Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 91 (12.9.1929)
- Date
- 1929-09-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 91 di© lokalen Behörden mehrere Tage hindurch sich völlig passiv verhalten haben, daß also diese Behörden die Verantwortung für die Ereignisse trifft, ja daß sic sich auch für ihren Teil strafbar gemacht haben. Was die Sache noch schlimmer macht, ist, daß diese Behörden es gleichzeitig für ihre Pflicht hielten, di© Juden, die ihr Leben, ihre Heimstätte und ihr Hab und Gut verteidigten, zu entwaffnen, so daß die Juden nun schutzlos den Angriffen der arabischen Banden, deren Entwaffnung in der Praxis unmöglich durchzuführen war, ausgesetzt waren. 3. Die neue jüdische Bevölkerung von Palästina, die in den letzten Jahren im Hinblick auf das jüdische Nationalheim, dessen Verwirklichung durch das Mandat garantiert sein sollte, in das Land eingewandert ist, hat dort im Vertrauen auf die ihr zugesicherten Rechte ein neues Leben entwickelt, ein Leben mühseliger Arbeit und großer Produktivität; sie hat Unternehmungen ins Leben gerufen, aus denen die Araber mindestens ebenso viel Nutzen zogen wie die Juden. 4. Mit Befriedigung nehmen wir Proklamation des Oberkommissärs von Palästina an die Bevölkerung des Landes zur Kenntnis, die, wenn sie auch unsere legitimen Wünsche nicht voll befriedigt, doch in ihrem Geist und in ihrem Wortlaut eine Maßnahme zur Beruhigung und ein Appell an die menschlichen Gefühle der Eintracht und gleichzeitig ein Zeichen der Sympathie für die Opfer und eine strenge Verurteilung der verabscheuungswürdigen Angriffe, der Aufreizung zu Haß und Gewalt und der lügnerischen Propaganda ist. Der Appell des Oberkommissärs kann nicht der einzige Akt der Palästinaxegierung bleiben, wenn sie die jüdische Kolonisation in Palästina wiederherstellen will. Es ist nötig, daß sie Sanktionen gegen die Schuldigen ergreift und die von den Juden in Palästina geschaffenen, nun zerstörten Werte wieder aufbaut. Es ist nötig, daß diese Regierung, in Uebereinstimmung mit den Zielen des Völkerbundes, eine Politik verfolgt, die das jüdische Volk hinfort in die Lage versetzt, friedlich an der Wiedergeburt Palästinas zu arbeiten, in einer Sicherheit, die auf einer gut organisierten Verteidigung basiert. tjfiE drücken.gleichzeitig die Hoffnung aus, daß der alle Völker der Welt repräsentierende Völkerbund dem Jüdischen Volke in der Erfüllung der großen Aufgabe seiner nationalen ^Wiedergeburt helstehen wird,“ Die A. C. Sitzung Gemeinsame Sitzung des Administrativkomitees der Jewish Agency und des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation. London, 8. September. (J. T. Ä.) Am Freitag, den o. September, wurde eine gemeinsame Sitzung des Administrative Committee der Jewish Agency für Palästina und des Aktions-Comitee der Zionistischen Organisation eröffnet. Miß Henrietta Szolcl eröffnete die Aussprache, indem sie dem Heroismus, den die Juden Palästinas in den verschiedenen Städten und Siedlungen in den Tagen der Schrecknisse und Scheußlichkeiten an den Tag getagt haben1, den gebührenden Tribut zollte, Leo Motzkln übernahm den Vorsitz und ersuchte die Versammlung, sich zum ehrenden Andenken an die Gefallenen von den Sitzen zu erheben. Nachdem diese spontane Trauerkundgebung vorbei war, führte Präsident Motzkin aus, die jüngsten Ereignisse in Palästina haben wieder einmal bewiesen, welcher Heldentaten die Juden in Zeiten schwerer Gefahr fähig sind. Herr S. Kaplansky, Mitglied der Exekutive, gaib Bericht über die Schrecknisse und Scheußlichkeiten in Palästina und schilderte in chronologischer Reihenfolge die Ereignisse seit dem 15, August, an dem eine jüdische Kundgebung mit Erlaubnis der Palästina-Regierung an der Klageniauer veranstaltet wunde. Kaplansky, der die Lage an Hand der von der Palästina- Exekutive gesandten Berichte, sowie der Presseberichte darlegte, zeigte auch, wie die in Jerusalem begonnenen Unruhen sich allmählich nach verschiedenen Richtungen ausbreifetcn, bis sie den äußersten Norden und den Süden des Landes erfaßten. Harry Sacher, Mitglied der Exekutive, berichtete Uber die Tätigkeit der Zionistischen Exekutive sowohl in aPiästina als auch in London seit Beginn der Unruhen. Die Exekutive in Palästina, sagte er, hat die .Gefahr voraus gesehen und tat alles, was in ihrer Macht steht, um ihr zu begegnen. Die Exekutive in London hatte bei der