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Die Stimme · 1929-08-29 · Heft 89 (29.8.1929) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 89 (29.8.1929)
Date
1929-08-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 Demonstration in Warschau (Eigenbericht der „Stimme“.) Warschau, 25. August. Samstag nachts war hier das Hauptpostamt belagert von Personen, die Verwandte oder Bekannte in Palästina haben. Es wurden Hunderte von Telegrammen nach Palästina auf gegeben. In kurzer Zeit bildete sich ein Zug* der sich in der Richtung zur englischen Botschaft bewegte. Dort wurden Rufe laut, die das Verhalten der englischen Behörden in Palästina verurteilten. „Hatikwah“ wurde gesungen. Die Polizei zerstreute die Demonstranten. Von der Botschaft begaben sich die Demonstranten, die inzwischen durch eine Gruppe jüdischer Studenten verstärkt worden waren, vor das Gebäude des englischen Konsulates, das von der Polizei bewacht wurde. Abermals wurde „Hatikwah“ gesungen. Dann löste sich der Zug auf. Die Demonstrationen fanden statt um 10 und 12 Uhr nachts. Protesttelegramme der Warschauer jüdischen Gemeinde (Eigenbericht der „Stimme“.) Warschau, 26. August. Gestern wurde eine gemeinsame Sitzung des Präsidiums des Rates der jüdischen Gemeinden in. Warschau und des Präsidiums der Gemeindeverwaltung abgehalten, in welcher man sich mit den palästinensischen Geschehnissen befaßt hat. Es wurde beschlossen, zwei Proteettelegramme zu senden: an die englische Regierung und an den Völkerbund. Außerdem wurde beschlossen, ein großes Protestmeeting abzuhalten. Der jüdische Abgeordnete des amerikanischen Kongresses Celler fordert ein Eingreifen der amerikanischen Regierung Berlin, 26. August. (J. T. A.) Aus New York wird telegraphiert: Da das Staatsdepartement es bisher abgelehnt hat, in Palästina ehizuschreiten, weil keine amerikanischen Interessen bedroht seien, richtete Abg. Celler-New York einen Protest nach Washington, worin er auf die Ermordung von zwölf amerikanischen Studenten in Hebron hinweist und ausfährt, daß amerikanische Juden Hunderte von Millionen Dollar in Palästina investiert hätten, nachdem sie von England die Versicherung erhielten, daß die Juden geschützt würden. Celler fordert die Entsendung des Kreuzers «Raleigh», der sich augenblicklich in Europa befindet, außerdem diplomatische Aktionen bei den britischen Kolonialbehörden, damit sie schneller ausreichende Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Verluste an Leben und Eigentum treffen. Louis Lipsky verurteilt scharf die palästinensische Regierung London. (J. T. A.) In einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter erklärte Herr Louis Lipsky, Mitglied der Zionistischen Exekutive und Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, zu der Lage in Jerusalem: Es ist beschämend, daß gerade jetzt, nachdem der Zionistenkongreß seine gemäßigten Resolutionen zur Frage der Klagemauer angenommen hat, die Regierung Palästinas es zugelassen hat, daß wiederum Gewalt und Negierung des Rechts der Juden auf Freiheit der Andacht an ihrer heiligen Stätte Platz greifen. Es ist die elementare Pflicht der Palästinaregierung, nicht bloß als Schiedsrichter zwischen Arabern und Juden zu fungieren, sondern aktive und von Energie begleitete Schritte zum Schutze der durch uralten Brauch geheiligten jüdischen Rechte, an der Klagemauer zu beten, zu ergreifen. Dieser Mauerrest mit dem engen Pflaster davor ist die einzige jüdische heilige Stätte in Palästina, auf die sich die Gefühle der Juden in der ganzen Welt konzentrieren. Der jüdische Anspruch auf Freiheit der Andacht ist in keiner Weise offensiv gegen irgendeine andere Religion oder Rasse. Die seit der Verkündigung der Balfour-Dekiaration und der Veröffentlichung des Palästinamandates sich Großbritannien zuwenden Sympathien laufen Gefahr, durch die fortwährend stupide Haltung der palästinensischen Beamten verloren zu gehen. Amerika protestiert New York, 26. August. (Wolff.) 