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Die Stimme · 1929-09-19 · Heft 92 (19.9.1929) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 92 (19.9.1929)
Date
1929-09-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Jängjo DBS STIMME Nr. 92 Juden! HHHi Spendet reichlich Sichert den Boden für das nationale Heim in Erez Israel, der Boden kenn nicht warten? anläßlich der jetzigen Leerung der Keren Kajemeth-Büchsen. Die abgelehnte Palästina- Arbeit Die jüngste Tagung der Agudos Jisroel Von Ludwig Bato Ein eigenartiges, in der Wienerstadt fremd «nmutendes Bild bietet jetzt der Wiener Sofiensaal: der zweite Kongreß der Agudas Jisroel, die Knessio Gedaulo/tagt darinnen seit einer Woche. Dem Eingang* gegenüber, am Ende des langgezogeiien Saales auf der Estrade thront der Rabbinische Rat sowie das Präsidium mit der Rednertribüne. Sowohl auf der Estrade wie im Zuschauerraum herrscht die ostjüdische Tracht vor; ehrwürdige, weltfremde Gestalten tauchen da auf und unter vielen langen Röcken werden Kniehosen mit weißen Socken und Schnallenschuhen sichtbar. Dann wieder sieht man verträumte Talmudjünger, Bachurim mit gedrehten Schläfenlocken und brave Familienväter aus der slowakischen Provinz, die sichtbar bestrebt sind, ihr Aeußeres mit den Erfordernissen einer Großstadt in Einklang zu bringen. Die wenigen Westjuden verschwinden unter ihnen, wie ein Tropfen im Meere. Dann plötzlich laufen kreuz und quer kleine Kinder durch den Saal. Den Frauen ließ der Rabbinische Rat einige Galerielogen einräumen, wo sie hinter dichtem Laubwerk sitzen sollten. Die Damen ziehen es aber offenbar vor, von dieser Erlaubnis keinen Gebrauch zu machen. Was dem Zuschauer vor allem auffällt, ist der überaus spärliche Besuch, der oft nur ein Viertel und nie mehr als die Hälfte des Saales füllt, ferner der Mangel an Disziplin, der auch schon infolge der schlechten Akustik des Saales überaus störend wirkt. Es hat den Anschein, daß die auswärtigen Gäste zu Delegierten ernannt worden seien, die Wiener Judensdhaft hingegen bringt den Beratungen überhaupt kein Interesse entgegen. Aber es ist eine jüdische Versammlung und man freut sich, viele Juden beisammen zu sehen, die für ihr Judentum Opfer bringen und sich füglich versammelt haben, um für die Erhaltung des Judentums zu wirken. Der Tagung ging eine große Anzahl von Erklärungen und Interviews voraus, die vor allem unter deutlichen Versuchen, sich den Christlichsozialen anzubiedern, erklärte, daß die Knessio der Kongreß der staatserhaltenden Juden sei, wobei auf den, ach! so oft mißbrauchten Vers des Propheten: „Fördert das Wohl der Stadt!“ verwiesen und mit einem gewissen Augenzwinkern auf die Zionisten hingedeutet wurde. Im wirklichen Mittelpunkt des Interesses stand aber nicht der Patriotismus der Agudas Jisroel, sondern ihre Stellungnahme zur Jewish Agency, denn an der Palästinaarbeit, die für eine jüdische Weltorganisation, wenn sie noch als solche gelten will, unabweislich geworden ist, krankt die Aguda schon seit langer Zeit. Der Boden der kleinen Kolonie, die die Agudas Jisroel in der Nähe von Jerusalem s:eh zu gründen angeschickt hat, ist von der Regierung zur Dekkung der Schulden vor einiger Zeit verkauft worden. Aber die jüdische Gasse im Osten, die Entwicklung der Dinge und vor allem, die Jugend im agudistischen Lager selbst drängen nach Arbeit in Erez Israel und so sah sich die Aguda veranlaßt, die Frage des Beitrittes zur Jewish