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Die Stimme · 1929-09-19 · Heft 92 (19.9.1929) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 92 (19.9.1929)
Date
1929-09-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 9$ _DIE STIMME Paßfield verspricht London. 15. September. Am vergangenen Donnerstag erschien eine Abordnung des zionistischen Aktionskomitees und des Administrative Committee der Jcwislt Agency im britischen Kolonialamt und wurde vom Rolonienminister Lord Paßfield empfangen. Das Kolonialamt gibt hierüber das folgende Communique aus: Der Staatssekretär für die Kolonien hat eine Abordnung des Administrative Committee der Jcwish Agency und des zionistischen Aktionskomitees empfangen. Im Namen der Abordnung äußerten sich die Herren Goldsmid, Prof. Brodetsky und der Bürgermeister von Tel-Aviv Dizengoff mit Anerkennung über das schnelle Handeln der englischen Regierung anläßlich der letzten Krisis in Palästina. Die Mitglieder der Abordnung betonten jedoch die Notwendigkeit, die Tatsache zu klären, wie es kommt, daß nach acht Jahren des Friedens ein solcher Ausbruch der Leidenschaften überhaupt möglich werden konnte. Die Mitglieder der Delegation, die eine große Zahl der mit der Frage der Einwanderung nach Palästina und mit den Kapitalsinvestitionen in diesem Lande unmittelbar verbundener Juden repräsentiert, wünschten, von der Regierung die Versicherung zu erhalten, daß in der Zukunft Ruhe und Ordnung in einer Weise gesichert sein werden, daß die Möglichkeit gegeben sein wird, alle Freunde des Aufbauwerkes in Palästina und alle jene, die diesem Werke sympathisch gegenüberstehen, aufzufordern, ihre Anstrengungen zugunsten des Aufbaues des Jüdischen Nationallieims in Palästina zu verstärken. Der Bürgermeister von Tel-Aviv, Herr Dizengoff, wies darauf hin, daß in normalen Zeiten gute Beziehungen zwischen Juden und Arabern herrschen, und sprach die Hoffnung aus, daß diese guten Beziehungen schnellstens wieder angeknüpft werden würden. Der Staatssekretär für die Kolonien, Lord Paßfield, erklärte, es könne keine Rede davon sein, daß die englische Regierung sich vom Palästinamandat zuriiekziehen oder von der in der Balfour-Deklaration zum Ausdruck gekommenen Politik, in Palästina ein Nationalheim für das jüdische Volk zu schaffen, abweichen werde. Lord Paßfield drückte seine Anerkennung für die von den Juden Palästinas erzielten praktischen Erfolge aus und sagte, diese Arbeit wirke sich zum Wohle nicht allein (1er Juden, Eine arabische Delegation aus Hebron besucht den Leiter der Anglo-Palestine Co. (Eigenbericht der Stimme“.) Jerusalem, im September. Eine Delegation von Arabern aus Hebron besuchte einen der Leiter der Anglo-Palestino Co. von Jerusalem. Die Delegation behauptete, daß die Hauptschuld an dem Blutbad in Hebron auf die lokalen Behörden falle, die nach dem ersten Ausbruch der Unruhen am Freitag nicht eingeschritten seien und keine Schutzmaßnahmen ergriffen haben. Diese Haltung habe den Mob zu weiteren Ausschreitungen ermutigt. Verurteilungen von Arabern Jerusalem, 13. September. (J. T. A.) Etwa 90 Araber, die an dem Blutbad in Safed beteiligt waren, wurden verhaftet. Vorläufig kommen die weniger schwerwiegenden Fälle zur Aburteilung. 24 Araber aus zwei Dörfern, die an die jüdische Kwuzah Hulda grenzen, und eine Anzahl Araber aus einem an die jüdische Kolonie Kastiniah grenzenden Dorf, bei denen in Hulda und in Kasüniah erbeutete Gegenstände gefunden wurden, wurden zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Waffen in Mehlsäcken Die Suche nach Schußwaffen wird, wie die arabische Zeitung „Felest*ne“ berichtet, intensiv fortgesetzt. Gestern beschlagnahmte die Polizei eine ganze Wagenladung Mehlsäcke, bei deren Untersuchung es sich herausstellte, daß sie zahlreiche Schußwaffen und viel Munition enthielten. Der Großmufti ist schuldig — sagen die Araber Jerusalem, 13. September. (J T. A.) Arab i s e h e F ü li r e r w a n d t o n sich a n rl i e Regierung