Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1929-09-12 · Heft 91 (12.9.1929) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 91 (12.9.1929)
Date
1929-09-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3053805-3053843--1257-3056596
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Sen» 10 DIE STIMME Nr. 9i Gin bedeutungsvolles Schreiben Vanderveldes (Eigenbericht der «Stimme».) Paris, 6. September. Der Führer der Arbeiterinternationale und frühere belgische Außenminister Emile Vandervelde hat an den Führer der belgischen Zionisten Jean Fischer ein Schreiben gerichtet, welches im wesentlichen lautet: «Während wir die Opfer der arabischen Angriffe beklagen und Maßnahmen ergreifen, um den Flüchtlingen zu helfen, müssen wir nach den Ursachen forschen, die das jüdische Nationalheim in die heutige tragische Situation gebracht haben. Europa hat die moralische Verpflichtung übernommen, erstens allen Bewohnern Palästinas Schutz ihrer materiellen, moralischen und religiösen Interessen zu gewähren, zweitens die Sicherheit aller Einwohner des Landes, insbesondere der Juden, zu garantieren. Aufgabe des Völkerbundes wird es nun sein, zu untersuchen, ob die Mandatarmacht ihrer oben gekennzeichneten Pflicht Genüge getan hat.» «Es sei absurd,» fährt Vandervelde in seinem Schreiben fort, «gegen die Labour-Regierung, die erst einige Wochen an der Macht ist, Vorwürfe zu erheben. Es wäre ungerecht, nicht anerkennen zu wollen, daß die Handlungsweise der britischen Regierung für ihre Aufrichtigkeit zeugt, die Balfour- Deklaratiön zu verwirklichen. Andererseits darf man die Augen nicht verschließen vor der Tatsache, daß die lokale Administration in der Klagemauerangelegenheit versagt hat. Wenn die Dinge eine kritische Wendung genommen haben, so ist dies auf die Schwäche und die proarabische Parteilichkeit der Administration sowie auf das Fehlen von Maßnahmen zur Abwendung der Katastrophe zurückzuführen.» «Ich zweifle nicht,» schließt Vandervelde, «daß die Regierung Macdonalds, die eine starke Sympathie für den Zionismus an den Tag legt, diejenigen zur Verantwortung ziehen wird, die sich der Schwäche, Kurzsichtigkeit und Unfähigkeit schuldig gemacht haben. Der Vatikan gegen den Zionismus (Eigenbericht der «Stimme».) Rom, 8. September. Das Organ des Vatikans «Osservatore Romano» veröffentlicht im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen in Palästina einen scharfen Aufsatz, der gegen die zionistischen Bestrebungen gerichtet ist. Die englische Regierung wird aufgefordert, nach Eintritt der Ruhe in Palästina seine Politik auf Grund der Balfour-Deklaration zu revidieren. (Diese vatikanische Stimme ist sehr bezeichnend und es wird Sache der Exekutive sein, diese Tendenzen der vatikanischen Kreise in aller Offenheit im Völkerbund zur Sprache bringen zu lassen. Die Red.) Viscount Chelwood über die Festigkeit der britischen Politik gegenüber Palästina London, 5. September. (J. T. A.) In Beantwortung einer Anfrage der jüdischen Telegraphen- Agentur telegraphierte Viscount Chelwood (Lord Cecil) aus Genf, wo er als Mitglied der britischen Delegation an der Völkerbundversammlung teilninimt, die Morde und Verbrechen in Palästina haben sein tiefstes Entsetzen hervorgerufen; niemals aber werden solche Taten die Politik der britischen Regierung beeinflussen können. Erez Israel braucht hunderte von neuen Arbeitskräften Das Zentralkomitee