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Die Stimme · 1929-09-12 · Heft 91 (12.9.1929) · page 12

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 91 (12.9.1929)
Date
1929-09-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Seite 12 DTE STIMME Nr. 91 Aufbau sei die Antwort auf die ZerstörungI __Spendet selir reieihlicli anläßlich der Keren Kajemeth-Büchsenleerung |15. bis 27. September) verharren und ihnen in einem stillen Gebet geloben, daß sie nicht umsonst gestorben sind.» Alle Anwesenden erhoben sich von ihren Sitzen und cs folgte eine Minute des Schweigens. Oberkantor Braun sang im Andenken an die Gefallenen in Palästina das herzergreifende «El molo rachmin». Nach der Totenandacht begrüßte Dr. Kohn die anwesenden Vertreter der Behörden und wünschte zum Schlüsse dem Kongreß ein gedeihliches Arbeiten. Es sprach dann Oberrabbiner Aron Lewin aus Rzeszow, und die Großrabbiner Friedmann aus Czortkow und Alter aus Gora-Kalvaria segneten die Versammelten. Es folgten zwei Referate. Dr. Nathan Birnbaum sprach üi^er das Thema «Israel und die religiöse Krise der heutigen Menschheit», und Jacob Rosenheim über '.Den agudistischen Gedanken». Der Rabbinische Rat Der große Rabbinische Rat der Agudas Jisroel, bestehend aus 62 Rabbinern, hält seit Donnerstag abends seine Beratungen ab. Vor Eingang in die Tagesordnung hat der Czortkower Rabbi die Ziele und Aufgaben der Aguda dangelegt. Zum Vorsitzenden der Tagung wurde Oberrabiner Fürst, Wien, zum Schriftführer Rabbiner Thobias Horowitz gewählt. Die Beratungen, sind vertraulich. Es wurden bis jetzt folgende Fragen behandelt: Die Hilfsaktion für'die Opfer der Unruhen in Palästina; Die Petition des jüdischen Weltfrauenbundes in der Frage des Mädchenschutzes; Die Stärkung des religiösen Lebens und Thorastudiums; Die Beteiligung der Agudas Jisroel an der Jewish Agency. In der letzten Frage wurde eine Kommission gewählt ,die ein Referat über die rein religiöse Seite dieser Frage auszuarbeiten hat. Die politische Erwägung dieser Frage wurde ganz aus der Beratung des Rabbinischen Rates ausgeschaltet und dieselbe vollständig dem Kongresse der Agudas Jisroel überlassen. Rabbiner Yong aus New York, Mitglied des Councils der Jewish .Agency, nimmt an den Beratungen dieser Kommission teiL Die Agudah erteilt Ratschläge Die Wiener «Neue Freie Presse» bringt in ihrem Morgenblatt vom 5. ds. ein Interview mit dem Führer der Agudah, Herrn Rosenheim, zum Ausdruck, in dem sich Genannter zu den Fragen der bevorstehenden Agudah-Konferenz äußert. Schon der Titel des Aufsatzes darf nicht unwidersprochen bleiben. Herr Jakob Rosenheim hat keineswegs die Berechtigung, die Agudah-Konferenz als einen «Weltkongreß der jüdischen Orthodoxie» zu bezeichnen. Jedermann, der irgendwie mit den Vorgängen in der jüdischen Oeffentlichkeit vertraut ist, weiß, daß die Agudah niemals in ihren Reihen die gesamte jüdische Orthodoxie vereinigt hat, geschweige denn im gegenwärtigen Augenblick vereinigt. Schon die ganz oberflächlichen Erscheinungen in den Ländern jüdischer Massensiedlungen machen es jedem, der mit offenen Augen die Vorgänge innerhalb des jüdischen Volkes verfolgt, klar, daß die Agudah in ihren Reihen bloß einen geringen Bruchteil der jüdischen Orthodoxie vereinigt. Zwei Tatsachen haben es •klar bewiesen. In frischer Erinnerung ist noch der Kampf der Agudah gegen das Gemeindegesetz in Palästina. Trotz des großen Tam-Tam und des von der Agudah monatelang geführten intensiven Propaganda-Kampfes, haben sich in Palästina auf über 100.000 