m i t d c rn E r ti c 1j e n, d e n sondern auch der arabischen Einwohner des Landes aus. Er hoffe darum, daß dieses Werk fortgesetzt werden wird; gleichzeitig erachte er es als seine Pflicht, zu unterstreichen, daß die Entwicklung abhängig sein müsse von der Aufnahmefähigkeit des Landes. Die Regierung gebe sich genau Rechenschaft über die Wichtigkeit der Frage der Sicherheit im Lande; es ist aber einleuchtend, daß keine Regierung in keinem Lande ein absolutes Versprechen geben könne, daß die Ruhe nie gestört werden würde. Aber man dürfe versichert sein, daß die englische Regierung cs mit der Aufrechterhaltung der Ordnung in Palästina ernst meine und alles, was in ihrer Kraft liegt, tun werde, um weitere Unruhen zu verhindern. Es ist notwendig, in der Organisation der öffentlichen Sicherheit Palästinas Aenderungen eintreten zu lassen. Dies bezieht sich vor allem auf die Polizei, die durch eine Abteilung von 100, speziell für diesen Zweck rekrutierten englischen Polizisten, die bereits auf dem Wege nach Palästina sind, verstärkt worden ist. Weitere hundert Polizisten werden sobald als nur möglich nach Palästina geschickt werden. Was die militärischen Abteilungen betrifft, die im Zusammenhang mit den Unruhen gegenwärtig in Palästina stationiert sind, so läßt sich in dem jetzigen Moment noch nicht sagen, welche Verwendung sie in der Zukunft finden werden. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß diese Abteilungen das Land erst zu einem Zeitpunkt verlassen werden, in welchem es absolut feststehen wird, daß die Ordnung in jeder. Beziehung auch bei ihrer Abwesenheit eine gesicherte sein werde. In seiner Antwort auf eine Frage eines der Mitglieder der Abordnung erklärte Lord Paßfield, er sei nicht in der Lage, rZu versichern, daß die Sitzungen der nach Palästina zu entsendenden Üntersuchungskommission in Anwesenheit von Vertretern der Presse stattfinden werden. Die Kommission wird selbst die Prozedur ihrer Arbeit bestimmen. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß die Untersuchung eine öffentliche sein wird in dem Sinne, daß sich-an ihr Vertreter beider Parteien beteiligen ‘werden; Lord Paßfield drückte seine Anerkennung dem Bürgermeister von Tel-Aviv, Herrn Dizengoff, über seine Worte betreffs der jüdisch-arabischen Beziehungen aus und sagte, er hoffe zuversichtlifch, daß diese Beziehungen bald wieder angeknüpft werden würden, da von einer friedlichen und freundschaftlichen Zusammenarbeit von Juden und Arabern die Zukunft Palästinas abhängt. G r o ß in u f t i von Jerusalem, der nach ihrer Meinung. die Schuld an der jüngsten Katastrophe in Palästina trägt, -zur Verantwortung zu ziehen. Die in Jaffa erscheinende arabische Tageszeitung „Elakdan“ teilt mit, daß die Notabein des großen Dorfes Agour in der Nabe von Hebron eine Versammlung einberufen haben, die sieb zu einer Entrüstungskundgebung gegen den Großmufti gestaltete und in'der alle Anwesenden eine Erklärung Unterzeichneten, wonach das Blutbad in Hebron auf die' Agitation des Großmufti zurückzuführen sei. „Elakdan“ meldet weiter, daß andere arabische Notabein durch die Dörfer ziehen und Unterschriften gegen den Jerusalemer. Großmufti sammeln. Die Zeitung „Elakdan“, die der Gesinnung nach nationalistisch ist, äußert sich in Worten tiefster Entrüstung gegen die Notabein, die gegen Husseini auf treten, und nennt sie Verräter an der arabischen Sache und Sklaven der Zionisten. Arabische Studenten verhaftet. Jerusalem, 13. September. (J. T. A.) Arabische Studenten, die einen Appell zur Boykottierung jüdischen Handels und jüdischer Industrie Unterzeichneten, wurden unter der Beschuldigung der Verbreitung aufrührerischer Propaganda verhaftet. Die „Slabodkaer Jeschiwah“ soll in Jerusalem wieder errichtet werden Aus Jerusalem wird, gemeldet: Rabbi Epstein, der Leiter der „Slabodkaer Jeschiwah“ in Hebron, die durch die Araber vernichtet wurde, teilte dem J. T. A.