Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 90 (5.9.1929)
- Date
- 1929-09-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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UWüC 0 DIE STIMME Nr. 90 terliches Blutbad. 18 Männer wurden ermordet, die Frauen mißbraucht. Von dort zogen die Banden zu der Jeschiwah. Ein jüdischer Knabe lief zur Polizei, um ihre Hilfe herbeizuholen. Er wurde vor den Augen der PoÜ2ei durch einen Araber getötet. Ein englischer Offizier erschoß den Mörder. Daraufhin stürzten sich Araber aut den Offizier, der aber von der Polizei gedeckt wurde. Inzwischen drang eine andere Araberbande in die Jeschiwah ein. Die anwesenden Bachurim setzten den Eindringlingen Widerstand entgegen, sie wurden aber von der ungeheuren Uebermacht überwältigt und zu einem großen Teil niedergemetzelt. Das Haus der Jeschiwah wurde vollkommen ausgeplündert, auch die Thorarollen wurden mitgeschleppt. Zu der bereits mitgeteilten Liste der in Hebron getöteten Juden kommen noch folgende Namen hinzu: Nachman Segal und sein Sohn Menachem Mosche, Jakob Gozlan, Esther Oershun, Abraham und Wida Yeini, Klara Hassun, Rabbiner Izchak Abschana und Frau, Bezallel Samrich, der hochbetagte Melamed Mosche Goldschmidt, Izchak und Lia Abuschdid, Noach Immermann, der Pharmazeut Benzion Gershun, die beiden Rabbiner Zwi Drabkin aus Schkiov und Mosche Grodzenski aus Warschau, Jakob Orodzenski, Elimelech Lichtenstein, Alter Salzi, Bezallel Leiserowski, Dubnikow, der bekannte Pädagoge und Direktor einer Schule in Tel Aviv und Frau, Aron Gotlewski, Schimon Cohen, der Mechaniker Unger, Arje Chaikel, zwei unbekannte Männer und eine Frau. Die Totenliste ist noch nicht vollständig. Die Anzahl der Getöteten ist 59, die der schwer Verwundeten 67, die der leicht Verwundeten 17. Sämtliche jüdischen Wohnungen wurden geplündert, die Synagogen verbrannt. Von den. angreifenden Arabern wurden bei der Abwehr über 30 getötet. Auch in Moza haben die arabischen Banden geradezu bestialisch gewütet. Die ganze jüdische Familie Makleff — Vater, Mutter, ein Sohn und zwei Töchter — wurden abgeschlachtet. Der Mutter wurden die Brüste abgeschnitten, die älteste Tochter wurde vor der Tötung vergewaltigt. Der junge Makleff war Beamter am Jerusalemer Hauptpostamt. Hebron Hebron, die Stadt der Talmudgelehrsamkeit, die die meisten jüdischen Todesopfer zu beklagen hat, birgt in ihrer Mitte das älteste und nebst der Klagemauer das heiligste Denkmal der jüdischen Geschichte: die Mearath Hamaclipelah, die Patriarchengruft. Es ist höchst merkwürdig, wie breitspurig und mit welch stänkern Nachdruck unsere sonst wortkarge BfceJ, wohl das anerkannteste Rechtsdokument aller Kulturvölker, vom rechtmäßigen Kauf der Höhle «Machpdah* durch unseren Erzvater Abraham berichtet. Ein ganzes Kapitel wird diesem historischen Kaufakt gewidmet. «Vierhundert Schekel zahlte Abraham als Kaufpreis» und wiederholt betont die Bibel, «daß Abraham das Feld samt Höhle als Eigentum erwarb». Auch in der Folge erwähnt die Bibel nie die «Höhle Machpelah», ohne zu bemerken, daß sie durch Abraham rechtmäßig erworben wurde, und als später Jaakow in diese Gruft beigesetzt wird, bemerkt die Bibel nochmals ausdrücklich «das Feld, das Abraham als Erbgruft vom Efrom, dem Chlter, kaufte». Trotzdem wird uns, den rechtmäßigen Nachkommen, dieses Erbgift streitig gemacht. Bis zum heutigen Tag durften wir diese Erbgruft nicht einmal betreten. Nur bis zur siebenten Stufe konnte der Ju-de gelangen, ein weiteres Vordringen wurde