Regierung der Mandatarmacht wiederholt energische Vorstellungen erhoben, mit dem Ziele, einen angemessenen Schutz für die jüdische Gemeinschaft, sofortige Wiederherstellung der Ordnung, Bestrafung der Schuldigen, Hüte an die Betroffenen, Entschädigung für den Verlust von Leben und Eigentum und eine neue Bestätigung der Politik des PiaTästlna-Mandaites zu PIE STIMME sichern. Diese Bemühungen wurden vom Marquis of Readiwg und Lord Melchett beträchtlich unterstützt; Hand in Hand mit der Exekutive erhoben sie Vorstellungen bei der Regierung. Der Staatssekretär für die Kolonien gab die Zusicherung, daß sofort Schritte ergriffen werden würden, um die Ordnung wiederherzustellen und die Ursachen des Aufruhrs durch eine Untersuchung festzustellen; die zu diesem Zwecke ernannte Untersuclmngskommlssion würde sich in ganz kurzer Zeit nach Palästina begeben. Dr. Weizmann hatte in Genf eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Mac Donald. Lord Melchett führte dann aus, er vertraue darauf, daß der bei den jüngsten Unruhen entstandene Schaden entweder durch die britische oder durch die Palästina-Regierung wieder gutgemacht werden würde. Allgemein herrscht ein Gefühl der Scham über das vollkommene Versagen der britischen Administration in Palästina vor; die Untersuchungskommission werde zweifellos die Ursachen dieses Versagens aufdecken. Er halte es für unbedingt notwendig, daß die Zionistische Organisation bei den von der Untersuchungskommission anzustelilenden Verhören durch einen Anwalt vertreten sein solle und daß auch die von ihr gestellten Zeugen verhört werden. Er halte es für notwendig, daß alle viel energischer ihre Kräfte für Palästina einsetzen, ata sie es bisher getan haben; er persönlich sei bereit, das AeuBerste nach dieser Richtung zu tun. Vor allem sei es notwendig, die Einwanderung nach Palästina zu erhöhen. Er beabsichtige, bei einer baldigen Gelegenheit wiederum das Land zu besuchen, um die Lage zu studieren. In der Freitagsitzung am 6. unter Vorsitz Motzlrins berichtet© Marks, der Leiter der Sammlungstätigkeit für den Aufbaufonds (London), daß sofort nach den ersten Schreckensnachrichten aus Palästina im Einvernehmen mit Weizmann, Lord Melchett, Felix Wartung die Sammlung für den Aufbaufonds Palästinas eingeleitet wurde. Bisher wurde ein Betrag von zirka 70,000 Pfund Sterling gesammelt. Louis L | p s k y, Mitglied der Exekutive, berichtete über die großzügige Aktion in Amerika, die unter der Leitung von Felix Warburg, Dawid Brown Eine große Fremdenspraclienbuchhaudlung in Palästina sucht einen Geschäftsführer — gelernter Buchhändler bevorzugt, — Garantiebetrag ca. 250 engl. Pfund erwünscht. Photographie und Referenzen unbedingt einsenden. Gefl. Anbote an die Adm. der „Stimme* unter Chiffre „Buchhandlung ln Palästina'1. und Julius Rosenwald bisher 350.000 Pfund Sterling einbrachte, abgesehen von den Einzelspenden Nathan Strauß und Julius Rosenwald von je 50.000 Dollar. Es wurde ein Komitee eingesetzt, welches alle Probleme, die mit der Aufteilung der Fonds für die Notstandsarbeiten und Hilfstätigkeit verbunden sind, behandeln soll. Bei der Sitzung am Samstag abends wurde ein Bericht Weizmanns über seine Unterredung mit Macdonald, Henderson, Briand und Stresemann und anderen Völkerbundmitgliedern verlesen. Prof. Weizmann kündigte seine Rückkehr nach London für Montag an. Prof. Brodetzky legte eine Reihe von Vorschlägen vor, die die Arbeitstätigkelt für die nächste Zeit betreffen. Der Bericht Kaplanskys L o n d o n, 8. September. Herr Kaplansky erstattete einen Bericht über die Ereignisse in Palästina. Er schilderte einleitend die Zwischenfälle und wachsende Spannung im Lande und gab darauf auf Grund der Berichte der Palästina- Exekutive und anderer verantwortlicher Stellen ein Bild der blutigen Vorgänge, die mit dem Angriff fanatisierter Araber auf die jüdische Bevölkerung Jerusalems am Freitag, den 23. August, begannen. Die Unruhen verbreiteten sich wie ein Feuerbrand mit Jerusalem als Zentrum, von dem aus die Flammen des Aufruhrs, die Ausbrüche von Mord, Plünderung und Brandstiftung auf einen Umkreis von immer wachsendem Radius um sich griffen. Die gesamten Verluste betragen nach dem Bericht der Regierung an Toten 119 Juden, 83 Mohammedaner und 10 Christen, während nach jüdischen Quellen die Zahl der getöteten Juden 132 erreicht. Die Zahl der verwundeten Juden und