Agency auf die Tagesordnung des Kongresses setzen. Aber: bereits einige Tage vor der Eröffnung wurden Stimmen in Interviews laut, daß die führende Stellung der Ziohisten, die darin zum Ausdruck komme, daß sie in der Agency die Hälfte der Mandate inne haben, von seiten der Aguda „mit Entrüstung“ abgelehnt werde. Peinliches Aufsehen erregten jedoch die Erklärungen eines anderen Führers, der darauf hinwies, daß die orthodoxen Juden mit den Arabern immer gut gelebt hätten und daß nunmehr für die arabisch-jüdische Selbstverwaltung in Palästina die Zeit gekommen sei. Eine ungewollt humoristische Note hatten großsprecherische Mitteilungen in der Wiener Presse, wie z. B., daß eine in Palästina vorgenommene „Volksabstimmung“ ergeben habe, daß dort hunderttausend Zionisten fünfzigtausend Agudisten gege n übers t ünden. So die Alten. Die Jungen gingen aber mit einem gewissen Elan daran, ihrem Drange nach Betätigung in Palästina auf der Tagung Geltung zu verschaffen. Gleich am zweiten Tage bot sich hiezu Gelegenheit, als der Vorsitzende bei der Eröffnung der Generaldebatte die Delegierten auf den gedruckten Bericht verwies, der alle Daten über die Tätigkeit der Aguda und namentlich auch über die Tätigkeit in Palästina enthalte. Da erschallt der erste Zwischenruf: „Beser gesagt: der Nichttätigkeit in Palästina!“ Der Vorsitzende stutzt einen Augenblick, bevor er antwortet: „War es denn keine Tätigkeit, daß wir brave, ehrliche Juden in Palästina aus den Händen der Kofrim (Ketzer) befreit haben?“ Großer Applaus, gemischt mit erbittertem Widerspruch der Jugend, die sich folgenden Antrag zurechtgelegt hatte: Die Jewish Agency möge den Aufbaufonds (Keren Hajessod) in zwei Teile teilen, in einen politisch-wirtschaftlichen und in einen kulturellen Fonds. Hierauf würde dann die Aguda der Agency unter der Bedingung beitreten, daß sie nur für den politisch-wirtschaftlichen Fonds arbeiten, sich jedoch an dem Kulturfonds desinteressiert erklären würde. Aber was bedeutet der jugendliche Eifer, was nutzen die goldenen Träume der Unerfahrenen? Die Entscheidung liegt wo anders. Die slowakischen Rabbiner, aus deren Reihen der Fanatiker Rabbi Chajim Sonnenfeld in Jerusalem hervorgegangen ist, drängen ihren starren, unbeugsamen, volksfremden Formalismus dem Rabbinischen Rate auf. Und das kommt den deutschen Führern und einigen polnischen Rabbinern, die die zionistische Führung „mit Entrüstung“ ablehnen, sehr zu statten. Der größte Teil der polnischen Landsmannschaft steht dem Gedanken des Eintrittes in die Jewish Agency mit warmer Sympathie gegenüber. Er wäre froh, wenn er in die jüdische Gass‘ mit der frohen Botschaft zurückkehren könnte, daß nunmehr das ganze Volk eine einheitliche Front bilde und mit vereinten Kräften daran gehe, Erez Israel aufzubauen. Auch die deutschen Juden, denen das Gespenst der Assimilation auch in eigenen Reihen täglich und stündlich entgegengrinst, wären gerne mit dabei. Sie wollen Einfluß nehmen auf die Gestaltung der Dinge in Palästina und wissen ganz genau, daß sie als Zaungäste ira Leben Palästinas niemals zur Geltung kommen können. Nun beginnt der politische Kuhhandel. Die Palästinafreunde werden mit allen möglichen Mitteln bearbeitet und mit Konzessionen auf anderen Gebieten abgespeist. Die Spannung wächst. Endlich wird am Sonntag nachmittags der gemeinsame Beschluß des geschäftsführenden Ausschusses und des Rabbinischen Rates bekanntgegeben, der unter allerhand