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Die Stimme · 1929-09-12 · Heft 91 (12.9.1929) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 91 (12.9.1929)
Date
1929-09-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 91 Sttte 9 V DIE STIMME Protestversammlung der Zionisten _ Oesterreichs anläßlich der Ereignisse in Palästina Die Zionisten Oesterreichs veranstaffetenausAnlaß def'-Ereignisse zwei große Versaniimlungen. t)ie eine hn Bayrischen Hof, über die wir bereits berichtet hab^n; die zweite fand 2ur gleichen Zeit im Zentralkeilpt statt. , Der Andrang war so groß,daß, wenn ein dritter Saal Zur Vertagung gestanden wäre, auch dieser Saal hätte gefällt werden können. Den Vorsitz führte Herr Dr. Chaim iTartakower. Er eröfünete die Versammlung und führte aus, daß das Schicksal schon zum dritten Male es.so geführt hat, daß wir unsere Hermat in einem Lande uns errichten müssen, ln dem bereits andere Völker leben. 'Auch jetzt sei dies der Fall. Aufgahetzte Teile des arabischen Volkes haben versucht, das von uns Geschaffene za zerstören. Dies gelang jedoch nicht. Der Instinkt jüdischen Volkes, der den Zionismus geschaffen hat, wird nicht ruhen, bis das zionistische* Problem seine volle.Lösung im Lande gefunden haben wird. Der Vorsitzende erteilte sodann das Wort Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang, der in kurzen prägnanten 'Ausführungen den Gedanken verfocht, daß wir nicht Wagen sollen, sondern die einzige Antwort auf diese i Ereignisse sein muß, Aufbau mit vereinten Kräften des jüdischen Volkes, lieber Ersuchen des Vorsitzenden wurde eine Zwei-Minuten-Pause angeordnet, . während welcher die ganze Vesrammiung zum Zeichen der Trauer stäl stehen blieb. Nach einigen Schlußworten des Vorsitzenden wurde die imposante Versammlung geschlossen. Der Brief von Albert Einstein Berlin, 2. September; " Am 51. August fanden hier in vier großen Sälen imposante Kundgebungen Berliner Zionisten statt. : _ Die Versammlung im Bach-Saal war vom Präsidenten der zionistischen Vereinigung für Deutschland, Kurt Blumenfeld, geleitet. . Tiefen Eindruck auf die Versammlung machte die Verlesung .einer _ ,,2/ . Botschaft Albert Einsteins durch den Vorsitzenden. In dieser Botschaft heißt es: ~ «Erschüttert durch die tragische Katastrophe in Palästina, hat di? Jpdenheit jetzt zu zeigen, daß sie der großen Aufgabe, die sie auf sich genommen hat, auch-wirklich gewachsen, ist. .; Zuerst .spreche, ich. die Selbstverständlichkeit aus, daß unsere Ergebenheit für die große Sache pnd unsere Entschlossenheit, das friedliche Aufbauwerk weiterzuführen, durch solche Rückschläge nicht.firi geringsten wankend gemacht werden wird. J n wWas aber muß geschehen, um 'der Wiedefhölün^ solcher trauriger Ereignisse in Zukunft vorzübeugen? '- Das'Erste und Wichtigste ist die .Schaffung .Zion Und nicht, und nicht — wir geben doch nicht nach! Erlähmen werden unsre Mühen nicht. Der lieue Schlag macht uns nicht zag und schwach. Nicht fcfagen wir, obSchon das Herz uns bricht. Besiegelt hat nun unsrer Besten Blut Aufs neu den Bund mit unserm Vaterland. Sie Wehrten sich mit Makkabäetmut Gen Ueberfall, Verrat ühd Mord iind Brand. Wir machen Worte nicht. Nur gilt der Schwur: Der Opfer und der Helden eingedenk, Betreten Wir gestählt die Hejmatfl'ur Und bringen unsre Tat ihr als Geschenk. Wir bau’n, was Feindeshand zerstörte, auf Und säen stolzer noch des Friedens Saat. Nichts hemmt der heiligen Ideen