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Die Stimme · 1929-09-12 · Heft 91 (12.9.1929) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 91 (12.9.1929)
Date
1929-09-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr, 91 DIE STIMME Sette 8 Wie die Untersuchung vor sich geht Araber nehmen an ihr teil — Juden werden entwaffnet (Eigenbericht der ^Stimme“.) richte werden gemäß ihrer Vollmacht-die Etefugnis haben, Strafen bis zu einem Jahr Gefängnis m verhängen. Wo es Sich um schwere Fälle, wie Kapitalverbrechen, handelt, werden dieszibcn von diesen Gerichten an das normale Schwurgericht, das sich aus fünf Berufsrichtern zusammensetzt, abgetreten werden. Forderungen des Jischuw Per Kampf tim die Legalisierung des Selbstschutzes (Eigenbericht der «Stimme».) Jerusalem, 3. September. Die Vertreter der Zionistischen Exekutive, des Waad Leumi und der jüdischen Gemeinden Palästinas sprachen am 2. September beim High Commissioner Sir John Chancellor vor und unterbreiteten ihm die Forderungen des jüdischen Jischuw in Palästina, unter denen die folgenden hervorzuheben sind: Wiederherstellung von Ordnung und Sicherheit im Lande, materielle Entschädigung, Bestrafung der Schuldiget. Der High Commissioner versprach, einen Teil diese* Forderungen zu erfüllen. Die Mitglieder des Waad Leumi hatten abermals eine Unterredung mit dem High Commissioner über die Frage der Legalisierung des jüdischen Selbstschutzes. Der Waad Leumi wies auf die dem unteren wie dem oberen Galiläa immer noch drohenden Gefahren hin, sowie auf die unglücklichen Erfahrungen, die man mit der Entwaffnung des jüdischen Selbstschutzes in mehreren palästinensischen Orten gemacht hat. Der Waad Leumi ersuchte den High Commissioner, zu veranlassen,. daß an die Kolonisten in den bedrohten jüdischen Kolonien des Nordens Waffen verteilt werden, und daß die zahlreichen Juden, die noch in den Gefängnissen schmachten, weil sie im Besitz von Waffen, die sie, zur Verteidigung ihres Lebens brauchten, gefunden wurden, in Freiheit gesetzt werden. Der Oberkommissar erklärte, er könne sich nicht entschließen, diesen Ersuchen stattzugeben. Seinen weiteren Aeußerungen war zu entnehmen, daß er noch nicht bereit sei, die gebieterische Notwendigkeit, den jüdischen Selbstschutz zu legalisieren, anzuer- Jrennen. Der Zustand Dr. von Weisls verschlechtert '(Eigenbericht der „Stimme“.) - London, 10. September. Der Gesundheitszustand Dr. von Weisels, der am Freitag bei Ausbruch der Unruhen durch einen Messersticlvin den Huchen verletzt wurde,; bp* eine- Wendung zum schlechteren genommen. Blut-Sabbath Nach Erzählungen der Geretteten aus Hebron. Von, unserem palästinensischen ße- ... .. , r.i c h t e r s t a 11 e r J. G a l - E s e r. Eine Woclre ist vergangen, seit der blutige Kampf, in Erez Israel begonnen hat, — sieben Tage . . . sind .es siep.ejK Monate? Wie viel Blutopfer haben wir in diesen sieben Tagen auf dem Altar des Jüdischen Heimlandes dargebracht. Wie viele blühende Stätten sind zerstört, wie viel Vermögen ist vernichtet worden. — Aber was wir im ganzen Lande erduldet haben mögen, nichts kommt dem Märtyrertum gleich, am Schreckenssabbath der Juden von Hebron. In den hebräischen Knabenschule gegenüber dem italienischen Konsulat in Jerusalem sind die geretteten Bachurinr! der Jeschiwah von Hebron untergebracht, viele bereits aus» dem Hospital entlassen, aber noch