Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 93 (26.9.1929)
- Date
- 1929-09-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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OIE STIMME Sette 3 Nr. 93 KUNEROL lat verbürgt reines Fett ans Kokosnüssen. Die Erzeugung steht unter streng rituetier Aufsicht des Herrn Bezirksrabbineis S. Ehrenfeid zu Mattersburg. KUNEROL kann daher von jedem Strenggläubigen zur Zubereitung det Speisen verwendet werden. bar vor uns stehenden Probleme der Erziehung und der Immigration werden durch Joseph Sprinzak behandelt. Wir haben den Wunsch, schloß Colonel F. H. Kisch, allen, die uns geholfen haben, und uns noch immer helfen, die uns geschlagenen Wunden zu heilen, den Dank der Zionistischen Exekutive und der palästinensischen Judenheit auszusprechen. Obwohl man uns viele Leben zerstört, viele Körper verstümmelt hat, ist der Geist der Judenheit Palästinas uncrschüttert geblieben. Palästinas Schicksalsstunde*) Von unserem Korrespondenten M. Y. Ben-Gavriel (Jerusalem) In dem Augenblick, da diese Zeilen geschrieben werden, kann man noch nicht festste!!©», ob der Aufwand niedergeschlagen oder ob nur eine Ruhepause vor neuem Sturm eingetreten fc;. Wie immer aber die Situation ist, steht es außer Frage, daß das Land und seine beiden Völker sich nicht den Luxus weiterer Feindseligkeiten leisten können, ohne einem, in seiner Art einzigartigen, wirtschaftlichen Zusammenbruch entgegenzugehen. Keine der beiden kämpfenden Parteien, nicht die angreifenden Araber und nicht die angegriffenen Juden, fühlen sich besiegt, ihre Verluste an Menschenleben halten sich beiläufig die Waage und ihr Wille, ihren Zielen auch in Zukunft nachzugehen, scheint ungebrochen. Hier und dort. Die Araber, dias heißt die durch die Familie Husseini geführten, für welche der Kampf primär ein familienpolifischer Kampf um die Macht ist, diese Araber machen in täglich neuen Aufrufen kund, daß sie von ihren Forderungen, Parlament für Palästina und Annullierung, der Balfourt>eklaratio>n — Errichtung einer nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina.— nicht abgehen werden. Ihre Drohungen sind auch heute noch fast unverhüllt. Andererseits aber ist der Wille der Juden, das unter ungeheuren Opfern an Menschenleben, Gesundheit und ökonomischen Werten begonnene Aufbauwerk fortzuführen, trotz der blutigen Ereignisse und trotz des Versagens der britischen Administrationsbeamten, ungebrochen. Zwei anscheinend pojar entgegengesetzte Willensäußerungen stehen einander gegenüber. (Der von den Russe in is vom Zaun gebrochene Klagemauerstreit ist eine künstliche Angelegenheit, ohne realen Hintergrund und scheidet daher bei ehrlicher Untersuchung des Problemes aus.) In der Mitte zwischen den beiden Parteien aber steht die englische Mandatarmaclit, die zwar durch die Balfour-Deklaration, durch diesen außenpolitisch unanfechtbaren Staatsvertrag mit dem jüdischen Volk gebunden ist, aber, wie die Ereignisse der letzten Jahre bewiesen, dem jüdischen Volk keines der versprochenen Sonderrechte vor anderen einwandernden Nationen — es sei denn die hebräische Sprache als eine der drei Staatssprachen — zuerkannte. Daß es trotzdem zum arabischen Angriff i kam, läßt den Schluß naheliegend erscheinen, daß es sich einerseits um einen Existenzkampf der Effendifaiinilic Hussein! handelte und andererseits, daß es zu einem Aufstand auch ohne die Anwesenheit der Zionisten gekommen wäre. Die Erhebung nahm die Balfour-Deklaration und die ganze verlogene Klagemauerangelegenheit nur zum Vorwand. Dies ist festzuhalten. Das Gemetzel von Hebron und von Safed und die vielen von den jüdischen Bauern zurückgescblagenen Angriffe im ganzen Lande waren, soweit sie nicht reine Raubaktionen, der durchaus unpolitischen Beduinen waren, Aktionen, die sich nur deshalb gegen die jüdischen Siedlungen richteten, weil dieselben die dem einfach konstruierten Feliahen augenfälligsten Angriffspunkte waren und weil von den in ihren Bureaus versteckten Hintermännern der Bewegung, arabischen Advokaten, Aerzten