von «Hechaluz» in Polen erhielt von der Histadruth ha-Qwdim in Tel Aviv folgendes Telegramm: Wir brauchen hunderte neuer Arbeiter für die Kolonien und für die Städte. Eine neue Einwanderung von Chaluzim nach Palästina erscheint als wichtigste Aufgabe der Gegenwart. Serbische Befreiungskämpfer wollen an der Seite der Juden in Palästina kämpfen. B e 1 g r a d, 4. September. (J. T. A.) Eine Abordnung serbischer Befreiungskämpfer («Tschetnici») übergab den Führern *der Judenschaft ein Memorandum, in welchem die Solidarität der Serben mit den Protesten der Juden gegen die Greuel in Palästina ausgedrückt wird. In dem Memorandum heißt es weiter: «Wir sind bereit, unsere Dienste und unser Leben für die gerechte Sache der Juden einzusetzen. Die serbischen Juden haben ihr Leben für die Wiederaufrichtung Serbiens und Gründung Jugoslawiens geopfert. Heute ist die Organisation serbischer Befreiungskämpfer bereit, den Juden ihre Liebe und Xceue. zu vergelten.» Die Vereinheitlichung der Sammeltätigkeit für den Aufbaufond Palästinas Donnerstag, den 5. d. M. fand im Sitzungssäaie der Israelitischen Kultusgemeinde eine vom Präsidium einberufene Sitzung zwecks Zentralisierung der Notstandssammlungen für Palästina statt. Die Sitzung, an der das Präsidium der Kultusgemeinde, als Vertreter des Zionistischen Landeskomitees Dr. Friedmann, Dr. Tartakower und Dr. Gelber, des Misrachi Bloch Knoll, Kultusrat Bauminger, der Poale Zion, Dr. Glanz, der Alliance Israelite Hofrat Löwner und Dr. Kaminka, der Union der deutschiösterreichischen Juden Dir. Fröhlich und Dr. Haas teilnahmen, eröffnete Dr. Ornstein mit einer kurzen Ansprache, in der er den Zweck der Sitzung erörterte. Dr. Löwenherz erstattete sodann ein eingehendes Referat über die betreffenden Maßnahmen zur Zentral: rung der in den letzten Tagen von verschiedenen Seiten eingeleiteten Hilfsaktionen für Palästina. Vor allem sei es Aufgabe, ein Komitee einzusetzen, das nach einheitlichen Richtlinien die Sammlungen zu leiten hätte. Zu diesem Zwecke wird der Kultusvorstand einen Aufruf in der gesamten Presse veröffentlichen und sich an alle Kultuswähler mit einer Aufforderung wenden, für die Hilfsaktion Beträge zu spenden. Nach einer längeren Debatte, an der die Herren Dr. Kaminka, Hofrat Löwner, Dr, Haas, Herr Bloch, Dr. Glanz, Dr. Tartakower, Dr. Friedmann und Doktor Gelber teilnahmen, wurde beschlossen, der vom Präsidium der Kultusgemeinde vorgeschlagenen Zentralisierung zuzustimmen und alle Stellen, die bereits Sammlungen eingeleitet haben, zu veranlassen, ihre Aktionen einzustellen und im Einvernehmen mit der Kultusgemeinde die entsprechenden Maßnahmen zu weiteren Sammlungen zu treffen. Gesammelt kann nur mit von der Kultusgemeinde ausgegebenen und durch diese bestätigten Blocks werden. Es wurde auch als gewiß angesehen, die gesammelten Gelder der Jewish Agency zu übermitteln. Es wurde ein Exekutivkomitee gewählt, dem das Präsidium der Kultusgemeinde, Dr. Friedmann, Oberbaurat Stricker, Dr. Glanz und Hofrat Löwner angehören. Verband zionistischer Mittelschüler Samstag, 14. September, 7 Uhr abends, im Festsaale des jiid. Zentrums, II., Untere Augartenstraße 35, Tagesordnung: I. Adolf Böhm: Das Schulwerk in Palästina; H. Statutenänderung. Spenden für die Opfer in Erez Israel*) II. Ausweis der «Stimme». N. N. durch Israelitische Kuitusgemeinde S 500.—, Sammlung Juda LÖw-Israel Trompeter S 491.