Lauf, Geseift zu ihnen sich die hehre Tat! Marek Scherlag. einer sr :hen Form des Zusammenlebens mit dem arabischen Volk, bei der die — vielleicht unvermeidlichen — Reibungen durch organisierte Kooperation überwunden werden, so daß sich die Konfliktsstoffe hicht in gefahrdrohender Weise ansammeln können. Wir Juden haben vor allem zu zeigen, daß wir in den , schweren Zeiten unserer Vergangenheit so viel Verständnis und so viel psychologische Erfahrung erlangt haben, daß wir diesem jpjsychologischen und Organisatorischen Problem gewachsen sind, zumal es sich beidem Zusammenleben des jüdischen und des arabischen Volkes in Palästina keineswegs um unüberbrückbare Gegensätze handelt. Hüten wir uns also vor allem vor einem blind machenden Chauvinismus jeder Art, und mögen wir hicht glauben, daß Vernunft lind Verständnis durch englische Polizeibajonette ersetzbar sind. Eifies aber müssen wir von der Mandatarmacht, der das Wohl des Landes ähvertraut ist, unbedingt fordern: daß Einrichtungen für die Sicherheit friedlich arbeitender Menschen im Lande gefunden werden, welche einerseits der dispersen Verteilung der jüdischen Siedlungen gereicht werden, andererseits zugleich im Sinne einer Üeberbrückung der nationalen Gegensätze zu wirken imstande sind, wobei selbstverständlich ist, daß eine: entsprechende Beteiligung von Juden am Sicherheitsdienst gesichert wird. Es kann der Mandatarmacht der Vorwurf nicht erspart werden, daß sie dieser Pflicht nicht in ausreichendem Maße nachgekommenist- Dfe größte Gefahr der gegenwärtigen Situation liegt (darin, daß blinder Chauvinismus iu unseren Reihen an Boden gewinnen könnte. So sehr wir auch für die Verteidigung unseres Lebens und unseres Eigentums einstehen, dürfen wir doch keinen Augen- Bade Bade- und Trinkkuren gegen Stoffwechselstörungen, Rheuma und Neuralgien Sämtliche Hotels, Sanatorien und Pensionen In Vollbetrieb ErmäBlgte Herbstsaisonpreise ..iii'wii blick vergessen, daß unsere nationale Aufgabe in ihrem Kern eine übernationale ist, und daß die Kraft der ganzen Bewegung auf ihrem ethischen Wert beruht und mit ihm steht und fällt. Mögen alle Freunde des jüdischen Palästina- Werkes in dieser Gesinnung verharren, in diesem Geiste ihre Anstrengungen vervielfältigen und ihre besten Kräfte in den Dienst der großen und heiligen Sache stellen.» Kundgebung der jewish Agency für Deutschland (Eigenbericht der «Stimme».) Berlin, 6. September. Hier fand gestern eine Kundgebung der Jewifch Agency für Deutschland statt, in der Rabb. Dr. Bäck, Oskar Wassermann, -'Kurt Blumenfeld, Prof. Franz Oppenheimer, Dr. Friedrich Brodnitz, Dr. Alfred Klee und Alfred Lis-ser gesprochen haben. Es wurden Protestresolutionen angenommen. Kundgebung in Johannisburg Johannisburg, 5. September. (J. T. A.) Die Judenschaft von Johannisburg hielt in der Stadthalle eine Trauer- und Protestversammlung ab, der fast alle Mitglieder der Gemeinde beiwohnten. Nach der Versammlung formierten sich 3000 Teilnehmer zu einem Zuge durch die Hauptstraßen zur Großen Synagoge, wo ein Gedewkgott'esdienst für die jüdischen Märtyrer in Palästina abgehalten wurde. Eine Abordnung, die den südafrikanischen Board of Deputies und die zionistische Föderation repräsentierte, begab sich zum Premierminister General Hertzog und übergab ihm die von der Versammlung gefaßten Resolutionen zur Weiterleitung an die britische Regierung. gesucht. Anmeldungen werden in der «Stimme», I., Rauhensteingasse