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Die Stimme · 1929-08-22 · Heft 88 (22.8.1929) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
2 (1929)
Issue
Heft 88 (22.8.1929)
Date
1929-08-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. ■ .; . WB'SIWE Uottem ur« o Mw» ni«B ¥•• i tätlich?#n 2 bi* 4 Ubr lMsIllMnr Utb*m*ct«*n<Je Aaskatt ft rikanhchcn Juden teilgenommen haben. Der Entwurf wunde auch vom Ziorcistenkongreß akzeptiert, der einige kleine Aenderungen vorschlägt, und ich bin überzeugt, daß eine Einigung in dieser Versammlung leicht erzielt werden wird. Der Zionistenkongreß hat vor einigen Tagen mit einer überwältigenden Mehrheit den Beschluß gefaßt, die Erweiterung der Jewish Agency, deren höchstes Organ bisher der Zionisten- Kongreß war, im Sinne des erwähnten Verfassungsentwunfes durchzuführen. Meine Damen und Herren 1 Ich darf wohl aussprechen, daß wir alle, die wir uns hier versammelt haben, zusammengekommen sind, mit dem Wunsche nach aufrichtiger und ehrlicher Kooperation. Wohl zerfällt diese Versammlung in zwei Hälften, die in ihrer Struktur sehr verschieden sind, aber wir sind überzeugt, daß gegenseitiges Vertrauen und die Praxis gemeinsamer Arbeit an einer uns allen teuren Sache diese Verschiedenheiten überwinden werden. Wir haben diese erweiterte Jewish Agency gegründet in dem Bewußtsein, daß wir als freie und gleichberechtigte Männer hier Zusammenkommen, daß unsere Partnerschaft auf gegenseitigem Respekt beruht. Fragen der Gesinnung und geistige Entwicklungen lassen sich durch organisatorische Formen und Statuten nicht regulieren. Was wir hier regeln können und wollen, ist ein System praktischer Arbeit zur Erreichung bestimmter praktischer Zwecke. Wir haben die Hoffnung, daß diese gemeinsame Arbeit auch vereinigend wirken wird und den Ausgangspunkt bilden für eine große, neue Einheit in Israel, eine Einheit, die beruht auif. gemeinsamer Verantwortung, gemeinsamem Werte und, ich darf wohl sagen, . gemeinsamer Liebe zum Judentum, das vielleicht der eine so, der andere anders interpretiert, das sich aber in dem, was wir in diesen Jahren erleben, wieder erweist als die große, königliche Lebensmacht, der wir alle demütig und treu dienen wollen. Möge das, was wir hier schaffen, dem jüdischen Namen zur Ehre gereichen und ein Segen sein für die künftigen Geschlechter. In diesem Sinne glauben wir, daß der heutige Tag, der 5. Ab 5689, als historischer Tag in den Analen' der jüdischen Geschichte verzeichnet bleiben wird. Ich erkläre die konstituierende Versammlung des Cottncrls der Jewish Agency für Palästina für eröffnet. Albert Einsteins Rede. Professor Albert Einstein hielt die folgende Ansprache an die Mitglieder der Jewish Agency: [Wir alle fühlen, daß wir heute einen großen Tag erleben, und ich möchte nichts anderes, als bloß sagen, worin ich die Größe dieses Tages sehe. Ich sehe die Tragik des modernen Juden darin, daß er wohl eine Nation repräsentiert, aber ein Nation, welche atomisiert ist. Der einzelne Jude ist vereinsamt und leidet die Not der Vereinsamten. Diese Not hat sich zu einer tragischen Situation gestaltet. Wie sollte aber ein Ausweg geschaffen sein, ohne daß man zur Errichtung eines eigenen Heimes kommt? Der, welcher es klar, mit voller Klarheit, gesehen hat, war Herzl. (Stürmischer, sich immer, wieder erneuernder Beifall.) Was er gesehen hat, war so einfach, und wir aJfe haben ihn doch nicht verstanden. Denn nur ein kleines Häuflein von Männern hat