Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 90 (5.9.1929)
- Date
- 1929-09-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 90 DIE STIMME Säte 3 Brillant-Feuerwerk «auf der holten Worte Für 4 Dolus-Buchstaben Sensoflons-Vorfcte-Vorstellimg, Drlliani-Feuerwerh Militärkonzert. Tortenwettessen, Schubkarrenwettlaufen werden am Samstag, den 7. September 1929, 7*4 Uhr nachmittags, auf der Hohen V^arte für Dolus-Buchstaben zu sehen sein. Fiir 41 Dolus-Buchstaben . . ein StfelaisBCfttf* Für » Dolus-Buchstaben . . ein Sllzplotz Dolus-Buchstaben sind eingelegt: In jeder Dose Dolus-Schuhcreme, in jeder Dose Dolus-Fußbodenpasta und in jeder blauen Packung Meta-Seifenpulver Wir haben es anders gewollt*) Von Dr. Osias Thon Abgeordneter zum polnischen Sejm und Mitglied des A. C. Es war ein Augenblick gekommen, wo sich der Genius der jüdischen Rasse gesagt hat: Es wäre wohl schon Zeit, der Welt eine neue Lehre und eine neue Tat zu geben. Vor tausenden von Jahren ließen wir es einmal von einem ganz kleinen Hügel her — Sinai nannten sie ihn — ein neues und überraschendes Wort erschallen: «Du sollst nicht morden!» Die verblüfften Völker glaubten an dieses Wort nicht. Was soll denn das für ein abgeschmacktes Leben werden, aus dem die eigentliche Würze, die richtige Emotion — das Morden, das Schwelgen im kochenden und brodelnden frischen Mensohenblute, verschwinden würde? Und so nahmen sie zunächst unsere Lehre nicht an und mordeten darauf los. Später, viel später erst, als sie wirklich nicht anders konnten, nahmen sie es an — das Sinaiwort, aber noch nicht gan-z, noch nicht mit ganzem Herzen. Sie machten ein Kompromiß mit dem Genius der jüdischen Rasse und sprachen zu ihm: «Nun wohl, zum Teile magst du recht behalten. Einzelniorde wollen wir aufgeben, verurteilen, verpönen, bestrafen, aber Massenmorde werden wir bis ans Ende der Tage betreiben. Wie soll es denn anders sein? Wir wollen doch Staaten erhalten, Staaten erweitern, Staaten gründen. Wie soll denn das ohne Mord geschehen? So soll es denn bleiben — der Massenmord soll gestattet, mehr; geboten, noch mehr: geheiligt sein. Dem Staate, das heißt: dem höchsten Gemeinwesen von Menschen, zum Ruhme und zur Ehre. Und die Völker lebten «an ihrem Schwerte», mit ihrem Schwerte, durch ihr Schwert. Sie lebten und starben. Sie blühten auf und kaum wollten sie etwas Ordentliches und Gutes schaffen, da sausten sie hin, getroffen mitten in die Brust von einem Schwerte, das stärker und schwerer und schärfer und spitzer war als ihr eigenes. So sanken die Völker hin, eines nach dem anderen. Keines konnte seine Tage und seine Aufgabe vollenden. Letztens aber war es so, daß sie beinahe alle zusammen verbluteten. Das Massenmorden ist .schon wirklich gar zu arg geworden. Und immer wieder droht es, sieh zu erneuern dieses furchtbare Morden. Immer wieder, wenn sie glauben, nicht anders ein hohes menschliches Gemeinwesen aufbauen und erhalten zu können als durch Blutvergießen. Da eben glaubte der Genius der jüdischen Rasse wieder einmal stark und entscheidend eingreifen zu müssen, wie einst unter einem Flammenmeer und Donnergeroll am Sinai. Das jüdische Volk sagte: Du sollst nicht morden. Auch nicht dem Staat zum Ruhme. Und ich will Euch-lehren, einen Staat, ein glücklicheres um) hochgestimmtes menschliches Gemeinwesen ohne Morden äufrichten, aufbauen . Das ist der historisch-ethische Sinn des Zionismus, als Lehre und als Tat. Das war der Kerngedanke der Deklaration, die ein ethisch hochgestimmter Mann dem Zionismus zum Geleit gegeben. Friedlich einen Staat bauen. Mit Schweiß, nicht mit Blut. Und wenn Blut, so doch das, welches die blinde Natur zur Bezahlung fordert, aber nicht Mensch von Mensch. Jedenfalls — wir werden keinen Tropfen fremdes Blut vergießen. Das war die neue Lehre