entgegengenommen. Was derHakoahner Stern über seine Erlebnisse in Palästina erzählt Herr Dr. Hugo Benedikt batte in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied der HaJkoah Gelegenheit, mit dem bekanntet Stürmer Stern über seine . Erlebnisse in ' Palästina zu sprechen und stellt uns diese Mitteilungen zur Verfügung. (Die Red.); ich kam aqi 1. August 1929 nach Haifa, um meinen Urlaub bei meinen Eltern in dem Vätertande zu verbringen. Es war absolut kein Anzeichen irgend einer erregten Stimmung weder unter den Juden noch unter den Arabern zu bemerken. Meine Eitern.und ich wohnen in. Haifa und ist zur Erklärung der nachfolgenden Ereignisse notwendig, die Situation Haifas näher zu schildern. Die Juden und Araber haben jeder einen eigenen Distrikt, doch wohnen im Araberviertel einige Judenfamilien, während im Judenviertel kein Araber wohnt. Äußer diesen zwei Distrikten zieht sich längs des Meeres das Geschäfts- und Hafenviertel hin, in welchem zahlreiche Juden ihre Geschäfte und Wohnungen haben. An diese anschließend ist das deutsche und christliche Viertel, oberhalb der ganzen Stadt zieht sich der Karmel, auf dem zahlreiche jüdische .Villen und Anlagen bestehen» darunter auch das Technikum. ‘ Am 16. August 1929 kamen telephonische Nachrichten aus Jerusalem, daß ein Kampf zwischen Arabern und Juden stattgefunden habe, hervorgerufep durch einen Ueberfall der Araber. Die Nachrichten verdichteten sich und es kam auch die Mitteilung, daß in den arabischen Vierteln Jerusalems erschlagene Juden gefunden worden seien. Durch diese Nachrichten wuchs die Aufregung in Haifa auf beiden Seiten. Am 23. August sollte ich wegfahren, um meinen . Verpflichtungen gegenüber dem Fußballklub Hakoah nachzukommen, doch waren die Verhältnisse derart drohende, daß ich meine Brüder nicht verlassen wollte und tatsächlich war am 24. August abends bereits ein' Zusammenstoß zwischen den Einwohnern des arabir sehen Viertels und dem Hadar Hakarmel. Die angreifenden Araber rekrutierten sich, wie es in allen Städten bei derartigen Anlässen zu sein pflegt, aus dem Mob. Am nächsten Tage jedoch war dieser Mob durch Fellachen aus den umliegenden Dörfern verstärkt. Und dieser Haufen machte abermal6 einen Angriff in der Absicht, in den Hadar Hakarmel einzudringen, um dort zu töten und nt plündern. Der arabische Haufen War ohne Waffen,' Jedoch mit Steinen, Stöcken und landwirtschaftlidhen Geräten bewaffnet. Die Steine sind in den Händen der Araber gefährliche Waffen, weil sie ganz außerordentlich sicher zielen. Ih den Zeiten der Aufregung, hervprgenifen durch die Nachrichten, haben sich die Juden des Hadar Hakarrhel zusammengetan und sich notdürftig mit Stöcken, Messern und Beilen bewaffnet, 90 daß die beiden Angriffe der Araber abgeschlagen wurden, wobei es auf beiden Selten Verletzte gal?. , Nachdem einige Stunden Ruhe eingetreten war, tarnen die Juden aus dem arabischen Viertel und aus den deutschen Kolonien mjt Frauen und Kindern herauf. Ebenfalls aus dem ÄkM Jehuda (wo meistens siphardischc und kurdisch? Juden wohnen). Dieser Ztrtag dauerte bis zum 26, August. Die Bedauernswerten . wurden meistens «m Technikum untergebracht. Wir könnten beobachten, daß am Markte, weicher im arabischen Viertel ist, sich die Araber versammelten und haben dann später gehört, daß dort die Juden, welche trotz Warnung ihre Einkäufe am Markte besorgen wollten, von Arabern attackiert, geschlagen und schwer verletzt wurden. Die Araber