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Die Stimme · 1929-09-12 · Heft 91 (12.9.1929) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 91 (12.9.1929)
Date
1929-09-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nf, 91 Unterredungen mit dem britischen Premierminister Macdonald und mit Lord Cecil (Viscount Chelwood) sowie meiner heutigen Unterhaltung mit dem Minister des Aeußeren Henderson haben mich von der freundlichen Beziehung der Regierung zum Nationalheim überzeugt. Es müssen aber die Resultate und Schlußfolgerungen der Untersuchungskommission, die mit der Erforschung der unmittelbaren Ursachen der Unruhen betraut worden war, abgewartet werden. Ich bin in Genf noch mit einer Reihe politischer Persönlichkeiten verschiedener anderer Länder zusammengetroffen, alle versicherten mir ihre freundliche Beziehung zu uns. Auch der französische Premier Briand hat mir gegenüber in sehr klaren Worten seiner Sympathie für unsere Sache und seinem Bedauern über die Geschehnisse Ausdruck gegeben und gleich- London, 4. September. (J. T. A.) Das britische Kolonialamt hat soeben ein ausführliches Statement hinsichtlich der britischen Politik in Palästina im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen herausgegeben. Es heißt darin: Die Regierung Palästinas hat vor einigen Tagen Instruktionen gegeben, daß sofort das Beweismaterial über Ursprung und Verlauf der letzten Unruhen gesammelt werde, bevor noch dieses Material verschwindet. Die Untersuchung soll sich darauf erstrecken, ob die Unruhen, die am 23. August begonnen haben, spontan ausgebrochen oder vorher verabredet waren. Während die Streitkräfte Seiner Majestät Hand in Hand mit der Palästina-Regierung aktiv an der Wiederherstellung der Ordnung arbeiten, werden seitens der zivilen Behörden energische Schritte unternommen, um die schuldigen Personen den Gerichten zu übergeben. Zahlreiche Verhaftungen wurden bereits vorgenommen, ein beträchtlicher Fortschritt wurde auch bei der Behandlung summarischer Fälle erzielt. Besondere Maßnahmen wurden ergriffen, um die Einsetzung unparteiischer Gerichte sicherzustellen und um eine wahrscheinlich sehr große Zahl von Straffällen bewältigen zu können. Auf Ersuchen des Oberkommissärs von Palästina — heißt es weiter in dem Statement des Kolonialamtes — hat der Staatssekretär für die Kolonien eine Untersuchungskommission ernannt, die sich noch im Verlauf des Monats September von London nach Palästina begibt Aufgabe dieser Kommission wird es sein, die unmittelbaren Ursachen, die zu dem jüngsten Ausbruch der Unruhen geführt haben, die Ausdehnung der Unruhen und die Frage, bis zu welchem Grade sie als vorher verabredet zu gelten haben und wie weit sie auf eine organisierte Aktion zurückzuführen sind, gründlich zu untersuchen. Im Hinblick auf die Andeutungen, die in gewissen Kreisen hinsichtlich der britischen Politik in Palästina gemacht werden, legt der Staatssekretär für die Kolonien Gewicht darauf, klar herauszusagen, daß die britische Regierung nicht die Kastiniah, Hulda und Kafretta. In Jerusalem ist das Wirtschaftsleben immer noch lahmgelegt. In Tel Aviv haben am Montag Schießereien stattgefunden, die einige Opfer forderten; am Dienstag aber waren Verluste nicht mehr zu verzeichnen gewesen. Auch in Tel Aviv ist der Handel vollkommen lahmgelegt. Die jüdische Kolonie Kastiniah (Attaroth), die von den Kolonisten längere Zeit hindurch heldenhaft verteidigt worden war, wurde, nachdem die Kolonisten sie verlassen mußten, von den Arabern vollkommen ausgeraubt und dann niedergebrannt. Von den jüdischen Kolonisten Kastiniahs wurden drei getötet. Der Angriff auf Kastiniah war, wie jetzt feststeht, von langer Hand organisiert. Die angreifenden Araber hatten ein mit einem roten Kreuz versehenes und von arabischen Pfadfindern gelenktes Auto mit sich, von wo aus die erste Hilfe an die verwundeten Araber geleistet wurde. Die Tätigkeit der Pfadfinder beschränkte sich aber nicht auf Samariterdienste, sondern die jugendlichen Araber schleppten Petroleum heran, begossen mit diesem Brennstoff die große Tenne der Kolonie und setzten sie in Brand. In der Nacht von Montag zu Dienstag wurde