Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 2 (1929)
- Issue
- Heft 87 (15.8.1929)
- Date
- 1929-08-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 87 mH STIME Sette V Mr. Marshall bezeichnet eis den Zweck dieser außerordentlichsten Versammlung, r.n der et je teilgenommen habe, die Vereinigung der Zlonsten und Nichtzionisten für den Aufbau Palästinas herbeizuführen. Er sei davon überzeugt, daß bei allen Meinungsverschiedenheiten als Ergebnis der Organisierung der erweiterten Jewish Agency Palästina aufgebaut werden wird. Das noch vorhandene Mißtrauen werde schwinden, wenn man sich gegenseitig kennen lerne. Auch wenn jede Partei durchaus berechtigt seä, nach ihrer Art zu wirken, so «se! es doch die Hoffnung aller, daß eine Verbindung eintreten wird, sobald man mit der praktischen Arbeit beginne. Die Zeit des Träumens ist vorüber. Setzen wir -uns daher zusammen, aber nicht um zu reden, sondern um praktisch zu denken. Dieses Programm wird zum Erfolg führen, wenn man von der Einigung zwischen Zionisten und Nichtzionisten auch keine Wunder erwarten darf. Wenn man v-on Palästina spricht, soll man geschäftlich sprechen im Sinne eines Durchschnittsmenschen, der vorwiärtskamimen wiW. Es sei aber ein Fehler, wenln man in den Amerikanern nur Geldsäoke sehe. Ihr Wohlstand lcdiigflich verpflichte sie als Juden, ihren Brüdern zu helfen. Aber Geld kann nicht alles tun, und wir steh-en Schulter an Schulter mit den Zionisten, geleitet durch das gleiche Ideal der Pflicht und geeint durch die staatsmiänmische Kunst Dr. Weidmanns, det das Problem und die Psychologie des amerikanischen Judentums verstand. Marshall weist weiter auf d-ie Bedeutung auch der Religion im Aulbauprogramim hin und gibt, indem er auf den bevorstehenden neunten Absatz Bezug nimmt, seiner, Hoffnung Ausdruck, daß ein Tag der Freude kommen werde, an dem wir alle verstehen1, daß wir ein Volk sind und uns in einem Geiste vereinen; P r o f e s s o r E i n s t e i ff sieht die Tragik des modiemem Juden darin-, daß er wohl eine Nation repräsentiere, aber eine Nation, die atomisiert ist. HerzI habe den Ausfw.eg aus dieser tragischen Situation erkannt, nämlich die Errichtung eines eigenen Heimes. So kflar aber dieser Gedanke war, er wurde von den 'Juden nicht verstanden und bekämpft, weil man fürchtete, er -könne die Positionen der Juden in den Wohnländern gefähnd-en. Und heute sehen wir, daß Herzl gesiegt hat. Einen großen Teil dler Schwierigkeiten, die sich der Verwirklichung seines Zieles entgegensetzen, hat unser großer Führer Weizmann überwunden. Wir dürfen nicht vergessen, daß der Palästinaaufbau heute nicht nur eine große Aufgabe, sondern auch ein großes Geschenk für alle Juden bedeutet. Der tapferen und begeisterten Minorität der Zionisten, der die nationale; Solidarität dbs ’ jüdischen Volkes zu verdanken1 ist, müsse daher das moralische Recht eingeräumt werden, auch in Zukunft einen bedeutenden Einfluß auf die Arbeiten auszuüben. Lord Melchett begrüßt die Tagung als Präsident der englischen zionistischen Föderation. Er sage offen, daß das Mandat noch nicht verwirklicht worden sek er hoffe aber, daß die erweiterte Jewish Agency einen stärkeren Einfluß in dieser Richtung werde ausü-ben können. Den Optimismus von Sir Herbert Samuel in bezug auf die politische Lage an Palästina könne er nicht teilen, und er sei überzeugt, daß die Errichtung des nationalen Heims einzig und allein von uns selbst abhängc. Die Vorbedingung für diese wohl schwerste Aufgabe ist die Einigkeit innerhalb der Jewish Agency. In der aus dem Weltkrieg hervorgegangenen