sich um ihn geschart. Er sah, daß ein gemeinsames Wenk nur möglich sei, wenn Sich das Volk selbst jene Gemeinschaft schaffen kann, [welche die Vereinsamung des Individuums aufzuheben imstande ist. Er sah auch mit dem sicheren Instinkt des politischen Geistes, daß dieses Werk nichts anderes sein konnte, als der Aufbau Palästinas. Alle von uns Sahen das nicht, Fast nur Juden haben ihn bekämpft, und In der Angst, ihre bescheidenen Positionen in ihren iWohnländern zu verlieren oder zu gefährden. Herzl wußte, daß dem nicht so war, und fing mit einem kleinen Häuflein Getreuer das schwierige Werte an, [welches zunächst vom politischen Gesichtspunkte unmöglich schien.! In diesen Tagen aber sehen wir, daß Herzl gesiegt hat Wir. sehen, daß alle Juden eingesehen haben, daß er die Erlösung gebracht hat. Und das wollen wir mit vollem Herzen anerkennen und uns vor ihm neigen. (Stürmischer Beifall.) Eben-so wollen wir anerkennen, daß ein großer Teil der Schwierigkeiten, die sich auf dem Wege, den Herzl wies, türmten, unserem großen Führer Weizmann zu überwinden beschieden war. Wir dürften auch nicht vergessen, daß der Palästina-Aufbau nicht nur eine große Aufgabe für alle Juden, sondern, daß di:se Aufgabe auch ein großes Geschenk bedeutet. Das verdanken wir nicht nur den beiden großen Führern, sondern auch der tapferen und begeisterten Minorität, welche sich Zionisten nennt. Wir alle anderen müssen dessen eingedenk sein, daß wir diesen Männern unsere nationale Solidarität zu verdanken haben, und ich glaube, wir sollen dessen auch eingedenk sein, daß sie ein moralisches Recht haben, auch in Zukunft bedeutenden Einfluß auf die Arbeiten, die wir leisten wollen, 2ü üben, (immer wieder sich erneuernde begeisterte BetfaMsstihme.) Schalom Ascfn Ansprache. In der. feierlichen Eröffnungssitzung des Councils der Jewish Agency am Sonntag, den 11. August, in der Züricher Tonhalle, hielt der repräsentative jüdische ’ Dichter Schalom Asch ln jiddischer Sprache eine Ansprache, die auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Der Dichter führte aus: Geehrte Versammlung! In einer Stunde schwerer Not haben Sie, geehrter Herr Präsident, in eine Über alle vier Winde verstreute Masse voll Verzweiflung gerufen: «Wo bist du, jüdisches Volk?» Die Versammlung, die heute tagt, sie hat, so glaube ich, die Antwort gegeben: Hier sind wir! (Beifall.) Auch alle die, zu denen der Ruf noch nicht gedrungen ist, auch sie sind hier. Doch nicht nur wir, das jüdische Volk der heutigen Generation, sind in diesem Saale versammelt, sondern auch das jüdische Volk aller Generationen. Das große Martyrium der jüdischen Geschichte weilt heute hier mit uns und ruft nach Lösung. Der neue Aufbau von Erez Israel wird wie ein Lichtstrahl auf unsere lange, blutige Vergangenheit zurückgeworfen und er wird unseren Leiden einen Sinn geben. Unser uralter Trotz gegen eine ganze Welt wird nunmehr verstanden werden und seine Berechtigung erhalten. Unsere Tat wird unserer Märtyrer ,Tod noch einmal heiligen. Das Wunder der Vereinigung des ganzen jüdischen Volkes konnte nur durch die Kraft der alten Heimat Israel geschehen. Wir1 sind eht Volk, verbunden durch die Kette der Leiden. Erez Israel jedoch ist die erste Freude, die uns eint (Beifall.) So seien denn die Hände gesegnet, welche diese Freude schufen, bedankt die Kräfte, die uns diesen Trost gebracht! Mir ist die Ehre zugefallen, in dieser historischen Versammlung Fürsprecher für den elendesten und ärmsten