Verklausulierungen den Beitritt zur Jewish Agency ablehnt. Schluß. Damit ist die Sache zumindest für sechs Jahre, bis zum Wiederzusammentritt der Knessio Gedaulo, begraben. Die Spannung löst sich, aber die Sieger vermögen nicht zu triumphieren. Die Stimmung ist gedrückt. Sie erhält eine tragikomische Note dadurch, daß nun die Debatte über den unumstößlichen, inappellablen Beschluß eröffnet wird. Es liegt in der Natur der Sache, daß sie mit Resignation geführt wird und dann ohne Interesse zu Ende geht. Damit endet aber auch das Interesse für die übrigen Fragen des Kongresses, denn siehe da, am folgenden Tage, als die wichtigen Fragen der Organisation und der Finanzen zur Sprache kommen, sind kaum noch fünfzig Personen im Saal, die von einer gewissen Entmutigung übermannt werden, als sie vernehmen, daß das Jahresbudget der Weltorganisation Agudas Jisroel mit lumpigen 40.000 Mark vorgeschlagen wurde. Sie sind enttäuscht, denn sie wissen nur zu gut, daß dieses lächerliche Budget eigentlich e’nen Verzicht auf die weltumspannende Organisation und das Geständnis der inneren Schwäche bedeute. Darüber täuschen auch die phrasengeschwollenep Reden nicht hinweg, die fort von „Massen“ und von einem „Appell an die ^aaze Welt“ faseln. Die „Massen“ stehen nicht hinter ihnen und die „ganze Welt“, die ihnen Verständnis entgegenbringen könnte, müßte erst entdeckt werden. Und das fühlen die meisten unter ihnen. Die Würfel sind gefallen. Die Aguda hat sich aus dem Aufbau des Landes Israel selbst ausgeschaltet und zieht sich wieder in den Schmollwinkel zurück, von dem sie dann von Zeit zu Zeit wieder mit langen Erklärungen hervortreten wird. Das jüdische Volk verlangt aber Arbeit für das Land und da es diese Arbeit bei der Aguda nicht finden kann, bleibt es der Aguda fern. Spenden für die Opfer in Erez Israel Spenden für die Opfer in Erez-Ierael beim Zionistischen Landeskomitee, Wien, L, Kämtnerstraße 28. III. Ausweis. Boiek Stern Schilling 10, Kirschner, Walter, Schotner, Kohn F., Tichau je 5, Nussenbaum 3, Parille, Perl Gottlieb, Wcidenfeld, Likower, Engel, Schmidt je 2, Stochberger, Baron, Kan-itz, Korf, Diamand, N. N.. Grünschlag, Schächter je 1, Löbl Taubes 10, Kohn Ignatz, Preminger Oskar je 100, Verein Ahawath-Achim 50, W. F. Klosterneuburg 200, Steiner Wilhelm, Doktor Glaser je 10, Josef Fischkus 8, Steiner Siegm., Steiner Adolf je 5, Wolfman Arthur & Co. 10, Sammlung Helene Zuckerberg und Bügeleisen Rosa, Rattdher 5, Div. 33, Max und Sofie Diamant 50 (davon bereits ausgewiesen 20), Sammlung Gerstel: Fr. Constanza Reicher 20, Krochmal Jakob 10, Frieda Hudes 5, zusammen 35, «Der Abend» N. N. 10, Sammlung Verein Erez-Israel: Lebensohn J„ Dir. Raschkes je 10, Hecht Apri 7, Doktor Seiler, Prim. Meißner, Löwy Josef, Weiß Hoys je 5, Spitzer, Dr. Rosenheck, Sperlin, Dr. Lichthard je 3, Dr. UeberaM, Dr. Reich, Dr. Kriß, Olga Feinberg, Doktor Schächter, Dr. Pfeffer, Dr. Sobel, Dr. Schleimer, Fanny Boni, Penner, Bauch je 2, zusammen 83; L. Urvater, S. Silberfeld je 50, H. Pleßner, F. Urvater, Mandelber je 20, Dr. Kraus, Budabin & Co. je 10, Stadler, Ing. Husserl, S. Unger je 5, Martha Teioher, Osias Sußmann je 10, N. Silberfeld 15, Mayer, Loria Knopf je 5, Melzer, Schirmann, Dr. Strauß, Weißmann, Dr. Justitz, Karpf je 3, durch Frau Marie Pollak: von einem guten Juden 1000, N. N. Selbstschutz 10, Sammlung durch Verein Erez-Israel: M. Müller & Co. 40, Max Löwy 20, Sabine Schmiedt, Ehrenpreis je 