Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 89 (29.8.1929)
- Date
- 1929-08-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 89 DIE STIMME mters Bodenreserve ist die vom Könnet! und der jswish Agency anerkannte Forderung der Stande. Zionisten stellt Buch ln den Dienst des Keren Ke|emeth. Ruhiger! (Eigenbericht der «Stimme».) Jerusalem, 25. August. Nach den neuesten offiziellen Mitteilungen der Palästina-Regierung wird jetzt die Lage in Nablus und in Hebron bis zu einem gewissen Grade von der Regierung beherrscht. In Jaffa und in Tel Aviv ist die Stimmung unruhig, aber die Ordnung nicht gestört. In Haifa herrscht vollkommene Ruhe. Die Regierung gibt bekannt, daß bei den Kämpfen der Inspektor für Einwanderung Herr-Best, ein englischer Christ, getötet worden ist. Inspektor Best galt als einer der vornehmsten Beamten der Palästina- Regierung. Der Lage der Juden brachte er stets Verständnis entgegen. Zeitungen erscheinen nicht (Eigenbericht der „Stimme“.) Jerusalem, 25. August. Die Behörden erließen ein Verbot des Erscheinens aller Jerusalemer Zeitungen. Die Redaktionen und Druckereien wurden vom Militär und von der Polizei besetzt. Kommunisten agitieren (Eigenbericht der „Stimme“.) : Jerusalem, 25. August. Kommunisten verbreiten im ganzen Lande Flugzettel, in welchen sie die Bevölkerung aufwiegeln, damit sie sich gegen das britische Imperium erhebe. In den Flugzetteln wird behauptet, daß die Jerusalemer Massaker eine Folge der Schwäche der britischen Behörden sei. Die verbrecherische Agitation unter den Arabern hört nicht auf (Eigenbericht der „Stimme“.) Jerusalem, 25. August. Aus Hebron, Nablus und anderen Ortschaften ziehen in der Richtung gegen Jerusalem arabische Horden, um die „Stadt von den Juden zu befreien“. Emissäre setzen unter den Fellachen ihr verbrecherisches Handwerk fort und hetzen sie auf, damit sie sich nach Jerusalem begeben, um dort die Juden auszumorden. Englische Beamte getötet (Eigenbericht der „Stimme“.) Jerusalem, 25. August. Zwei englische Regierungsbeamte wurden getötet. Außerdem wurde ein hoher englischer Beamter, dessen Name geheimgehalten wird, schwer verwundet. 40 jüdische Tote bei dem Ueberfall in Hebron (Eigenbericht der „Stimme“.) Jerusalem, 25. August. Bei dem Ueberfall arabischer Banden auf die Jcschiwa in Hebron kam es zu erbitterten Kämpfen, in deren Verlauf 40 Juden getötet worden sind, darunter zwei Rabbiner. Außerdemwurden fünfzig Juden verwundet. Die arabischen Verluste sind unbekannt. Kriegszustand in Jerusalem (Eigenbericht der «Stimme».) Jerusalem, 24. August. Am Sonnabend, den 24. August, herrschte in Jerusalem bis in die Nachmittagsstunden hinein Ruhe. Stärkste Polizeitrupps und Panzerautos sorgen dafür, daß die Ordnung nicht mehr gestört wird. Ueber der Stadt und der Umgebung kreuzen Aeroplane, um zu beobachten, ob nicht Araber von auswärts in die Stadt ziehen, Die Regierung hat über die Stadt Jerusalem den Kriegszustand verhängt und die Zensur eingeführt. Die Zahl der arabischen Toten während: des gestrigen Gefechtes hat sich auf 16 erhöht. Die Zahl der verwundeten Juden ist größer, als früher angenommen wurde. Es wurde festgestellt, daß bei Beginn des gestrigen Kampfes die arabischen Polizisten von ihren Posten desertierten. Zurückgeblieben waren nur einige englische Polizisten, die zusammen mit den acht jüdischen Polizisten die Lage angesichts der andrängenden arabischen Massen nicht beherrschen konnten. Zwei jüdische Polizisten wurden in dem Kampfe verwundet. Allgemein herrscht die Ansicht vor, daß die Araber sich zu einem antijüdischen Pogrom von großen Dimensionen vorbereitet haben, und daß das Dazwischentreten einer organisierten jüdischen Selbstverteidigung ein noch weit größeres Unglück von der jüdischen Einwohnerschaft Jerusalems abgewendet hat. Die erregte Stimmung hält in Jerusalem an, es werden weitere Unruhen befürchtet. Ein Unglückstag in Jerusalem (Eigenbericht der «Stimme».) Jerusalem, 23. August. Der Freitag (23. August) war ein Unglückstag für Jerusalem. Als Resultat der seit mehreren Tagen von Agitatoren in den Jerusalemer Moscheen und in den Dörfern der Jerusalemer Umgegend betriebenen gefähr* liehen Hetze und der Ausstreuung der Legende, daß die Juden die Besitznahme der Klagemaucr und der Omar-Moschee durch Gewaltanwendung planen, haben sich im Verlauf des Freitag große Mengen Araber, die starken Zuzug aus der Umgegend Jerusalems erhielten, zu einem Angriff auf die jüdischen Viertel gesammelt Wahrscheinlich wurde der Freitag als Tag des Angriffes gewählt, well am Freitag abends der Hauptgottesdienst der Judenschaft an der Klagemauer stattfindet. Die Juden setzten sich beim Herannahen der Araber zur Wehr, auch die Polizei zeigte sich bemüht, den Ansturm der Araber abzuwehren. Es kam zu einem schweren Kampf zwischen Arabern und Juden, der zwei Stunden andauerte. Im Verlauf dieses Kampfes wurden neun Juden getötet Auf der Seite der Araber zählt man drei Tote, drei weitere Araber sind so schwer verletzt, daß sie mit dem Tode ringen. 107 Verwundete, unter ihnen 16 schwer Verwundete, werden auf beiden Seiten gezählt Unter den Verwundeten sind der bekannte hebräische politische Schriftsteller Ben Avi, früher Chefredakteur des «Doar Hayom», jetzt Redakteur des «Palestine Weekly», Sohn des berühmten hebräischen Sprachforschers Bon Jehuda (Verfassers des im Verlag Langenscheidt, Berlin, erscheinenden Monumentalwerkes «Thesaurus Ben Jehuda»), sowie der bekannte Orientscfariftsteller und Korrespondent der «Vossischen Zeitung» und der «Neuen Freien Presse», Dr. Wolfgang von Weisl. Dr. v. Weisl erhielt hinterrücks einen Messerstich in die Schulter. Seine Verletzung ist schwer, sein Zustand aber nicht bedenklich. Einem sehr großen Aufgebot an Polizei war es schließlich gelungen, die Kämpfenden zu trennen. Unter der Jerusalemer Judenheit herrschen tiefste Erregung und Trauer. Sämtliche Läden und Bureaus wurden zum Zeichen der Trauer und des Protestes geschlossen. Auch auf der Seite der Araber ist die Erregung groß. Hunderte Polizisten sowie Panzerautos durchstreifen die Straßen. Berittene Polizei hat sämtliche Zugangsstraßen nach Jerusalem wegen des befürchteten weiteren Zuzuges von Arabern gesperrt. Schon in der Nacht von Mittwoch, den 21., zu Donnerstag, den 22. August, zogen hunderte Araber aus der Gegend um Jerusalem gegen die von Juden bewohnte Vorstadt Yerain Moshi. Nach Mitternacht begann der Angriff auf die Vorstadt. Die Polizei, die rechtzeitig von dem beabsichtigten arabischen Angriff benachrichtigt worden war, erschien überraschend in der Vorstadt Die Araber zogen es aber vor, den Kampf mit der Polizei gar nicht aufzunehmen; sie ergriffen die Flucht, es konnte keiner von ihnen festgenommen werden. Bis Freitag 12 jüdische Tote in Jerusalem Jerusalem, 24. August. (J. T. A.) Im Verlauf des zweistündigen Kampfes zwischen Arabern und Juden in Jerusalem am Freitag, den 23. August, wurden 12 Juden getötet Auch die arabischen Verluste sind höher als anfänglich angenommen wurde. Massen von arabischen Fellachen waren aus der Umgegend von Jerusalem in die Stadt gezogen und unternahmen mit Hilfe von Jerusalemer arabischen Nationalisten Angriffe aüf die neuen jüdischen Viertel. An den kritischen Punkten stellten sich ihnen die Juden geschlossen entgegen, wodurch verhindert wurde, daß die Zahl der Opfer noch großes werde. Die außerordentliche Sitzung der britischen Regierung London, 26. Auigust, (J. T. A.) An der der Lage in Palästina gewidmeten Sondersitzung des britischen Kabinetts nahmen außer dem Ministerpräsidenten Macdonald der Marineminister Alexander, der Kriegsminister Tom Show, der Luftverkehrsminister Lord Thomson, der Lordpräsident des Geheimen Rates, Lord Parmoor, teil. Allgemeines Aufsehen erregt es, daß Marquis of Reading, der frühere Vizekönig von Indien, der Kabinettssitzung beigewohnt hat. In Londoner politischen Kreisen betont man, daß England dem Völkerbund gegenüber verpflichtet sei, für den notwendigen Schutz aller Teile der Bevölkerung und der Ausländer im Mandatsgebiet in vollstem Maße Sorge zu tragen. Die englischen Zeitungen, die die J. T. A.