Teil des jüdischen Volkes zu sein — für die iMMUMUP' m in größter Auswahl und erprobten Qualitäten im SHmiDiwapeiihäus .fllpiia* nur Wien l.y Adlergasse 8 jüdische Armut in Polen, Für andere kann Erez Israel vielleicht geistigen Luxus bedeuten, für die Juden Polens ist es blutige Notwendigkeit (Lebhafte Zustimmung.) Mit Hungeraugen blicken sie auf uns, die wir hier versammelt sind, in bebender Erwartung, daß wir ihnen ein Stück Boden unter den Füßen schaffen, mit pochendem Herzen horchen sie dem, was in diesem Saale geschieht. Wenn ich meiner Meinung Ausdruck , geben darf, so muß diese Versammlung nicht nur des; Landes gedenken, sondern — das in erster Linie — des Volkes. Es geht nicht bloß um den Aufbau von i Erez Israel, sondern um den Attfbaei des jüdischen Volkes durch Erez Israel. (Be&faJL) Erez Israel hat den Hunger nach Boden in den jüdischen Massen geweckt. Er maß nach Möglichkeit gestillt werden. Wohl überlegt muß jeder Klafter Bodens ausgenützt werden, tun einen hungrigen jüdischen Mund, zu sättigen. Kein Luxusort für Reiche und kein Winterurlaubsquartier soll Erez Israel werden, sondern ein wohnlich Dach für die jüdischen Massen. Wir hoffen, daß in. den Bergen und Tätern, die unsere Ahnen bewohnt, wiederum das Licht fruchtbarer Arbeitstage für die Armen aufgehe, und daß aus ihren bescheidenen Heimen am . Abend der Friedensschein der Gerechtigkeit strähle. In jenen Zelten, da aus. Erez Israel die Lehre von dein einzigen Gott ausging, welche die Weit von dem Elend des Götzendienstes erlöste und die Grundlagen unserer modernen Zivilisation schuf, in jenen Zelten waren Erez Israels Beige und Täler von einer armen, aber arbeitsfrohen Bevölkerung besiedelt, die ein bescheidenes, doch reines und sittliches Leben führte. Meiner Meinung nach ist eine der Hauptursachen für das Winken jener großen sittlichen Kraft, die bis in unsere Tage reichend, das heutige Antlitz der Welt formte, m der sittlichen Lebensauffassung der Bevölkerung von Erez Israel zu suchen. Um daher Erez Israel für die große Aufgabe geeignet zu machen, die wir und die ganze Welt von dein der Menschheit heiligen Lande erwarten, genügt nicht der bloße Aufbau des Landes, sondern dieser Aufbau muß auf gerechten sozialen Fundamenten erfolgen, damit jene ethische Sphäre gebildet werde, in der einzig und allein unser jüdisches Volk leben und sich entwickeln kann. Denn nur als Gemeinschaft freier Menschen kann das jüdi- I sehe Volk existieren. Selbst in den schlimmsten Zeiten seiner düstere» Vergangenheit konnte das jüdische Jiidisdte ittesnl Kauft fdtuWüdket? für Eure studierenden Kinder im Antiquariat Xe*mann (FucÄmter Wien, II., Große Stadtgutg. 7, Ecke Taborstr. 52 Telephon Nr. R-41-4-20 Sehr mässige Preise, Verzeichnisse umsonst Größtes Satter anHquar. (BM&ker Volk niemals Sklave sein. Denn das höchste Gut, welches die Gattung Mensch sich so schwer erkämpft hat, die naturgegebene Freiheit, sie Wurde uns als Gesetz unseres Lebens zuteil. So kann denn Erez Israel nur durch freie Juden entwickelt und zur Blüte gebracht werden. Die bescheidenen Wünsche, die ich hier zum.Ausdruck gebracht habe, möchte ich mit einem Zitat aus unserem Gebetschatz schließen. Gar manches Gebet, gar manche Stelle unseres Schrifttums ist durch die neue Judensiedlung in Erez Israel wieder zum Leben erwacht und neu erhoben und beseelt worden. Hier denke ich an jene erhabene Gebetstelte, welche unsere Chaluziim, unsere Pioniere, zu einem Tanz gewandelt haben; sie