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Die Stimme · 1929-08-22 · Heft 88 (22.8.1929) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 88 (22.8.1929)
Date
1929-08-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nf. poHUk müsse die faapttaftstiscfie Wirtschaft awgeschtossen werden. Den natürlichen Weg für die weitere Besiedlung Palästinas siebt Reines in der Einwanderung von 30.000 Jeden und der Anstellung von 2000 Familien jährlich. Schiplafcoft, der bekannte amerikanische Arbeiterführer, stellt sich der Tagung nicht so sehr als ameriekanhdier Nichtzionist wie als amerikanischer Nicht-Poalezlonlst vor. Fast eine Million organisierter jüdischer Arbeiter in den Vereinigten Staaten sind gewillt, am Aufbau Palästina® mitzuwirken. Dr. Daiches: Die Reden, die an dieser ersten Agency-Tagung gehalten werden, beweisen, daß alle einig sind In dem großen Streben, Zion aufzuibauen. Nicht 95 Prozent des jüdischen Volkes stehen unserer Idee fern, wie Lewin gemeint hat, sondern 95 Prozent stehen ihr nahe. Aber es sei eine starke Agency notwendig, um noch weitere Teile des Judentums aufzunebmen. Richter Lewis führt aus, die amerikanischen Zionisten begrüßen die Jewish Agency, weil sie wissen, wer sie macht. Wir brauchen die Agency, damit Palästina rasch erbaut wird. Genug der Theorien und der Diskussionen. Unsere Losung muß von jetzt ab sein: gemeinsame Arbeit. Hermann Struck wendet sich an die Tagung im Namen des Misrachi, der von Anfang an für die Erweiterung der Jewish Agency, allerdings auf dem Wege eines jüdischen Weltkongresses, für Erez Israel eingetreten sei, und spricht den Wunsch aus, daß alles geschehen werde, um den baldigen Beitritt auch derjenigen jüdischen Gemeinschaften in die Agency herbeizuführen, die ihr heute noch nicht angeschlossen sind. Weizmann erklärt, er wolle, da er zum ersten Male in seinem Leben keine Antwort auf Oppositionsreden geben müsse, nur einige Unklarheiten richtigstellen. Dr. Frankel habe seiner Ansicht nach die Corporation, auf die auch er großen Wert lege, keineswegs als Konkurrenzunternehmen gegenüber dem Keren Hajessod und dem Keren Kajemeth gemeint. Er wolle aber doch ganz klar folgendes sagen: Landwirtschaftliche Kolonisation ist zwar selbst nicht rentabel und muß mit öffentlichen Geldern durchgeführt werden, aber sie schafft die Vorbedingungen für rentable Unternehmungen. Der Keren Hajessod und der Keren Kajemeth, sowie die Aulbauarbeit der jüdischen Pioniere, haben der Privatinitiative und dem Kapital, das sich vor unbebautem Land fürchtet, überhaupt erst den Weg gebahnt Nun haben aber private Korporationen in Palästina, wie die Erfahrung gezeigt hat, nachdem die nationalen Fonds alle Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt haben, es als ihr Verdienst hinstellen wollen, die Sache business-ii'ke gestaltet zu haben. Dieser Gegensatz darf nicht bestehen, und er wolle daher, daß die Corporation in das allgemeine Gebäude, das heute besteht, eingegliedert werde. Auch Erziehung und Gesundheitswesen, deren Kosten ebenfalls der Keren Hajessod bestreitet, sind nicht rentabel in kaufmännischem Sinne, aber notwendig und rentabel in der Perspektive für die Zukunft Wir müssen anstreben, daß der jüdische Bauer denselben Lebensstandard erreicht wie ein schwäbischer oder holländischer Bauer. Schon heute nimmt der jüdische Arbeiter in Erez Israel eine moralische Position ein wie in keinem