-Nachrichten über Palästina an bevorzugter Stelle bringen, tadeln die von der früheren englischen Regierung befolgte Politik, Palästina Immer mehr von Streitkräften zu entblößen. Die Zeitungen fordern die schleunigste Entsendung genügender und für die besonderen Verhältnisse des Landes geeigneter Streitkräfte zur schnellen Unterdrückung des Aufruhrs. Eine Beratung im Kolonialamt (Eigenbericht der „Stimme“.) London, 25. August. Gestern abends fand hier im Kolonialamt eine besondere Sitzung statt, zu der Lord Reading zugezogen wurde, welche sich mit den blutigen Kämpfen in Jerusalem befaßte. Es wurden neue Instruktionen an die Palästinaregierung gesendet. Ein hoher Ministerialbeamter begibt sich heute im Flugzeug nach Palästina, um di$ Lage im Lande kennenznlernen. Im Außenministerium herrscht große Unruhe infolge der palästinensischen Ereignisse. Es werden Stimmen laut, daß die Mandatarmacht an der Katastrophe schuld ist, indem sic die Araber bevorzugte. Englische Staatsmänner verlangen von der Regierung, daß sie die Garantie für die Sicherheit der Jerusalemer Juden übernehme. Die Empörung der englischen Juden (Eigenbericht der „Stimme“.) London, 24. August. Der Präsident der Anglo-Jewish’ Association Sir Montefiore und der Präsident des Board of Deputies d‘Avigdor Goldschmidt veröffentlichen in der „Times“ einen offenen Brief, in dem sie im Namen, des englischen Judentums die Empörung infolge der Jerusalemer Ereignisse ausdrücken. Als englische Staatsbürger verlangen sie von der britischen Regierung, daß sie den Juden vollständige Freiheit bei dem Beten an der Klagemauer gewähre, ohne irgend welche Beschränkungen in Uebereinstimmung mit dem Palästinamandat. Die Straßendemonstration in New York New York, 24. August. (J. T. A.) Dis Nachricht von den Jerusalemer Ereignissen rief in hiesigen jüdischen Kreisen eine ungeheure Empörung hervor. Gewesene jüdische Legionäre, welche in Palästina gekämpft haben, bereiten in Gemeinschaft mit Revisionisten und den, Organik sationen Hakoah und Brith Trumpeldor eine große Demonstration auf den Straßen New Yorks vor. Heute wurden in den New Yorker) Synagogen besondere Gebete gesprochen für'diejenigen* - die in den letzten Tagen in Jerusalem gefallen sind. Die Rabbiner hielten Trauerreden. Amerikanische Poale Zion telegraphieren an die Labour Party New York, 24. August. (J. T. rA.) Das Zentralkomitee des Poale Zions in Amerika richtete an die englische Labour Party ein Telegramm mit dem Protest gegen die letzten Ereignisse in Palästina. Im Telegramm wird der Empörung Ausdruck gegeben wegen des Verhaltens der britischen Administration im Lande, wie auch der Enttäuschung, daß die brüderlichen ^^^Hschen ^Arbeiterorganisationen bisher, keine Zwischen den Zeilen Mut! Das, ist der. einzige Lichtstrahl in diesen finsteren Tagen: Selbstschutzl ' V ln Palästina finden keine, Pogföffie istatt Es tobt dort ein schwerer Kampf mit feindlicher, Uebermacht. ln Palästina lassen sich die Juden nicht abschlachten: sie wehren sich und ihr. Werk bis zum letzten Tropfen ihres Blutes. Das ist der. einzige Lichtstrahl in diesen finsteren Tagen. Tränen, Zorn, Wut und — Mut. Kampf bis zum Aeußersten. Denn unser Volk will leben, stolz und frei. Daher scheuen seine Söhne auch den Tod nicht Wir, die wir ferne sind, und zur Ohnmacht verurteilt, wir, die wir zitternd und bebend der Hiobsnachrichten harren, wissen sollen wir, alle und fäkten und glauben: Nicht untergehen werden wir, sondern überdauern}. Unsere Avantgarde in Palästina wird den Anprall Zurückschlagen! Juden der ganzen Welt werden ihre Arbeit, ihre Opferbereitschaft für, ihr Land, ihre Heimat, versiebenfachen! , Ei lebt das jüdische Volk! 'Am 'Jtsräejt cHdf! Im Blute wälzt es sich. Und vom eigenen Blute schöpft es neues Leben!, i * B&—damohchajl / < b