten, — Der 60jährige Mann, dessen Augen noch vor 14 Tagen vor , Lebensmut sprühten, kann noch immer nicht das Schreckliche fassen. Seine Aussagen werden viel zur Bestrafung der Schuldigen beitragen. Er war in der Lage* eine große Liste mit Namen der Angreifer aufzüstellen. Er sah auch den arabischen Polizisten von Mozza, der unaufhörlich mit seinem Dienstgewehr den Angreifern half, und auf jüdische Automobile schoß, die den unglücklichen Kolonisten von Mozza Hilfe bringenf wollten. Kein jüdisches Haus in Mozza blieb unberührt Auch den hebräischen Kindergarten, in dem doch nichts zu holen war, haben die rachesüchtigen Banditen völlig zerstört. Das traurige Bild der Zerstörung in Mozza verliert aber von seiner Trostlosigkeit, wenn man mit dem Kolonisten Brose spricht. Er ist fest entschlossen, so rasch als möglich nach Mozza zurückzukehren und mit neuem Mut an<*eue Arbeit zu gehen. «Noch steten meine Weinstöcke und im nächsten Frühling werden wieder meine Aprikosen reifen. Noch bin Ich, nicht alt genug, um die Hände kraftlos in den Schoß zu, legen. Am Kascheh oref Anachnu, wir, sind ein hartnäckiges Volk. Keine Spanne Boden werden wir aufgeben, keinen Siedlungspunkt werden wir verlassen* und ungebrochenen Mutes bauen wir das Zerstörte' wieder auf.» Und diese Stimmung weht fast, durchs ganze bin-, tende Land. Wir bauen die Ruinen wieder auf, umr wir wollen weiter bauen.