Möglichkeit, Erez Israel wieder au errichten, sieht Melchett keinen Zufall, sondern eine göttliche Fügung. Er hofft, daß die. unnützen Redensarten von Zionisten- und Niohitzicnisten verschwinden -und es nur noch die gemeinsame Arbeit alter Juden für den- Aufbau. Palästinas geben wird. L £ o'n Blum erklärt, daß er als Sozialist der heutigen Tagung nicht beiwohnen würde, wenn das zionistische Werk wirklich1, wie manche behaupten, nichts anderes w-äre als der Ausdruck des jüdischen Nationalismus und Fanatismus. Denn der internationale Sozialismus strebe danach, die Nationen in einer höheren Menschlichkeit zu vereinen. Nun sehe er aber gerade im jüdischen Gemeinwesen in Palästina, daß unter dem Schutze aller anderen Nationen und des Völkerbundes steht, die Antizipation der kommenden internationalen Nation. Palästina kann e?n wunderbares Versuchslaboratori-um für alle Reformen sein, die den Weg der Revolution der Weltwirtschaft bezeichnen. Es darf aber kein theoretisches, sondern muß -ein. nach demokratischen Grundsätzen aufgebautes Palästina werde**, dessen Arbeiterorganisationen allmählich die politische Macht übernehmen. Auch wenn er es für nützlich halte, daß Palästina sich gewisse Formen des modernen Kapitalismus nutzbar mache. Um sein Ziel zu erreichen, muß Palästina aber auchdie öffentliche Meinung auf seiner Seite haben, -und diese wird vonzwei Gruppen von Menschen gebildet: von denen die denken, und von denen die arbeiten. Tn diesem Sinne begrüßt Blum auf dler einen Seite den größten Denker der Gegenwart Prof. Einstein und auf der anderen die sozialistische Arbeiterorganisation Palästinas, die er als eine wertvolle Gewähr d'aililr bezeichnet, daß die palästinensische Anbeiteibewegung eine bedeutsam* Rolle bei der Verwirklichung der ZieHe des ibternaftonalem Sozialismus spielen wird. D’A vlgdor-Gotdsmld, der Führer der bri- . ochen Delegation der Nichtzionisten, spricht der Weisheit und Großzügigkeit dler zionistischen Organisation 'und -ihrer Führer die höchst* Anerkennung aus. EndDehi finde fitfe Arbeit, die sie dutdl <Se ednreaaHetf Jahre allein habe leiten müssen, d$e Anerkennung det jüdischen Gesamtheit, die durch die heutige [Tagung ihre Antwort auf die Einladung Wetemanns zur Mit« arbelt gebe. Die erweiterte Jewish Agency werde, da der Beschluß des Board of Depttttes einstimmig gefaßt wurde, die überwältigende Mehrheit auch det englischen Juden hinter sich habe, die ihre Verantwortung als Staatsbürger der Mandatarmacht für die Verwirklichung des Mandates m würdigen verstehen und bereit sind, am wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau des Landes mitzuarberten, Direktor Oskar Wassermann' begrüßt die Tagung im Namen der nlchtzionistischen deutschen Delegation, hinter der zwar noch nicht alle deutschen Juden, aber ihr größter [Teil stehen. Er weist darauf hin, daß die Nichtziomisten viel mehr mitbrin-gen als Geld, nämlich ihr moralisches Gewicht, Verständnis für die Bedürfnisse Palästinas und vor allem die jüdische Einheit und Einigkeit, Auch di* Nichtzionisten wissen, daß Fortschritte nur erzielt werden können, wenn die Jugend mit uns Ist, und sie werden nicht zulassen, was den Enthusiasmus der jüdischen Jugend lähmt. Der Jischuw in Erez Jsrael darf nicht das Objekt, sondern muß das Subjekt unserer Tätigkeit sein, wie ja die Juden überhaupt durch den Palästin-aaufbau zum ersten Male wieder Subjekt ihrer eigenen Geschichte werden. Felix Warbu-rg spricht seine Zuversicht aus, daß in der Jew-ish Agency die Juden, aller Schattierungen Ihre Differenzen beiseite lassen und in Einigkeit