—, Spezifikation: Moses Horoschowski S 20.—, Juda Löw, Rosenbaum & Straßmann, Moses Brill, M. Zipper, Heinrich Kempler, Moses Imlber, Hermann Frankel, Jakob Haber, Weißmann, Leo Immergut, Karl Spitz, Eichenkatz, Efraim Lenz, Lantenbach-Elfenbein, Ged'alia Temmel je S 10.—; Salotnoh Falk, Josef Zoller, Karoline Zoller, Lack, Max Melsetes, Hermann Weinistock, S. Schneck, Michael Höchberg, Pinkas Spritzer, Salomon Fink, Moses Rosenzwelg, Samuel Mantel, Ch. Gabel, Moses Wallach, Adolf Schwalb, Leo Selzen, N. Stembach, Max Hirsch, Israel Wallach, Samuel Wallach, Moses Landesberg, B. Czecher, N. Lerner, Adolf Horowitz, Samuel Boritz, N. Korczyn, Julius Blaustem, Gerson Eisgrau, Salomon Linder, Markus Kühl, Händel, Berl Löw, Michael Friedländer, Aron Albin, Knoll Rappaport, Karl Immergut, Israel Trompeter, Arie Roth, Uscher Perlmutter, Leopold Hebenstreit, A. Pauker, Josef Katz, Max Schapir, Br. Tannenbaum, Abraham Toikes, Aron Mieses, Leo Haber, Abr. Mandel, J. Goldeck, Eugen Zeisel, Osias Kampf, Ascher Horowitz, Oskar Stup, Salomon Tauber, Kar! Löfol, Wilhelm Berger, Schulmann je S 5.—; Ringel, Kammermann, Landberg, Adolf Weinberger je S 3.—; Bescher, Weingarten je S 2.50; Kiegel jun., Adolf Kampf, Königstein, Löw Vogel, Landberg, Elieser Rubin je S 2.—; Kellner, Wolfinger je S 1.— (davon S 100.— an Verein «Beth Israel»); Sammlung Dr. Seiler S 105.—. Spezifikation: Dr. Sadger S 30.—, Prim. Dr. Fleischmann S 20.—, Prim. Dr. Tschiassny S 20.—, Dr. Nasch, Prim. Dr. Schwarzwald, Dr. Frey, Dr. Kaunitz je S 5.—; Muzi, Dr. Hornik je S 3.—; Schorr, Baclielis, S. Bernstein je S 2.—; Sara Nagler, Stemlichf je S 1.—; Verein Ab#* vath Schalom S 103.50; Prim. Dr. Arthur Weiß, Leo Weiß, Jacques Bailog, Ing. Gustav Wolf, Eger & Co. je S 100.—; Friedrich Grübel S 120.—; Dir. Scheib, R. Goldenberg, Dr. Rosen, Bethaus Ennsgasse, Arje Feldmann, Josef Safier, Arthur Blaustein, G. Ster & Co. je S 50.—; Dr. Tartakower S 25.—; M. Braclawsky, E. T., Max und Steffi Diamant, Pinika* Kapeller, Prof. Dr. Jessie Kerzien je S 10.—; Frau Welshut S 12.—; P. Engelstem, Adolf Rübner, Josef Langsam, Sigmund Ranzlmann, Zacharias Schreier, Pfefferkorn, Matthias *) Wir danken aüen Lesern der «Stimme», die unserem Rufe durch Spenden gefolgt sind, bitten jedoch, nunmehr alle Sf>enden am die Zentralstelle der Hilfsaktion, d. i. die Israelitische KuÜtusgemeinde in Wien, m überweisen. Augapfel, N. N., Prot Reis, K. Sftn je S 10.—; Waltet; Freudmann S 7.—; Stella Mehlet, Nel<H Scherzet, Tora Baöad je S 5.—; Aladar Weiß 10 Pengö. Bisher ausgewiesen: S 7541.50 und 10 Pengö. Richtigstellung: Im I. Ausweis wunde Herr Osias Goldschmied mit S 80.— ausgewiesen. Der Name soll richtig Oskar Goldschmied lauten. Sammlung Josef Singer. (Bereits ausgewiesen, jedoch im früheren Ausweis die Namen verstümmelt. Josef Singer S 50.—, E. Rothstein 20.—, J. Kamil 10.—, S. H. Goldstein 50.—, Josef Stern 10.—, Jakob und Chaim Zahn 20.—, Markus Süß 10.—, Peckmann & Co. 10.—, Horowitz & Weinrauib 10.—, Wiw Schönberg 15.—, Beer & Reinitz 10.—, Anton Weiß & Sohn 14.—, Lagstein & Bücbler 15.—, Dr. Steiner 10.—, Hillel Koffler 10.—, H. Laub 5.—, M. Rosenkranz 5.—, Pluznik 5.—, Diverse 4.—, L. Dannenberg 5.—. Zusammen S 288.—. Bereits ausgewiesen S 70.—, insgesamt S 218.—. Sammlung durch Dr. H. Floch und Michael Schaum, Schenker & Co. S 1000.—, Adolf Kriß 100.—, Cornel Schietter 25.—, Joachim Stutschewsky 30.