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Die Stimme · 1929-09-05 · Heft 90 (5.9.1929) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 90 (5.9.1929)
Date
1929-09-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr, 90 DIE STIMME Seife* einreihen. Die englische Schutzmacht befahl, Tal- | pioth zu «evakuieren» und gleich darauf stürzten sich die arabischen Horden auf die Gartenstadt. Was man rauben konnte, wurde geraubt, der Rest kurz und klein geschlagen, vernichtet; viele Bücher gab es darunter, Bücher, in denen zu lesen stand von der unauslöschlichen Liebe zu diesem Boden . . . Seither hat Tommy eine Strafexpedition gegen das Räuberdorf unternommen mit Flugzeug und Panzerwagen und schließlich wurden nach einem Bajonettkampf 50 Banditen gefesselt abgeführt, vor’s Standgericht. Wenn wir erst ruhigen Kopf haben, werden wir Juden über das arabische Problem nochmals und ernstlich nachdenken müssen. Zunächst aber gibt es nur eine Wahrheit: Die zionistische und jüdische Front muß in unverbrüchlicher Geschlossenheit nach außen stellen und vor allem: «Nie zurück!» Als anno 21 der Pogrom von Jaffa bekannt wurde, hat sich beim Wiener Palästinaamt, das ich damals leitete, die Zahl der Anmeldungen für Palästina sofort vervierfacht. Und eben jetzt war in Wien aus Polen eine Gruppe unserer Burschen und Mädchen auf dem Weg nach Erez. Sie ließen sich durch Belehrungen und Warnungen nicht daran irre machen, daß dies die ajein wahre Richtung für einen Juden sei. «Kadima!» Schizlstjefoi StiKlpazausjuhrung schwarz' Qv. 26-27 Gp.25-30 Gr. 37-53 Gtf.&S6 Gr.37-~ <?•*> 12- 1b* 1?- 19 b-paiin um Zmeftp, Das Gemetzel in Safed Geber die furchtbaren Kämpfe, Morde und Brandschatzungen in Safed, der nördlichsten Stadt Galiläas, erhielten wir folgende Nachrichten: Angriff der Araber (Eigenbericht der «Stimme».) Jerusalem, 31. August. in der Stadt Safed, die eine der großen jüdischen Gemeinden Palästinas beherbergt, haben die Araber die Juden angegriffen. In der Stadt herrscht Anarchie, das Geschäftsleben steht still. Bei den ersten Angriffen wurden sechs Juden getötet und über 30 verwundet. Kurz darauf meldete man neun Tote und eine größere Zahl Verwundeter. Es fehlt an Brot und Wasser. Safed ist von einem Truppenteil besetzt, der auch über Maschinengewehre verfügt Das Militär ist abef nicht in der Lage, der Stadt genügenden Schutz zu geben. Die Truppen gingen nicht energisch genug gegen die mordenden und plündernden Banden vor.; Es wurdenMilitärische Verstärkungen angekündigt. Inzwischen dauern die Plünderungen fort. Unter den in Safed getöteten Juden befindet sich der bekannte Advokat Koledano, ein Sepharde. Später wird aus Safed gemeldet, daß ein großer Teil der Judenschaft der Stadt in Regierungsgebäuden und im Krankenhaus, die vom Militär bewacht werden, in Sicherheit gebracht worden ist. Der Mob setzt die Plünderungen fort und geht zu Brandstiftungen über. Die großen Petroleumlager der amerikanischen Shell Company wurden in Brand gesteckt. Das Feuer, das in den Benzinlagern reiche Nahrung fand, breitete sich über den ganzen benachbarten Stadtteil aus. In Safed ist ein Transport Medikamente, den die Regierung in Jerusalem abgesandt hat, eingetroffen. Um 2 Uhr nachmittags ist die jüdische Selbstwehr aus Ajelet Haschachar und aus Kfar Giladi eingetroffen. Der Selbstwehr ist es nach kurzer Zeit gelungen, die plündernden Banden zurückzudrängen. Wie die Gemetzel vor sich gingen (Eigenbericht der «Stimme».) London, 31. August. Die Zionistische Organisation in London erhielt das folgende Telegramm von der Jerusalemer Zionistischen Organisation: Der Ueberfall