Juden kaum 10.000 für eine gesonderte Gemeinde entschieden, wobei zu betonen ist, daß diese 10.000 Orthodoxen viele Tausende zählen, die die politische,Führung der Agudah nicht anerkennen. Die lezten Wahlen zum polnischen und lettischen Parlament haben ebenfalls bewiesen, daß in diesen Ländern mit starken jüdischen Massensiedlungen die Agudah es kaum vermochte, je ein Abgeordneten-Mandat und dies mit Hilfe der Regierungsparteien zu erlangen, wogegen die jüdisch-nationalen Listen weit über 15 Mandaie in Polen und 4 Mandate in Lettland erkämpften. Diese Zahlen beweisen, daß die Agudah kein Anrecht hat, sich als Repräsentantin der orthodoxen Judenheit auf- .zuspielen.-Sie vertritt nur einen sehr geringen Bruchteil derselben und spielt im jüdischen Leben keineswegs eine dominierende Rolle. Um so unverantwortlicher ist es vom Herrn Rosenheim, als Führer einer kleinen Partei sich anzumaßen, in dieser schweren Situation, in der sich der palästinensische Jischuw befindet, politische Ratschläge zu erteilen. In seinem diesbezüglichen Interview heißt es: «Die politische Einstellung unserer Organisation suchte von jeher einen versöhnlichen Ausgleich mit den Arabern. Nach dem Mandatsbegriff hat die Mandatarmacht die Aufgabe, die Bevölkerung des Mandatslandcs so lange zu betreuen, bis sie zur Selbstregierung erti" htigt' ist. Nun glauben im Prinzip sowohl Juden als auch Aral) er, daß der ganze Mandatsbegriff auf sie nicht zutrifft. Vielmehr sind alle Einwohner Palestinas der Ansicht, daß der Zeitpunkt der Selbstregierung bereits gekommen sei. Eine Befriedigung wird daher nurdann eintrete n, wenn die Mandatarmacht diese eminent wichtige Frage einer ernsten Erledigung würdig t.» Selbst die verbissensten nichtjüdischen Gegner des Zionismus und des jüdischen Wiederaufbauwerkes in Palästina haben es niemals gewagt, in einer solchen,— man könnte ruhig sagen, unverantwortlichen — Weise über die Prinzipien und Aufgaben des Mandats „ für Palästina zu sprechen. Entweder ist Herrn Rosenheim das Wesen des Palästina-Mandates mit der ihm von der Balfour-Deklaration vorgeschriebenen Hauptaufgabe der Schaffung einer j ü d i s .c h - n a t.i o.n alen Heimstätte, welches Prinzip unseres Wissens auch agudistische Führer anerkannt haben, unverständlich, oder will Herr Rosenheim die Welt für so naiv halten und annehmen, daß man diesen seinen geradezu unerhörten Aeußerungen Glauben schenken wird. Vor allem ist Herr Rosenheim auf keinem Fall berechtigt, «namens der Juden» zu erklären, daß ,sie im Prinzip glauben, der ganze Mandatsbegriff treffe auf sie nicht zu. Herr Rosenheim hätte höchstens das Recht, dies im Namen seiner kleinen Partei zu erklären., In Angelegenheit des Palästina-Aufbaues ist. einzig ujjd allein der. von sämtlichen Teilen des jüdischen Volkes beschickte Council (der Jewish-Agency berechtigt, autoritative Erklärungen abzugeben. Ebensowenig kann sich Herr Rosenheim.das Recht, anmaßen,, zu erklären) alle Einwohner Palästinas wären, der. Ansicht) daß dqr Zeitpunkt der Selbstregierung bereits gekommen sei. Im Namen des palästinensischen Judentums zu sprechen, ist der. von über' 90% . der palästinensischen Jüdenheit besphickte Waad-Leumi berechtigt. Die kaum 2000 Seelen; zählenden ‘Anhänger* der: Agudah,- die |in Wiederaufbau Palästinas nicht tätig sind, — es’handelt sich ja,zum größten Teil nur um Chalukah-Juden f-1 sind bei . weitem)noch nicht berechtigt’,; Herrn Rps.enheim zu beyaihnäctitigpn, Erklärungen närhen^ 'der‘palästinensisch,eh'Jiiderrheit abzugeben. Wfr;;bez^eifeln auch, ob der übrige Teil der Einwohnerschaft, die Araber, Herrn Ros.ehfieim. pl.hin pouvoi r eMjit, haben,., in^ihr&t) Namen Erklätuhgen; ^bzugeben. wir nehmen‘ an, dä& die arabische nationale Exekutive“ sich bei -Herrn :jak$jb Rosenheim aus Frankfurt’a. M. :fijfcttlie', VeftFetüng ihrer Interessen sich‘.aufs schönste’ beckrikeri'wird.''