10, Leon Schlängel 5, zusammen 85; Tesie Rtfberl 10, Hermann Gewing 10, Sammlung durch Sorokin: Ing. Rudolf Gelles, Hans Leißner je 30, M. Bing 10, zus. 70, Bankhaus Rohatyn(10Ö bereits ausgewiesen) 100, Markus Weinberg 10, N. N. 10, Sammlung durch M. Lutzlky: in der «Stimme» bereits ausgewiesen 800, Sammlung durch Fr. örtibel 1090 laut Spezifikation, Verein der Lemberger 5, M. H. Steinhart 20, zusammen 4242, bisher ausgewiesen 12.258.50. Spezifikation zur Sammlung F. Grttbel: Emil Fisch, Fantl je Schilling 100, Dr. Knopf, F. Grubcl, Sternfeld, Dr. Grotter, Markus Rebel, Raritz je 50, Grübel Fanny, Ignatz Gutmann je 40, R. S. 40, Dr. Robert Regnis, David Melon je 30, Dr. Nußbrecher, Ignatz Schoken je 25, Bledy Endze, F. K.. Schärf Martin, Elsner Julius, Bretschneider, Dr. Huscher, S. Rudel Jakob, David Wallner, Dr. Salpeter Jakob, Dr. Mutterberg S., K. M., Dr. St. je 20, Kreppei Paul, A, B., Dr. Ernst Pius, Nelken Roma, Krug Otto, Kermesch Samuel je 10, Carl Auf rieht 60, zusammen Schilling 1090. Sammlung Prok. Hermann Apter und Prok. Doktor Kurt Offenberger: Dr. Saffer Schilling 50, Dr. Prager 50, Dir. Löwy 20, Kommerzialrat Steiner 20, Hiller & Co. 20, Robert Winter 20, Paul Klauber 20, Dr. Scharf 10, Apter ,10, Dr. Roninger 10, Dr. Offenberger 10, Doktor Bluma 10, Dr. Aberdann 10, Geiringer, 10, Dr. Graf 10, Eibuschütz 10, E. Prager 10, Skall 10, Gottlieb 10, Sperber 10, Dr. Willet 10, Reitzes 10, Horner 10, Weißmann 10, Bellak 10, KronsteLn 10, Dr. Kaufmann 10, Gröbel 10, Zwedker 10, Fixei 10, Dr. Schenkel 10, Schenkel 10, Dr. Sohnappek 10, Hutterer 10, Brüll 10, Urbach 10, Weiß 10, Rosenstock 10, Diamant 10, X. Y. 10, Labowitz 5, Flaüm 5, Fünkler 5, Czuczka 5, Pasehka 5, Schäffer 5, Vadasz 5, A. R. 5, Th.aussig 5, Hekler 5, Koch 5, Mandl 5, Bluma 5, Löw 5, Grünwald 5, Lederer 5, Fisch! 5, Feilfoogen 5, Dr. Rosner 4, Gold 2, Krieger 2, zusammen Schilling 628. Richtigstellung: Ausweis Nr. 2. E. T. ausgewiesen 10, richtig 20; Pinkas Kapeller 10, richtig 20. Nachtrag: H. Rothblatt (Sammlung Josef Singer) 20. Der jüdische Bund Blau-Weiß hat durch Sammlung und Selbstbesteuerung 1500 S für den Palästina-Hilfsfonds aufgebracht, davon wurden über 1000 S noch vor Einleitung der allgemeinen Sammlung direkt nach Erez Israel geschickt und der Rest mit dem zion. Landeskomitee verrechnet. Die Sammlung wird Jm allgemeinen Rahmen fortgesetzt. Die Namen der Spender folgen in der nnächsten Nummer. Pel-Chaj-Fonds. Bis jetzt insgesamt gesammelt: von «Trumpeldor», «Zirenu» und. einzelnen Privatleuten S 811.82. Doftojewfkis Werke, die heute als nächftc Erfchcinung von dem bekannten Gutenbcrg-Verlag, Wien, I., Strauchgaffe i, angekündigt werden, find aß vielfach erfehnte Bereicherung der überaus populären Gutcnbcrg-Ausgaben fehr zu begrüßen. Doftojewfkis Romane find nicht nur fpannend und unterhaltend; ihre Lektüre bedeutet zugleich ein tiefes, feclifdies Erlebnis. Doftocwfkis Werke find der befte Führer zum Verftändnis ruffifdicn Wefens und des ruffifchcn Problems, das gerade uns, die wir im Herzen Europas zwifthen Wellen und Often geftellt find, befonders berührt. Die Doftojcwfki-Ausgabe des Gutenberg-Vcrlages enthält wertvolle, bis jetzt unveröffentlichte Bilder aus dem Leben Doftojewfkis nach den Originalen im Moskauer Mufeum. Jedem Bücherfreund ift deshalb die Beachtung des heutigen Angebotes beftens zu empfehlen. (Entgeltlich.)

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