und das sollte auch das neue Beispiel werden. Wir scheuten kein Opfer, um in Frieden zu bleiben. Wir kauften jeden Fußbreit Erde nach Goldgewicht, Wir wurden die Wohltäter derer, mit denen wir in brüderlicher Liebe, jedenfalls in ungestörtem Frieden, Zusammenleben wollten. Wir wollten ein Werk großer menschlicher Liebe und nicht neidvoller Massen schaffen. So bauten wir unser nationales Heim — offen vor aller Welt und anerkannt von aller Welt. Da kamen .sie, die Wilden, und störten und vernichteten unsere reine Lehre, unsere reine Tat. Die Wilden sagen: Wenn es um ein Gemeinwesen geht, dann soll Blut fließen. Entsetzlich, wie schwer das jüdische Volk und wie noch tausend Mal schwerer der Genius des jüdischen Volkes um seine Existenz, um sein Durchdringen, um seine Geltung kämpfen muß. Nichts kommt dem jüdischen Volke und jüdischen Geiste leicht an. Beide gehen sie jahrtausende lang durch die Geschichte, ringend und kämpfend um jeden Zoll Erde und um jedes Atom menschlicher Seele. Nun — unsere friedliche Arbeit wurde für einen Augenblick unterbrochen. Wir mußten uns wehren und mußten, was uns so weh tut, Blut — vergießen. Und da zeigte es sich: Nicht aus Feigheit suchen wir den #) Der Verfasser, der vorübergehend In Wien wellt, stellt uns diesen Aufsatz zur Verfügung- (Anm. d. Red.) Eine große Fremdenspraehettbucbhanaiung in Palästina sucht einen Geschäftsführer — gelernter Buchhändler bevorzugt, — Oarantlebetrag ca. 250 engl. Pfund erwünscht. Photographie und Referenzen unbedingt einsenden. Gell. Anbote an die Adm. der „Stimme“ unter Chiffre „Buchhandlung In Palästina". Frieden. Wir können auch dreinschlagen. Alt und jung war lebendiges Heldentum in der Gegenwehr gegen die Wilden, ln Erez-Israel blüht der bekannte Typus Jude, der Makkabäer heißt. Wir können kämpfen. Aber wir wollen ja nicht. Wir wollen ja nicht verkrümmen und verrenken die Geradheit zionistischer Reinheit, die Liebe lehren und Frieden bauen will, die in Wort und Tat ein neues Sinai der Welt schenken will. Das wollen wir und dazu brauchen wir die Hilfe der gistteten Welt, der ganzen gesitteten Welt. In dieser gesitteten Welt nimmt nun seit jeher einen hervorragenden Platz ein die englische Nation. Wird uns diese Nation verlassen mitten in unserem großen Sinaischwunge? Wir wollen nicht morden, aber auch nicht gemordet werden. Balfour-Deklaration und Palästina-Mandat haben diesen unseren Willen registriert und bestätigt. Wird England uns Wort halten? Ich glaube fest — ja!! Die Zionistische Exekutive protestiert gegen die Entwaffnung der jüdischen Polizei Die hebräische Universität ohne Schutz. — Ein Jude durch britische Polizei erschossen. London, 29. August. (J. T. A.) Dr. Weizmann hat vom Kolonialamt gefordert, daß schleunigst eine sichere Verbindung zwischen der Zionistischen Exekutive in London und der Jerusalemer zionistischen Exekutive hergestellt werde. Dem Verlangen Dr. Weizmanns ist entmm Ä/i sprochen worden. Dr. Weizmann erhielt vom Bureau der Zionistischen Exekutive in Jerusalem die folgende telegraphische Mitteilung: Die Jerusalemer Zionistische Exekutive hat bei der Regierung energische Vorstellungen gegen die Entwaffnung der speziellen jüdischen Polizei erhoben. Seitens der Behörden wurde erklärt, die Order, diese Sonderpolizei zu entwaffnen, stamme vom Armeekommando. Die Exekutive wandte sich sodann an das Armeekommando, weiches erklärte, der High Commissioner habe die Order zur Entwaffnung der jüdischen Polizei gegeben. Die Exekutive wandte sich dann nochmals an die Regierung und lenkte ihre Aufmerksamkeit darauf, daß die arabischen Stadtviertol Jerusalems über eine starke arabische Polizei verfügen, die diesen Vierteln einen sicheren Sohutz bietet. Dagegen sind die jüdischen Stadtviertel angesichts der Schwierigkeit, die