-Vertreter mit, daß die Jeschiwah in Jerusalem wieder erstehen wird. Ein unter der Leitung von Harry Schiff stehendes Komitee hat eine Kampagne zur Aufbringung der notwendigen Summen für den Wiederaufbau der Jesch'wah in Jerusalem unter den amerikanischen Juden eingeleitet. Tel-Aviv vor einem neuen Aufschwung Jerusalem, 13 September. (J. T. A.) Kenner der Verhältnisse behaupten, daß die jüdische Stadt Tel-Aviv jetzt vor einem neuen Aufschwung steht. Bekanntlich hat der arabische Aufruhr von 1921 dazu geführt, daß eine sehr große Zahl Juden aus Jaffa sich in Tel-Aviv ansiedelten. Auch die jetzige Tragödie des Jischuw scheint zur Folge zu haben, daß viele jüdische Großkaufleute ihre Geschäfts- und Wohnhäuser nach Tel-Aviv verlegen und den Bau eigener Häuser planen. Man erwartet von dieser Bewegung einen großen Aufschwung des Handels in Tel-Aviv. Heimkehr nach Safed Jerusalem, 13. September. (J. T. A.) Die jüdische Bevölkerung der schwer heiingesuchten Stadt Safed, die zum Teil in Baracken untergebracht, zum Teil nach anderen Städten "Palästinas geflüchtet war, kehrt allmählich nach Safed zurück. Die zionistischen Behörden erwägen Pläne, an Stelle der früheren primHJven jüdischen Viertel moderne Stadtteile zu erbauen. „Doar Haypm“ konfisziert Jerusalem, 13. September. (J. T. A.) In der Nacht von Donnerstag zu Freitag erschien der Gouverneur von Jerusalem Major Ke'th Roach in Begleitung einer großen PoMzeieskpi te im Hause der hebräischen Tageszeitung- „Doar Hayom“, veranlaßte eine eingehende .Untersuchung' der ganzen Betriebsaulage und beschlagnahmte alle Exemplare der eben l’ertiggewordsnen Freitagausgabo der Zeitung. Schon während des Donnerstags war in Jerusalem das Gerücht im Um lauf, daß die- Behörden gegen „Doar'Hayom“ wegen eines in dieser Zeitung erschienenen Gedichtes von Reubeni vorzugelien gedenken, aber niemand erwartete, daß der Gouverneur persönlich eine aufsehenerregende Mitternachtsaktion inszenieren werde. Die gesamte hebräische Presse entrüstet über das Verbot von „Doar .Hayom“ . Jerusalem,' .14.:.September..:(J. T. A.) -Die gesamte hebräische Presse, ohne Unterschied der Richtung, äußert sich, in .Worten der Entrüstung über das Verbot der Jerusalemer Tageszeitung „Doar Hayom“, die in keiner Weise versucht hat, zu irgendwelchen ungesetzlichen Taten aufzufordern, während gewisse arabische Zeitungen, die ihre Verhetzungsarbeit fortsetzeu, ungestört gelassen werden. Die Presse fördert die zionistische Exekutive auf, bei der Regierung die Freigabe von „Doar Hayom“ durchzusetzen.. Es verlautet, daß die Order zur Beschlagnahme und Schließung von „Doar Hayom“ von dem High Commissionär Sir John Chancellor selbst gegeben worden ist. Arabische Zeitungen dürfen hetzen Jerusalem, 13. September. (J. T. A.) Am gleichen Tage, an dem die Aktion gegen „Doar I-Iayom“ durchgeführt wurde, brachte die arabische Tageszeitung „Felestin“ einen Artikel, in welchem den Juden für (len Fall, daß sie auf ihren Forderungen der Bestrafung der Schuldigen, des Schadenersatzes, der Legalisierung ihrer Selbstwehr usw. weiterbestehen, ein Blutbad angedroht wird. Die Behörden haben aber gegen „Felestin“ nichts unternommen. Moratorium Jerusalem, 13. September. (J. T. A.) Das Regierungsorgan veröffentlicht eine Verordnung, wonach für \ Wechsel und Schuldscheine, die während; der Unruhezeit, fällig wurden, ein Moratorium bis 26. September in Jerusalem und bis 22. Oktober in Hebron festgesetzt wird. Die Zahl der jüdischen Toten und Verwundeten Getötet und den Verwundungen Verwundet erlegen Jerusalem . . .. . . . 30 Hebron ...... . . 65 62 Haifa und Beba.n . . . 6 65 Tel-Aviv . . . . . 6 15 Safed .... . . . 16 27 . Hulda. i _v Beer Tovia . . . . . 2 2 126 217 Schriftsteller u. Journalist sucht eine tüchtige Stenotypistin (ev. Stenotypisten) für Halbtagearbeit. Vollständige Beherrsch um?: der polnischen und deutschen Sprache erforderlich. Diesbezügliche Briefe an die «Stimme» unter «'Richtig». Die Lage in Palästina

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