7000 jüdische Männer und Frauen, darunter Vertreter der zionistischen Vereinigungen und der jüdischen Kriegsveteranen, veranstalteten vor den Rathaus und dem britischen Konsulat eine Protestkundgebung gegen die Unruhen in Palästina. Die Demonstranten trugen Banner und Plakate mit Aufschriften wie: Amerika soll eingreifen! Wir verlangen eine jüdische Paläßtinapolizei! und ähnliche Aufschriften, worin angedeutet Wird, daß das Verhalten der engli- DIE STIMME sehen Beamten teilweise an den Unruhen schuld sei. Eine weitere Protestversammlung ist für abends geplant. Wer wurde verwundet? „Daily Telegraph“ wirft der Palästinaregierung Schwäche vor London. (J .T. A.) „Daily Telegraph“ widmet den Ereignissen in Jerusalem einen Leitartikel, in welchem gesagt wird, die Juden genießen seit tausend Jahren das Recht, an der klagemauer, ihrer einzigen heiligen Stätte, zu beten. Nie kam es unter der Türkenherrschaft zu einer Störung. Und nun muß man tief bedauern, daß sich unter britischer Autorität solche Tumulte ereignen konnten. Die Araber, heißt es in dem Artikel weiter, sind von Natur nicht intolerant, aber wie alle östlichen Völker nützen sie die Schwäche des Partners aus; und | Wie es Offizielle Erklärung der zionistischen Organisation über die Ereignisse an der Kiagemauer London, 20. August. Das Hauptbureau der Zionistischen Orgariisätion gibt zu den Ereignissen an der Klagemauer in Jerusalem die folgenden Tatsachen bekannt: Am Tischa b’Ab zögen jüdische junge Leute, von einer Polizeieskörte begleitet, zur Klagemauer. Dort wunde eine Resolution verlesen, in der gegen das Versagen der Palästina-Regierung in bezug auf den Schutz einer freien und ungestörten Andacht der Juden an der Klagemauer, wie sie durch das Palä-stina-Mandat garantiert ist, protestiert würde. Die Polizei war während der Verlesung der Resolution zugegen; die Resolution wurde auch ■ formell dem Chefsekretär der1 Regierung mitgeteilt. Die Kundgebung verlief ohne jeden Zwischenfall. Diese Demonstration'war — auf diese Feststellung wird besonderes Gewicht gelegt — das Ergebnis wiederholter Provokationen von der anderen Seite, und sie trug den Charakter eines statthaften Protestes gegen die Palästina-Regierung Wie auch' gegen die zionistischen Autoritäten'wegen ihres Versagens bei der Durchsetzung wirksamer Maßnahmen seitens der Regierung. ' ' Die Demonstration war in keiner Weise als ein Akt der Feindschaft gegen die Araber gedacht. :; Am folgenden Freitag, der ein moslemitisciier Feiertag war, hat die Regierung eine arabische Demonstration gestattet, obwohl vorher bekannt war, daß die Demonstranten die Absicht hatten, zur Klagemauer zu ziehen. Dies traf auch ein, wobei die Polizei sich als unfähig erwies, den Angriff zu verhindern. Die jüdischen Andächtigen mußten von der Andachtssfätte fliehen und der jüdische. Beamte an der Mauer wurde tätlich angegriffen und beleidigt Viele hunderte Araber strömten aus dem Haräm- oder Moschee-Gebiet herbei, wobei sich ein Teil derselben den Durchgang durch das kürzlich an der Mauer geöffnete Tor. erzwang. Die hebräischen Gebets- und Psalmenbücher wurden zerrissen, einige verbrannt Religiöse Dokumente, enthaltend Gebetutensilien, die in den Ritzen der Mauer untergebracht waren, wurden herausgenommen und verbrannt Während dieser Vorgänge hat die Polizei nicht eine einzige Verhaftung vorgenommen. Samstag früh, während die Juden .zur Saibbath- Andacht versammelt waren,.passierte ein geschlossener Zug der Araber den Platz vor der Mauer, wobei er das neue Tor an der Mauer als Durchgang; benützte. Obwohl die Polizei bestrebt war, den Verkehr zu regeln, gelang es den Arabern, die jüdischen Beter zu verdrängen und sie ln der Andacht zu stören. Erst um 11 Uhr vormittags, als die zionistische Exekutive neuerdings Vorstellungen bei dem zuständigen Regieruugsbeamten erhob, wurde dem Unfug durch die Polizei ein Ende bereitet. Das jüdische Empfinden, heißt es am Schluß der offiziellen Erklärung der Zionistischen Organisation, ist durch diese Ereignisse, sowie durch die aus dem Regierungs-Kommunique hervorgehende Tendenz, eine Analogie zu konstruieren, zwischen der arabischen Demonstration, die eine Entweihung der heiligsten jüdischen Andachtsstätte zur Folge hatte, und der Ausübung des traditionellen Rechtes der Juden, sich am Tischa b’Ab