anderen Lande der. Welt, und diese Position muß aufrecht Erhalten werden. Wieviel die Agency von der Palästina-Regierung erreichen. werde, könne er nicht sagen. Eines aber sei klar, daß die Agency Ussischikin unid dem Keren Kajemeth ermöglichen müsse, große Bodenflächen zu erwerben. Die erste Tagung der Jewish Agency dürfte erreicht haben, daß die zionistischen Freunde weniger Furcht und die njchtzionistischen größere Kenntnis von den Problemen und Schwierigkeiten bekommen haben. Man hat sich gegenseitig kennen gelernt. Louis Marsha 11 verliest einen Antrag, der von einigen Rabbinern eingebracht wurde, und wie folgt lautet: «Die Jewish Agency hat ihren Zweck nicht ganz erreicht, so lange noch ein großer Teil des jüdischen Volkes außerhalb steht. Dieser Zustand ist auch bei der Eröffnung von verschiedenen Seiten zum Ausdruck gebracht worden. Wir beantragen deshalb, daß sofort eine Kommission gewählt werden soll mit der Aufgäbe, zu versuchen, mit der Agudath Jisrael und allen anderen Organisationen, die jetzt außerhalb der Agency sind, in Verhandlungen zu treten und jede Anstrengung zu machen, den Organisationen den Eintritt in die Jewish Agency zu ermöglichen.» Züricher Beratung des American Joint Distribution Committee Zürich, 16. August. (J. T. A.) Die Fülnrer des American Joint Distribution Committee, die Herren Felix Mv Warburg, James N. Rosenberg und die Direktren des Joint—Werkes in Europa unter Führung von Herrn Dr. Bernhard Kahn hielten in Zürich eine interne Beratung ab, in der die aktuellen Fragen des jüdischen Hilfs- und Aufbauwerkes in den europäischen Ländern besprochen wurden. DIE STIMME Oskar Wassermanns Bugdetrede {Eigenbericht der «Sfiramef i)j * - Zürich, 14. August. In der Nachmittagssitzung von Dienstag, den 13. August, die von Leo Motzkiü geleitet wurde, hielt Direktor Oscar Wassermann (Berlin) eine großangelegte Rede zur Begrüßung des Vorschlags der Budgetkommission. Die Kommission, sagte er, hat eben das vom XVI. Zionistenkongreß verabschiedete Budget für das Jahr 5690 durchgesehen. Dieser Voranschlag enthält Positionen in bedeutender Höhe, die sich aus der Abwickelung der bisherigen Geschäfte und aus dem Umstande ergeben, daß in den vergangenen Jahren sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben, insbesondere durch die Wirtschaftskrise in Palästina in den Jahren 1926/27, nicht in Uebereinstimmung mit den Budgetvoranschlägen gebracht werden konnten. Es kommt hinzu, daß sich die nichtzionistischen Mitglieder bei der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit über die Abgemessenheit und Notwendigkeit einzelner Ausgabeposten noch kein sicheres Urteil bilden konnten. Die nichtzionistischen Mitglieder der Budgetkommission schlagen daher vor, die Ausgabenzusammenstellung, wie sie das Budget des Zionistenkongresses enthält, ohne sich damit im einzelnen zu identifizieren, als Grundlage für die Geschäftsbehandlung des nächsten Jahres anzunehmen. Vor Ablauf des Jahres soll das Administrative Committee auf Grund der gesammelten Erfahrungen und einer sorgfältigen Kontrolle aller tatsächlichen Ausgaben ein eigenes Budget der Jewish Agency für die Zukunft ausarbeiten. Die zionistischen Mitglieder schließen sich diesem Anträge an. Er muß indessen jetzt schon bemerkt werden, daß auch in die zukünftigen Budgets, verteilt über die nächsten fünf Jahre, noch notwendigerweise Ausgabeposten in Höhe von zirka 