mit bandagierten Köpfen, Händen und Füßen. Die jungen Leute mit den hübschen, intelligenten Gesichtern gehen bleich und traurig umher. Sie haben den Tag des Schreckens hoch nicht verwunden. Sie wissen nur das Eine,, daß sie durch ein Wunder dem Blutbad entronnen sind. Aber erzählen, genau berichten über die .Stunden des, Schreckens, will keiner und es kostet ein gutes StUck Ueberredungskunst, bis zwei von ihnen sich auf eipe Matte am Fußboden niederlassen, und Bjrtfqhstüpke zu erzählen beginnen. Bruchstücke niir; zu einer wirklichen zusammenhängenden Schilderung sind sie noch nicht fähig. Vielleicht werden sie einmal ein Bubh darüber schreiben, wenn es wieder vollkommen ruhig sein wird in Erez Israel. o Schoh am blutigen Freitag von Jerusalem ist es in Hebron ^nicht mehr still. Der arabischen Polizei sind, wie an vielen Stellen des Landes, die Schußwaffen abgenommen worden, und der einzige jüdische Polizist bei 600 jüdischen Einwohnern in Hebron gibt seinen schlimmsten Befürchtungen Ausdruck. Bereits am Freitag wird ein Mitglied der Jeschiwah beim Lernen ermordet. Alle Juden von Hebron haben sich in Gruppen von 20 bis 30 und mejir in einzelnen Häusern der Stadt konzentriert. Die telephonische Verbindung mit Jerusalem ist für Privalgespräche unterbrochen. Man bittet den englischen Polizeikommandanten, daß er Militär berufen solL Aber er weigert sich und erklärt, daß er jede Verantwortung für die Sicherheit der Stadt Übernimmt. — In der Nacht von Freitag auf Sabbath hat kein Jude in Hebron' ein Auge geschlossen. Am Morgen Jerusalem, 5. September. Der ^Jüdischen Telegrapben-Agentur gingen am 5. September die folgenden Mitteilungen aus den verschiedenen Teilen Palästinas zu: In Safed nimmt die arabische Polizei in der Untersuchung gegen die Schuldigen an den Metzeleien, Plünderungen und Brandstiftungen teil. Die Jüdische Gemeinde von Safed teilte der Regierung in Jerusalem mit, daß die Judenschaft von Safed sich weigert, ihr Beweismaterial der Polizei vorzulegen, die selbst an den Ausschreitungen zum Teil aktiv mitgewirkt hat. Die jüdische Gemeinde fordert, daß Juden und Engländern die Führung der Untersuchung übertragen werde. Unter den Verwundeten von Safed befindet sich der persische Vizekonsul Salin Cohen. In mehreren Dörfern wurden Araber, unter, ihnen zwei Scheichs, verhaftet, die die Angriffe auf die jüdische Kolonie Kastiniah ausgeführt haben. Die Angriffe auf Kastiniah Waren verlustreich sowohl für die sich verteidigenden Jüdischen Kolonisten wie für die angreifenden Araber. Alle auswärtigen Konsuln in Palästina sind mit. der Sammlung' und, Sichtung des Materials über den Schaden, den Angehörige, ihrer Staaten durch die Unruhen erlitten hatten, beschäftigt. Der französische Konsul besuchte das Bürgermeisteramt von Tcl-Aviv und sprach dort seine Empörung über . die Angriffe und die Grcaeltaten aus. Arabische /Kundgebungen verhindert Kairo, 5. September. (J. T. A.) Nach einer telephonischen Meldung des Bureaus der Jüdi- Ml Bei Wlagenbeethwtrdtn, schlechter Verdauung, Kolik und'aonetigen Störungen des.Orgsnlsmns, die mit der Ernährung im Zusammenhänge ctehen. rerwenden Sie die rühmlichst bekannten .Plagen -l‘roi»£em‘ r (Schutzmarke : Roter Krebs) „Krebs-Apotheke'1, 55. Mittelbach, Wien, L Täglich.PosUromnd , Hoher Markt 8 .. . Täglich rostmsaad kommen die Massen der Araber'äüs Jerusalem zurück, wo ihnen die ‘ AttäckV1 mißlungen -ist. *Mit1 blutgierigen Gesichtern ziehen Hunderte* durch die Gassen von Hebron. Sie schwingen Schwerter; Dolchmesser, Aexte und Gewehre. Ruhig begleiten sie arabische Polizisten, nur mit , Stöcken bewaffnet.: Die Juden vom Hebrön sind aber völlig waffenlos. Nurder Bankdirektor Slonim besitzt einen Browning. —- In fieberhafter Eile bemlfht man sich, die .Türen zu verbarrikadieren mit Tischen, eisernen Bettstellen und anderen Gegenständen. Immer drohender werden die Umzüge, immer ..wilder;werden die Rufe, bis der Kampfschrei und da»s Signal ertönt-..«Tötet die Juden!»; Die Aexte schlagen gegen die verschlossenen Türen und aus den, Häusern tönen Angstgebete und schrilles Hilferufen der Frauen und Kinder. Ruhig stehen die arabischen Polizisten und schauen zu. Rasch sind die schwachen Barrikaden beiseite geschoben und durch, die Türen und ■» Fenster stürmen Bluthunde herein; das sind keine Menschen mehr. — Nach und nach spielt sich in zwanzig Häusern das gleiche Schauspiel ab. Zusammengedrängt in einem Winkel stehen Männer, Frauen und Kinder wie Schafe zur Schlachtbank. Es ist still geworden. Nur Sterbegebete murmeln die Lippen einiger Männer. Einen Schuß hat der Bankdirektor Slonim abgegeben, da streckt ihn ein Axthieb nieder und andere erschlagen ihn vollends, zerfleischen ihn; neben ihm werden seine Frau, die Großeltern und ein Kind geschlachtet und verstümmelt; nur ein Kind der sechsköpfigen Familie bleibt am Leben, ein 11 Monate alter Knabe, der an der Hand und am Kopfe schwer verwundet, worden ist. — Für furchtbare Racheakte bietet sich hier die Gelegenheit: der arabische Bäcker steckt den Kopf des jüdischen Bäckers in den glühenden Öfen. Einem reichen sefardischen Juden wird das Leben zugesichert, wenn er sein Geld herausgibt. Nachdem er zitternd die eiserne Kasse geöffnet hat, wird er mit seiner Frau lebendig verbrannt. Ein sefardischer Schriftgelehrter wird zuerst entmannt und dann zerstückelt. Einer Frau, die ihr Kind verteidigt, werden die Finger einer Händ abgehackt. Ein Mörder erschlägt seinen persönlichen Feind und wirft dann sein Fleisch vor die Hunde. Ein alter Mann fällt schwer verwundet, und wie man ihn dann unmenschlich zerfleischt, flüstert er nur: «Ihr könnt ruhig schneiden, ich bin ohnehin dem Tode geweiht.» Kinder und Frauen, Männer und Greise werden bestialisch ermordet. — Manche entgehen durch ein Wunder dem Tode,, Ein- Mitglied, der rcrchiwah wird von,den Leichen seiner Kameraden besehen Telegraphen-Agentur in Jerusalem hat die Polizei in Jaffa und in mehreren anderen Orten Palästinas Versuche der Araber, Protestkundgebungen gegen die Proklamation Chancellors zu veranstalten, vereitelt. Der Großmufti verlangt „gleiche politische Rechte für Araber und Juden“, aber Beschränkung der Einwanderung Jerusalem, 6. September. (J. T. A.) Der Großmufti von Jerusalem hatte heute eine Unterredung mit dem Oberkommissär von Palästina Sir Johii Robert Chancellor. Der Großmufti unterbreitete dem Oberkommissär die folgenden Forderungen: 1. Politische Gleichheit der Araber mit den Juden; 2. gleiche wirtschaftliche Hechte für Araber und Juden; 3. Annullierung.der bi sherverliehenenKon Zession für Errichtung von Staukraftwerken zur Elektrifizierung Palästinas (Rutenbergs Palestine Electric Corporation) und anderer Konzessionen, Neu Verleihung aller Palästinakonzessionen durch die Mandatsregierung