Zusammenarbeiten werden. Das Werk wird gelingen-, WUMMM'1 in größter Auswahl und erprobten Qualitäten im Gummiwapenfiaus .Alpha' nur Wien l.y Adlergasse 8 wenn man aufhören wird, zuviel ziu beobachten und zu kritisieren und anifangen wird, mehr zu arbeiten. Er empfindet den heutigen Tag als ein persönliches Glück undverspreche alles, was in seün-eir Kräften steht, zum Erfolg der gemeinsamen Sache m tun. Der Dichter Sc h al am A sc h feiert den heutigen Motkem — Sichere Beteitigaag der SpraehetScaiig, Ueberraecbende Erfolge, zahlreiche Anerkeanencaechremea. Dr. b Ltar. wtM V» Mlfterstefc 4. Freie Aaakoaft tiflkh -en 2 bla 4 Unr Tag ais den erstem, an dem das jüdische Totk steh nicht in Trauer, sondern in Freude und zur, Zusammenarbeit an einem schöpferischen Werbe zusammtenifindet. Die heutige Tagung, die voh jüdischen Vertretern aller Richtungen beschickt ist, sei die deutliche Antwort an Professor Weizmann, der vor einigen Jahren die Frage stellte: jüdisches Volk, wo bist du? Ussischkin wendet sich am heutigen Tage, an dem die dritte Epoche der jüdischen Renaissancebewegung beginne, ei’ngeleitet dunch ihren Schöpfer Chaiim Weizmann, an die Nichtzionisten und fordert sie auf, mit den Bausteinen, die die Zionisten ihnen mitbringen, der Balfour-Deklaration, der Chaluzbewegung, über eine Million Dunam jüdischen Boden, über 100 jüdische Kolonien, einer lebenden hebräischen Sprache, der, . hebräischen Universität und dem Enthusiasmus der jüdischen Welt, Palästina aufzubauen. Sie sollen aber schnell bauen, weil wir keine Zeit haben zu warten und auch nicht warten wollen. Er wünscht dein Menschen mit den grauen- Haaren, die hier anwesend sind, daß sie noch die Zeit erleben, da Palästina aufhört Palästina zu sein und Erez Jsrael wird. In seiner Schlußansprache führt N a h u m Sokolow, der Präsident der, Zionistischen Erekutive, aus, er habe heute Reden von Nichtzionisten gehört, die beim Zionistischen Kongreß hätten gehalten; werden sollen. Wir betrachten die Nichtzionisten, als Zionisten. Ihre Aufgabe müsse es sein, mitzuarbeiteni an dem Bau der großen Suikkah, die ein Symbol des Friedens ist. Unter der Fahne von Erez Jsrael werde ein Brith Schaiom geschlossen. Und. auch unsere alte Religion bildet ein einigendes Moment. Die Zionistische Organisation bringt ein großes Vermögen im Geiste Herzls mit. Wir müssen nun gemeinsam Realitäten schaffen: müssen aber auch Träumer sein. Die Opfer, die .gerade die Juden Amerikas ohne Gegenleistung füt Erez Jsrael bringen, 'beweisen, daß wir Juden, die als Praktiker, Rechenmeister und Krämer himgesteHt werden, die größten Idealisten geworden sind. Sokolowl schließt mit d-er Aufforderung, daß alle sich heute als -Juden freuen1 soll ton, weil dieser, Tag mehr schaffe als lange Zeiten in der Geschichte. Nach der Wahl emies LegitimationsausschusSes zur Prüfung der Mandate aus den Mitgliedern Cyrns Adler, Gromemaiwi, Berl Locker, Max Schulmann, Lasky und Ader schließt Präsident W,e izmair n kurz nacfrsec&s Uhr die Sitzung. Mit dem stehend gesungenen Lied «Hafikwaittv ging die erste Versam;m'un-g des Councif jder JewüSüi Agency zu- Ende. heilbar Die Beratungen der erweiterten Wahl des Präsidiums —. Weizmann referiert — Eine Million Dollar gespendet— Reden von Fränkel, Warburg, Löw Auf Vorschlag von Dr. Weizmann, der die Sitzung eröffnete, wird Louis Marshall zum Präsidenten, L o r d Melchett zum .Vizepräsidenten der Tagung gewählt. . Hierauf referierte Dr, Weizmann über die Grundprobleme der Jewish Agency, wobei er zum Teil auf den Bericht der SurveyrCornmission zurüokgreift. Hinschtlich