mit dem Tode bestraft. Als Moses Montefiore vom Sultan die Erlaubnis erhielt, die Höhle Machpelah betreten zu dürfen, da warnten ihn die mohammedanischen Wächter und drohten, daß er wohl die Erlaubnis habe, einzutreten, aber nicht, wieder herauszukommen, und Montefiore mußte tatsächlich von seinem Vorhaben, die Höhle zu besuchen, ablassen. Der erste Jude, der in diese Erbgruft cintreten konnte, war der jüdische Sekretär des auswärti- Kairo, 31. August. (J. T. A.) Soeben wird aus Jerusalem der folgende Bericht über eine Zusammenkunft zwischen den Vertretern der Jewlsh Agency in Palästina, Herrn Hoofien und Advokat Horowltz, mit dein britischen High Commissioner Sir John Chancellor und dem Chefsekretär der Palästina-Regierung, Herrn Luke, telephonisch nach Kairo durchgegeben. Die Unterredung verlief sehr bewegt und hatte einen geradezu tragischen Charakter. Hoofien und Horowltz erklärten nach dem Verlassen des Regierungshauses, sie seien über das Ergebnis dieser Zusammenkunft in höchstem Grade enttäuscht. Sie hegen als Ergebnis der Unterredung die schwersten Befürchtungen hinsichtlich der Haltung der Regierung gegenüber dem jüdischen Jlschuw in dieser Zeit der Gefahr. Der Oberkommissar und auch der Chefsekretär der Palästina-Regierung wichen in ihrer Erwiderung auf die an sie seitens von Hoofien und Horowitz gestellten Fragen geradezu den brennendsten Problemen aus und verrieten in ihren Äußerungen eine vollkommen falsche Auffassung ihrer Pflichten angesichts der jetzigen Katastrophe. Aus der Unterredung sind die folgenden Tatsachen bemerkenswert: Horowitz legte Protest ein gegen die von Herrn Luke getroffene Maßnahme der Entwaffnung der jüdigen Amtes in Konstantinopel, Dr. Josef Krieger, der in Begleitung des König Georg von England diese historische Stätte besuchte. Knapp vor dem Kriegsausbruch gelang es auch dem amerikanischen jüdischen Botschafter in Konstantinopel, Henry Mongenthau, in die Höhle zu gelangen. Seit kurzer Zeit ist nun der Zutritt von Juden wieder gestattet. Gegen ein Entgelt von drei Schilling können wir diese älteste und erhabenste Stätte jüdischer Geschichte, den ersten, rechtmäßig erworbenen jüdischen Grundbesitz im Heiligen Land, besuchen. Die Stelle, wo sich die Anfänge unseres Volkes und die Anfänge unseres Landes berühren, die Stätten, wo unsere Erzählten, Abraham, Jizchak und Jaakow, Sarah, Ruwka und Leah, ruhen, der Boden, den noch Abraham als Erbgruft vom Efron, dem Chiter, rechtmäßig kaufte, ist uns wieder zugänglich. Doch der Zutritt, der uns nun über 50 Menschenleben gekostet hat, wäre viel zu teuer erkauft worden, wenn wir nicht um den Preis der Opfer auch die Sicherheit unseres palästinensischen Aufbauwerkes erkauft haben. D. G. sehen Polizisten, die im Moment der Gefahr von der Regierung selbst bewaffnet worden waren, und erklärte, die Gefahr sei nicht vorüber und die Entwaffnung der jüdischen Polizisten, unter ihnen sogar britische Staatsangehörige, während gleichzeitig nichtjüdische britische Staatsangehörige die Waffen behalten dürfen, sei als ein offizielles Mißtrauen gegenüber den Juden auf zufassen. Oberkommissar Chancellor fand die Aktion von Luke gegenüber den Juden dadurch gerechtfertigt, daß die moslemltischen Führer gedroht haben, sie seien nicht in der Lage, die erregten Massen zu meistern, bevor nicht die Juden entwaffnet sind. Darauf entgegnete Hoofien, dies bedeute, daß man sich dem Terror beuge. Die Regierung vergegenwärtige sich offenbar nicht die Tatsache, daß die Juden