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Die Stimme · 1929-09-12 · Heft 91 (12.9.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 91 (12.9.1929)
Date
1929-09-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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S«Wt 6 DIE STIMME Nr. 91 weismaterial durch arabische Offiziere vor sich £eht und daß die Verhöre mit den Juden in arabischer Sprache geführt werden. Den Juden werden arabisch geschriebene Protokolle zur Unterzeichnung vorgelegt, die zu lesen sie nicht in der Lage sind: sie haben das Gefühl, daß diese Protokolle dann gegen die Unterzeichner selbst ausgewcrtet werden würden. Ein Komitee jüdischer Anwälte im ganzen Lande hat sich freiwillig der Judensc-haTt zur Verfügung gestellt, um der erwähnten Gefahr durch Kontrolle und Vorstellungen bei den Gerichten rechtzeitig zu begegnen. Unfaire Untersuchnngsmethodcn arabischer Polizei gegen Juden. — Photographieren verstümmelter Leichen verboten (Eigenbericht der „Stimme“.) Jerusalem, 6. September. Die Verhaftungen von Juden, bei denen Waffen gefunden werden, dauern an vielen Orten fort. ln Jaffa und in Haifa hat die Untersuchung gegen die verhafteten Juden in einer für die Verhafteten quälenden Weise begonnen. Besonders in Jaffa geht die von arabischen Polizeioffizieren geleitete Untersuchung unter sehr unfairen Umständen vor sich. Im Namen der Zionistischen Exekutive sprach Advokat Horowitz beim stellvertretenden Oberrichter vor und wies auf die bestehende ernste Gefahr hin, daß die die Untersuchung führenden arabischen Offiziere ihre Macht gegen die Juden mißbrauchen. Er ersuchte den Oberrichter, nur englischen Offizieren dje Führung der Untersuchung anzuvertrauen. Er klagte auch über die Brutalität der summarischen Urteile gegen1 Juden. Der Oberridhter versprach, die ihm vorgebrachten Beschwerden einer Prüfung zu unterziehen und Aenderungen zu erwägen. In Jawneel wurden zehn Juden, bei denen Waffen gefunden wurden, verhaftet Die Behörden des Gesundheitsdepartements der Palästinaregierung sind bemüht, die bei den Metzeleien zu Hebron begangenen Scheußlichkeiten und Verstümmelungen zu vertuschen, ja abzuleugnen. Das stellvertretende Mitglied der Zionistischen Exekutive, Advokat Horowitz, hat aber Beweise in Bünden, daß vielfach Greueltaten, besonders An Toten, begangen wurden. In Jerusalem selbst gibt es eine Anzahl durch Grausamkeiten Verstümmelter, die noch leben. Die Behörden von Hebron erlauben nicht, die verstümmelten Leichen zu photographieren. Einem amerikanischen Konsulatsbeamten, der versucht hat, die Leichen zu photographieren, wurde die Kamera weggenommen und zertrümmert. Weum man energisch ist... (Eigenbericht der «Stimme».) . je rusalem,. 4. September. (J. T. A.) Beduinen haben gestern die jüdische Kolonie Mes’cha überfallen und zum Teil ausgeraubt. Die Polizei griff sofort energisch ein, erreichte die Horde und brachte das geraubte Gut in die Kolonie zurück. Auf die JüdSnschäft Palästinas hat diese Tatsache einen sehr guten Eindruck gemacht; der Erfolg bei Mes’cha zeigt, daß, wo guter Wille besteht, das entsprechende .Resultat nicht ausbleibt. Für Morde Geldbußen . .. (Eigenbericht der «Stimme».) London, 4. September; Der Jerusalemer Korrespondent der «Times» teilt mit, daß gegen die Schuldigen an den Unruhen in Palästina ein gerichtliches Verfahren eingeleitet werden wird und daß die Absicht besteht, den schuldigen Gemeinden schwere Geldbußen aufzuerlegen, nicht aber die Täter einzeln zu bestrafen. Der Jl8Chuw glaubt fest an die Zukunft des Nationalheims (Eigenbericht der «Stimme».) Jerusalem, 4. September. Der Wiiad Leuml (Jüdischer Nationalrat und | ausführende* Organ der Nationalversammlung) hat i aifft Jerusalem das folgende Telegramm an die Leitung der Zionistischen Organisation in London gesandt: Ungeachtet der großen Katastrophe für das paiä stinensische Judentum glaubt der gesamte Jischuw an die Zukunft des Nationalheims. Jede abscbwfichende Deklaration in diesem Augenblick würde einen Schlag gegen das ganze Volk bedeuten. Es ist notwendig! in diesem Augenblick unsere Position stärkende Deklarationen zu erlassen, damit wir unsere Tätigkeit für den Wiederaufbau des Nationalheims auf breiterer Grundlage fortsetzen können. Dank an die