auf die jüdische Gemeinde in Safed erfolgte auf einen geheimen Befehl hin zu der Zeit, als anscheinend keinerlei Truppen in Safed anwesend waren. Vom frühen Morgen an war man in Jerusalem hinsichtlich des Schicksals von Safed sehr unruhig. Seitens der verantwortlichen Stelle in Jerusalem wurde uns aber versichert, daß Safed ausreichend geschützt ist. In Wirklichkeit trafen die Truppen acht Stunden später ein, als das jüdische Viertel angegriffen und in demselben ein Blutbad angerichtet worden war. Als das Gemetzel vorüber war, wurden 3000 Juden aus ihren Wohnungen evakuiert und nach den Polizeibaracken gebracht. Der Rest der jüdischen Gemeinde von Safed mußte in der gefährdeten Stadt gelassen werden, wo es an Kräften fehlte, sie zu schützen. Eine Anzahl Juden, die in die Baracken gebracht wurden, haben sich dem Sicherheitsdienst zur Verfügung gestellt und baten um Waffen, um zur Stadt zurückzukehren und ihre gefährdeten Brüder zu schützen. Das wurde nicht gestattet. Nach stundenlangen Verhandlungen hatte man es durchgesetzt, daß dem Arzt, der sich an die gefährdeten Punkte zur Hilfeleistung an Verwundete begab, eine Eskorte beigegeben wurde. In ganz Palästina herrscht eine ungeheure Erregung über die Scheußlichkeiten, die sich beim Gemetzel in Safed zugetragen haben. Außer den 23 Getöteten gibt es Dutzende von Verwundeten. Alle Umstände erinnern an die Tragödie von Hebron mit dem Unterschiede, daß in Safed die Regierung, ohne den Schatten eines Beweises in den Händen zu haben, die Schuld an dem Gemetzel den Juden selbst zuschiebt. Waisenkinder wurden gefoltert (Eigenbericht der «Stimme».) Jerusalem, 31. August. Folgende Namen der bei den Unruhen in Safed getöteten Juden sind bisher bekannt geworden: Rabbi Ishmael Cohen, der Beamte des Hadassah-Hospitals Maman, der Direktor der Alisrachj^Schule Afriat, ein bekannter Pädagoge und seine Frau, der Chauffeur Myer Cohen, Rabbiner Clersson. Unter den vielen Schwerverletzten in Safed befindet sich ein arabi- Bei Magenbesehwerdui, schlechter Verdauung, Kolik und sonstigen Störungen des Organismus, die mit der Ernährung im Zusammenhänge etehen, verwenden Sie die rflhmlichit bekannten S 1*20 (Schutzmarke: Roter Krebs) „Krebs-Apotheke“, S. Mittelbach, Wien, I. Täglich Postversand Hoher M&(*kt 8 Täglich Postversand scher Angehöriger des transjordanischen Grenzkorps, der sich heldenhaft der angegriffenen Juden annahm. Militärische Verstärkung aus Tiberias kam in zwei Stunden, nachdem die Angreifer sich zurückgezogen hatten, die zumT Teil von jüdischen Abwehrkräften zurückgedrängt worden waren. Der. erste arabische Angriff war gegen das sephardische Viertel von Safed gerichtet, wo sieben Juden getötet, einige von ihnen verbrannt wurden. Mehrere Juden, die in die Hände der Araber fielen, wurden grausam gemartert. Die Araber scheuten nicht davor zurück, auch das jüdische Waisenhaus zu überfallen und die ihnen in die Hände gefallenen Waisenkinder zu martern. Sechs der Waisenkinder, ein Beamter des Waisenhauses namens Schmuei Greenstein, ein amerikanischer Staatsangehöriger, wurden schwer verletzt. Verletzt wurde auch der Direktor des jüdischen Einwanderungsbureaus (Alijah) Godbater, ebenfalls ein Amerikaner. 