die. Angegriffenen, während die Araber die Angreifenden sind. Sie sieht nur zwei Schlachtlager und sucht sich gerade die jüdische Minderheit heraus, um sie zu entwaffnen. Darauf erwiderte Chancellor, er habe einen Bericht aus Safed bekommen, der dahin lautet, daß der Aufruhr in dieser Stadt davon herrührt, daß die Juden zweimal in arabische Gruppen feuerten. Hoofien wies diese Behauptung als verleumderisches Machwerk entrüstet zurück und führte als Beispiel das grauenvolle Unerhörte Stellungnahme des Oberkommissärs Eine bewegte Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der Jewish Agency und den Chefs der Britischen Administration. Chancellor und Luke geben keine Zusicherungen über ausreichenden Schutz — Chancellor behauptet, die Juden von Safed hätten die Unruhen provoziert Ein Brief aus Jerusalem* Jerusalem-Talpioth, 22. August 1929. Lieber Vater! Wie Du gewiß schon aus der Zeitung weißt, ist hier manches vorgegangen. Bis vor paar Tagen wars nicht so arg, außer Schlägereien bei der Klagemauer. Aber am letzten Samstag ist eine .unangenehme Geschichte passiert. Im Buchara-Viertel spielten paar Burschen Fußball und ringsherum standen Juden, um zuzuschauen. Plötzlich fielen über sie arabische Bauern aus dem Dorf Lifta her; die Araber waren mit Messern und Knüppeln bewaffnet; sie stachen einen Burschen mit dem Messer und brachten ihm eine schwere Wunde bei, an der er gestern starb. Ferner wurden 5 Burschen und andere aus dem Publikum schwer verwundet und weitere leicht. Als endlich die Polizei kam, hatten die Araber sich schon aus dem Staub gemacht. Bei der Klagemauer entstand ein Streit zwischen Juden und Arabern. Die englischen Soldaten eilten herbei, um die Streitenden zu trennen. Einige Leute wurden durch Steinwürfe und Messerstiche verwundet, Juden wie Araber; ein englischer Offizier wurde durch den Messerstich eines Arabers schwer verletzt. Das arabische Blatt «Falestin» schreibt, daß die Juden das ganze Land wegnehmen und durch die Klagemauer zur Omar^Moschee, dem Heiligtum der Araber, eindringen wollen. Darauf rotteten sich im Dorfe Lifta sehr viele Araber in Waffen zusammen. Die Polizei vereinigte ihre ganze Mannschaft. Englische Soldaten kommen mit Panzerautomobilen nach Jerusalem. In Jaffa landen 4 Kriegsschiffe mit Truppen und alles eilt gegen Jerusalem. In Hebron und den umliegenden Dörfern sammeln sich bewaffnete Araber und drängen ihrerseits gegen Jerusalem. Und von Tel- Aviv kommt die jüdische Jungmannschaft ebenfalls herbelr Bewaffnete BüsaSer überfallen die Kolonie Kaiendia nÖKÖich Jecnsaleets. Es fallen 4 Araber und einige ,v/efäm*emm6Rt Aj£ Seite der Juden 1 Verwundeter. . tM»n) *). Diesen Brief schrieb’ eint Wtffoetiniäfaitfoer Junge aas i JenjsAs»«Ä«dnen in Wien wettenden'Yater*,elnen tührenweauZlon^JeBk/Anm. d. Red.),/ Da verhaftet man die Juden ajs wären sie Mörder. Die Araber überfallen weiters eine jüdische Kolonie in der Altstadt. Verwundete beiderseits. In Jerusalem gibt es zu wenig Polizei und Militär. So schreibt die Presse. Den jüdischen wie auch den arabischen Polizisten werden die Gewehre abgenommen, aus Angst, daß jeder zu seinen Leuten hält. Am Weg zum Oelberg geschieht ein Ueberfali auf Juden, doch Burschen kommen von der Universität her zur Hilfe geeilt und retten sie. Kein Tag vergeht, an dem man nicht hört und liest von Ueberfällen und Verwundungen. Du mußt nämlich wissen, daß ich jetzt täglich den «Doar Hajom» lese. Daher die Quelle meines großen Wissens. Im nahen Makor Chajim sammelten sich