450.000 Pfund aufgenommen werden müssen, die sich aus der Abwicklung bestehender Verpflichtungen ergeben. Was die angenommene Einnahme von 750.000 Pfund für das Jahr 5690 betrifft, so ist die Budgetkommission der Meinung, daß diese Summe nicht nur erreicht, sondern überschritten werden kann, wenn die Juden der Welt die Bedeutung des Aufbauwerkes in Palästina für das ganze Judentum erfassen.. Mit Mehreinnahmen können dann neue Kolonien in Angriff genommen werden. Wir haben die Hoffnung, das Budget durch eifrigse Arbeit, für den Keren Hajessod in allen Ländern zu vergrößern. Dieses Budget sieht bereits für landwirtschaftliche Kolonisation eine Summe von 204.000 Pfund an Stelle von 85.000 Pfund im vorangegangenen Jahre vor. Wir waren uns darüber einig, daß die mit großer Arbeitsleistung und genauer Vorbereitung aufgesteilte Rechnung der Zionistischen Organisation von uns tatsächlich so behandelt werden soll, als ob das Budget auch für uns aufgestellt worden wäre, .wobei es selbstverständlich noch Vorbehalten ist, im einzelnen Aenderungen und Verschiebungen vorzunehmen, wie es die praktischen Erfordernisse verlangen. Die Jewish Agency nimmt das vom 16. Zionistenkongreß beschlossene Budget an (Eigenbericht der «Stimme».')' Z ü r i c h, 13. August. Am Dienstag, den 13. August, nachmittags, hielt der Council der Jewish Agency eine kurze Sitzung ab, die in der Hauptsache der Beratung und der Annahme des Budgets der Jewish Agency gewidmet war. Nach einer großangelegt^j und vielbeachteten Rede vom Direktor Oskar Wassermann (Berlin) hat der Council das vom 16. Zionistenkongreß beschlossene Kolonisationsbudget für das mit dem 1. Oktober 1929 beginnende und mit dem 30. September 1930 endende Arbeitsjahr in Höhe „ von 750.000 Pfund einstimmig angenommen. Der Beschluß bezieht sich nur auf ein einziges Budgetjahr, da die Nichtzionisten sich bezüglich des Budgets des zweiten Arbeitsjahres der erweiterten Jewish Agency eventuelle Abänderungen, beziehungsweise Erhöhungen, Vorbehalten. Direktor Oskar W a s $ e r m a n n, der die Budgetvorlage im Namen des Budgetausschusses begründete, führte aus, die vorliegende Budgteziffer sei das Minimum dessen, was für die unmittelbare Arbeit notwendig ist. Man muß es möglich machen, daß diese Budgetziffer überschritten wird, und daß das zukünftige Budget eine höhere Ziffer für neue Kolonisation aufweist. Es werde alles geschehen, um die Eingänge zu steigern. Wenn die Jewiek Agency zunächst das "Seife* Bridge* der Zionistischen Organisation einfach übernommen habe, so sei man sich doch im Budgetausschuß klar gewesen, daß in der nächsten Zeit zur Abwicklung bestehender Verpflichtungen eine Summe von etwa 450.000 Pfund, verteilt auf fünf Jahre, notwendig sein werde. Der Posten für landwirtschaftliche Kolonisation ist schon in dem Budget des kommenden Arbeitsjahres zweieinhalbmal so groß wie im vorigen Jahre. Der Oberrabiner Immanuel Löw und Fischer antworten den ungarischen Mauscheln Zürich, 14. August. {J. T. A.)' In der Montagsitzung der Jewish Agency erklärte Oberrabbiner Immanuel Löw {Ungarn), zwei hervorragende Abgeordnete in Ungarn {Sandor und Desi)] hätten behauptet, daß er hier nur als Person erscheine, aber nicht die ungarischen Juden vertrete. Demgegenüber stelle er fest, daß er im ungarischen Oberhaus zusammen mit Oberrabiner Reich die ungarischen Juden und bei dieser Versammlung den ungarischen Verein Pro Palästina