—, A. Herzig & Co. 100.—, Josef Popper 100.—, Gottdieb’ Kantor—Dr. H. Floch 300.—, Michael Schaum 200,—, Caro & JeUinek A. G. 200.— zusammen S 2055.—* Abzuziehen für Verein «Beth Israel S 100.—, verbleiben S 1955.—. Herr J. K. übergab dem Keren Kajemeth unter der Devise «Hilfe durch Aufbau» den Betrag von S 3000.— als Spende. Gesammelt durch Compass Tours, Wien, IX., Spitalgasse 3, im Vereine der Amerikanischen Aerzte, Wien. Compass Tours, Wien, IX., Spitalgasse 3 . . S 105.— Ing. L. Brandenburg . . 100.— Dr. Ottenberg, Dr Königsberg, Dr. Chomy . 99 50.— Dr. Bussen, Dr. Abraham . . . u 40.— Dr. Freund. n 20.— Dr. Rabwin. . J) 70.— H. Lerner. 99 25.— Dr. Ruchman. •. 99 25.— Dr. Gold. 99 25.— Dr. H. J. Feaster .... . 99 100.— Dr. J. M. Michelsohn . . . . * 99 25.— Dr. Allan Cohn .... 99 50.— Dr. F. I. Harris .... .. )) 50.— Dr. Henry R. Bloom . . . .. 99 15.— Dr. S. Saifer. » 25.— Dr. Belous. 9 50.— Dr. R. Barband! .... . n 25.— S 800.— Chaim Solowejtschik gestorben Bei der in New York vor einigen Tagen stattigefunidenen Protestversammlung gegen die Vorfälle in Erez Israel erlitt der dort anwesende Chaim Solowejtschlk Infolge Aufregung einen Herzschlag, dem er auch sofort erlegen ist. Genannter, der Schwiegervater unseres Gg. Siegfried Graubart, zählte zu den ältesten führenden Zionisten in Rußland. Noch lange vor dem politischen Zionismus war der Verstorbene in den Reihen den Ghowewet-Zion führend tätig. Später schloß er sichi dem politischen Zionismus an und zählte zu dessen aktivsten Anhängern in Rußland. Solowejtschik, der einer bekannten Rabbinerfamilie in Rußland entstammte und selbst streng orthodox gesinnt war, war sein Leben lang bemüht, in seinen Kreisen Anhänger für die Zionistische Bewegung zu gewinnen. Noch vor dem Kriege übersiedelte er nach Sibirien, wo er ein großzügiges kaufmännisches Unternehmen leitete. Er fand stets Zelt, sieh zionistisch zu betätigen und ihm allein ist es zu danken, daß in Sibirien eine starke zionistische Organisation geschaffen wurde, die speziell während und nach dem Kriegei auf dem Gebiete der Fürsorge der Kriegsgefangenen und Flüchtlinge Großzügiges geleistet hat. Solowejtschik war es, der mit seiner ungemein großen organisatorischen Begabung all diese Fürsorge-Aktionen führte!.] Als dann vom Joint Distribution Comitee eine große!; Hilfsaktion für Kriegsgefangene und Flüchtlinge in-! auguriert wurde, wurde er mit deren Leitung betraut. Chaim Solowejtschik, der lange Jahre Mitglied des Russ.-Zionistiischen Zentralkomitees war, üfoersledelte im Jahre 1927 nach Amerika, wo er sich ebenfalls zionistisch sehr aktiv betätigte. Es ist geradezu ein tragischer Zufall, daß er, ähnlich wie seine Frau, die in Charbin auf die ersten Nachrichten über die ukrainischen Pogrome einem plötzlichen Tod erlegen ist, auf die Kunde über die traurigen Vorfälle in Erez Israel ein so tragisches Ende genommen hat. Die Zionistische Organisation wird Chaim Solowejtschi'k stets ein ehrendes Andenken bewahren, Jugendverein „Erez Israel“ Am 5. September wurde das neue Semester er. öffnet. Am 1. Oktober beginnen zwei hebräische Kurss (Anfänger und Fortgeschrittene). Anmeldungen werden jetzt im Vereinslokale entgegengenommen. Die XIV. ordentliche Generalversammlung findet am Samstag, den 28. September 1929, statt. Ort und Zeit werden in de« nächsten Nummer bekanatgegebea, —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.