Araber in den Spitälern beträgt etwa 334. Am schwersten betroffen wurden die jüdischen Gemeinden in den Städten gemischter Bevölkerung wie Jerusalem, Haifa, Hebron und Safed. Ebenso die kleinen und isolierten ländlichen Siedlungen wie Artuf, Kfar Urlah und Hulda zwischen Jaffa und Jerusalem, Bertuwiah (Kastinieh) am Stidrande der judäischen Kolonien, Mischmar Haemek im Süden des Kischon und Mischmar Hajarden in Obergaliläa, die evakuiert und darauf ausgeplündert und angezündet wurden, Tel Aviv war bedroht, hat aber alle Angriffe abgewiesen. Die mehr geschlossenen jüdi- Seffe 3 r. NEUJAHRSGRA TULAT IONEN 3000 3090 Gratulieren Sie Ihren Verwandten, Freunden und Bekannten in der „tftascfi 3Vas€fianagk~Jtuwnmet€t der «STIMME», die in verstärktem Umfange mit interessanten Festbeiträgen am 3, Oktober erscheinen wird. Der Preis für das Einheitsinserat in dieser Größe beträgt S 3.—, in doppelter Größe S 5.—. Um all jenen, die durch die «Stimme» gratulieren, die Gewißheit zu geben, daß ihre Gratulation auch alle jene Familien und Personen erreicht, denen sie zu gratulieren beabsichtigen, werden wir an alle Adressen, die uns mit der Gratulationsbestellung aufgegeben werden, je ein Exemplar kostenfrei zusenden. Erteilen Sie uns Ihren Auftrag mittels des Postsparkassen-Erlagscheines. Die Administration der «Stimme». sehen Siedlungsgebiete um Tel Aviv, der Ebene von Scharon, der Ebene Jesreel im Jordantal und in Galiläa sind unversehrt geblieben. Was den Ursprung der Exzesse betrifft, so. ist der Jischuw überzeugt, daß die Verantwortung in erster Reihe die Kreise um den Obersten Moslemitischen Rat und die Exekutive des sogenannten arabischen Kongresses trifft, die die Vorgänge Im Zusammenhang mit der Klagemauer zu einer verleumderischen Hetze unter den unwissenden arabischen Massen über die jüdisci.en Eroberungsgelüste gegen die heiligen Stätten des Islams benützte. Ein Echo dieses Appells an den religiösen Fanatismus finden wir in der Stellung der Presse und gewisser politischer Kreise in Kairo, Bagdad und Indien. Ebenso einmütig ist das Urteil des Jischuw über die Verantwortlichkeit der Palästina-Administration, die trotz aller Warnungen vor den offenkundigen, wachsenden Unruhen im Lande einen absoluten Mangel an Voraussicht und Vorsorge gezeigt hat ’.s folgt ein Ueberblick über die Maßnahmen der Londoner Regierung zur Unterdrückung c’er Unruhen. Die Hauptkiage des Jischuw'gegen die Maßnahmen sowohl der zivilen wie der militärischen Behörden während der Krise wendet sieh gegen die Methode der Evakuation bedrohter Punkte, sowie das Verhalten zu der jüdischen Selbstverteidigung, die systematisch entwaffnet und deren Teilnehmer auch vielfach verhaftet wurden, während die Regierung nicht in der Lage war, die Sicherheit und das Leben der Juden zu verbürgen. Es kann nicht allgemein behauptet werden, daß die arabische Polizei ihre Pflicht nicht getan hat, jedoch gab es Einzelfälle dieser Art. Das transjordanische Grenzkorps wurde nur zur Ueberwachung der Jordanbrücken verwendet, sowie des Ruthenbergwerkes am Jordan. In Westjordanien wird die Verwendung des .Grenzkorps nur bei dem abgeschlagenen Angriff auf Beth Alfa am Ostrande von Nuris erwähnt. Zum Schluß beleuchtet der Bericht die Haltung der Presse und der öffentlichen. Meinung in England über die Ereignisse in Palästina. Dr. Weizmann über sein Zusammentreffen mit den Staatsmännern in Genf Genf, 8. September. (J. T. A.) Prof, Doktor Cliaim Weizmann, der sich am 7. September abends von Genf nach London begeben bat, erklärte vor seiner Abreise dem J. T. A.-Vertreter, es sei nun die Erwartung berechtigt, daß die britische Regierung eine Aenderung ihrer Politik gegenüber dem Jüdischen Nationalheim in Palästina in dem Sinne cintreten lassen wird, daß sie das Mandat und die Balfour-Doklaratiou nach ihrem Geiste und ihren Buehstaben verwirklichen und nach dieser Richtung sofort aktive Schritte unternehmen wird. Die Politik der Palästinaadministration, sagte Dr. Weizmann weiter, war bis jetzt nicht dazu angetan, uns Zionisten zufriedenzustellen. Zur Ermöglichung des Aufbaues des Jüdischen Nationalheiines in Palästina muß die Regierung eine erhöhte jüdische Einwanderung ins Land gestatten. Die Frage einer erhöhten Einwanderung bildet aber nur einen Teil der allgemeinen Palästinapolitik der Regierung, die nun auf neue Bahnen gelenkt werden muß. Meine gestrigen