Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 92 (19.9.1929)
- Date
- 1929-09-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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rTsm&n DIE STIMME Nr. 92 Macshafts. Man saÄt zu ihm auf als ztr dem Wortführer der Judsnheit der .Welt, als zu dem Wächter des Rechtes und der Würde aller Juden, dem Helfer in allen jüdischen Nöten. Von ihm ging die Einigung aller Juden zu gemeinsamer .Arbeit aus. Durch ihn fühlte man sich in Europa verbunden mit dem amerikanischen Judentum und der Gesamtjudenheit, C h a i m Nacftman B i a Hk, der gegenwärtig in Marienbad weilende Dichter: Israel verliert in Marshai! einen großen Führer, der sein Leben der stolzen Verteidigung der jüdischen Ehre und der Lebensinteress.cn des Judentums geweiht hat. Wohl ihm, daß er sterben konnte mit dem Ausruf auf den Lippen: cSchemah Jisnael am Elohenu am echad!» (Höre, Israel, das Volk unseres Gottes ist ein einig Volk!) Professor Chaim Weizmann: Der Tod Louis Marshalls ist ein schwerer Schlag für mich persönlich wie für das große Werk des Aufbaues des Jüdischen Nationalheimes in Palästina. Die ganze Judefthe.it ist durch die unserer nationalen Arbeit in Palästina infolge des Ausbruches roher Gewalt zugefügte Wunde tief betroffen; aber sogar dieses tragische Ereignis hat nicht das Gefühl des Schmerzes, das alle Juden über den Hin-gang dieses großen Mannes empfinden müssen, mildern können. Erst vor einigen Wochen wurde er der Verbündete der Zionistischen Organisation, aber das Andenken an seine Partnerschaft wird ln unserer ganzen zukünftigen Arbeit fortleben. Die Trauerknndgebang des Aktionskomitees London, 12. September. (J. T. A.) In der Sitzung des Aktionskomitees der Z. O. und des Administrative Committee der J. A. hielt Präsident Leo Motzkin dem verstorbenen Präsidenten des Council der Jewish Agency, Louis Marshall, einen tiefempfundenen Nachruf. Einer der größten Juden unserer Generation, sagte er, ist von uns gegangen. Louis Manshail füllt ein großes Blatt in der Geschichte der Judenheit aus. Seit vielen Jahren hörten wir von seiner Tätigkeit, seinem Kampf nicht nur für die Ehre, Rechte und Interessen der amerikanischen Juden, sondern auch für die der Gesamtjudenheit. 1908, in einer für die russische Judenheit kritischen Zeit, erwirkte er als Protest gegen den Zarismus die Kündigung des Vertrages zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten. Nach Beendigung des Krieges kam er nach Paris zur Friedenskonferenz, um für den Schutz der' jüdischen Minderheitenrechte in verschiedenen Ländern einzutreten. An seinem Lebensende wirkte er als Präsident des Council der Jewish Agency. Viel haben wir bei unserer jetzigen Katastrophe von seiner Energie und seiner Kraft erhofft. Unter uns wird sein Name unsterblich sein. Die Sitzung wurde hierauf zum Zeichen der Trauer für 10 Minuten unterbrochen. Trauer in Jerusalem Jerusalem, 12. September. (J. T. A.) Das Ableben Louis Marshalls hat in der Judenheit Palästinas Trauer hervorgernfen. Als Ausdruck der Trauer hielt die Zionistische Exekutive ihre Bureaus bis mittags geschlossen. Bcileidskundgebungen 'Zürich, 13. September. (J. T. A.) Der Präsident der Vereinigten Staaten Herbert Hoover sandte an James Marshall, den Sohn Louis Marshalls, das folgende Telegramm: Nehmen Sie, bitte, den Ausdruck meines tiefsten Beileids zu dem Hingang Ihres Vaters entgegen, der sich in allen seinen öffentlichen Tätigkeiten und Beziehungen als Bürger ausgezeichnet hat und als Mensch und Freund geliebt worden ist. Ihr ergebener Herbert Hoover. Bei der Familie Louis Marshalls sind bis zum 13. September vormittags nahezu 1000 Beileidstelegramme aus allen Ländern der Welt eingelaufen. Jerusalem, 14. September. (J. T. A.) Die Zionistische Exekutive Palästinas hat an Felix M. Warburg nach New York die folgende Kundgebung aus Anlaß des Todes Louis Marshalls telegraphisch gesandt: Zu dem Unglück in Palästina, von dem sich der Jischuw und das gesamte jüdische Volk eben erst zu erholen beginnt, kommt nun der Tod Louis Marshalls hinzu. Wir beklagen tief den großen Verlust in einer Zeit, in der wir Marshalls Führerschaft und Rat so dringend benötigt hätten. Seinen Hinterbliebenen sagen wir, daß sie sich wie alle Juden über den Verlust durch das Bewußtse;n