lautet: «Reinige unsere Herzen, dir zu dienen in Wahrhaftigkeit!» In diesem Augenblick großen Geschehens wollen wir die Unterschiede der Klassen, der Parteien und Gruppen, in die wir geteilt sind, vergessen und einzig und allein vor Augen eine arme, jüdische Masse haben, welche nach dem Quell lechzt, nach dem Boden von Erez Israel strebt, und das verdorrte Land, das sehnsüchtig nach seinen Juden ruft! Nahum Sokolows Rede. Die Rede, die Nahum Sokolow. in der feierlichen Eröffnungssitzung der Jewish Agency gehalten hat, lautet im wesentlichen: Herr Präsident, geehrte Versammlung! Die Weiteren unter; Euch werden sich vielleicht einer alten Sitte unter den Juden erinnern. Unsere Eltern haben nach dem Versphnungstag, nachdem man das Fasten, die Kasteiungen, die Zerknirschung und die längen. Gebete dieses Tages überstanden hatte, einen bescheidenen Bissen zu sich genommen und sind dann in den Hof hinausgegangen, um die Pflöcke für die Sukkah einzuschlagen. Ich hatte diesen Ekidrnck heute, nach dem gestrigen Tag und der gestrigen oder den heutigen Näch-t. Wir schlagen tatsächlich die Pflöcke ein, um die; Sukkah zu machen, und die Sukkah begrüßt man imt «Sukkah Schalom»; sie ist das Symbol des Friedens, wie diese große Sukkah hier, die Sukkah des Friedens. Das Wort, daß diese Versammlung eine historische sei, ist mir unangenehm. Auf einer historischen Versammlung sagte man nie früher: das ist eine historische, Versammlung. Der zukünftige Historiker wind es, so hoffe ich, sagen. Wir haben uns unter der, Fahne von Erez Israel vereinigt. Wir Zionisten sind hierher gekommen, nicht gegen Herzl, sondern, mit Herzl. Unsere Organisation ist in die Jewish Agency e Inge treten mit all dem, was Ussischkin so schön dargesteHt hat. Wir bringen eine Mitgift mit und ein großes Vermögen in dem Symbol Herzl. Aber wir vereinigen uns hier unter der Fahne von Erez Israel. Er.cz Israel ist immer im jüdischen Volk ein einigendes Moment gewesen. Damit soll nicht gesagt sein, daß nicht unsere alte Religion auch ein einigendes Moment ist und daß es nicht wichtig ist, sie zu kräftigen. Aber das allein genügt nicht. Erez Israel ist ein großes Moment. Und als solches wird es im ganzen Judentum, von den Falaschas in Abessinien bis zu den Ma rannen in Portugal, von* den extremen Reformrabbinern Amerikas bis zu den Wunde rrabbis in Galizien anerkannt. Die Aufgabe unserer Freunde, der Nichtzionisten, ist es, Realitäten zu schaffen. Wir alle wollen es. Ein guter Anfang ist da. Aber vergessen wir nicht, die Realität allein genügt nicht. Erhalten wir die große Legende Erez Israels. Der Galil ist ein Psalm, eine jüdische Kolonie ist ein Kapitel Ruth. Keren Hajessod und Keren Kajemeth sind das Buch Esra und Nehemia. Jerusalem ist das Schir Haschirim. Die Bibel lebt, sie wird zur Realität, aber nicht nur Realität, sondern eine ideale Realität. Träumer sollen wir sein. Das ist das Schöne an uns. Wir, die wir Praktiker, Rechenmeister und Krämer, geschimpft werden, sind die großen Idealisten der Welt geworden. Dieser Tag ist ein Tag, den Gott schafft. Es gibt einzelne Tage, die mehr schaffen als lange Zelten ln der Geschichte der Menschheit, Wes ist einer, der großen Tage. Wir sölten uns freuen, wie Juden sich freuen. Wir haben eine besondere Art, uns zu freuen. Wir begeistern uns, dann werden wir nüchtern, dann zanken wir uns. Aber heuen wir uns unserer Einigkeit (Stüanfecbsfc Beitati.) -•

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