Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1929-09-05 · Heft 90 (5.9.1929) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 90 (5.9.1929)
Date
1929-09-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3053752-3053805-3053842--1242-3056580
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Mfe* mitteilungen hatte Dr. Weizmann in einer Sitzung der Föderation englischer Zionisten erklärt, Lord Paßfield habe ihm folgende Versprechungen gegeben: In der Administration Palästinas werde eine Neuorganisation Platz greifen, damit Ereignisse wie die der letzten Zeit in der Zukunft sich nicht wiederholen. Die britische Regierung stehe nach wie vor auf dem Boden der Balfour-Deklaration. Lord Paßfield habe die Berechtigung der Forderung nach Wiedergutmachung der Schäden anerkannt. Die Beamten, die die Entstehung der Unruhen ermöglicht oder ihnen dann nicht genug Widerstand entgegengesetzt haben, würden entlassen werden. Die britische Politik in Palästina würde eine vollkommene Neuorientierung erfahren. Nachdem diese Mitteilungen in der Presse erschienen waren, erließ das Kolonialamt eine offizielle Erklärung, in der es heißt, die in der Presse über die Zusammenkunft zwischen Lord Paßfield und Dr. Weizmann erschienenen Mitteilungen seien unvollständig und ungenau. Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt wird, hat das Kolonialamt diese Erklärung herausgegeben, um Mißdeutungen bis zu der geplanten Veröffentlichung einer schriftlichen Fixierung des Gespräches zu begegnen. Um solchen Mißdeutungen zu begegnen, hat auch die Zionistische Organisation eine kurze Mitteilung herausgegeben, in der es heißt: Dr. Weizmann traf sich mit Lord Paßfield und unterbreitete ihm die folgenden Forderungen: Wiedergutmachung der durch die Unruhen entstandenen Schäden, Entlassung der schuldigen Beamten, neuer Kurs in der britischen Politik in Palästina. Lord Paßfield hat Dr. Weizmann die Zusicherung gegeben, daß die britische Politik in Palästina unverändert auf der Balfour-Deklaratiön und dem Mandat fußt, und daß alle Anstalten getroffen wurden, die eine baldige Wiederherstellung der Ordnung verbürgen. Dr. Weizmann hatte heute nachmittags eine ' zweite Unterredung mit Lord Paßfield. Nach ' Schluß der Unterredung gab Dr. Weizmann eine Erklärung ab, die sich auf die Mitteilung beschränkte, das Resultat der Unterredung sei ein sehr befriedigendes. . Die Veröffentlichung einer schriftlichen Fixierung der Gespräche wird demnächst erfolgen. Außerordentliche Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency in Lausanne (Eigenbericht der «Stimme».)] London, 30. August. Das Administrative Committee der Jewish Agency, dessen Vorsitzender der gegenwärtig in London sich aufhaltende Herr Felix M. Warburg Ist, wurde für Mittwoch, den 4. September, zu einer außerordentlichen Tagung nach Lausanne einberufen. Die Tagung wird den gegenwärtigen Ereignissen in Palästina und den Fragen des Wiederaufbaues und der Sicherung des jüdischen Nationalheims der Zukunft gewidmet sein. Gleichzeitig wird in Lausanne das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation eine Beratung abhalten. Widerhall in Amerika 10.000 amerikansiche Juden wollen den Jischuw schützen Aus New York wird gemeldet: 10.000 amerikanische Juden, die in der einstigen amerikanischen Legion militärisch ausgebildet worden waren, wollen sich nach Palästina zum Schutze des bedrohten jüdischen Jischnw begeben. Die Führer der neuen Organisation haben sich an das Kolonienministerium in London mit dem Vorschlag gewandt, der Organisation zu erlauben, den Schutz Palästinas mit zu übernehmen. Erklärung Hoovcrs an eine Abordnung amerikanischer Zionisten Washington, 27. August. (J. T. A.) Der Präsident der Vereinigten Staaten, Herbert Hoover, empfing im Weißen Hause eine Abordnung der Zionistischen Organisation Amerikas, die ihm eine Schilderung der Lage in Palästina gab und zum Ausdruck brachte, daß sich die Juden Palästinas — unter ihnen viele amerikanische Bürger — in schwerer Gefahr befinden und schutzlos sind. Präsident Hoover gab gegenüber der Abordnung die Versicherung ab, daß die Regierung der Vereinigten Staaten alles, was nur irgendwie in den Grenzen der internationalen Möglichkeiten liegt, tun wird, um das Leiben und Eigentum