auf der Basis des öffentlichen Wettbewerbes; 4. Status quo hinsichtlich der Benutzung der Heiligen Stätten bzw. des Status der einzelnen Religionen; 5. Einführung neuer E i n w a n d e r u n g s b e s c h r ä n k u n g e n. In Haifa werden Juden verhaftet (Eigenbericht der „Stimme“.) Haifa, 6. September. Große Empörung erregte hier die Verhaftung des jüdischen Ingenieurs Miller, dessen Haus von den Arabern niedergebrannt wurde. Gegen Miller wird die Beschuldigung erhoben, er hätte aus seinem Haus Schüsse abgegeben. Nicht weniger Ueberrasehung erregt die Verhaftung von 31 Juden, die Zuflucht in den Grands Moulins (Rothschild-Mühlen) suchten, nachdem ihre Wohnharacken durch' die Araber niedergebrannt worden waren. Die Gefahren der Untersuchungsführung durch Araber Jerusalem, 6. September. (J. T. A.) Unter, der gesamten Judenschüft Palästinas herrscht, starke Erregung darüber, daß im ganzen Lahde» die Untersuchung und die Sammlung Von Bedeckt und von den Mördern nicht Weiter-beachtet.- Viele Juden werden von mitleidigen Arabern versteckt gehalten; Erst nach zweistündigem Morden und Plündern, in Hebron erscheint Militär und die Banden verschwinden fluchtartig* Es äst Nachmittag. 59 Juden sind den Märtyrertod gestorben, 100 sind verwundet. Die Geretteten und Verwundeten werden nach Jerusalem gebracht. Unter den Ermordeten sind 15 Amerikaner. Der amerikanische Konsul aus Jerusalem erscheint, um auf Grund des Lokalaugenscheins seinen Bericht nach Washington senden zu können. Photographische Aufnahmen der Toten werden ihm nicht gestattet. -— — Und der Blut-Sabbath geht seinem Ende zu. Den 50 Märtyrern soll die letzte Ehre erwiesen werden. Nur etwa 15 Juden geben den teuren Toten das letzte Geleite. Arabischen Sträflingen wird von der Polizei die . Rolle von Totengräbern zitgeteilt, und in vier Gemeinschaftsgräbern werden sie zur ewigen Rune bestattet — In dem prachtvollen von dem jüdischen Philanthropen Nathan Straus gestifteten Gesundheitszentrum in Jerusalem sind über 200 Flüchtlinge aus Hebron untergebracht, in erster Linie Frauen und Kinder, Auf den Armen einer jungen Krankenpflegerin sitzt der kleine Slonim mit seinem verstümmelten Händchen und verbundenem Kopf, Wie soll man das Schreckliche an diesen heimat- und vielfach elternlosen Kindern wieder gutmachen, denen noch immer die Todesangst aufs Angesicht geschrieben steht? In den Hospitälern liegen noch sehr viele Schwerverletzte, ganze Familien, Mütter mit ihren Kindern. Einer Mutter ist von den Mördern das Augenlicht geraubt worden; ihre kleine Tochter, ein bildhübsches Mädchen, mit verbundenem Kopf, weicht nicht von der Seite der blinden Mutter. Man kann mit den unglücklichen Opfern nicht von der Rückkehr nach der Stadt des Sohreckens sprechen. Sie wollen durchwegs nicht einmal daran denken. Vor allem wird die Jeschiwah voraussichtlich nicht dorthin zurückkehren. — Aber noch ist es zu früh, diese Frage zu berühren. Noch brennt das Land, noch knattern die Maschinengewehre nicht allzuweit von Jerusalem entfernt. — Wenn es aber still geworden »sein wird, wenn die Heimstätte in Erez Israel wirklich «gesichert» sein wird, dann wird die Zeit auch diese schrecklichen Wunden heilen, und die Rückkehr in die vereinsamten Stätten wird für die meisten der verlassenen Positionen im Lande gewiß aktuell werden. , -

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