die jüdische Kolonie Hulda ausgeplündert und dann niedergebrannt. Die Einwohner von Hulda konnten rechtzeitig in Sicherheit gebucht werden mit Aus- J mg STIMME zeitig die Versicherung abgegeben, daß alle notwendigen Schritte zur Verhinderung von Unruhen, die von der Richtung der syrischen Grenze drohen könnten, seitens der französischen Regierung unternommen worden. Dr. Weizmann erklärte zum Schluß, die Deklaration, die in der gestrigen Sitzung des Völkerbundrates seitens der Repräsentanten der verschiedenen Mächte hinsichtlich der Geschehnisse in Palästina gegeben wurden, hätten ihn befriedigt. Es fiel ihm nur auf, daß der Repräsentant Italiens, der sich ebenfalls an der Debatte über den Bericht der Mandatskommission beteiligt hatte, die Geschehnisse in Palästina seinerseits nicht erwähnt hat. Wir sehen, schloß Dr. Weizmann, den Resultaten der Arbeit der Untersuchungskonunission mit Geduld entgegen. Absicht hat, die Frage der Verwaltung des Mandats für Palästina durch Großbritannien einer erneuten Erwägung zu unterziehen, und daß eine neuerliche Prüfung, die die Position des Landes in bezug auf das Mandat oder die in der Balfour- Deklaration festgelegte und in dem Mandat zum Ausdruck gebrachte Politik der Errichtung eines Nationalheims für die Juden in Palästina ändern könnte, in keiner Weise in Betracht gezogen wird. Die jetzt eingeleitete Untersuchung — heißt es zum Schluß des Statements —- ist deshalb auf die unmittelbare kritische Lage beschränkt und wird sich nicht auf Erwägungen höherer Politik erstrecken. Der Bericht der Untersuchungskommission wird — sobald er vorliegt — Angelegenheit einer ernstesten Erwägung seitens der Regierung Seiner Majestät sein und wird als Grundlage dienen für die Richtlinien, nach denen innerhalb der Bestimmungen des Mandats die zukünftige Politik in Palästina .geleitet werden soll. Das Statement des Kolonialamtes über die britische Politik in Palästina wird in den Londoner zionistischen Kreisen als den Umständen gemäß befriedigend angesehen. Man vermißt in dem Statement eine Erklärung hinsichtlich der Befriedigung gewisser zionistischer Forderungen. Man hegt aber die Hoflnuqg, daß das Kolonialamt. Auf dent normalen administrativen Wege die noch «offen gebliebenen Fragen einer Erledigung zuführen wird. Die Zusammensetzung der Britischen Palästina- Kommis8ion. (Eigenbericht der Stimme».) London, 6. September. Wie «Daily Chronicle» erfährt, wird die in dem Statement des Kolonialamtes angekündigte britische Untersuchungskommission für Palästina außer aus dem Oberrichter Sir Walter Shaw noch aus dem Unterhausmitglied Sir Robert Hamilton von der liberalen Partei, dem Unterhausmitglied Majer j. W. Hills von der konservativen Partei und aus einem noch nicht namhaft gemachten parlamentarischen Vertreter der Arbeiterpartei sich zusammensetzen. nähme von Ephraim Zisik, der bei der Verteidigung der Kolonie von den Arabern getötet worden ist. Ephraim Zisik war der Bruder der vielgenannten jüdischen Heldin Sarah Zisik, die sich an der Seite Trumpeldors und seiner Kameraden im Jahre 1921 an der Verteidigung der von den Arabern angegriffenen jüdischen Arbeiterkolonie Tel Cliai hervorragend beteiligt und in den Kämpfen den Tod gefunden hatte. Das jüdische Dorf Kafreta wurde evakuiert und dann von Arabern ausgeplündert und zerstört. Bei den Kämpfen in Beisari wurden zwei jüdische Kolonisten getötet und ein Kolonist verwundet. Verschiedene andere kleinere Kolonien, wie Jawniel, Chittin und andere, wurden von Arabern angegriffen, die großen Schaden anrichteten; die Höhe der Verluste bei diesen Kämpfen steht noch nicht genau fest. Arabische Angriffe in Nord-Galiläa unter Verlusten für die Araber zurückgeschlagen. London, 4. September. (J. T. A.) Das britische Kolonialamt gibt die folgende Mitteilung über die Lage in Palästina heraus: Im Verlaufe des Dienstags herrschte in Palästina im allgemeinen Ruhe, nur im Norden fanden lokale Zwischenfälle statt. Ein Angriff von Arabern attf die Polizeibaracken in Chittin, einer jüdischen Kolonie acht Meilen westlich Tiberias, wurde erfolgreich zurückgeschlagen. Ein leichteres Gefecht fand in der Nähe der Kolonie Jesod