trösten mögen, daß Marshall seine glänzende Laufbahn durch einen großen Dienst an sein Volk gekrönt hat: er hat die Frucht der Jewish Agency zum Reifen gebracht, der Körperschaft, die das ganze jüdische Volk zum Wiederaufbau des Heimatlandes einigt. Die Zeremonie auf dem jüdischen Friedhof in Zürich Zürich, 12. September. (J. T. A.) Die Leiche Louis Marohalls wurde heute vom Kantonatsbospital nach der Gebethalle dies jüdischen Friedhofes in Friedenberg bei Zürich überführt, wo die Zeremonie der Tahara und der Sargschließung stattfand. Der amerikanische Konsul er- Zionistisches.für Österreich Wien, In Kärntnerstraßö 28 Anläßlich des Ablebens von Louis Mershall, Präsidenten des Councils der Jewish Agency findet am Donnerstag, den 19. d. Mts. präzise 8 Uhr abends im Festsaale des Hotel Post, Wien, I., Fleischmarkt 24, eine Gedenkfeier statt, Redner: Dr. Desider Friedmann, Dr. N. M. Gelber Regiebeitrag ■■■■■■■■Hi klärte, die für die Ueberführung der Leiche nach Amerika notwendigen Formalitäten werden einige Taga erfordern. Die .Ueberführung erfolgt in einigen Tagen. Was die amerikanische Presse sagt New York, 13. September. (J. T. A.) Die Nachricht von dem Ableben Louis Marshalls hat auf die jüdischen wie auf die nichtjüdischen führenden Krei-se der Vereinigten Staaten erschütternd gewirkt. Die großen amerikanischen Blätter würdigen in Leitartikeln die Persönlichkeit Marshalls. Henvorgehoben werden seine großen Verdienste tun das Rechtsleben der Vereinigten Staaten und seine Liebe zum Judentum, ebenso seine Leistungen als kommunaler Führer. . Die jüdischen Zeitungen der Vereinigten Staaten haben beim Eintreffen der Nachricht vom Ableben Marshalls Extraausgaben veranstaltet. Ehrenwache an der Bahre Marshalls Zürich, 13. September. (J. T. A.) Die Leiche Louis: Marshalls wurde im Anatomieinstitüt einbalsamiert^und dann nach' dem Friedhof Friesenberg überführt. Auf Grund des letzten Wunsches Marshalls finden die Transporte ohne jede Feierlichkeit jstatt. Die Züricher Judenschaft stellt für -Tjfg und Nacht die Ehrenwache an MarhaiJs Bahrein Palästina In meinen Fingern schwillt die süße Traube, Die Ende betet. Tau erglänzt im Laube. Rings Stille nur. In weißen Kleidern lieg ich Auf einem hohen Gras im Schattenhaine. Nicht weit von mir klingt Wasserflut am Steine,. Und morgen — morgen diese Erde pflüg’ ich! Der Himmel, riesig hoch und weitgebreitet, Wie Glas durchsichtig, halb wie gelbe Seide — Das Oel der Palme dringt durch Luft und Heide. Wie leise hier die Zeit der Ruhe schreitet! Und nichts und nichts — nicht kümmert es mich heute, Daß irgendwo nur fremde Länder spielen. Der Wind vom Karmel soll die Stirn mir kühlen, Die Palme soll die Luft mit Blättern schneiden. Die Ende betet Tau erglänzt im Laube, In meinen Fingern schwillt die süße Traube. Alfred Lutwak, Der Protest des Board of Deputies London, 10. September. (J. T. A.) Der Jewish Board of De'puties (Vertreterschaft,deir englisch-jüdischen Gemeinden) hielt eine außerordentliche Sitzung ab, die ausschließlich den Ereignissen in Palästina gewidmet war. Auf Antrag des Präsidenten, Herrn d’Avig-, dor Goldsmid, wurde eine Protestresolution angenommen. Präsident d’Avigdor Goldsmid hielt eine Rede, die starken Eindruck machte. Wir müssen, sagte er, die Bevölkerung Großbritanniens überzeugen, daß die Regierung das Mandat nicht allein aus sentimentalen Gründen verwaltet, sondern daß Palästina eine gute Stütze des British Empire Ist 800.000 Dollar für den Nothilfsfonds in Amerika aufgebracht New York, 13. September, (J. T. A.) Der «Palcstine Emergency Fund» (Nothilfsfonds für Palästina) hat bis heute in den Vereinigten Staaten 800.000 Dollar aufsrcbrachf. Wizo Die Wizo an ihre Mitglieder Die Nachrichten über die jüngsten Geschehnisse in Palästina, die die ganze jüdische Welt mit Schrecken und Trauer erfüllten, wurden zweifellos von Ihnen allen in jüdischen und nichtjüdischen Publikationen mit Intensität verfolgt. Zutiefst erschüttert stehen wir den Ereignissen gegenüber, die schweren Vertust an Menschenleben mit sich brachten, die Hunderte von Männern, Frauen und Kindern ihrer Wohnstätte beraubten, die hoffnungsvolle Kolonien vernichtet haben. Doch ist die Wizo glücklich, ihren Gruppen und Mitgliedern mitteilen zu können, daß ein beruhigendes Telegramm am 