notwendigen Polizeieskorten bei plötzlich auftretenden Unruhefällen zu erhalten, ohne genügenden Schutz und können eine spezielle jüdische Polizei absolut nicht entbehren. Auf diese Vorstellungen hin gaben die Behörden Antwort, es sei nach dieser Richtung nichts mehr zu machen, die Entwaffnungsorder sei definitiv. Dieser Bescheid der Behörde hat das Gefühl der Unsicherheit in den jüdischen Stadtvierteln Jerusalems erhöht. Besonders ist man um die hebräische Universität besorgt, die jetzt ganz ohne Schutz ist. Als bei Ausbruch der Unruhen am vergangenen Freitag die Regierung eine spezielle jüdische Polizei Aufstellte und bewaffnete, haben auch die Wächter der hebräischen Univeri sität Waffen erhalten; jetzt wurden auch diesen Wächtern die Waffen abgenommen. Wie rigoros die britische Polizei gegen Juden vorgeht, und wie notwendig eine spezielle jüdische Polizei ist, zeigt der folgende Fall: ein Jude wurde auf den Stufen vor dem Hause des Waad Hair (jüdischer Stadtrat) von einer britischen Polizeieskorte angerufen. Da er kein Wort englisch verstand, konnte er der in englischer Sprache an ihn gerichteten Aufforderung, stehen zu bleiben, nicht nachkommcn. Daraufhin wurde der Jude durch die Polizei erschossen. Die jüdischen Stadträte Jerusalems lehnen die Teilnahme an einer Stadtratssitzung ab . Jerusalem, 29. August. (J. T. A.) Der Gouverneur von Jerusalem, Major Keith Roach, hat den Versuch gemacht, eine Sitzung des Jerusalemer Stadtrates zu arrangieren, wobei es zu einer gemeinsamen Aussprache zwischen den jüdischen und arabischen Stadträten kommen sollte. Die jüdischen Stadträte lehnten es aber, ab, an einer solchen Beratung teilzunehmem, indem sie auf das Verhalten des arabischen Teiles des Stadtrates hinweisen. Von anderer Seite wird mitgeteilt, daß auch' die arabischen Führer einer Aufforderung der britischen Behörden, an einer Beratung mit Vertretern der Juden teilzunehmen, nicht nachkommen wollten. Ebenso hat der Großmufti das Ersuchen der Palästina-Regierung, sich persönlich in jene arabischen Dörfer, die Herde der Unruhen sind, zu begeben und die Araber zur Ruhe zu ermahnen, abgelehnt. Versöhnung? Jerusalem, 30. August. (J. .T. A.) In prominenten arabischen Kreisen machen sich Zeichen eines Versöhnungswillens bemerkbar. Im Hinblick darauf beschloß die Zionistische Exekutive Palästinas, den Waad Leumi damit zu betrauen, einen .Weg zu suchen, auf weichem ein Verständnis angebahnt werden kann. Der Waad Leumi erließ wiederum eine Proklamation, die das Ziel verfolgt, beruhigend auf die noch aufgeregte öffentliche Meinung zu wirken. Der Zwischenfall vom Donnerstag, bei welchem ein Araber durch Juden getötet wurde, hat sich so abgespielt, daß der Araber, der sich auf dem Wege zum deutschen Krankenhaus befand, mit einem .vorbeigehenden Juden Streit anfing und dann von der sich ansanwnelnden, aufgeregten Menge getötet wurde. - Vier jüdische Arbeiter, die 'beim Bau des Rockeleiler-Museums beschäftigt sind, "wurden von arabischem Pöbel angegriffen; die jüdischen Arbeiter, wurden durch 11 ihrer arabischen Arbeitskameraden aus den Händen des Pöbels gerettet. Die arabische Exekutive bei Chancellor •Jerusalem, 31. August. (J. ,T. A.) Während ln pn . minenten arabischen Kreisen sich Zeichen eines Am ' söhnungswillens bemerkbar machen, ist die arabische Exekutive in ihren Forderungen immer noch unnachgiebig. Die Exekutive hat um eine Unterredung mit dem Oberkommissar Sir John Chancellor ersucht; ihre Mitglieder werden heute oder morgen vom Oberkommissar empfangen werden. Jüdische fitem! Jiauft Schulbücher! für Eure studierenden Kinder im Antiquariat 3£ et mann {fuelknet Wien, II., Große Stadtgutg. 7, Ecke Taborstr. 52 Telephon Nr. R-41-4-20 Sehr mässige Preise, Verzeichnisse umsonst Btößtes JCager avxäJquav. üSlldkev