vertrete. Er halte es für ein Zeichen naiver Verblendung, wenn man es mit dem ungarischen Patriotismus für unvereinbar erkläre, sich um die Angelegenheiten des Gesamtjudentums zu kümmern. Die Agency sei dazu berufen, alle Schattierungen des zeitgenössischen Judentums wiederzuspiegeln und sie gleichzeitig zu einer neuen Einheit zu verschmelzen. Oberrabbiner Dr. Fischer {Budapest)] erklärte: Ich komme aus Ungarn, aus dessen Hauptstadt Budapest, aus dem Geburtslande und der Geburtsstadt der beiden Schöpfer des modernen Gedankens von Erez Israel: Herzl und Nordau. Ich trauere darüber, daß diese beiden Männer diese Tage nicht erleben durften. Jeder von uns liebt sein Vaterland, auch ich liebe mein Vaterland, ganz besonders heute, da es zerschmettert im Staube liegt und sich in seinen Schmerzen windet. (Protestruf Dr. Fildermanns, daß die Politik in die Debatte gezogen wird.)] Ich Will keine Politik treiben, nur sagen, daß eine der größten jüdischen Gemeinschaften dem Gedanken des Zionismus und der Jewish Agency verständnislos gegenüber steht. Das Dornröschen Jüdenheit muß geweckt werden. Ich beantrage, an sämtliche .Gemeinden der Welt einen Aufruf zu richten, sich’ an dieser Arbeit zu beteiligen. Eine Ehrung Einsteins in Zürich Zürich, 16, August. [(J. ,T.!A.)j Das Komitee, jüdischer Aerzte in Amerika, das die Aufgabe übernommen hat, eine medizinische Fakultät an der Hebräischen Universität in Jerusalem .einzurichten, veranstaltete in Zürich ein Bankett zu Ehren von Prof. Albert Einstein. Das Administrativ© Committee Der Council wählte ein Administrationskomitee, bestehend aus 20 Zionisten und 20 Nichtzionisten. Präsident des Administrative Committee ist Felix M, Warburg. Eine Exekutive der Agency wurde nicht gewählt, es wurde beschlossen, vorläufig die Exekutive der Zionistischen Organisation zu übernehmen. Innerhalb von sechs Monaten soll die Zahl der Mitglieder der Zionistischen Exekutive durch das Administrative Committee bestimmt werden. Die amerikanischen Nichtzionisten werden, so heißt es, einige hervorragende Fachleute in die künftige Exekutive delegieren, die ihren Sitz in PalästinaJhaben wird. Sitzung des Zionistischen A. C. Z ü x i c h, 16, August. j(J. X. A.)] Das Aktions- Komitee der Zionistischen Organisation hielt feine kurze Sitzung ab, in der administrative und finanztechnische Fragen, insbesondere Fragen des zionistischen Budgets zur Behandlung kamen. Ferner wurde die Frage der Leitung des Haifaer Technikums erledigt Gleichzeitig hielt die Bankkpmmission eine Sitzung ab. Dem Aktions-Komiteegehören außerdenbereits genannten Mitgliedern, die gleichzeitig Mitglieder des zionistischen Teils des Council der Jewish Agency sind, auch noch die folgenden Vertreter der Zionisten-Revisionlsten an, die laut Beschluß ihrer Partei dem Council nicht angehörens Meir Gro&man- London, Richard Lichtheim-Berlm, Dr. S. Soskin-Tei- Aviv. Stellvertretende A. C.-Mitglieder aus der Partei der Revisionisten sind: Dr. I. Hoffmann-Rigä, J. Klinew-Berlin, Dr. Abraham WeinschaU-Harfa. Weizmann und Marshall nocH in der Sfcfiweiz Z ü r i c h, 18. August. {J. T. A.)] Prof. Weizmann hat sich zur Erholung nach Wengen im Berner, Oberland begeben, Louis MarshaH, den die j strengenden Sitzungen der letzten Woche stark ermüdet haben, muß einige Tag« das Bett hüten, jton die Ermüdung rascher zu überwinden, '

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