Oxforder Universität (Eigenbericht der «Stimme».) Jerusalem, 4. September. Die jüdische Gemeinde vön Jerusalem hat au die Universität Oxford ein Schreiben gerichtet, in welchem den Oxforder Studenten, die während des Ausbruchs der Unruhen in Jerusalem weilten, und Seite an Seite mit der jüdischen Jugend die Heilige Stadt und die Zivilisation verteidigten, der Dank und die Wertschätzung ausgesprochen wird. Ibn Saud ist loyal (Eigenbericht der «Stimme».) L o n d o n, 3. September. Der Staatsrat des Sultans Ibn Saud, Schelk Wahba, der gegenwärtig in London weilt, erklärte Vertretern der Presse, der Sultan Ibn Saud sei ein unentwegter Freund Englands und werde nie versuchen, in Palästina Schwierigkeiten zu schaffen. Er glaubt, daß England als die Mandatarmacht Palästinas zwischen den einzelnen Bevölkerungsteilen ein Gleichgewicht hersteilen und Gerechtigkeit gegenüber Juden wie Arabern walten lassen wird. Die Araber wollen „politisch und strategisch handeln“ (Eigenbericht der «Stimme».) J e r u s a I e m, ß. September. Die Exekutive des Siebenten Palästinensisch- Arabischen Kongresses hielt heule eine Sitzung ab, der 40 Mitglieder beiwohnten. Mttsa Kasim Pascha, der Präsident des Kongresses und der Exekutive, hielt eine Ansprache, in der er erklärte, er halte die Zeit für gekommen, daß die Araber Palästinas zu politischem wie strategischem Handeln übergehen, Die Verhandlung nahm auf Vorschlag Musa Kasims den Beschluß an, eine Abordnung der palästinensischen Araber nach London zu entsenden. Eine Abordnung der Exekutive soll sich zum High Comrnissioner Sir Robert Chancellor begeben und von ihm die Zurückziehung seiner Proklamation fordern. Arabische Bauarbeiten an der Klageniauer (Eigenbericht der «Stimme».) Jerusale m, 6. September.' Die vom Großrnufti vor einigen Tagen anbefahienen Baiiarbeiten an ,der Klagemalier Werden trotz des formellen' Protestes, den die Juden bei der Palästina-Regierung eingelegt haben, ungehindert w.citergeführt. Wie .früher an cier linken, werden, nun an der.rechten Seite der Mauer sechs Schichten Steine gelegt. Die neuen Bauführungen erleichtern wesentlich die Verbindung zwischen der Omar-Moschee und der Klagemauer. Ein Jude betet einsam an der Klagemauer Jerusale m, 6. September. (J. T. A.) Am! Donnerstag, den 5. September, hat ein frommer Jude namens Meyer Akkad, ein Sepharde, den Mut aufgebracht, sich zur Klagemauer zu begeben und dort zu beten. Zwei Polizisten standen zu seinem Schutze da. Unter den in der Nachbarschaft wohnenden Arabern machten sich Zeichen der Erregung bemerkbar, aber der einsame Andächtige wurde nicht belästigt. Amerika kommt als Mandatarmacht nicht in Frage (Eigenbericht der «Stimme».) London, 4. September. Die Zeitung «Observer» kritisiert : scharf die britische Administration in Palästina und meint, der beste Ausweg wäre, das Mandat über Palästina der Regierung der Vereinigten Staaten zu übertragen. Der Korrespondent der «Morning Post» telegraphiert aus Washington, daß in den maßgebenden Kreisen der Vereinigten Staaten keine Neigung besteht, den Vorschlag des «Observer», daß die Vereinigten Staaten das Mandat über Palästina übernehmen sollten, ernstlich in Erwägung zu ziehen. Auch die Presse meint, daß eine Uebernahme des Mandats durch Amerika schon darum wenig in Betracht gezogen werden könne, weil Amerika dem Völkerbund nicht angehört. Der Plan eines Kondominiums zwischen Engländern, Juden und Arabern (Eigenbericht der «Stimme».) London, 4. September, j o li n Phil b y, eine Autorität in den Dingen des Nahen Ostens, macht in den «Daily News» den Vorschlag, daß ein Condominion zwischen Briten, Juden und Arabern in Palästina geschaffen werde in der Weise, daß die Administration zu gleichen Teilen von allen drei Gruppen zusammengesetzt sein soll. Der Staat erhält seine Unabhängigkeit; Großbritannien stellt aber die notwendigen militärischen Kräfte gegen Erstattung der Kosten seitens Palästii nas zur Verfügung. «Daily News» nahmen im Leitt artikel zu den Vorschlägen John Philbys Stellung J und erklärten, unter den jetzigen Umständen würden f weder Juden noch Araber einem solchen Platte zustimmen. Einige Betrachtungen über die letzten Ereignisse in Palästina Wie alles im Leben, so haben auch die blutigen Ereignisse in Erez Israel