3000 Juden von Safed sind ohne Wasser und Brot und furchtbaren Entbehrungen ausgesetzt. Aus Tiberias und Haifa wurden Provianttransporte für Safed organisiert. Die Stadt Safed ist bekanntlich sehr hoch (bis 800 Meter) gelegen und ist auf Wasserzufuhr von auswärts angewiesen. Furchtbare Lage Kairo, 31. August. Wie hierher telephoniert wird, befinden sich die 3000 Juden von Safed, die in Polizeibaracken untergebracht sind, in einer verzweifelten Lage* Sie werden von Hunger und Durst gequält^ es droht der Aus- I brach von Epidemien. Die arabische Polizei terrorisiert und mißhandelt die Flüchtlinge. In der Nacht schoß die Polizei, die die Flüchtlingsbaracken bewacht, auf eine Gruppe Flüchtlinge, unter denen ein Geräusch entstand. Sechs der Flüchtlinge wurden schwer verletzt, ein 12jähriger Knabe wurde getötet. Bestialische Greueltaten der Araber Einzelheiten über die barbarische Metzelei in Hebron. — Bei der Abwehr 30 Araber getötet — In Moza J e r u s a 1 e m, 29. August Die Juden aus Hebron, denen es gelang, nach Jerusalem zu flüchten, geben Schilderungen der entsetzenerregenden Vorgänge in Hebron. Den Schilderungen ist im einzelnen zu entnehmen: Am Freitag, den 23. August, bemächtigte sich der Judenheit in Hebron angesichts des Verhaltens des Pöbels schwere Sorge. Rabbiner Castel-Franco, eine der angesehensten Persönlichkeiten der palästinensischen Judenheit, begab sich zum Distriktschef, um von ihm den Schutz der jüdischen Gemeinde zu erbitten. Der Distriktschef erwiderte, man möge ruhig sein, zu Befürchtungen liege kein Anlaß vor. Um Yi4 Uhr nachmittags begannen die Tumulte. Die arabische Menge zog durch die Straßen, schlug in jüdischen Häusern die Fenster ein und griff die jüdischen Einwohner an. Während der Tumulte wurde Samuel Rosenholz getötet, ein zweiter Jude würde schwer verletzt. Schließlich gelang es der Polizei, die Menge zu zerstreuen. In der Nacht von Freitag auf Samstag war es ruhig. Am Samstag vormittags zogen Gruppen arabischen Mobs durch die Straßen. Die jüdischen Häuser waren fest verrammelt. Der Mob zerschlug die Taren und drang in die Wohnungen ein. Die männlichen Mitglieder . der Familie wurden mißhandelt, die Frauen verschleppt, Geld und Schmucksachen wurden mitgenommen. In dem Hause eines Juden, dem vor kurzem ein Bein amputiert wurde, griff der Mob die Tochter an. Als der Vater sich schützend vor seine Tochter stellte, stachen sie ihm die Augen aus, mißbrauchten die Tochter und schnitten ihr den Leib auf. Der hinzukommenden Tante des jungen Mädchens wurden mit einem Beil die Hände abgehauen. Der Rabbiner Haissun wurde von dem Araber Shedai, der bis zu diesem Tage sich als Freund des Rabbiners ausgab, ermordet. Shedai erbeutete 700 Pfund in bar und 700 Pfund in Wertsachen und steckte darauf das Haus in Brand. Rabbi Castel-Franco, der die vergeblich gebliebene Bitte zum Schutz der Gemeinde an den Distriktschef gerichtet hatte, wurde getötet. Seine Leiche wurde verbrannt. Geld und Wertsachen in Höhe von 4000 Pfund wurden bei ihm erbeutet. In einem anderen Hause erwürgten die. Huligans einen Jungverheirateten Juden, vergewaltigten seine Frau und schlugen seinem Vater, der zur Hilfe heraneilte, den Kopf ab. In der Nachbarschaft dieser Familie wurde ein Jude in der Weise getötet, daß man ihn an die Türpfosten band Und die Tür so lange aut' und zu schlug, bis das Opfer nicht mehr lebte. Der Schächtbeamte und Rabbiner Reismanri wurde ermordet, sein Leichnam wurde durch die Straßen*geschleift. Eine furchtbare Metzelei fand im Hause des»Direktors der Hebroner Agentur der Anglo-Bänc, Slonin, statt Slonin war ein Mann, der unter den Arabern ungeheure Popularität genoß. Als die Unruhen ausbrachen, versammelten sich in seinem Hause etwa 40 jüdische Männer, Frauen und Kinder, weil sie glaubten, in diesem Hause sicher zu sein. Die Eingänge zum Hause wurden stark befestigt^ Die Araber stiegen aufs Dach, sprengten diö Decke, brachen in das Haus ein und veranstalteten 4fein-:fürch-

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