*“' Auf jeden Fall'soll hier-festgestellt werden; däß die Agudabführer m■ den letzten Jahren es* immer fjir notwendig erachtein, '■'• in kritischeh- Augenblicken, ii;n denen sich unser'Völk; befindet/ unserbTnteressen preist zugeben und-unserer .Gemeinschaft in den Recken izii fallen. So war es im Jahre 1921 naclTden'ersten Üjnruhen in Palästina; ’ sb'v geschah - esin; allen jenen schweren Tagen, die unser Volk durchleben rriußW. Einmal versucht die’ Agudah mit' dem ' Vatikan gegen uns, diesmal wiederum mit'den''Arabern .und sonstigen Gegnern des .Wiederaufbaues. Palästinas, ebenfalls gegen die vitalsten Interessen unseres Volkes, Hand in Hand gehen. , Im gesunden Volksleben werden solche, Erscheinungen als Verrat bezeichnet. Wir wollen, nicht so. hart sein und dies eher als eine politische Hochstapelei .und Großtuerei annageln. Sie bezweckt,. am .‘Tagender.^Eröffnung der Agudah-Konferenz dem _ Leserkreis') eines Wiener Tagblattes von sich ein Lebenszeichen geben zu können. Eine überaus traurige Rolle! Sie zu spielen, lohnte sich dem. Herrn Rosenheim wahrlich, nicht, bis nach Wien zu kommen. Dr. N. M,.;G. Der zweite Prozeß Haismann Ein Rängen um Freiheit und Ehre. Zum zweitenmal steht nun der aus Riga stammende 23jährige jüdische Student Philipp Halsmänn-' vor den . Geschwornen in Innsbruck. Die Anklage legt ihm bekanntlich den Meuchelmord am eigenen Vater zur'Last. 1 Im Dezember des vergangenen Jahres fand die erste Verhandlung statt, die damals schon weit über Oester- : reich hinaus das Interesse der Oeffentlichkeit, erweckte. Seither ist der Fall Halsmann zu einer europäischen Sensation geworden und die äußeren Begleitumstände des Verfahrens, geben davon Zeugnis, daß Leiden-, schäften aller Art in diesem Kampfe aufgerüttelt wurden. Philipp Halsmann wurde im ersten' Schwurgerichtsprozeß mit, neun Stimmen des meuchlerischen yätermordes schuldig erkannt und zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt. Dieses Urteil erweckte in der. Innsbrucker Bevölkerung geradezu einen Sturm der' Entrüstung. Der Verteidiger Dr. Richard Preßburger meldete die Nichtigkeitsbeschwerde' an und der- Oberste Gerichtshof verhandelte darüber am 12; und 13.' März. Der Oberste Gerichtshof gab der Nichtigkeit&beschwerde statt, hob das angeföchtene Urteil auf. Er vervvi.es die Sache aber zur neuerlichen Verhandlung, entgegen dem Antrag der Verteidigung, wieder an das Landesgericht Innsbruck, und bewilligte nicht, wie der Verteidiger beantragt hatte, die Delegierung des Wiener Straflandesgerichtes. Reichsdeutsche Zeitungen haben auf die Schwierigkeiten, die die Durchführung des Prozesses mit sich bringt, hingewiesen: auf die antisemitische Einstellung der Tiroler Bevölkerung und auf ihr Bestreben, auch den Schatten des Verdachtes, daß im Zillertal ein Raubmord verübt worden sein könne, nicht aufkommen zulassen. Die Vorgänge dieses Sommers, zwei Raubmorde an Sommergästen in den österreichischen Alpen aber sind kein erfreulicher Auftakt für die Vertreter dieser Maxime. Der Innsbrucker Prozeß gehört zu jenen ganz großen Sensationsprozessen, die Widerhall in der ganzen Welt finden. Man kann ruhig sagen, daß die gesamte Weltpresse ihre Vertreter nach Innsbruck zu diesem Prozeß entsendet hat, oder zumindest dafür sorgte, daß sie ausführliche Berichte erhält. Aus den äußeren. Anzeichen ergibt sich der Anschein, daß das Innsbrucker Gericht, dessen Vorsitz OLGR. Dr. Ziegler! hat — Staatsanwalt ist wie im ersten Prozeß Doktor Hohenleitner — gewillt ist, alles zu tun, um den Fall restlos aüfzuklären. 