der politischen Vorbedingungen, weist Dr. Weizniann darauf hin, daß die Palästmaregierung bis heute kein* Ländereien für jüdische Siedlungen zur Verfügung gestellt hat und das Land zu hohen Preisen gekauft werden muß. Wir fordern daher eine Beschleunigung der Katastrierung, damit wir Gewißheit haben, ob uns Ländereien überhaupt zur Verfügung gestellt werden können. Die Beisan-Böden, die von Sir Herbert Samuel den Arabern zur Verfügung gestellt wurden, sind von diesen bis heute kaum bearbeitet worden. Es muß daher eine Vereinbarung mit den arabischen Besitzern getroffen werden, damit ein Teil dieser Ländereien für jüdische Kolonisation frei wird. In letzter Zeit trägt zwar die Regierung einen Teil des Budgets des jüdischen Erziehungswesens, aber durchaus nicht in genügender Weise. Und auch im Gesundheitswesen trägt sie nur indirekt zu den Ausgaben bei, obwohl auch die Survey-Commlssion das Gesundheitswesen als eine Aufgabe der Regierung betrachtet. In der Stärkung der jüdischen Industrie sind einige Fortschritte, speziell auf dem Gebiete des Zoll- und Tarifwesens erreicht worden, bei ausgiebigerer Unterstützung durch die Regierung dürfte man eine weit größere industrielle Entwicklung in Palästina erwarten. Die Verhandlungen mit der Regierung werden oft dadurch erschwert, daß die Regierung mit fertigen Verordnungen oder Gesetzesvorschlägen kommt. Eme engere Zusammenarbeit der Regierung mit uns würde die Arbeit wesentlich erleichtern. Unter den praktischen Arbeiten der Jewish Agency hebt Dr. Weizmann die Schaffung geschlossener jüdischer Siedlungen in Palästina hervor. Auch die Zionistische Organisation ging nach der Balfour-Deklaration von demselben Gedanken aus, so daß heute im Emek und in der Gegend um den Tiberias-See, sowie an der Küste die Hauptpunkte der jüdischen Kolonisation liegen. Es bedarf nur verhältnismäßig wenig Bodens, um diese Gebiete zu einem großen Ring jüdischer Siedlungen zusammenzuschließen. Da wir notgedrungen die Gebiete, wo wir kolonisieren wollten, nicht kannten, well es an einem Programm auf lange Sicht fehlte, arbeitete unsere kolonisatorische Tätigkeit gegen uns, indem sie die Preise im umliegenden Gebiete in die Höhe schnellen ließ. Die notwendigste Tat der Jewish Agency muß daher die Schaffung einer Bodenreserve seih, die dem jüdischen Nationaffonds zur Verfügung zu stellen ist. Da die landwirtschaftliche Kolonisation die Basis der Kultur ist und die Grundlage unseres ganzen Lebens in Palästina die Schaffung eines starken jüdischen Bauernstandes ist, ist die Landwirtschaft unsere entscheidende Aufgabe. In einem kleinen Land wie Palästina ist es wesentlich, auf den Gebieten, wo eine Siedlung möglich ist, das Maximum von Menschen anzusiedeln. Hierfür kommt in erster Lnie die Küste in Betracht, da sie fruchtbar ist, und die Palästina-Orange, die immer größeren Absatz findet, dort gedeiht. Heute strömt feine große Menge jüdischen Kapitals in diese Gegend, Diese kapitalistische Ausbeutung muß aber in Einklang gebracht werden mit der Notwendigkeit, die Küste mit jüdischen Bauern dicht zu besiedeln. Dr. Weizmann bedauert, daß in diesen blühenden Gebieten heute nicht jüdische Arbeitskräfte verwendet werden. Einmal widerspreche dies unserem Streben, möglichst viele Juden ins Land zu bringen, und zum anderen beeinträchtigt dies unsere Forderungen gegenüber der Regierung, in den öffentlichen Unternehmungen jüdische Arbeiter anzustellen. Der Weg zur Lösung <Sese$ Problems ist, in allen jüdischen Kolonien, jüdische Arbeiter anzusiedeln und sie in die Lage zu versetzen, mit dem