und den Muftis, die Massen nur durch ein religiöses Stichwort, und wäre es noch so absurd, in Bewegung zu bringen sind. Von einer latenten judenfeindschaft des arabischen Volkes in P a1ä s t i n a kann nichtgesprochen werden. Da aber ein Religionskrieg gegen die paar Engländer im Lande nicht zu führen ist, mußte versucht weiden, auf dem Rücken der Juden, die man unbewaffnet wähnte, dunklen Zielen nachzugehen, die durchaus andere waren, als die des syrischen Auf" Standes, dor heute von den Kommunisten in Europa aus parteiopportunlstischen Gründen mit der palästinensischen Bewegung auf eine Basis gebracht wird, Die *) Es sei bemerkt, daß wir mit den Ausführungen unseres geschätzten Mitarbeiters nicht ganz über ein stimmen* (Rad.) britische Administration erkannte die Hintergründe des sich monatelang vorbereitenden Sturmes nicht oder wollte sie nicht erkennen. Um dieses Fehlers willen mußten mehr als dreihundert Juden und Araber sterben. Jetzt aber, ehe die Untersuchungskommission ihr Werk nicht begonnen hat, ist nicht über die Schuldfrage zu sprechen. In diesem Augenblick ist es notwendiger, die Frage nach der Zukunft zu stellen. Und diese Frage ist mit einem Wort zu beantworten: Friedensschluß. Friedensschluß, so unpopulär dieses Wort auch heute in den von allen Fiebern noch immer geschüttelten Land klingen muß. Es kommt nicht darauf an, wer den ersten Schritt dazu tut, es kommt allein darauf an, daß die beiden Gegner sich an den grünen Tisch setzen. Wer sie dazu bringt, die Einsichtigen in beiden Lagern, die Engländer oder aber ein außenstehender ehrlicher Vermittler, sagen wir aus ägyptischen Kreisen oder gar, so phantastisch dies klingen mag, Ibn Sa’ud, der König der Wahhabi, der größte arabische Führer der Gegenwart, der weder Jude noch Anhänger des offiziellen Islam ist — dies ist hier nicht zu untersuchen. Festzustellen ist nur, daß das Land dringend des Friedens bedarf und daß das Land gemeinsam aufgebaut werden muß. Dies aber kann nur auf Grund eines feierlich geschlossenen Dauerfriedens geschehen, der Möchte mich als 3£ultm§efcretür Organjsattonsleiter oder auf' einem kulturellen Verwalt'unssposten in jüdischem Wirkungskreis betätigen und bitte alle meine zionistischen Freunde, mich von eventuellen Möglichkeiten,' die ihnen bekannt werden, zu verständigen. P. KAWINAR-KOESER. Wien. II.. Hermlnengasse 18/12. Die Aufnahme von 50 Juden in das transjordanische Grenzkorps Jerusalem. (J. T. A.) In das transjordanische Grenzkorps wurden 50 Juden in den letzten Taigen aufgenommen. Noch immer Nervosität J e r u s a I e m, 20. September. Am Donnerstag nachmittags waren Gerüchte im Umlauf, daß aus Anlaß des heutigen Freitag wiederum große Massen Araber aus der Umgegend nach Jerusalem ziehen, und daß die Absicht besteht, nach dem Gottesdienst in der Moschee wiederum einen Angriff auf die jüdischen Viertel Jerusalems durchzuführen. Als man den Gerüchten nachging, stellte es sich heraus, daß sie in Aeußerungen arabischer Polizisten ihren Ursprung hatten. Und noch immer Hetze Jerusalem, 21. September. Arabische Agitatoren benutzen die nervöse Stimmung zur Hervorrufung einer Panik und zur Aufhetzung der Araber. Ein arabischer Junge erzählte, es sei ihm in der Jaffastraße, der Hauptstraße Jerusalems, von einem unbekannten Manne ein Messerstich versetzt worden. Ein arabischer Agitator, der sich in Begleitung des Jungen befand und anscheinend die ganze Sache in Szene gesetzt hatte, lief durch die Altstadt und forderte die Araber auf, dieses Verbrechen an den Juden zu rächen. Der Vater des angeblich gestochenen Knaben stürmte in das Bureau des Gouverneurs Keith Roach und forderte, daß man von den Juden Blutgeld einhebt. (Jta.) Die eutwaffneten englischen Juden protestieren J e r u s a 1 e m, 20. September. Wie die J. T. A. erfährt, hat der Oberkommissar Sir John Chancellor dem Kolonialamt in London ein Memorandum der in Jerusalem wohnenden britischen Juden übermittelt, in welchem diese dagegen Protest erheben, daß sie während der Unruhen durch die Behörden