der amerikanischen Bürger in Palästina gzu schlitzen. * Die Abordnung war durch die warme Anteilnahme des Präsidenten Hoover und durch die entschiedene Haltung, die in DIE STIMME » seinen Worten zum Ausdruck kam, sein* befriedigt.? Nathan Straus spendet 25.000 Dollar. New York, 27. August. (J. T. Al) Der berühmte amerikanisch-jüdische Philanthrop Nathan Straus hat als'erste Hilfe für die Opfer der Unruhen in Palästina 25.000 Dollar zur Anschaffung von Nahrungsmitteln und Medikamenten zur Verfügung gestellt Ein Alter Zionist infolge Aufregung über die Ereignisse in Palästina gestorben New York, 29. August (J. T. A‘.) Del* bekannte russische Zionist Chaim Soloweitschik, der* vor kurzem aus Sibirien in New York einträf, erlitt als Folge der Erregung über die Ereignisse in Palästina einen Herzschlag und starb kurz darauf. Er hat ein Alter von 58 Jahren erreicht. Seine beiden Töchter leben verheiratet in Wien. Ossendowski über das jüdische Palästina Chaluz — ein heiliger Mensch! Dieser Tage, kehrte der berühmte Schriftsteller Ferdiannd Ossendowski aus Palästina nach Polen zurück. Anläßlich eines Gespräches mit einem Redakteur des Warschauer «Hajnt» äußerte sich Ossendowski enthusiastisch über Palästina. Meine Eindrücke., sind noch zu frisch — sagte der berühmte Schriftsteller — aber, schon jetzt'kann,ich als Pole - cfie Größe und den Wert der übermenschlich Idealistischen Arbeit der Juden; in Palästina beurteilen. >Ich würde jedem raten, der an das Aufbauwerk Palästinas nicht glaubt, daß er sich dorthin begebe. Denn was dort geschieht, ist ein riesengroßes Werk, welches durch eine verhältnismäßig kleine Zahl von Idealisten unter schwierigsten'Verhältnissen vollbracht wird.?Ich glaube, es ist zu wenig, wenn man die Chaluzim Idealisten nennt. Ihre Arbeit und ihr Leben überschreiten bereits die Grenzen des Idealismus, ln Palästina sah ich den. Typus eines neuen Juden, eines neuen Menschen: den heiligen Menschen. Ossendowski’arbeitet jetzt an einem Buch: «Der Sohn -des Blitzes», in. welchem er das heutige Palästina beschreiben wird. Außerdem wird er in der nächsten Zeit im polnischen Radio einen Zyklus von Vorträgen über seine Palästina-Eindrücke halten. Ossendowski ist auch bereits einem Pro-Palästinakomitee in Polen beigetreten. Ueber die arabisch-jüdischen Beziehungen äußerte er .sich folgendermaßen: «Die letzten traurigen Nachrichten haben mich schmerzlich berührt. Ich kam im Lande in Berührung mit vielen Arabern, sie sprachen nie schlechtes über die Juden, ganz im Gegenteil mit einem Gefühl der Dankbarkeit, denn dank den Juden entwickelt sich das Land. Anders verhalten sich aber die aristokratischen Araber, diejenigen, die tagsüber die arabische Tracht anhaben, aber abends in Smokings herumstolzieren. Diese hassen die Juden und hetzen die arabischen Massen auf, welche gerne mit der jüdischen Bevölkerung in Frieden leben - möchten* Ich bin tief überzeugt, daß die Schuld der letzten Ereignisse nicht bloß auf den Arabern lastet, die wahren Anstifter sind anderswo zu suchen.» Das amerikanische Judentum klagt an Eine Abordnung, der zionistischen Organisation Amerikas beim Präsidenten Hoover — Eine Abordnung des American Jewish . Congress? in Washington — Staatssekretär Stimson ersucht die, Londoner Regierung, umfassende Schritte zur Wiederherstellung der Ordnung und zum Schutze von Leben und Eigentum amerikanischer Bürger zü ergreifen — 35.000 Jud en demonstrieren in New York. — Die früheren jüdischen Palästina-Legionäre fühlen sich betrogen Aus Washington wird uns gemeldet: Staatssekretär Stimson hat den Botschafter der Vereinigten-Staaten in London, General Dawes, ersucht, an die britische Regierung im Namen der Regierung der Vereinigten. Staaten das Ersuchen zu stellen, sofort umfassende Schritte zur Wiederherstellung der Ordnung in Palästina und zum Schutze von Leben und Eigehtufn astfdrik^iischei* Bürger zu er- ' greifen. In einer Pressekonferenz erklärte heute Staatssekretär Stimson, er habe sich zu diesem Schritt bei der britischen Regierung entschließen müssen, da in den VereinigtenStaateh die Entwicklung der Verhältnisse in Palästina mit Sorge iund Unruhe betrachtet wird. Zwölf amerikanische Bürger seien getötet und doch viel mehr verwundet worden. Am Dienstag traf in Washington eine Abordnung der Zionistischen Organisatin Amerikas ein und ersuchte um eine Audienz bei Präsident Hoover. Am Dienstag begab sieb aus New York nach Washington eine Abordhüng des American Jewish Congress, um die Regierung der Vereinigten Staaten zu ersuchen, die britische Regiehing auf den tiefen Ernst der Lage hihzuweiäen und durchgreifende Maß-; nahmen zu fordern. Am Dienstag nachmittags marschierten SSj.OOO Juden durch die Straßen von New York, ium für den bedrohten Jischuw von Palästina zu demonstrieren. 