versuchten nun ihr Glück am Marktplatz. Dort befindet sich das Handelszentrum Haifas und. zahlreiche Juden wohnen dort. Die Juden des Marktes-wehrten mit Steinen und Stöcken den Angriff ab, der Kampf dauerte dreiviertel Stunden, die Juden haben sich sehr tapfer gehalten» so (laß cs den Arabern nicht gelang, auf den Marktplatz einzudringen. Endlich käm^englisches Militär, und zwar. 200 Marinesoldaten, welche Ordpung machten; Die Soldaten blieben dann einige Stunden am Marktplatz, mußten aber dann in einen anderen bedrohten Bezirk abmarschieren und ließen hur einige Patrouillen, zurück. Am Hadar Karmel war Rune, da die Araber eingesehen haben, daß wir auf der"Hut sind. Nur, Am Abend versuchten einige Haufen einen Vorstoß, auf den Hadar Hakarmel, der aber von uns jungen Juden abgewehrt wurde, worauf cjiß Araber wieder abzogen. Die christlichen Einwohner , Haifas, sowohl die Europäer a|s, die Araber verhielten Sieh vollständig passiv, die Angreifer waren ausschließ llqh Mohammedaner, Am Dienstag, den 27. August erfuhren Wir einen senr schmerzlichen Vorfall. Ein 17jähriger jüdischer Bursche besuchte um 4 Uhr nachmittags nach Arbeitsschluß seine Schwester, die rm arabischen Viertel wohnte. Als er von seiner Schwester nach Hause gehen wollte, wurde er von 10 bis 15 Burschen überfallen und diese schlugen ihn mit' Stöcken bis er besinnungslos war. Ein Genosse von uns hat von dem flachen Dach, auf welchem er Wache hatte, hierauf bemerkt, wie die Araber den armen Burschen auf den arabischen Friedhof trugen und ihn hineinwarfen. Unser Genosse alarmierte uns und es gelang uns, in einem Auto hinunterzukommen. Wir fanden ihn noch, am Leben, führten ihn in das Hadassahspifal, wo er nach drei Stunden gestorben ist. Am Mittwoch früh fand'man auf demselben Platze des arabischen Friedhofes zwei erschlagene Araber. Am Mittwoch abends, den 28. August holten die Araber zum Generalsturm auf den Hadar Hakarmel aus. Ein Scheich hatte die Führung; wir konnten von unserem erhöhten Standpunkt sehen, wie der Scheich plötzlich von einer Kugel getroffen umsank und ebenso die Leute seifies Gefolges, welche ihm zu Hilfe eilen wollten. Da einige englische Soldaten uns in unserer Verteidigung'unterstützten, nehmen wir an, daß diese uns dadurch vom Angriffe befreit haben. Denn ais die Araber ihre Führer fallen sahen, ergriffen sie die Flucht. Bei diesem Getümmel wurde ein junger Jude, welcher auf einem Dache Wache hielt, abgeschossen. Nach dieser veritablen Schlacht kam endlich der englische Befehl, daß niemand sein Haus zwischen 6 Uhr abends und 6 Uhr früh verlassen dürfe. Einige Araber, welche diesem Befehle nicht Folge leisteten, wurden vcrhaftet^Als die Araber sahen, daß sic mit ihren Angriffen in Haifa sich nicht durch1-'.;. . konnten, haben sie in der Umgebung die jüdischen Dörfer überfallen. So hatte:’ de die blühende Kolonie Kafretta im Emek-Akko verständig angezündet.und niedergebrannt. Die EinwohnßP dieser Kolonie flohen nach Hnchlath Jakob. Weiters haben die Araber die Eisfabrik des fterrn Müller in der Nazarethgasse in Haifa angezündet. Am 29. war vollständige Ruhe, englische Patrouillen durchzogen die Straßen der Stadt und es begann wieder das normale Leben. Da ich hoffen konnte, daß nunmehr alle Gefahr vorbei sei, entschloß ich mjch schweren Herzens zur Reise nach Wien, um meinen anderen Verpflichtungen der Hakoah gegenüber nachzükommcn

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