Hamaalah nördlich des Tiberias-Sees statt, wobei einige Araber festgenommen wurden. Bel diesen Gefechten hatten die britischen Truppen keine Verluste. Wieder ein Angriff auf Talpioth. K a i r o, 4. September. (J. T. A.) Vom Bureau der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Jerusalem wird telephonisch nach Kairo mitgeteilt, daß ein großer Arabertrupp die jüdische Kolonie Chittin bei Tiberias angegriffen hat, aber vom britischen Militär in die Flucht geschlagen wurde. Dabei wurden 12 Araber getötet und mehrere gefangen genommen. Die jüdische Kolonie Kfar Tabor wurde von Arabern angegriffen und ausgeraubt. Die Araber führten das Vieh der Kolonie mit sich fort. Unter den Arabern wird die Suche nach Waffen und nach geraubtem Gute fortgesetzt. j In der Nacht zum Dienstag hat ein Trupp Araber zu Pferde einen Angriff auf die Villenstadt Talpioth, zwei englische Meilen südlich von Jerusalem, unternommen. Die Besatzung von Talpioth schlug den Angriff zurück und brachte den Arabern Verluste bei. Britisches Militär und palästinensische Polizei durchsuchten Jaffa, Bethlehem und Jerusalem nach Waffen. ln dem Araberdorf Weleta in der Umgegend von Jerusalem, wurden 170 Personen verhaftet In Beisan verhaftete die Polizei 60 Araber. Bei der Abwehr des erneuerten Angriffes der Araber auf Yesod Hamaalah durch britische Truppen wurden 14 Araber getötet In der Nähe von Semakh wurde eine Horde transjordanischer Beduinen von Militär auseinandergetrieben, wobei die Beduinen Verluste hatten. In Safed. (Eigenbericht der «Stimme».) J e r u s a 1 e m, 5. September. Dr. Yaski, der das medizinische Hilfswerk in Safed leitet, teilt mit, daß. der Ruin der jüdischen Gemeinde von'Safed unbeschreiblich sei. Die Brände sind noch nicht alle gelöscht. Starker Verwesungsgeruch aus den niedergebrannten Häusern läßt darauf schließen, daß noch mehrere Tote unter den Trümmern liegen. Eine Frau wurde, an ein. Fenstergitter gebunden, verbrannt aqfgefunden..;;7':;Arabische Verluste; London, 6. September. (J. T. Ä.j Das Kblönialamt teilt mit, daß am Abend des 3. September im Dorfe Mes’cha, östlich des Berges Tabor, gegen einen Trupp plündernder Araber eine erfolgreiche Aktion durchgeführt wurde. Die Verluste der Araber betragen 26 Mann, von britischer Seite wurde nur ein Soldat leicht verwundet. Im Verlaufe des Mittwoch war die Lage im allgemeinen ruhig. Flugzeugstaffeln setzen ihre systematischen Erkundungsflüge über dem ganzen Lande fort. Gespannte Lage. Jerusalem,^' September, (j. T. A.) Am heutigen Freitag herrschte in vielen Teilen Palästinas eine gewisse Spannung und Nervosität. Der britische Distriktsoffizier von Tulkarem riet den Bauern der jüdischen Kolonien Gan Chajim und Raananah, die Kolonien zu räumen, da er die Garantie für ifire Sicherheit nicht übernehmen könne. Im Hinblick auf den heutigen. moslemitischen Wochenfeiertag herrschte auch in Haifa Nervosität und Unruhe. Nach einer soeben in Jerusalem ein getroffenen Nachricht haben die Kolonisten von Gan Chajim und Raananah sowie anderen Siedlungen im Orangendistrikt beschlossen, die Kolonien nicht zu räumen, um nicht Hab und Gut schutzlos preiszugeben. Palästina wird längere Zeit militärisch besetzt bleiben. Jerusalem, 7. September. (J. T. A.) In den , Kreisen der Palästina-Regierung wird offen zugegeben, daß man noch auf lange Zeit hinaus mit dem Banditenunwesen, das in der letzten Zeit im Gefolge der Unruhen zum Durchbruch gelangt ist, zu rechnen haben wird. Um .mit diesem Banditentum aufzuräumen, wird es sich als notwendig erweisen, für eine beträchtliche Zeit eine starke militärische Besatzung im Lande zu unterhalten. Wer sind die Richter? Jerus a>l e m, 7. September. (J. T. A.) Gemäß Kabinettsorder sind Gerichte zum Verhör und zur Aburteilung der Schuldigen eingesetzt worden, die sich aus englischen Mitgliedern der Palästina-Administration zusammensetzen. Es ist nicht durchaus vorgeschrieben, daß die Mitglieder dieser Gerichte richterliche Beamte oder sonst Personen mit früherer obrigkeitlicher Erfahrung sein müssen. Diese Ge- Das Statement des Kolonialamtes Noch immer Ueberfälle und Kämpfe

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