50 große jüdische Organisationen nahmen an der De- . monstration teil, es wurden schwarzumflorte amerikanische und zionistische Flaggen getragen. Das Ziel des Marsches war das britische Generalkonsulat. Im Zuge schritten Hunderte orthodoxe Rabbiner, auch zalreiche Frauen und Kinder. Viele der Teilnehmer weinten. Die riesige Demonstration, durch die der Verkehr in zwölf Straßen gestoppt werden mußte, gelangte ohne jeden Zwischenfall an das Ziel. Vor dem Hause des Generalkonsulats wurde in Ansprachen der tiefe Schmerz und der Protest der amerikanischen Juden gegen die Angriffe auf den jüdischen Jischuw in Palästina zum Ausdruck gebracht. Die früheren Palästina-Legionäre, 'die in den Reihen der Engländer auf palästinensischem Boden gefochten haben, führten Transparente mit riesigen Aufschriften mit sich, die lauteten: «Wir haben umsonst mit Feldmarschall Allenby auf palästinensischem Boden gefochten. Wir kämpften Seite an Seite mit der britischen Armee, die jetzt gegen uns ist Wir fordern Entlassung ßer schuldigen Beamten, wir fordern die Zurückgabe der Kotei Maaravi an das jüdische Volk. Wenn England nicht in der Lage ist, die ihm durch das Mandat auferlegten Pflichten zu erfüllen, so möge England das Mandat an den Völkerbund zurückgeben. Wir schickten unser Volk nach Palästina, aber die Lakaien der englischen Regierung schicken es ins Grab* Was gedenkt die Arbeiterregierung zu tun?» Die Demonstration machte in New York ungeheuren Eindruck. Die zweite Riesenkundgebung Eine Botschaft des Präsidenten Hoover an die jüdische Massenversammlung — Senator Borali als Redner — Er verdammt das System der englischen Administration in Palästina — Julius Rosenwald übernimmt die Ehrenpräsidentschaft des Palästina-Hilfsfonds New York, 30. August. Im Madison Square Garden zu New York, der mehr als 25.000 Personen faßt, wurde eine Masseni Versammlung der New Yorker Juden abgehalten, um gegen die arabischen Greuel in Palästina und gegen das Verhalten der britischen Administration vor. den und während der Unruhen zu protestieren. Den Vorsitz führte Samuel Untermyer. Zu Beginn der Versammlung wurde eine Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Herbert Hoover, an die Versammelten verlesen. Präsident Hoover erklärt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten durch dierEre2gnisse in Palästina tief beunruhigt Ist. Er, der Präsident, ist dahin informiert, daß die britische Regierung strenge Maßnahmen unternimmt, um die Ruhe und die Sicherheit in Palästina wiederherzustellen. Die Ausbrüche des Fanatismus 2n Palästina sind eine schwere Belasttuig. Ich hege aber die Hoffnung, schließt die Botschaft des Präsidenten Hoover». daß aus diesen tragischen Ereignissen eine erhöhte Sicherheit und Festigkeit für die Zukunft Palästinas und für die jüdische Heimstätte erreicht werden wird. Senator Borah, der einflußreiche amerikanische Politiker, Vorsitzender des Komitees für auswärtige Angelegenheiten im Senat* war einer der Hauptredner der Versammlung. Borah erklärte, die bestialischen Taten gegen die Juden in Palästina werden schwer das schuldbeladene Gewissen derjenigen belasten, die für diese Taten verantwortlich sind. Man muß sich jetzt fragen, ob Palästina das jüdische Nationalheim wird, wie es versprochen und bekräftigt wurden oder eine internationale Schamlosigkeit? Die Ereignisse in Palästina haben ein Schwinden des englischen Prestige zur Folge. Die Aufgabe der Begründung der jüdischen Heimstätte ln Palästina wurde von Großbritannien nicht richtig verständen. Es muß min anders wercten. Nach Senator Borah sprachen Samuel Untertnypr, der Vizegouverneur des Staates New York Oberst Herbert Lehmann, der Leiter des United je-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.