ihre positiven Seiten. Wir konnten mit außerordentlicher Genugtuung konstatieren, daß Erez Israel ein Land geworden ist, das mit dem Golus bereits durch ein sehr dichtes Netz persönlicher Beziehungen verknüpft ist. Es gibt beinahe keine jüdische Familie mehr in der Diaspora, die nicht in Erez Israel Verwandte oder zumindest sehr nahestehende Bekannte hätte. Diese Tatsache ist ein lebendiger Beweis dafür, daß Erez Israel kein geographischer Begriff mehr ist, sondern ein lebendiger Teil der jüdischen Wirklichkeit. Der Prozeß der jüdischen Besiedlung des Landes ist ein natürlicher geworden. ln Palästina waren nur in Hebron und Saffed regelrechte Pogrome, jedoch vor allem deshalb, weil die dortige jüdische Bevölkerung noch im Geiste des Ghettos verstrickt ist; auch die Jugend dieses alten Jischuw hat es noch nicht gelernt, ihr Leben und die jüdische Würde ernstlich zu verteidigen. Sonst aber ist im ganzen übrigen Lande jüdisches Leben sehr teuer verkauft worden. Die jüdische Selbstwehr hat natürlich und selbstverständlich sich mit der Waffe verteidigt und es gelang ihr, sehr vieles zu retten. Wir dürfen es ruhig sagen: Diesbezüglich hat der Zionismus den in uns lebenden Geist der Angst verjagt, wir sind natürliche Menschen geworden, die in Erez Israel das Gefühl der H c i m a t wieder erlangt haben und diese Heimat zu verteidigen wissen. Diese Selbstverteidigung hat es klar bewiesen: Hätten wir jetzt weitere 50.000 junge, arbeitende, produktiv lebende Menschen im Lande gehabt, die Ereignisse hätten überhaupt nicht einmal diese Dimensionen annehmen können, die sie angenommen haben, In diesen Ereignissen hat sich der Gedanke der Jewish Agency wunderbar bewährt. Die sogenannten Nichtzionisten in der ganzen Welt, und speziell in England und Amerika haben sich glänzend gehalten, ln England haben sie eine Sprache gegenüber ihrer eigenen Regierung gefunden, die wir ehrlich als zionistisch bezeichnen dürfen. Mit der Hand war es zu greifen: Hier handelte es sich unseren Freunden nicht nur um eine fremde, die «armen Juden des Ostens» angehende Angelegenheit, sondern um ihre eigene, die gesaintjüdisch-e. Auch die Haltung der n ichtjüdIschen Presse war von der Tatsache der Jewish Agency beeinflußt. Sie verstand, daß es sich hier bereits um eine, die gesamte Judenheit angehende Angelegenheit handle und daher nahm sie die Sache sehr ernst. Sie ergriff auch für unsere Sache Partei, da sic ja einsich t, daß unser Werk ein wahrhaftes Kultur werk ist. Wunderbar war auch sonst die Haltung der Judenheit. Noch im Jahre 1921, gelegentlich der Unruhen in Jaffa, war die Sache anders, da das von uns Geleistete für die Umwelt noch zu wenig sichtbar war. Inzwischen aber vermochten wir Leistungen hervorzubringen, die sich die Achtung der judenheit erzwangen. Die "jetzigen blutigen Ereignisse aber haben das Judentum nicht aus dem Gleichgewicht gebracht. Es begreift eben, daß eine Heimat nicht üb er Nacht errichtet wird, daß es ohne Rückschläge nicht geht. Ja, die Juden dieser Zeit beginnen einzusehen, daß die Ereignisse in Palästina in keiner Weise mit den Pogromen verglichen werden können. Soweit es Kämpfe gab und gibt, so sind es Kämpfe um eine schönere Zukunft, um die würdige Existenz eines alten Kulturvolkes. Das Judentum ahnt bereits, daß die Kämpfe in der Diaspora bloß der Erhaltung des Bestehenden dienen, daß wir im Golus niemals die Möglichkeit haben, uns eine eigene jüdische staatliche Existenz zu schaffen. Diese Aussicht besteht eben n u r in Palästina und für diese Aussicht lohnt es sich, die größten Opfer zu bringen. Dr. Chaim Tartakower. Vom Zionistischen Landeskomitee Dr. Leo Goidhammer hat aus Gesundheitsrücksichten seine Stelle als Präsident des Zionistischen Landeskomitees niedergelegt. Das Landeskomitee hat In seiner Sitzung vom 5. September den Rücktritt mit Bedauern zur Kenntnis genommen und beschlossen, einen außerordentlichen Delegiertentag einzuberufen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde mit dem provisorischen Vorsitz im Landeskomitee Dr. Desider Priedmaim betraut. Gute Pädagogin erteilt hebvidseiieii Unterricht tür Kinder nul Erwachsene. Zuschriften erbeten unter «Guter Erfolg» au die Administration des Blattes.

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