14 Tage lang wird in Innsbruck verhandelt werden. Diese 14 Tage werden, da hoffen wir, beweisen, daß die österreichsche Rechtsprechung auch' im Lichte der größten Oeffentlichkeit bestehen kann. Wie immer der Ausgang dieses Prozesses sein mag, — er muß eindeutig sein. Die Geschwornen werden, wenn die Schuld' Philipp Halsmanns bewiesen wird,: ihr Schuldig sprechen, wenn aber Zweifel an ihr bestehen'bleiben,, dann werden sie auch den Mut haben, dieser Tatsache Rechnung zu tragen. Wir werden!n der. nächsten Nummer der «Stimme» über den ..Verlauf des Prozesses berichten.- Protestkundgebung in Moskau wegen der Ereignisse in Palästina. Moskau, 4. September. (J. T. A.) Tausende jüdische und nichtjüdische Arbeiter und Studenten versam^ Hielten'- sich auf Einladung der Sektion für nationale Mindertmite'n;’rm'Universität&gebäudevon- Moskau, um' gegen die . Massakers gegen die Juden in Palästina zu protestieren. Dabei wurden Reden gegen die Zionisten als': den «Handlangern des * englischen Imperialistnus» gehalten. ■ VöfTi Kopf bis zu den Füßen Von -Herrn Hugo Mikolasch, Chef der Firma Bandagen- . Mikolasoh, W’ien, II.,,Taborstraße 22. Vom Kopf bis zu den Füßen heißt es gewöhnlich; wenn man seinen Mitmenschen mustert, oder selbst gemustert wird, und Kopf und Fuß, der Ausgangs-und Endpunkt des menschlichen Körpers, sind die 'Dinge, die den ersten und letzten Eindruck erwecken. Dies hat man auch richtig erkannt und darum, wie viel Aufmerksamkeit wendet man seinem Kopfe zu. Friseur, Puder, Schminke, Lippenstift und ' viele ändere Sohönheitsmittermüssen'herhalten', um den Kopf so schön als möglich'zu gestalten. .Nicht immer wendet man genau so große Sorgfalt •dem Fuße zu, obwohl doch der Ausklang der Betrachtung dieser bildet. Jede Frau und jeder Mann weiß, was ein schönes Bein,; ein schlanker Fessel bedeuten und wie sie den. Gesamteindruck heben. Die neuzeitliche Technik des-Spezialisten auf diesem Gebiete hat ein einfaches Mittel gefunden, welches veraltete, langwierige ärztliche Massagebehandlungen erübrigt. Dies ist, der :«Paradriiit»-Guimmistrumpf. Wie jeder andere Strumpf getragen und, trotzdem unsichtbar, gibt er durch , seine natürliche Massagewirkung dem Fuß nicht nur pin schlankes, ebenmäßiges Aussehen, sondern er .beseitigt vollends-ein Uebel, dein man lange entgGgenigearbe|.tet hat; Müdigkeit beim Gehen, Bildung von Krampfadern und deren Nebenerscheinungen werden durch ihn aufgehoben. Jeder sollte sicii dieses neuzeitlichen Mittels nicht nur der Schönhei t, sondern auch der Gesundheit wegen rechtzeitig bedienen, denn ein Uehel durch Vorbeugen zu verhüten, ist leichter, als dasselbe zu beseitigen. Vor allem aber soll man, wenn inan etwas für seine Gesundheit tut,stets darauf bedacht sein, das Richtige zu treffen, d.h. nur sich von einem Fachmann in solchen Dingen beraten zu lassen. Also, vergessen Sie nicht, in Zukunft zu Ihrer Vervollständigung etwas ftir Ihre Beine zi tun, denn, wie schon erwähnt, Sie wissen nicht, wer Sie als nächster «Vom Kopf bis zu den Füßen» betrachten wird, und der letzte Eindruck, am 'häufigsten der bleibende, sind oft Ihre Beine. (Entgeltlich.)

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