vor der Mauer zu versammeln, in eine tiefe Erregung versetzt worden. Die Anstifter protestieren (JCigenbericht der „Stimme“.) Jerusalem, 23. August. Die arab’sche Exekutive Palästinas hat dem stellvertretenden Oberkommissär Luke ein Memorandum überreicht, in welchem darüber Beschwerde geführt wird, daß die Regierung es Nt. m es ist schwer, der Palästinaregierung nicht Schwäche vorzuwerfen. Noch einige Resultate dieser Schwäche und ein Feuer religiösen Hasses wird entzündet werden, das nicht mehr zu löschen sein wird. Es darf erwartet werden, daß die Regierung die geeigneten Schritte ergreifen wird, um diese Gefahr abzuwenden und die alte Freundschaft zwischen Arabern und Juden die zum Gedejhen des Landes notwendig ist, herzustellen. Verwundete Jerusalem, 23 August. Unter den 21 verwundeten Juden, die zur Zeit der polizeilichen Attacke anläßlich des Leichenbegängnisses des Abraham Miadachi verwundet worden sind, befindet sich auch der Inspektor der misrachistischen Schulen Bemann, ein Beamter der Exekutive Braudo und einige sechzigjährige Greise. begann der jüdischen Jugend erlaubt hat, am letzten Donnerstag zu demonstrieren. Diese Demonstration, heißt es in dem Memorandum, hat GegendemonstraUonen der Moslemiten hervorgerufen, was zur Folge hatte, daß eine große Zahl Araber verletzt und 22 von ihnen verhaftet wurden. Die Regierung wird aufgefordert, jüdische Demonstrationen nicht mehr zuzulassen und für die Wiederherstellung der Ordnung zu sorgen. Protest (Eigenbericht der „Stimme“.) Jerusalem, 22. August. Eine Abordnung, bestehend aus Mitgliedern der Zionistischen Exekutive, des Waad Leumi und des Oberrabbinates, wurde vom stellvertretenden Oberkommissär H. G. Luke empfangen. Die Abordnung überreichte Herrn Luke ein Memorandum, in welchem gegen die Haltung der Regierung während der letzten Zwischenfälle an der Klagemauer protestiert wird. Die Mitglieder der Abordnung erklären, das von der Regierung erlassene Communique sei in der Mitteilung der Tatsachen ungenau und, in der Schlußfolgerung ungenügend. Gegen die Regierung wird der Tadel ausgesprochen, daß sie die arabischen Demonstranten nicht daran gehindert habe, sich auf dem Pflaster an der Mauer zu versammeln. Die Mitglieder der Abordnung teilten Herrn Luke mit, daß auch während des jüdischen Gottesdienstes an der Mauer am Sabbatmqrgen Massen von Arabern durch den neu hergestellten Durchgang an der Mauer den Platz betreten haben. Die Abordnung forderte die Regierung auf, die Schuldigen strenge zu-bestrafen. Der stellvertretende Oberkommissär, Herr Luke, sandte eine schriftliche Erwiderung auf die Erklärungen der Zionistischen Exekutive und der anderen nationalen Institutionen, in welcher 6r mitteilt, er habe zu der Erklärung vom Sonntag nichts hinzuzufügen: die Regierung habe ihr Statement über die Ereignisse am Freitag auf Grund der damals verfügbar gewesenen Informationen erlassen; zweitens wird die.Regierung die jüdischen Forderungen einer Erwägung unterziehen; drittens sei es notwendig, die aufgeregte Stimmung zu besänftigen, da sonst eine Lösung des Problems sich als unmöglich erweisen könnte. Das Klagemauer-Komitee appelliert an alle Völker der Welt Jerusalem. Das allpalästinensische Klagemauer-Komitee hat einen Appell an alle Völker der Welt gerichtet, hi welchem auf den unermeßlichen Wert der Westmauer des einstigen jüdischen Tempels für die Juden als ihr nationales und religiöses Heiligtum hingewiesen wird. In dem Appell wird des Bruches des Status quo am letzten Versöhnungstage, des neuerlichen Bruches des Status quo durch die Bauarbeiten und der Oeffnung eines Tores an der Mauer durch die Moslemiten, sowie schließlich der Zwischenfälle am neunten Ab und den darauffolgenden Tagen Erwähnung getan. Das Komitee appelliert an die «besten Männer aller Nationen», gegen die Entweihung der jüdischen religiösen und nationalen Gefühle zu protestieren und zu fordern, daß die Maurt den Juden, die sie mit ihrem Blute und ihren Tränen erkauft haben, zurückgegeben werde. Der Appell ist im Namen des Komitees von Professor Joseph Klausner unterzeichnet.

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