Araber,, doch, unsere Burschen verjagten sie von dort mit genügenden Prügeln, weil sie nicht gutwillig gehen wollten. Gestern, starb der Bur.sch, dem man in der Buchara-Kolonie gestochen hatte, wie ich Dir eingangs schrieb. Gestern war sein Leichenbegängnis und die Juden demonstrierten. Sie zogen die Jaffa-Straße herab und wollten beim Jaffator vorbei, aber dort waren viele Araber in Waffen massiert und die Polizei fürchtete, daß der Kampf ausbrechen wird. Vor der Post wurden Reden gegen England und seine Politik gehalten und man rief: «Schande England!» «Es lebe die freie Türkei!» Es waren tausende junger jüdischer Burschen aus Jerusalem und dem übrigen Land. Plötzlich erschien arabische Polizei. Da schrien die Juden, daß sie keine arabisohen Polizisten wollen. Nun erschienen gegen 200 englische Polizisten in Automobilen und zu Pferd. Sie begannen mit Gummiknütteln auf die Juden einzuhauen und mit Roß und Wagen in die Menge einzudringen, um sie zu zerstreuen. Doch man schrie weiter: «Schande England!» und die Araber standen zur Seite und lachten sich eins. Schließlich waren 28 Juden mehr oder weniger verwundet und ebenso 6 englische Polizisten. Auch in Talpioth ist keine Ruhe. Vor einigen Tagen zeigten sich hier in unseren Gassen etwa 10 Araber im Alter von 18 und mehr; sie krochen auf die Maste der elektrischen Leitung, schrien herab: «Jud, Jud!» und warfen Steine auf das Haus des Herrn Papuler. Zufällig kamen Jigaiel und ich des Weges, begannen ihnen nachzulaufen, aber sie entwichen. In Talpioth stehen jetzt jeden Tag 4 Polizisten zu Roß postiert und in der Nacht wachen außer den 4 Polizisten der ständige Wächter und 6 Männer aus Talpioth; darunter die Herren Lipsky, Soloweitschik, Zorfatti, Guritzki, Jeruschalmi, Weinbaum, der Tischler, Mazza usf. Alle sind mit Revolvern bewaffnet. Vorgestern nachts um 2 Uhr packten sie in Talpioth einen Araber und brachten ihn, nachdem er zuvor eine Tracht Prügel gefaßt hatte, zur Polizei. Tags darauf um 11 Uhr nachts stach man nächst Talpioth einen Burschen der Kolonie Gdud Avodah mit dem Messer und verletzte -ihn schwer. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß die Araber sich vor den Juden fürchten und die Juden vor den Arabern, und die Engländer — lachen darüber. Alle Preise sind aufs Doppelte gestiegen, weil die arabischen Bauern sich fürchten, nach Jerusalem zu kommen, und weil die jüdischen Kaufleute ihre Waren an sicheren Plätzen verbergen. Die Mutter hat meinetwegen große Angst, daß ich hinausgehe, um mit den Arabern anzubinden, aber das sage ich Dir, Vater, wenn ich ein bißchen größer bin und Geld habe, kaufe loh mir «Inen1 Revolver! Am Sonntag gab es in Talpioth einen häßlichen Vorfall. Ein Araber ging mit seinen Eseln daher. Plötzlich stürzte der eine Esel vor unserem Hause nieder. Da schnitt ihm der Araber mit dem Messer die Ohren ab, um ihn auf die Beine zu bringen. Der arme Esel sprang wirklich auf, lief hierhin und dorthin und brach wieder zusammen. Daraufhin schnitt Ihm der Araber die Nüstern auf und der Esel trank sein eigenes Blut. Und als auch das nichts half zündete der Araber Feuer an und begann den Esel zu brennen. Schließlich’ steckte er eine dünne Bisenstamge ins heiße Feuer und stieß sie dem Esel hinten hinein. Der Esel schrie und sprang, doch all das half nicht, bis er starb. An diesem Vorfall habe ich gesehen, wie grausame und herzlose Menschen die Araber sind. Die Mutter sagte mir, daß Du Mitte September heimkommst. «Auch das zum Guten!» . . . Viele Küsse m.