28. August aus Nahalal cingetroffen ist. Desgleichen trafen heute die beiden nachfolgenden Briefe von Frau Mäisel-Schochat in London ein. Da wir nichts Gegenteiliges gehört haben, ist anzunehmen, daß unsere übrigen Institutionen in. Sicherheit sind. Noch sind wir heute nicht in der Lage, unseren Gruppen Richtlinien für die Arbeit der nächsten Wochen zu erteilen. Die Exekutive, die sofort nach Bekanntwerden der Geschehnisse zirsammemgetreten ist, steht in engster Fühlung mit der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, deren Parole wir stündlich erwarten und ohne Verzögerung an sämtliche Gruppen weiterleiten wenden. Diese ernste Krise hat selbstverständlich den normalen Verlauf unserer Arbeit unterbrochen. Die Exekutive tritt jedoch heute an jedes Mitglied der Wizo mit der dringenden Mahnung heran, in einem so bedeutungsvollen Augenblick wie dem jetzigen am Platze zu sein und sich mit verdoppeltem Eifer und voller Hingabe in den Dienst der Aktionen zu stellen, die bereits zur Erleichterung der Lage in Erez Israel cingeleitet worden sind oder in den nächsten Wochen zur Durchführung kommen werden. Unsere Arbeit in Palästina muß weitergehen. Unsere Kräfte werden jetzt doppelt und dreifach benötigt Die Exekutive der Wizo setzt ihr vollstes Vertrauen Ln die Mitglieder und ist überzeugt, daß die bekannte Hilfsbereitschaft, Herzensgüte und Mütterlichkeit der jüdischen Frau in diesem so schweren Augenblick sich in ungeteiltem Maße Erez Israel zuwenden wird. Gezeichnet: Edith Eder. Roma na Goodman. . Rebecca D. S i e f f. Vera Weizmann. Zwei Briefe von Chana Maisel-Schochat (Leiterin der Landwirtschaftlichen Mädchenschule in Nahalal.) \ .. . ' Nahalal, 28n rAüigust 1929.• " Seit Samstag, den 24. August, frübVsihid wir darauf vorbereitet, einen Angriff zurüokzuscMagen, — Tag und Nacht wird Wache gehalten; die Frauen sind natürlich zu Hause, doch die Männer stehen Wache. Bis heute ist in Nahalal selbst nichts geschehen. Aber die Leute sind seht müde, die Männer vom ununterbrochenen Wachen und von der Aufregung, die Frauen vor Angst und UnTühe. Unsere Mädchen waren in den ersten zwei Tagen auch in großer Aufregung und Angst und keine von ihnen hat während der Nächte geschlafen. Dann gelang es mir, sie zu beruhigen, vielleicht haben sie sich auch etwas gewöhnt . . . Wir wissen nicht, was die nächste Nacht oder der Tag bringen wird. Man wartet noch immer gespannt, denn im Land ist noch keine Ruhe. Im Emek steht es bis jetzt nicht besonders schlimm. Einige Versuche zu Ueberfällen wurden gemacht, aber sie konnten immer zurückgeschlagen werden. Auch Versuche zu Brandstiftungen sind gemacht worden, im Emek und letzte Nacht auch in Djeda (neben Nahalal). Bis jetzt ist durch all dies im Emek kein bedeutender Schaden verursacht worden, nur Stroh und Heu ist verbrannt. Vor zwei Stunden .traf in Nahalal ein Auto aus Haifa ein, um von hier Produkte für Haifa zu holen. Der Verkehr zwischen uns und Haifa ist seit drei Tagen abgebrochen. Wir schickten Eier, Käse, Milch, Sahne, Früchte, so viel als wir im Moment hatten. Da die Araber die ganze Woche nichts gebracht und wir und die anderen Siedlungen wegen der Stockung des Verkehrs nichts schicken konnten, herrscht dort wahrscheinlich teilweise Hunger, besondersnach frischen Produkten, die sonst jeden Tag in die Stadt gebracht werden. — Ich werde in den nächsten Tagen wieder schreiben. Nahalal, 29. August 1929. Ich empfinde es als meine Pflicht, mitzuteilen, wie die Lage bei uns ist und werde jeden zweiten Tag, bis' es wieder ganz ruhig ist, schreiben. Auch diese Nacht ist in Nahalal nichts geschehen. Aber in der Umgebung brennt es jode Nacht. Diese Nacht hat es in Schechabreck gebrannt, nicht weit von uns. Der «Goren», d. h. das ungedroschene Getreide dieses Jahres, ist verbrannt worden. In zwei anderen benachbarten Siedlungen ist der Versuch gemacht worden, anzuzünden, aber die Wache hat es bemerkt und rechtzeitig verhindert. In Nahalal wacht noch immer das ganze Dorf. Es scheint, daß jetzt, nachdem Militär ins Land gekommen ist und die Araber zurüokgedrängt werden, sie vielleicht nicht mehr zu überfallen wagen werden; aber anzuzünden versuchen sie doch noch. Es muß schon eine fürchterlich starke und zahlreiche Wache sein, um vor Brandstiftungen schützen zu 69385503