entwaffnet worden waren, während gleichzeitig die nichtjüdischen britischen Staatsangehörigen ihre Waffen behalten durften. \ .klung von Vorschüssen auf Konto der Entschädigungen (Eigenbericht der «Stimme».) Jerusalem, 21. September. Die Regierung hat in einer besonderen Verordnung bestimmt, daß für während der Unruhen in Paausschließiich und allein das Ergebnis von Verhandlungen von Volk zu Volk sein kann. Das Verhandlungsziel ist klar: ein sich selbstverwaitendes Palästina, etwa nach dem Muster der Schwefe, das jedem Volk innere Unabhängigkeit garantiert und. jede Majorisierung ausschließt, wie immer auch das Zahlenverhältnis ist. Dies unter Garantie, Schutz und Exekutivgewalt der Mandatarmacht im Namen des Völkerbundes. Die Mandatarmacht hat die Beschlüsse der auf Grund ihrer Konstitution jede Majorisierung ausschließenden palästinensischen Volksvertretung durchzuführen. Selbstverständlich müßten gewisse existenzwichtige Belange der Juden, wie Einwanderung usw. unter Garantie des Völkerbundes etwa, geschützt sein. VVas immer aber zur Basis der unbedingt notwendigen Friedensverhandlungen, die von Einsichtigen auf beiden Seiten gefordert werden, gemacht wird, ist e6 sicher, daß Sicherungen — von Volk zu Volk — geschaffen werden müssen, die Ueberfälle für alle Zukunft ausschließen. Der palästinensische Lebensraum hat Platz für zwei Völker, aber nur für einen Aufbauwillen. Die anderen Fragen, wie Sühne, Aenderung des Kurses der englischen Politik und Administration. Auswechslung der schuldigen Beamten — einer der Hetzer, der auch im Jahre 1921 bei dem ersten Arabersfurm seine Hand nachgewiesen im Spiele hatte, ist noch immer Gouverneur in Beersheba — sind Gegenwartsfragen, die hoffentlich von der in den nächsten Tagen aus England kommenden Untersuchungskommission erledigt werden dürften. Die Z u k u n f t , des Landes aber hängt nicht von dieser, sondern von einer jüdisch-arabischen Friedenskommission ab, wem* der Friede kein künstlicher, kein erzwungener, kein b< I waffneter Friede sein soll. f lästina erlittene Schäden Vorschüsse bereits jetzt erfolgen können, unabhängig von der Durchführung des Verfahrens im einzelnen. Bewerbungen müssen an Mr. A. Abramson, dem Kommissar für Entschädigungsangelegenheiten, eingereicht werden, der auch darüber zu bestimmen hat, in welchen Fällen die Vorschüsse ausgezahlt werden können. Schutz für das Rahcl-Grab Jerusalem, 23. September. (J. T. A.) Auf Ersuchen des palästinensischen Oberrabbinates läßt die Regierung das Grab der Erzmutter Rahel und den Weg, der von Jerusalem zu diesem Grab führt, durch Militärpatrouillen bewachen. Während des jüdischen Monats Ellul bildet das Rahel-Grab das Ziel zahlreicher Pilgerzüge. Araber von Hebron hören Abrahams Stimme aus der Höhle von Machpelah Jerusalem, 23. September. (J. T. A.) „Palestine Bulletin“ veröffentlicht eine Mitteilung aus Hebron, der zu entnehmen ist, daß den Arabern, die an der Abschlachtung der Juden beteiligt gewesen sind, das Gewissen zu schlagen begonnen hat. Ein Araber erzählte, daß er Nacht für Nacht die Stimme des Erzvaters Abraham aus der Höhle Machpelah rufen hört: „Ihr Söhne Ismacls, warum habt Ihr meine Kinder abgesehlachtet, warum habt ihr die Namen eurer Väter in Unolire gebracht?“ Anfangs, so erzählt der Araber, klingt die Stimme leise, mit dem Dunkel der Nacht steigert sie sich zu einem mächtigen Ruf. Die Erzählung dieses Arabers hat unter den Moslemiten Hebrons Besorgnisse hervorgerufen. Es melden sich weitere Araber, die die gleiche Stimme zu vernehmen glauben. Die Moslemiten beraten über Mittel, die Patriarchen zu besänftigen. Harry Sacher in Jerusalem eingetroffen Jerusalem, 23. September. (J. T. A.) Da Mitglied der Zionistischen Exekutive, Dr. Harry Sacher, ist heute in Palästina wieder eingetroffen und hat die juristische Bearbeitung des von den Juden der parlamentarischen Unterem chungskommission zu unterbreitenden Materials übernommen. Ein hervorragender niohtjüdischer Anwalt wird voraussichtlich Sacher hierin unterstützen. Die Lage in Erez Israel